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Eifel-Wetterstation Nürburg-Barweiler

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Die auf 485 Metern über dem Meeresspiegel liegende Eifel-Wetterstation Nürburg-Barweiler gehört zu den 122 mit Personal besetzten Stationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Sieben Bedienstete ermitteln in Barweiler rund um die Uhr meteorologische Mess- und Beobachtungsdaten und verbreiten sie im internationalen Austausch weltweit. Die Messstation in Barweiler gehört zur relativ kleinen Zahl nationaler Klima-Basisstationen, deren Klimawerte weltweit ausgetauscht werden. Neben Routinemeldungen liefert die Station Sonder- und Gefahrenmeldungen bei kritischen Wetterlagen, beispielsweise beim Auftreten von Sturm, Gewitter und Hagel, sie beobachtet den Vogelzug für die Luftfahrt und sie ermittelt phänologische Daten für die Beratung der Landwirtschaft und für Hubschrauberflüge zum Nürburgring. Zu den in Barweiler gemessenen Daten gehören Luftemperatur- und Niederschlagswerte sowie Sonnenscheindauer und Radioaktivitätsdaten. Diese Daten fließen u.a. in aktuelle Wetterprognosen und in Wetterstatistiken ein. Interessierte haben die Möglichkeit, die Station in Barweiler nach Voranmeldung zu besichtigen.


Anschrift und Standort

Nordstraße 24

Barweiler

Kontakt

Telefon 02691 931-385

Personal

Leitung: Bernd Eisbach (seit 1978)

Neben dem Leiter gibt es auf der Station sieben Mitarbeiter:

Chronik

Im Jahr 1930 wurde bei der Nürburgring GmbH eine Hilfsmeldestelle für Wetterbeobachtungen eingerichtet. Dabei führte das Verwaltungspersonal der Nürburgring GmbH bei Bedarf Wettermeldungen durch. Nach dem Aufbau der Reichsluftwaffe in den 1930er Jahren wurden diese Wetterbeobachtungen für den Luftwaffenübungsplatz Ahrbrück im nahen Kesselinger Tal genutzt. Der mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges eingestellte Betrieb der Wetterstation am Nürburgring wurde im April 1946 unter französischer Aufsicht wieder aufgenommen. Dazu ist die Station mit Meteorologen besetzt worden, die ein festes Soll an Wetterdaten ermittelten und weiterleiteten. Nachdem die französische Verwaltung aufgelöst worden war, wurde die Station zunächst dem Landeswetterdienst Rheinland-Pfalz zugeordnet. Im Jahr 1953 ging sie auf die kurz zuvor gegründete Bundesanstalt Deutscher Wetterdienst über, einer nachgeordneten Behörde des Bundesverkehrsministeriums. Ab 1946 war die Station zunächst in unterschiedlichen Gebäuden in Nürburg untergebracht, bis im Jahr 1956 ein eigenes Stationsgebäude am Südrand von Nürburg in unmittelbarer Nähe zum Nürburgring errichtet wurde. Mit dem Bau der Grand-Prix-Strecke grenzten Neubauten im Jahr 1984 unmittelbar an das Messfeld der Station. Sie beeinflussten die Messwerte so stark, dass eine erneute Verlegung notwendig wurde. Nach langwieriger Suche wurde ein 485 über dem Meeresspiegel gelegenen Gelände am Ortsrand von Barweiler gefunden, das repräsentative Messwerte für große Teile der Eifel versprach. Das heutige Stationsgebäude wurde im Jahr 1995 erbaut.

Im Rahmen einer neuen Messnetz-Konzeption des Deutschen Wetterdienst wurde die Radioaktivitätsmessstelle im Jahr 2000 von einer automatisierten Wetterstation in Bendorf nach Barweiler verlegt. Seitdem gehört die Wetterstation Barweiler auch zu den 40 Stationen des Radioaktitätsmessnetzes des Deutschen Wetterdienstes, der seit 1956 dem gesetzlichen Auftrag gehorcht, die Radioaktivität der Atmosphäre und deren Verfrachtung zu erfassen. Dazu werden in Barweiler die Betastrahlung des Niederschlags sowie die Alpha-, Beta- und Gammastrahlung der Luft gemessen. Mit Hilfe der Gammaspektrometrie wird die Gammastrahlung der Luft für mehr als 50 Nuklide getrennt erfasst. Außerdem werden Thoron- und Radongehalt sowie gasförmiges Jod einzeln ausgemessen. Diese Messwerte werden zeitnah an das Zentrallabor des DWD übermittelt, wo sie dem Bundesumweltminister zur Verfügung stehen.

Die Wetterstation Barweiler wurde damit zum Baustein eines Netzes, mit dessen Aufbau in den 1950er-Jahren als Folge der zahlreichen oberirdischen Kernwaffenversuche begonnen worden war und das nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 auf derzeit 40 Messstellen im gesamten Bundesgebiet ausgebaut wurde. Aufgabe dieses Netzwerkes ist es, permanent und großflächig Messwerte zu ermitteln, zusammenzuführen und bei einem außergewöhnlichen Anstieg von Strahlungswerten Alarm zu schlagen. Die Daten dienen außerdem als Grundlage für Prognosen über Ausmaß und betroffene Bereiche von Verstrahlungen.

Als Grundlage für die Radioaktivitätsmessungen dienen Niederschlagswasser aus Regen, Nebel und Schnee sowie Staub. Dabei werden die Energiemengen der Alpha-, Beta- und Gammastrahlung der Luftpartikel oder Aerosole gemessen. Dazu werden stündlich 110 Kubikmeter Außenluft durch einen Glasfaserfilter geleitet. Einmal wöchentlich - jeweils am Montag - wird der Filter ausgetauscht. Darüber hinaus werden alle zwei und alle 24 Stunden Luftanalysewerte an die Zentrale des Deutschen Wetterdienstes nach Offenbach gemeldet. Die radioaktive Strahlung liegt in Barweiler normalerweise um 200 Millibecquerel. Zum Vergleich: Durch den Reaktorunfall im April 1986 in Tschernobyl wurden mehrere 10.000 Millibecquerel gemessen. Neben den Tagesproben gibt es eine Anlage, mit deren Hilfe die Luftwerte alle zwei Stunden gemessen werden, sowie einen Wochenfilter. Die Messergebnisse dieser drei Messintervalle werden online in die DWD-Zentrale nach Offenbach übertragen. Falls dabei erhöhte Konzentrationen von Nukliden wie Cäsium 137 oder Jod 131 gemessen werden, wird automatisch Alarm ausgelöst. Nach dem Reaktorunfall in Fukushima wurde in Barweiler an einem Tag eine geringe Konzentration von Jod 131 gemessen.[1]

Mediografie

Marius Reichert: Wetterfrösche aus Barweiler versorgen die Welt mit Daten, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2015, Seiten 131-133

Weblinks

Fußnoten

  1. Quellen: Bernd Eisbach: 'Die Wetterstation Nürburg-Barweiler', in: Heimatjahrbuch für den Kreis Ahrweiler 2004, Ahrweiler 2003, sowie Marius Reichert: Auf der Suche nach gefährlicher Strahlung - Bruno Heller und Ronald Maltha spüren in der Wetterwarte in Barweiler täglich radioaktiven Parkikeln im Staub nach und Barweiler versorgt die Welt mit Daten - Wetterbeobachtung in der Hocheifel seit 1930 – Radioaktivitätsmessung seit 2000, in: Rhein-Zeitung vom 3. Januar 2014