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Johann Wilhelm Arenz

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Elisabeth und Rolf Richter übergaben der Vereinigung Rathaus Oberwinter und Archiv e.V. im Juli 2015 das Schulden- und Rechnungsbuch des Johann Wilhelm Arenz († 1780) aus dem Jahr 1746. In diesem Buch hielt Arenz von 1746 bis 1776 seine finanziellen Ausleihungen und Geldgeschäfte fest. Akribisch führt er auf, wenn Bargeld ausgeliehen hat, die Zeche in seiner Gastwirtschaft nicht bezahlt oder auf Pump in seinem Hökerladen eingekauft wurde. Außenstände stundete er in der Regel bis zur Weinlese im Herbst. Nach Arenz' Tod 1780 haben verwendeten sein Tochter Gertrud und Schwiegersohn Johann Mathias Weyerbusch das Buch bis zum Jahr 1802 für überwiegend persönliche Notizen. Danach gibt es 50 Jahre lang keine Eintragungen, bis Johann Wilhelm Arenz' Enkel Carl Weyerbusch das Buch von 1854 bis 1875 für die Buchführung seines Weinhandels benutzte. Nach dessen Tod im Jahr 1876 gibt es keine Eintragungen mehr. Carl Weyerbuschs Sohn Gustav Adolf Weyerbusch starb nur zwei Jahre nach dem Vater, und damit begann für das Buch eine abenteuerliche Reise. Die Witwe des Sohnes löste Betrieb und Grundvermögen auf und zog nach Bonn. Sie erkannte den Wert des Buches als Familienerbe und reichte es an ihre Nachkommen weiter. So gelangte das Buch in die Hände von Paula und Hermann Kruse, den Eltern von Elisabeth Richter, die es im Geheimfach eines Schreibtischs unterbrachten. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Paula Kruse mit ihren beiden Töchtern nach Pellworm evakuiert. Zu den mitgenommenen Möbeln gehörte auch der Schreibtisch. Die Wohnung in Kiel wurde durch Bomben völlig zerstört, sodass das Buch letztlich nur durch die Evakuierung erhalten blieb. Die Eheleute Richter entdeckten das Buch in dem Geheimfach aber erst 1982. Es war in braunes Packpapier verpackt und roch, als ob es gerade aus dem Weinkeller gekommen wäre. Nach Rücksprache mit ihren Kindern entschlossen sich die Richters, das Buch an den Ort seiner Entstehung zurückzugeben. "Für die Vereinigung Rathaus Oberwinter stellt das Buch eine einmalige Quelle zur Erforschung und Dokumentation der Ortsgeschichte dar, lässt es doch viele Rückschlüsse auf die Lebensverhältnisse der damals lebenden Menschen und ihre Sozialstrukturen zu", berichtete die Rhein-Zeitung anlässlich der Übergabe.[1]

Fußnoten

  1. Quelle: Schulden- und Rechnungsbuch ist ein kleiner historischer Schatz - Rückschlüsse auf Lebensverhältnisse in Oberwinter von einst möglich, in: Rhein-Zeitung vom 2. Juli 2015