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Bomberabsturz am Riedener Berg

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Der Bomberabsturz am Riedener Berg geschah am Sonntag, 28. Januar 1945. Mit mächtigem Aufprall und großen Stichflammen ging das US-amerikanische Flugzeug vom Typ Boeing B-17 G oberhalb der Schützenhalle in der Flur „Kehl“ nieder. Leuchtkugeln stiegen auf, Munition explodierte. In einem Feld weitab von der Absturzstelle wurde später die Leiche eines Soldaten gefunden. Sein Fallschirm war teilweise am Flugzeug hängen geblieben.[1] Im Ort wird die Absturzstelle häufig als „Am Flieger“ bezeichnet.

Chronik

Hauptlehrer Anton Bermel hielt den Absturz in der Schulchronik für die Jahre 1937 bis 1945 fest. Zeitzeugen gaben das Ereignis allerdings unterschiedlich wieder. Nachdem Reiner Degen und Udo König bereits Vorarbeit geleistet hatten, recherchierte Heinz-Peter Degen von den Weiberner Heimatfreunden nochmals zwei Jahre, um den Hergang zu rekonstruieren. Er forschte im Landeshauptarchiv in Koblenz, fragte beim Militärarchiv in Freiburg, sah Unterlagen beim betreffenden Luftwaffengeschwader ein und unterhielt sich mit Zeitzeugen. Einer der Zeitzeugen, die Heinz-Peter Degen befragte, war sein 77-jähriger (Stand: Mai 2017) Schwager Hermann Hilger, der als Kind Zeuge des Absturzes war. Unterstützung fand er auch bei Uwe Kruse aus Hausten.

Im Imperial War Museum Duxford/Cambridge fand Heinz-Peter Degen den Einsatzbericht des Kommandanten und Piloten Lt. Wallace F. Boyes. Darin heißt es, dass die 457er-Bomberstaffel am 28. Januar 1945 den Befehl erhielt, vom etwa 100 Kilometer nördlich von London liegenden Heimatflugplatz Glatton/England aufzusteigen, um die Rangierbahnhöfe in Köln zu bombardieren. Das Flugzeug mit der Seriennummer 42-97164a und dem Spitznamen „Rebel Queen“ verließ nach dem Angriff und dem Versagen seines zweiten und später auch dritten und vierten Motors das Zielgebiet und entfernte sich von seinem Geschwader. Ein Motor war vermutlich noch funktionsfähig. Die Rotorblätter der beschädigten Triebwerke wurden von den Piloten in Segelstellung gebracht. Die US-Bomber vom Typ Boeing B-17 G waren im August 1942 in England angekommen; ab 1943 wurden sie für Angriffe eingesetzt. Viele Maschinen bekamen in großen Operationshöhen Schwierigkeiten mit dem feuchtkalten Klima in Mitteleuropa. Weil Stromgeneratoren festfroren, fielen Triebwerke aus.

Beim Absturz selbst kam am Boden niemand zu Schaden, weil die amerikanische Besatzung rechtzeitig abgesprungen war – der Pilot zuletzt. Der Fallschirm des Copiloten verfing sich jedoch beim Ausstieg am Flugzeug. Dass Kempenich und Weibern vor einer Katastrophe bewahrt wurden, habe am verantwortungsvollen Verhalten der beiden Piloten gelegen. Wegen eines defekten Motors mussten sie die Maschine permanent von Hand auf Kurs halten. Der Kommandant sprang erst ab, als die fast nicht mehr zu manövrierende Maschine kaum mehr als 80 Meter über dem Boden flog. Er landete unverletzt in einem Hang zwischen Kempenich und Weibern, wo er von deutschen Soldaten gefangen genommen wurde. Der Absprung des Bordbombardiers, der die Maschine als Drittletzter verließ, endete tödlich. Die übrigen sechs Mitglieder der Besatzung waren bereits zuvor abgesprungen – nachdem klar war, dass eine Rückkehr zum englischen Heimatflughafen wegen Schäden an den Motoren unmöglich war. Einige der Besatzungsmitglieder, die auf der rechten Seite des Rheins in der Gegend von Siegburg, Altenkirchen, Roßbach und Hönningen landeten, trugen schwere Erfrierungen davon, weshalb sie in umliegenden Krankenhäusern behandelt wurden. Die Leichen von zwei Besatzungsmitgliedern wurden nach der Schneeschmelze entlang der Flugroute gefunden: die Leiche des Bordbombardiers in der zwischen Hain und Engeln liegenden Flur „Buch“, die des Copiloten „Auf der Weichley“ in Weibern. Die Leichen der getöteten Soldaten wurden zunächst auf den Friedhöfen Oberzissen und Weibern beerdigt, später aber auf amerikanische Soldatenfriedhöfe umgebettet.

Hermann Hilger vom Steinhauerverein Weibern fertigte 2016/17 einen Gedenkstein zur Erinnerung an den Absturz an.[2]

Mediografie

Ein US-Bomber stürzt 1945 bei Weibern ab – Heimatfreunde und Steinhauer erinnern mit einem Gedenkstein daran, in: Olbrück-Rundschau Nr. 18/2017, Seite 28

Fußnoten

  1. Quellen: Hans-Josef Schneider: Wie Weibern der Katastrophe entging – Gedenkstein soll an Bomberabsturz vom 28. Januar 1945 erinnern, So verlief der Absturz, das geschah mit der Besatzung – Heinz-Peter Degen hat den Ablauf rekonstruiert und Der letzte Flug der B-17 G „Rebel Queen“ – Drei Motoren waren defekt, in: Rhein-Zeitung vom 27. Mai 2017
  2. Quelle: Steine aus Basalt weisen in Weibern den Weg – Vier neue Wegweiser erst aufwendig her- und dann auch noch aufgestellt, in: Rhein-Zeitung vom 29. September 2017