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Ahrwein-Messe am 25. November 2017 im Kurhaussaal in Bad Neuenahr

Bürgerverein Synagoge Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V.

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Der Bürgerverein Synagoge e.V. Bad Neuenahr-Ahrweiler, Eigentümer der Synagoge Ahrweiler, hält das Gedenken an die ausgelöschte jüdische Gemeinde Ahrweiler wach, deren Kultraum die Synagoge bis zu ihrer Zerstörung durch die Nationalsozialisten in der Reichspogromnacht 1938 war. Einnahmen zum Erhalt der Synagoge erzielt der Verein durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und durch die Vermietung der Synagoge für kulturelle Zwecke.


Einladung zur Gründungsversammlung
Die ehemalige Synagoge Ahrweiler

Mitgliederzahl

Oktober 2010: 115

Vorstand

Gründung und Entwicklung

Nach zwei Jahren Vorlaufzeit luden der damalige Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, Rudolf Weltken, und Margot-Gabriele Bode, Redakteurin der Rhein-Zeitung, sowie Hildegunde Bäumler, Henning Falk, Johannes Hammes, Günther Heinen, Dr. Reinhard Kuntze, Gisbert Nehls, Hans Warnecke und Dr. Herbert Wiens im Jahr 1978 zur Gründung des Bürgervereins ein. Mehr als 60 Männer und Frauen folgten der Einladung zur Gründungsversammlung am 9. November 1978 im Hotel "Zum Stern" Ahrweiler, darunter der Landtagsabgeordnete Dr. Carlheinz Moesta. Hans Warnecke wurde von den 48 Gründungsmitgliedern zum Gründungsvorsitzenden gewählt, Johannes Hammes und Hildegunde Bäumler wurden zu gleichberechtigten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, Else Jungbluth wurde Geschäftsführerin. Zu Beisitzern wurden Dr. Reinhard Kuntze, Dr. Herbert Wiens, Pfarrer Wolfgang Rehbein, Henning Falk und Gisbert Nehls gewählt. Die Rechnungsprüfung übernahmen Albert Kirfel und Petra Elsner, zu stellvertretenden Rechnungsprüfern wurden Prof. Dr. Bernhard Kreutzberg und Kurt Schleith gewählt.[1]

Eine Ansprache von Pfarrer Hans Warnecke, damals Superintendent des Kirchenkreises Koblenz, zu den Aufgaben des Bürgervereins und zum Tag seiner Gründung, dem 40. jahrestag der sogenannten "Reichskristallnacht" am 9./10. November 1938, stand am Beginn der Gründungsversammlung, die von Bürgermeister Rudolf Weltken geleitet wurde. In Anwesenheit von Botschaftssekretär Mordechay Lewy als Vertreter der Botschaft des Staates Israel und von Erich Rotter, Geschäftsführer der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), sagte Superintendent Warnecke, in diversen Stellungnahmen zur ehemaligen Synagoge sei in den Monaten zuvor übereinstimmend deutlich geworden, dass es dringend geboten sei, Erhaltung und Umgestaltung zu kultureller Nutzung aus der Mitte der Bürgerschaft in Angriff zu nehmen und nicht nach irgendeiner Institution zu rufen. Die Vereinsgründung trage diesen Stellungnahmen Rechnung. Warnecke sagte weiter, der Name "Bürgerverein Synagoge" sei von den zehn Initiatoren mit Bedacht gewählt worden, und er rief auf: "Jedermann ist zur Mitareit eingeladen, unabhängig von seiner politischen und religiösen Einstellung." Oberstes Ziel des Bürgervereins solle es sein, die ehemalige Synagoge in Ahrweiler wieder her zu stellen und sie einem neuen würdigen Zweck zuzuführen. Warnecke:

Als freie Bürger in einem freiheitlichen Rechtsstaat wollen wir diese Aufgabe anpacken, weil wir zutiefst davon überzeugt sind, dass den jüdischen Mitbürgern in unserem Volk und damit auch in unserer Stadt Unrecht getan wurde und ihr ehemaliges Gotteshaus als Zeugnis ihrer Geschichte erhalten bleiben muss.

Zum 40. Jahrestag der Pogromnacht von 1938, dem "Signal" für den planmäßigen Massenmord an sechs Millionen Europäern jüdischen Glaubens, sagte Warnecke:

Es ist die Geschichte unseres Volkes, die sich in der Vernichtung der Juden so schrecklich ausgedrückt hat. Und davon ist Ahrweiler nicht ausgenommen: Genau vor 40 Jahren brannte ... auch die Ahrweiler Synagoge. Beherzte Ahrweiler Bürger haben durch ihr Eingreifen verhindert, dass sie völlig verbrannte. Das sei hier mit Dank und Anerkennung erwähnt.

Nach einem stillen Gedenken an die Menschen, die einst in der Synagoge von Ahrweiler beteten, erläuterte Bürgermeister Rudolf Weltken den von ihm und Henning Falk erarbeiteten Entwurf der Vereinssatzung. Zu den 18 Paragrafen wurden einige wenige Fragen gestellt, bevor die Gründungsversammlung die Satzung einstimmig annahm. 48 Versammlungsteilnehmer, darunter die zehn Initiatoren, füllten anschließend Beitrittserklärungen aus. Weitere Interessenten, die zur Gründungsversammlung nicht erscheinen konnten, hatten ihren Beitritt schon zuvor schriftlich erklärt. "Damit ist der Bürgerverein Synagoge gegründet", stellte Weltken um 21.10 Uhr fest.

Botschaftssekretär Mordechay Lewy überbrachte dem neu gegründeten Verein "beste Wünsche" der Botschaft des Staates Israel in Bonn-Bad Godesberg für seine Bemühungen um die Erhaltung und Umgestaltung des früheren jüdischen Gotteshauses. Lewy betonte, von jüdischer und israelischer Seite wisse man die in Bad Neuenahr-Ahrweiler angestrengten Bemühungen zu schätzen, deren Zweck es auch sei, die Ereignisse des Jahres 1938 und der vorangegangenen und der folgenden Jahre nicht zu vergessen. Es müsse gefragt werden, warum die "Wiederentdeckung" der ehemaligen Synagoge in Ahrweiler so lange auf sich warten ließ; Lewy betont aber zugleich, dass die Initiative jetzt ergriffen und eine gute Sache sei.

DIG-Geschäftsführer Erich Rotter erinnerte daran, dass die Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler die DIG auf einen entsprechenden Beschluss des Stadtrates Bad Neuenahr-Ahrweiler hin angeschrieben und sie darum gebeten hatte, zur Rekultivierung der Synagoge eine "rechtsfähige Institution" ins Leben zu rufen. Das DIG-Präsidium habe sich lange mit dieser Bitte befasst, ihre Erfüllung aber abgelehnt, weil es zu der Auffassung gekommen sei, die Rekultivierung sei Aufgabe der Bürger. Zweieinhalb Stunden nach ihrem Beginn endete die Veranstaltung.

Eine Anregung von Helmut Mauhs wurde aufgegriffen, der zwei Jahre zuvor den Gedanken, dass sich jemand um die frühere Synagoge kümmern müsse, als erster "laut gedacht" hatte: Zum Gedenken an die einstigen Mitrbürger jüdischen Glaubens wurde am Volkstrauertag an der Synagoge mit dem Einverständnis ihrer Besitzerin, der Raiffeisenkasse Untere Grafschaft, ein Kranz niedergelegt.

Anlass für die Vereinsgründung war aber auch ein offener Brief von Alfred Schuck an die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler: Er beschwerte sich darüber, dass das einstige jüdische Bethaus als Düngemittellager der Raiffeisenkasse benutzt werde, und animierte die Stadtväter, "sich über eine Restauration und Rekultivierung der Synagoge Gedanken zu machen".

Es dauerte drei Jahre, bis der Verein das Gebäude sein Eigen nennen konnte. In einem "wüsten Raum", sagte Hans Warnecke, seien bereits einige kulturelle Veranstaltungen angeboten worden, "wobei anfangs noch viel gezittert und gefroren wurde". Nach der Renovierung (zuletzt der Fenster im Jahr 1994) gehört die Synagoge ins kulturelle Leben der Kreisstadt wie kaum ein anderes Gebäude.

Klaus Liewald richtete mit Hilfe des Vereins eine jüdische Bücherei ein, deren rund 1000 Bücher und Zeitschriften (meist Spenden) auf das jüdische Leben und die Religion eingehen. Gegen eine Spende können Bücher ausgeliehen werden.

Weblink

http://www.synagoge-ahrweiler.eu - Homepage des Bürgervereins

Fußnoten

  1. Quellen: Bürgerverein Synagoge zählt bereits rund 60 Mitglieder - Gründung ist vollzogen - Hans Warnecke wurde Vorsitzender, in: Rhein-Zeitung vom 11./12. November 1978 und Für Bemühungen um die Synagoge dem Bürgerverein beste Wünsche - Grüße von Botschaftssekretär und DIG-Geschäftsführer, in: Rhein-Zeitung vom 13. November 1978