Dr. von Ehrenwall’sche Klinik
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Die im Jahr 1877 gegründete Dr. von Ehrenwall’sche Klinik in Ahrweiler ist ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie. Ihre Aufgabe ist es, die psychiatrische Akutversorgung für den Landkreis Ahrweiler sicher zu stelen. Überregional arbeitet sie im Sinne einer integrativen Psychotherapie, die, der speziellen Fragestellung des Patienten entsprechend, tiefenpsychologischanalytisch oder verhaltenstherapeutisch ausgerichtet ist. Daneben werden Tanz- und psychodramatische Gruppentherapie, katathymimaginative Psychotherapie und die Therapie mit posttraumatischer Belastungsstörungen angeboten.
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Anschrift und Lage
Walporzheimer Straße 2
Bad Neuenahr-Ahrweiler (Stadtteil Ahrweiler)
Geodaten: 50.539663 N, 7.091407 O
Kontakt
- Telefon 02641 3860
- Fax 02641 37166
- E-Mail info@ehrenwall.de
Träger
Dr. von Ehrenwall’sche Klinik Marx GmbH & Co. KG
Leitung
- Ärztlicher Direktor: Dr. med. Christoph Smolenski
- Chefärzte:
- Dr. med. Christoph Smolenski
- Dr. Susanna Smolenski
Bettenzahl
- Abteilungen Psychiatrie I und II: 150 Betten (3-Bett-, 2-Bett- und 1-Bett-Zimmer)
- Abteilung neuropsychiatrische Rehabilitation: 50 Betten (Einbettzimmer)
- Tagesklinik: 20 Plätze
Gründung und Entwicklung[1]
Die Frage, warum Carl von Ehrenwall seine Klinik ausgerechnet in dem verschlafenen Rotweinstädtchen Ahrweiler gegründet hat, wird wohl immer sein Geheimnis bleiben. Nach der Schulzeit in Ahrweiler und Neuss, wo er wahrscheinlich erste Kontakte zur Psychiatrie hatte, studierte er in Würzburg Medizin und promovierte dort.
Als 22-Jähriger gründete er die Klinik in Ahrweiler, zunächst in den Gebäuden des späteren Weingutes Schäfer in der Oberhutstraße der Altstadt. Da diese Gebäude zu klein wurden, begann Carl von Ehrenwall, der ab 1880 die alleinige ärztliche und wirtschaftliche Verantwortung des jungen Unternehmens übernommen hatte, den Neubau der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik vor dem Obertor. Sukzessive kaufte er Land auf und baute ein Gebäudeteil nach dem anderen, wie es bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Klinik möglich war.
Die Lage der Klinik in unmittelbarer Stadtnähe war zur damaligen Zeit ungewöhnlich, entspricht jedoch damals wie heute in idealer Weise den Forderungen einer gemeindenahen psychiatrischen Versorgung der Bevölkerung.
Von Ehrenwall führte in seiner neuen Klinik alle modernen Therapiemethoden ein und war seiner Zeit sicherlich in vielem voraus: Er richtete eine Kunst- und Ergotherapie ein, eine Sport- und Bewegungstherapie und führte die Patienten in die umgebende Landschaft zur Terraintherapie. Seine Vorliebe für innovative Technik war offenbar außerordentlich: Er richtete eine eigene elektrische Versorgung ein, als es diese in der Stadt Ahrweiler noch nicht gab. Er brauchte sie, um zahlreiche elektrisch betriebene Therapiemethoden zur Anwendung bringen zu können. Außerdem versorgte die elektrische Energiezentrale über Jahre die Stadt Ahrweiler und die Elektrische gleislose Bahn Ahrweiler GmbH zwischen Ahrweiler und Neuenahr mit Strom. Er stellte die Energie- und Wasserversorgung der Klinik auf eigene Füße. Wie viele andere psychiatrische Kliniken, richtete er eine eigene Landwirtschaft ein, so dass die Klinik über viele Jahrzehnte von eigenen landwirtschaftlichen Produkten leben konnte.
Die beiden Weltkriege überstand die Klinik unter wirtschaftlich schwer belasteten Bedingungen. In beiden Kriegen diente sie als Lazarett. Im zweiten Weltkrieg wurde in den letzten Kriegsmonaten ein Gebäudeteil, das „Schlösschen“, von Bomben zerstört, zahlreiche Patientinnen und Mitarbeiter fanden dabei den Tod. Der Ersatz dieses zerstörten Gebäudeteiles konnte erst in den 70er Jahren vollzogen werden - die moderne Schlösschenklinik beherbergt heute die geschützte und Aufnahmestation für Frauen.
Die Klinik, die zunächst ausschließlich privat zahlende Patienten behandelte, schloss bereits 1913 einen Vertrag mit der damaligen Reichsversicherungsanstalt für Angestellte und behandelt seit diesem Zeitpunkt bis heute Patienten in Rehabilitationsverfahren.
Um den sich ändernden und wachsenden Anforderungen der modernen Medizin gerecht zu werden, wurde die Klinik ab 1972 modernisiert. Kurz vor dem 100-jährigen Bestehen der Klinik im Jahr 1977 war ein Erweiterungsbau mit Bettenstationen, Hallenbad und Sauna fertiggestellt worden. Es folgten Sporthalle sowie Bau und Ausbau weiterer Klinikgebäude und -villen. Nach der Ersteigerung des ehemaligen Hotels "Alte Mühle" im Jahr 1994 wurde dort bis 1999 eine Tagesklinik mit Wohnanlage errichtet.
1972 war Ehrenwall in den Krankenhausbedarfsplan des Landes Rheinland-Pfalz einbezogen worden. Doch den überwiegenden Teil der finanziellen Aufwendungen bestritt das Unternehmen unter der Leitung von Smolenski weiterhin aus selbst erwirtschafteten Mitteln.
1972 wurde die Klinik in den Landeskrankenhausplan des Landes Rheinland-Pfalz aufgenommen und steht seitdem der akuten Krankenhausversorgung gesetzlich versicherter Patienten offen. Anfang der 1990er Jahre übernahm die Klinik im Rahmen der Psychiatrieplanung des Landes Rheinland-Pfalz die Pflichtversorgung für den Landkreis Ahrweiler.
Mit der Übernahme der regionalen Pflichtversorgung errichtete die Klinik eine Tagesklinik im Haus Mühle. Ca. 40 Ärzte, Psychologen, Sozial- und Ergotherapeuten und fast 80 Pflegekräfte betreuten 2002 die Patienten, denen auch eine Psychiatrische Institutsambulanz zur ambulanten Behandlung zur Verfügung steht. Insgesamt beschäftigt die Dr. von Ehrenwall’sche Klinik im Jahr 2002 ca. 260 Mitarbeiter und ist damit größter Arbeitgeber im Ortsteil Ahrweiler.
Mediografie
- Marianne Smolenski: Hundert Jahre Dr. v. Ehrenwall'sche Klinik, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1979
- Heike Wernz-Kaiser: 125 Jahre Dr. von Ehrenwall’sche Klinik in Ahrweiler, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2003, Ahrweiler 2002
- Doris Pfaff: Psychisch Kranken menschlich begegnen - Die Dr. v. Ehrenwall'sche Klinik in Bad Neuenahr-Ahrweiler, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1998, Ahrweiler 1997
- Kreisverwaltung Ahrweiler: Unverzichtbare Fachklinik und wichtiger Wirtschaftsfaktor (Pressemitteilung vom 23. September 2004)
siehe auch
Weblinks
Fußnoten
- ↑ Textgrundlage: Pressemitteilung von Dr. Christoph Smolenski anläßlich der Urkundenüberreichung zum 125. Betriebsjubiläum der Dr. v. Ehrenwall’schen Klinik durch die Industrie- und Handelskammer am 5. Juli 2002

