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Gerd Stodden

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Gerd Stodden (* 19. November 1948, † 16. Januar 2013 im Alter von 64 Jahren) aus Rech, verheiratet mit Dr. Brigitta Stodden, Vater einer Tochter und von zwei Söhnen, war Inhaber des Recher VdP-Weinguts Jean Stodden, das er in den beiden letzten Jahren vor seinem Tod zusammen mit seinem Sohn Alexander Stodden führte.


Gerd Stodden.

Vita

Gerd Stodden studierte Volkswirtschaft und schrieb an seiner Doktorarbeit. Sein Thema: ein Vergleich der Systeme in Ost und West. Nachdem sein Vater plötzlich verstorben war, musste er 1973 im Weingut seiner Familie einspringen. In einem Interview mit dem General-Anzeiger (GA) gestand er einmal, dass er damals "keine Ahnung von Wein" hatte. In seinem Nachruf auf Gerd Stodden schrieb der GA:

„Ich hatte niemand, der mir etwas vorschrieb“, also hinterfragte er alles – und wurde dafür schon 1977 mit dem Bundesehrenpreis ausgezeichnet. Er baute die heimischen Spätburgunder erstmals trocken aus, kam dahinter, dass die malolaktische Gärung ihre prägnante Säure milderte, stellte sich Barriques in den Keller.[1]

Das Ahrtal galt in den 1970er Jahren "zwar als Ausflugsgegend für trinkfreudige Gäste", hieß es in einem Beitrag der Rhein-Zeitung (RZ) über Gerd Stodden vom 29. Januar 2011, "Qualität hatten die aber selten im Sinn." Gerd Stodden erinnerte sich im Gespräch mit der RZ: „In Altenahr wurde damals eigentlich alles getrunken.“ Das Geschäft habe sich zu dieser Zeit in erster Linie aus den Handel mit Rhein- und Moselweinen und den Absatz in der Region beschränkt. Als Gerd Stodden damals mit Ehefrau Brigitta Burgunderproduzenten in Frankreich und Italien besuchte, schmeckten ihm diese Rotweine durchweg besser als die von der Ahr. Bald ging ihm ein Licht auf: „Der Schlüssel für Qualität liegt in der Ertragsregulierung“, zitierte die RZ.

Für seine ersten Versuche, daheim an der Ahr ebensolche Wein zu produzieren, erntete er allerdings nichts als Spott und Tränen: "Die Mutter wollte nicht mit ansehen, wie der Sohn weit vor der Ernte gesunde Trauben vom Rebstock schnitt, damit der die übrigen besser mit Nährstoffen versorgen kann", berichtete die RZ. Und die Winzerkollegen ahrauf, ahrab hätten die Köpfe geschüttelt und ihm vorgeworfen, er sich versündige sich am Herrgott. „Der aber hat weder Spritzmittel noch Kunstdünger erfunden“, erwiderte Stodden und ließ sich von seinem Weg zum „französischen“ Spätburgunder nicht abbringen.[2] Sein lautete seitdem vielmehr: „Qualität entsteht im Weinberg und ist nur über niedrige Erträge zu erreichen, die dichte und extraktreiche Spätburgunder hervorbringen.“

1980, im Alter von 32 Jahren, trat Stodden dem Mitglied des Rotary Clubs Bad Neuenahr-Ahrweiler bei, dessen Präsident er 1997/98 war. Zusammen mit dem Sternekoch Hans Stefan Steinheuer und seinem Dernauer Winzerkollegen Werner Näkel gebar Gerd Stodden in den 1980er Jahren die Idee, die besten Köche und Winzer der Region in einer Veranstaltung zusammenzuführen, um das Weinanbaugebiet Ahr voranzubringen. Damit war die Reihe Gourmet & Wein geboren. Hans Stefan Steinheuer sagte dem General-Anzeiger nach Stoddens zu dieser Zeit:

1984 begann unser gemeinsamer Weg mit Werner Näkel, weil uns klar war, dass es Zeit für ein neues Bild der Ahr ist. Gerd war unser intellektueller Querdenker, der Genießer, der uns alle angetrieben hat. Wir waren jung, hatten die väterlichen Betriebe übernommen, und wir mussten was ändern und waren bereit dazu. Gerd ist es gelungen, der Ahr einen nationalen und internationalen Anstrich zu verleihen.

"Hatte er früher den Vergleich mit dem Burgund gescheut, so stand er zuletzt auf Augenhöhe", hieß es im (GA). „Als ich beim Gourmet-Festival im Singapurer Hotel Raffles die Roten präsentieren durfte und Ponsot seine Weißweine, meinte dieser etwas pikiert: Die Welt steht Kopf“, sagte er dem General-Anzeiger einmal.

Ab 2011 führte Gerd Stodden das 6,5 Hektar große Familienweingut gemeinsam mit seinem Sohn Alexander. Während sich der Vater vor allem um die Weinberge kümmerte, war das Marketing Sache des Sohnes. Für den Kellereibereich waren beide gleichermaßen verantwortlich. Gerd Stodden starb völlig unerwartet am Mittwoch, 16. Januar 2013. Der General-Anzeiger berichtete:

Tragisch ist, dass der 64-Jährige in einem Fitnessstudio in Bad Neuenahr eigentlich etwas für seine Gesundheit tun wollte – und dann dort am späten Vormittag auf dem Ergometer mit Herzproblemen zusammenbrach. Die Soforthilfe des Studioleiters und einer Medizinerin aus dem benachbarten Kursanatorium konnte das Unabwendbare nicht aufhalten. Gerd Stodden verstarb wenig später im Bad Neuenahrer Krankenhaus.

Würdigungen

"Stodden hat entscheidenden Anteil daran, dass die Ahr-Winzer heute zur deutschen Rotweinelite gehören", berichtete die Rhein-Zeitung am 29. Januar 2011. Und in ihrem Nachruf auf Stodden vom 18. Januar 2013 resümiert die RZ : "Stodden hat den Stil eines Spätburgunders geprägt, der das Rüstzeug für ein langes Leben in der Flasche hat und Kenner mit seiner Fruchtigkeit fasziniert." In seinem Weingut in Rech seien auch französische Kollegen und andere international geachtete Topwinzer ein und aus gegangen, die sein Können schätzten.

Bereits am Tag zuvor hatte rhein-zeitung.de, die Website der Rhein-Zeitung, berichtet: "Stodden gehört zu den Winzern, die die Ahr als Rotweinanbaugebiet weltweit bekannt gemacht", hieß es dort, er habe Qualität neu definiert und er habe "den Stil eines Spätburgunders geprägt, der das Rüstzeug für ein langes Leben in der Flasche hat und Kenner mit seiner Fruchtigkeit fasziniert."[3]

Im Nachruf des General-Anzeigers heißt es:

Das Aufzählen der zahllosen Auszeichnungen, die Stodden eingeheimst hat, würde kein Ende finden. Attribute wie „Überflieger“ oder „Visionär“ finden sich in den Weinführern ebenso wieder wie „grandiose Kollektion“ oder „Spitzen-Spätburgunder“. Erst im vergangenen Jahr wurde ein 2009er „Ahrweiler Rosenthal Spätburgunder Großes Gewächs“ in der Kategorie „Kultwein“ zum Ahrwein des Jahres gekürt. Ob Erfolge bei den Wein-Guides „Eichelmann“ oder „Gault & Millau“, ob Verkostungen in London oder Asien: Stodden hob nie ab, blieb stets einer von der Ahr, ein Bodenständiger, Bescheidener, der auch den Recher Dialekt nie ablegte. An seinem Wissen ließ er teilhaben, ohne belehrend oder besserwisserisch zu wirken.

Der Informationsdienst Weinreporter schrieb anlässlich des Todes von Gerd Stodden: „Mit ihm ist einer der großen, prägenden Rotweinwinzer dieses Landes von uns gegangen. Seine Verdienste um das Anbaugebiet Ahr und um die Stilistik des Ahrburgunders kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.“

Und Wolfgang Frisch, Rotary-Präsident 20012/13, sagte dem GA:

Gerd Stodden stellte schon immer sehr hohe Leistungs- und Qualitätsanforderungen, besonders an sich selbst, aber auch an die anderen. Er verfolgte seine Ziele stets sehr konsequent, auch wenn es dabei häufig gegen den Strom ging. Schon früh, mit 32 Jahren, trat er unserem Club bei, der gerade vier Jahre zuvor gegründet worden war. In diese Gemeinschaft hat er sich immer sehr stark persönlich, fair und geradlinig eingebracht, in die Diskussionen, in die Clubangelegenheiten und ihre Zukunftsperspektiven, beim sozialen Engagement, im Kontakt zu unseren belgischen Freunden in Genk und auch beim gemeinsamen Feiern, denn er war Rheinländer, der richtig und gerne genießen konnte. Für den Rotary Club war Gerd Stodden eine starke, charaktervolle Persönlichkeit, der verlässliche Freundschaft, Toleranz und würdiger Umgang miteinander sehr viel bedeuteten.

Mediografie

  • Winzer Gerd Stodden hat die beste Kollektion - Auszeichnung des Wein-Plus-Weinführers 2002, in: Rhein-Zeitung vom 4. Februar 2002
  • Ein Quereinsteiger wird der Aufsteiger des Jahres – Der Ahr-Rote ist in vieler Munde: Das Recher Weingut Jean Stodden zählt zu den besten in Deutschland - Fachzeitschriften würdigen erneut die Leistungsstärke der Winzerfamilie, in: Rhein-Zeitung vom 4. Januar 2003

Fußnoten

  1. Quelle: Marion Monreal und Caro Maurer: Visionär des Ahr-Weins - Der international renommierte Winzer aus Rech revolutionierte den Spätburgunder, in: General-Anzeiger (GA) vom 18. Januar 2013
  2. Quelle: Nicole Mieding: Klein-Burgund an der Ahr, in: Rhein-Zeitung vom 29. Januar 2011
  3. Quelle: Top-Winzer Gerd Stodden ist tot, rhein-zeitung.de vom 17. Januar 2013