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Rainer Schlich (Kempenich)

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Rainer Schlich (* 10. Januar 1920, † 19. Mai 2015) aus Kempenich, gelernter Steinmetz, war im Zweiten Weltkrieg Wehrmachtssoldat. Er kämpfte an der Ostfront und als MG-Schütze am Don-Bogen kurz vor Stalingrad.


Vita

Im Oktober 1940 wurde Schlich, damals 20 Jahre alt, zum Infanterie-Regiment 485 in Wittlich einberufen. Nach der militärischen Ausbildung kam er im Frühjahr 1941 zunächst nach Darmstadt und von dort nach Frankreich. Am 17. Mai 1942 wurde er mit dem Infanterie-Regiment 313 von Biarritz (Frankreich) an die Front nach Russland verlegt. Bis nach Charkow wurde das Regiment mit der Eisenbahn transportiert; von dort aus ging es zu Fuß zur 6. Armee in Richtung Stalingrad. Im Februar 2013 schilderte Rainer Schlich einem Reporter der Rhein-Zeitung seine Eindrücke von damals:

Die Straßen waren ausschließlich breite Feldwege. Die russische Landbevölkerung wirkte unheimlich auf mich. Ihre Häuser waren aus Holzbalken. Innen befand sich ein Raum mit einem Backofen. Mit Lumpen deckte man sich zu. Die Leute liefen barfuß, ernährten sich von Sonnenblumenkernen, die im Mund geschält wurden. In den Dörfern herrschte eine unvorstellbare Armut. Außerhalb der Dörfer gab es endlose Steppen bis zum Don. Man wusste nicht, warum man hier kämpfte.[1]

Schlichs Einheit sollte die 6. Armee in Stalingrad von Norden her unterstützen. Am Don stießen die Wehrmachtssoldaten auf russische Soldaten, die auf der gegenüber liegenden Flussseite aus Richtung Moskau kamen. Es kam zu Kämpfen. Schlich schilderte:

Wir mussten uns zurückziehen und richteten uns am äußeren Don-Bogen für den Winter ein. Im September 1942 schlug beim Bau einer unterirdischen Stellung oben eine Granate ein, und ich wurde verschüttet. Dabei brach ich mir den zwölften Brustwirbel. Man brachte mich zum Verbandsplatz und dann ins Feldlazarett nach Charkow. Am 20. November 1942 erfolgte die Verlegung in ein Lazarett nach Wien. Dreimal wurde mein Körper mit Ausnahme von Armen und Beinen für sechs Wochen in Gips gelegt.“

Da Schlichs Aufenthalt im Lazarett bis zum März 1943 dauerte, blieb er vom Untergang der 6. Armee Ende Januar/Anfang Februar 1943 in Stalingrad verschont. Im August 1943 kam er erneut als Soldat nach Russland - diesmal nach Bobruisk an der Beresina im heutigen Weißrussland. Auf dem Rückzug geriet er im September 1944 zwischen Minsk und Sluzk in russische Gefangenschaft. Dem RZ-Reporter schilderte er:

Mehrere tausend Gefangene befanden sich in dem Lager. Wir lagen alle auf freiem Feld. In einer Baracke standen zwei Kessel für die Zubereitung des Essens. Täglich gab es eine Suppe aus Kleie oder Knollenblättern. Bewacht wurden wir von Partisanen. Sie schossen manchmal wahllos in das Lager hinein. Es kam auch vor, dass Gefangene vom Donnerbalken heruntergeschossen wurden.[2]

Gegen Ende des Winters 1944/45 entzündete sich Rainer Schlichs Kniekehle. Er wurde in ein Krankenrevier eingeliefert, wo er Fleckfieber bekam und die Besinnung verlor. Im Herbst 1945 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen. Zuvor hatte er Hose, Jacke und Brotbeutel erhalten. Zusammen mit anderen Wehrmachtssoldaten wurde er per Lkw zum Bahnhof von Smolensk gefahren. Von dort fuhren die jungen Männer mit der Bahn nach Frankfurt/Oder. Nach zwei Wochen Aufenthalt bekam er dort seine Entlassungspapiere. Russische Soldaten nahmen ihn, weil er nicht laufen konnte, auf ihrem Pritschenwagen nach Berlin mit. Von dort fuhr er mit dem Zug nach Eisenach, wo er wieder einige Zeit in einem Lager lebte. Dann aber wurde er - zusammen mit etwa 60 weiteren Soldaten - zur Sektorengrenze gefahren. Zu Fuß, per Eisenbahn und auf einem Milchwagen kam er bis nach Diez und per Bahn über Ehrenbreitstein nach Brohl. Von dort aus fuhr er mit der Brohltalbahn nach Oberzissen. Zusammen mit einer Frau aus Oberzissen, die Verwandten besuchen wollte, ging er an den Bahnschienen entlang zu Fuß bis nach Weibern.

Fußnoten

  1. Quelle: Hans-Josef Schneider: Rainer Schlich: Als MG-Schütze an der Ostfront - Heimatfreunde Kempenich arbeiten deutsche Geschichte von 1918 bis 1990 auf – Gespräche mit Zeitzeugen als wichtige Infoquelle, in: Rhein-Zeitung vom 8. und 21. Januar 2013
  2. Quelle: Stabsärztin als rettender Engel - Rainer Schlich erzählt von russischer Gefangenschaft und Heimkehr, in: Rhein-Zeitung vom 23. Februar 2013