Rheintor Andernach
Das Rheintor in Andernach, in früherer Zeit Kornpforte genannt, an der Einmündung der Rheinstraße in die Konrad-Adenauer-Allee war eine der wichtigsten Anlagen der Andernacher Stadtbefestigung und öffnete den Zugang vom Rhein her. Es ist eins der ältesten erhaltenen Doppeltore im Rheinland. Die ältesten erhaltenen Mauerteile stammen aus der Zeit um 1200. Doppeltor bedeutet hier, dass zwei Tore getrennt durch einen Hof, den sogenannten Zwinger, hintereinander stehen. Das Rheintor ist eines der einst fünf Haupttore der Stadt.
Das Bauwerk und seine Geschichte
Erster Teil der Toranlage war das der Stadt zugewandte Tor mit rundbogiger, ungefähr 3,60 Meter breiter Durchfahrt und einem Überbau aus Holz mit dem Wachraum für den Turmwächter. Die Gestaltung des Tors war einfach; als Dekoration waren über dem Torbogen die beiden noch erhaltenen, aber stark verwitterten Figuren aus Tuffstein angebracht, die im Volksmund „Bäckerjungen“ genannt werden.
Das dem Rhein zugewandte Vortor, das die Verteidigungsmöglichkeit gegen Angreifer verstärken sollte, wurde im 14. Jahrhundert gebaut. Es ist durch einen im Grundriss trapezförmigen Zwinger mit dem stadtseitigen Haupttor verbunden. Im Laufe der Jahrhunderte folgten mehrere Veränderungen. Dazu gehörten ein Torturm, Treppengiebel und zwei Eckwarten. Im 18. Jahrhundert erhielt der Torturm statt eines Spitzhelms ein über die gesamte Breite des Gebäudes reichendes Mansarddach und größere Fenster.
Nachdem das Straßenniveau angehoben worden war und eine Kanalisation angelegt werden sollte, beschloss die Stadtverwaltung 1894, das Außentor abzureißen. Dank Denkmalpflege und dank des Historikers Paul Clemen wurde dies jedoch verhindert und 1899 die Durchfahrt aufwendig um 1,50 Meter erhöht. Zur gleichen Zeit wurde auch das Dach erneut verändert, wozu die geschwungenen Hauben der beiden Erker gehören.
Das Mauerwerk der Toranlage besteht im Wesentlichen aus Schiefer, teilweise mit Tuff verblendet und außen mit Basaltlava gequadert.[1][2]
Bäckerjungensage
Wie es heißt, wollten zwei Bäckerjungen eines Nachts – wohl gegen Morgen – aus den Bienenkörben auf der Stadtmauer am Rheintor Honig naschen. Bei der Gelegenheit bemerkten sie Angreifer aus Richtung Linz, die sich auf die Stadt zubewegten und schließlich das Tor zu stürmen versuchten. Darauf packten die zwei die Bienenkörbe und warfen sie hinunter. Die Tausenden Bienen waren aufgeschreckt und stachen so heftig, dass die Aggressoren die Flucht ergriffen, während die Jungen sturmläuteten und die Stadt aufweckten. Dieses historisch nicht nachweisbare Ereignis ist in einem Theaterstück verarbeitet, das in unregelmäßigen Abständen als Freilichttheater in Andernach aufgeführt wird.[3] Bundespräsident Frank Walter Steinmeier griff die Geschichte der Bäckerjungen bei seinem Besuch im Oktober in Andernach in Verbindung mit den „Bäckermädchen“ auf, den erfolgreichen Fußballerinnen der SG 99 Andernach. Steinmeier sieht die Bäckerjungen der Legende als Beispiel für Leute, die sich nicht wegducken, sondern Verantwortung übernehmen.[4] Auf dem Marktplatz in Andernach steht ein Brunnen mit einer von der Bildhauerin Guta von Freydorf-Stephanow († 31. Dezember 1998) geschaffenen Skulptur zur Erinnerung an die Bäckerjungengeschichte.[5][6]
Fußnoten
- ↑ Quelle: The Camino History. Abgerufen am 20. Juni 2026.
- ↑ Quelle: Die Kunstdenkmäler des Kreises Mayen. Nachdruck 1983. ISBN 3-590-32143-1, S. 175–178.
- ↑ Quelle: Blick aktuell. Abgerufen am 20. Juni 2026.
- ↑ Quelle: Website Bundesregierung.de. Abgerufen am 20. Juni 2026.
- ↑ Quelle: Rhein-Zeitung. Abgerufen am 20. Juni 2026.
- ↑ Quelle: RLP. Museum digital. Abgerufen am 20. Juni 2026.






