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Lager "Rebstock"

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Das Lager "Rebstock" im alten Trotzenberg-Tunnel in Dernau war während der Nazi-Zeit eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald. SS-Oberscharführer Karl Schmidt führte im Lager das Kommando.


Exkursion zu den Stätten des ehemaligen KZ-Außenlagers im April 2016 mit dem Militärhistoriker Wolfgang Gückelhorn
Buchenwald 2.jpg
Gedenktafel zur Erinnerung an die KZ-Außenstelle: „Zum Gedenken an das Außenlager des KZ Buchenwald 21.8.1944 – 13.12.1944 und allen Opfern des Nationalsozialismus – den Lebenden eine Mahnung“
Titelseite der Broschüre von Wolfgang Gückelhorn: Das Lager Rebstock 1943/44 – Rüstungsbetrieb und KZ im Ahrtal, Reihe Blätter zum Land, Band 70, 20 Seiten, hrsg. Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, 2016

Geokoordinaten und Standort der Gedenktafel

Breitengrad: 50.52812 | Längengrad: 7.03725

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Chronik[1]

Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein blieben die Tunnelröhren weitgehend ungenutzt.

Um die unterirdischen Produktionsstätten im Ahrtal hatte sich ein Konkurrenzkampf entwickelt. Das Volkswagenwerk wollte dort gemeinsam mit der Luftwaffe an seiner V1-Technologie arbeiten. Aber der Leiter des Konkurrenzprojektes der V2-Entwicklung, Wernher von Braun, konnte bereits erfolgreiche Tests vorweisen. Er brauchte lediglich mobile Abschussanlagen, und die sollten nun in den bombensicheren Ahrtaltunneln gebaut werden. Wernher von Braun hielt sich mehrere Male im Ahrtal auf; sein Büro befand sich im Gebäude der späteren Staatsdomäne. Im General-Anzeiger hieß es dazu einmal:

... es war auch Wernher von Braun, der im Lager 'Rebstock' ein und aus ging, in der späteren Staatsdomäne Marienthal residierte, Aufträge und Anforderungen unterschrieb und auf höchster Ebene dafür kämpfte, dass alle Tunnel im Ahrtal für die Produktion der A 4-Rakete, besser bekannt als V 2, genutzt werden sollten. In der KZ-Verwaltung in Marienthal traf von Braun auch Oswald Pohl, Chef des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes und als solcher auch des [Apollinaris GmbH Bad Neuenahr|Bad Neuenahrer Apollinaris-Brunnens], oder Hans Kammler, als SS-Architekt verantwortlich für alle KZ-Bauten einschließlich der Gaskammern. Kammler beging 1945 Selbstmord, Pohl wurde in Nürnberg als Kriegsverbrecher angeklagt und hingerichtet, Wernher von Braun machte in den USA bei der NASA Karriere, brachte den ersten Menschen auf den Mond. In Marienthal billigte er die Zwangsarbeit für seine Projekte.[2]

Unter Leitung der Firma Johannes Gollnow & Sohn wurde 1943/44 in den Tunneln, insbesondere im Kuxberg-Tunnel und im Trotzenberg-Tunnel, Startzubehör der V 2 montiert, etwa Feuerleitpanzer, Meilerwagen zum Aufrichten der Raketen, Generatorwagen zur Stromversorgung, Prüfgeräte und Brennschlussanlangen auf Opel-Blitz-Fahrgestellen sowie Kabeltrommelanhängern. Für diese Arbeiten wurden zivile Facharbeiter, nicht mehr frontfähige Soldaten und Zwangsarbeiter aus rund zehn Ländern (Franzosen, Polen, Russen und Tschechen waren die am häufigsten vertretenen Nationalitäten) sowie italienische Militärinternierte herangezogen. Außerdem wurden KZ-Häftlinge eingesetzt - nicht unmittelbar in der Montage, sondern bei Arbeiten darum herum. Im Rahmen der damals üblichen Dienstverpflichtung wurden auch Ahrtaler Mädchen im Tunnel eingesetzt. Bei der Behandlung der Arbeiter gab es große Unterschiede: Die ungelernten Hilfsarbeiter aus Holland und Italien wurden verheizt, die ausgebildeten Facharbeiter vom KZ Buchenwald hingegen wurden verhältnismäßig pfleglich behandelt. Aussagen von Dernauer Bürgern und Lagerinsassen, die in den Akten der Staatsanwaltschaft Koblenz zu finden sind, deuten darauf hin, dass kranke und geschwächte Arbeiter möglichst unauffällig getötet wurden. Es gab einen Galgen. Das haben Ermittlungen der amerikanischen und französischen Untersuchungskommissionen ergeben. Anzahl und Namen der Todesopfer konnten jedoch ebenso wenig ermittelt werden wie die Stellen, an denen die Opfer begraben wurden.

Vom 21. August bis zum 13. Dezember 1944 war Marienthal offizielles Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald.

Im Kuxberg-Tunnel und im Trotzenberg-Tunnel wurden von 1943 bis 1944 unter strenger Geheimhaltung Startelemente der V 2, genau A 4-Bodenanlagen, montiert. Am 4. und 8. August 1944 wurden insgesamt 467 holländische Juden in das Lager Brück/Ahr gebracht, wo bereits 400 italienische Miliärinternierte zur Arbeit in den Tunnels untergebracht waren. Am 21. August 1944 trafen die ersten 30 Häftlinge aus dem KZ Buchenwald im Lager Rebstock ein. Sie sollten dort Baracken, Zäune und Wachtürme bauen. Am 8. und 14. September 1944 trafen weitere 383 KZ-Häftlinge aus Buchenwald ein. Sie wurden in Baracken auf dem alten Bahndamm zwischen Dernau und Rech sowie zwischen Kuxberg-Tunnel und Trotzenberg-Tunnel oberhalb von Marienthal untergebracht, dort wo noch heute der frühere Haupteingang des Regierungsbunkers zu sehen ist. Dort und im weiteren Verlauf des Tales standen zuletzt 15 Baracken. Nachdem amerikanische Fliegerbomben, die eigentlich für die Ahr-Brücken bestimmt waren, einige Unterkunftsbaracken im Tal zerstört hatten, wurden die Schlafplätze der Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in den mittleren Teil des Trotzenberg-Tunnels verlegt.

Ab November 1944 wurden die Produktionsfirma Gollnow & Sohn und mit ihr die Lagerinsassen ins thüringische Artern verlegt. Mitte Dezember 1944 war das Lager im Ahrtal komplett geräumt. Die Zahl der Häftlinge summierte sich allein im August/September 1944 auf 873. SS-Leute bewachten das Lager. Ob und wie viele Häftlinge zu Tode kamen, konnte nicht ermittelt werden. Überlebende berichteten von unmenschlichen Zuständen, allgegenwärtigem Terror und Hunger.

Nachdem die Tunnel geräumt worden waren, suchte die Bevölkerung dort Schutz vor den immer häufiger fallenden Bomben.

Irene Nehls und Uwe Bader von der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz stellten im April 2016 zusammen mit dem Autor Wolfgang Gückelhorn die Broschüre Das Lager Rebstock 1943/44 – Rüstungsbetrieb und KZ im Ahrtal, Reihe Blätter zum Land, Band 70, 20 Seiten, hrsg. Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, vor. Die Idee zu der Broschüre war im Herbst 2012 entstanden, als der Verein "Frankensiedlung Nithrindorp" seine Pläne zum Bau einer historischen Frankensiedlung auf dem ehemaligen Lagergelände in Marienthal vorstellte. „Der Platz, an dem Menschen einst zur Sklavenarbeit gezwungen wurden, war dann doch zu sensibel belastet, um dort eine, wenn auch historische interessante, mittelalterliche Siedlung entstehen zu lassen“, berichtete der General-Anzeiger, „das Scheitern des einen Projektes war aber der Startschuss für ein anderes: die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschehnisse im Lager „Rebstock“ durch die Landeszentrale.“ Die Broschüre dokumentiert auch Schilderungen ehemaliger Häftlinge. Etwa Aussagen des polnischen KZ-Häftlings Mieczyslaw Dabrowsiky und Erinnerungen des Franzosen Roger Detournay, der Marienthal 2005 mit seiner Tochter besuchte und der seine Erlebnisse damals Historikern aus Koblenz schilderte. Das Heft enthält auch Aussagen von Zeitzeugen aus Dernau, die allerdings anonymisiert wurden. Diese Aussagen waren in den 1980-er Jahren im Rahmen eines später eingestellten Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Koblenz wegen Mordes erhoben worden (Aktenzeichen 1UJs 268/86). Diese Akten wurden an das Landeshauptarchiv Koblenz abgegeben und für die „Blätter zum Land“ ausgewertet.

Gedenktafel

Die Initiative zur Erhaltung des Andenkens an die KZ-Außenstelle Dernau hatte 1985 den Verdacht, dass mit der damalas laufenden Flurbereinigung die Erinnerung an die KZ-Außenstelle getilgt wird. Die eingeschaltete Staatsanwaltschaft Koblenz eröffnete sogar ein Verfahren wegen „Mordes gegen unbekannt“. Bei den Ermittlungen förderten zwar etliche Fakten zutage, wurde aber 1992 ohne direkte Ergebnisse eingestellt. Nebeneffekt: Abseits des zwischen Dernau und Rech verlaufenden Rotweinwanderweges wurde eine kleine Gedenktafel angebracht.[3] Die unscheinbare, kaum wahrzunehmende blasse Steinplatte, in die Weinbergsmauer eingelassen und weit über Augenhöhe angebracht, fällt dem Spaziergänger oder Besucher nicht ohne Weiteres auf. Auf dieser Gedenktafel heißt es:

Zum Gedenken an das Außenlager des KZ Buchenwald 21.8.1944 - 13.12.1944 und allen Opfern des Nationalsozialismus - den Lebenden eine Mahnung

Die Gedenktafel befindet sich an der alten Strategischen Bahn Neuss - Kreuzberg - Metz, wenn man den Bahnhof Dernau in Richtung Rech verlässt. Am Ausgang von Dernau sieht man rechts am Hang zwei übereinander liegende Stützmauern der alten Strategischen Bahn Neuss - Kreuzberg - Metz, dort verläuft ein Weg von Dernau nach Rech. Dieser Weg liegt unterhalb des Rotweinwanderwegs. Schilder oder andere Hinweise gibt es dort nicht. Man schaut auf die beiden alten Eisenbahnstützmauern, dann ist die Gedenktafel links an der oberen Stützmauer zu sehen. Oder man folgt dem alten Bahndamm von Dernau; dann ist die in etwa zwei Metern Höhe hängende Gedenktafel am Ende der Stützmauer zu sehen.

Siehe auch

Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer des Lagers „Rebstock“

Mediografie

Weblink

aussenlager.buchenwald.de: Dernau/Marienthal bei Koblenz

Fußnoten

  1. Quellen: Rhein-Zeitung vom 14. Juni 2013 und vom 14. April 2016 sowie Günther Schmitt: Das Konzentrationslager "Rebstock": Von Braun, die V2 und das KZ, general-anzeiger-bonn.de vom 15. April 2016
  2. Quelle: Günther Schmitt: Das Konzentrationslager "Rebstock": Von Braun, die V2 und das KZ, general-anzeiger-bonn.de vom 15. April 2016
  3. Quelle: Rhein-Zeitung vom 14. Juni 2013