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Rudolf Caracciola

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Das Motiv der Autogrammkarte von Rudolf Caracciola
Rudolf Caracciola und sein Beifahrer Eugen Salzer im Jahr 1926
Rudolf Caracciola in einem Mercedes-Benz W 125
Caracciola b.jpg
Caracciolas Geburtshaus am Deichweg in Remagen
Säule mit Bronzebüste am Nürburgring

Rudolf Caracciola (am 30. Januar 1901 als Spross einer neapolitanischen Familie, die ca. 1700 nach Deutschland kam, in Remagen geboren; † 28. September 1959 in Kassel) war der erfolgreichste deutsche Automobilrennfahrer vor dem Zweiten Weltkrieg und er ist der berühmteste Sohn der Stadt Remagen. Im Jahr 1927 gewann er das erste Autorennen auf dem neu gebauten und laut seiner Aussage „bärig schweren“ Nürburgring. Das „Karussell“, eine enge Linkskehre auf dem Nürburgring, befuhr er einige Jahre später als erster Rennfahrer absichtlich unter Zuhilfenahme des Straßengrabens auf der Innenseite; dadurch konnte er die Kurve mit einer deutlich höheren Geschwindigkeit als bis dahin möglich durchfahren. Das „Karussell“ wurde daraufhin mit Betonplatten als Steilkurve befestigt und dadurch zu einem regulären Teil der Piste. Diese berühmte Linkskurve auf der Nordschleife wurde aus Anlass des 100. Geburtstags von Rudolf Caracciola im Jahr 2001 in „Caracciola-Karussell“ umbenannt.


Vita

Der Name Carraciola hatte von jeher einen guten Ruf in der Stadt. Dies lag an Rudolfs Großvater Johann August Otto Caracciola, der mit seiner florierenden Weinhandlung Mitte des 19. Jahrhunderts für einen wirtschaftlichen Aufschwung in Remagen sorgte und in dessen Hotels an der Rheinpromenade Remagen die damalige „High Society“ wohnte. Während Johann Otto August bis zu seinem Tod 1886 in Remagen lebte, zog es Rudolf Caracciola schon bald in die Ferne. Trotzdem ist er der wohl berühmteste Sohn der Stadt. Caracciolas Geburtshaus steht im Deichweg 6 in Remagen.

Verwandtschaftliche Beziehungen

Bruder von Egon Caracciola

Anfänge im Motorsport

Caracciolas Verbindung zum Motorsport begann 1922, als er bei den Fafnir-Automobilwerken in Aachen arbeitete. In diesem Jahr startete er zunächst erfolgreich auf einem NSU-Motorrad bei der Zuverlässigkeitsfahrt „Rund um Köln“ und nahm bereits im Juni auf einem Werksrennwagen von Fafnir am Avus-Rennen in Berlin und einen Monat danach am Opelbahnrennen in Rüsselsheim teil, das er gewann. Ab 1923 arbeitete er als Automobilverkäufer in Dresden und wurde bald als Rennfahrer von Mercedes-Benz eingesetzt. Seine große Karriere begann 1926 und dauerte bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs. In dieser Zeit gewann er unter anderem das Eifelrennen zur Eröffnung des Nürburgrings am 19. Juni 1927.[1][2]

In den 1930er-Jahren dreimal Europameister

1932, als Mercedes-Benz sich nicht an Rennen beteiligte, fuhr Caracciola für Alfa-Romeo und Anfang 1933 ebenfalls auf Alfa im Team von Louis Chiron, verunglückte allerdings zu Beginn der zweiten Saison und verletzte sich so schwer, dass er bis zum Ende des Jahres pausieren musste. 1934 kehrte er zu Mercedes zurück.[1]

Sechsmal gewann Caracciola den Großen Preis von Deutschland: 1926 auf der Avus und in den Jahren 1928, 1931, 1932, 1937 und 1939 auf dem Nürburgring. Die 501,8 km des Großen Preises von 1937 auf der Nordschleife, im letzten Jahr der 750-kg-Formel[3], fuhr er mit einem Mercedes-Benz W 125[4] in 3:46,00 Stunden bzw. mit einem Durchschnitt von 133,2 km/h. Diese Geschwindigkeit wurde erst 1951 von Alberto Ascari auf Ferrari übertroffen, der auf der von 22 auf 20 Runden verkürzten Distanz mit einer Zeit von 3:23:03,3 Stunden 134,8 km/h erreichte. Das Rennen von 1928 fuhr Caracciola zusammen mit Christian Werner auf einem Mercedes-Benz SS.[5][1]

In den Jahren 1935, 1937 und 1938 gewann Caracciola die Europameisterschaft, vergleichbar mit der Fahrerweltmeisterschaft nach dem Krieg.[1]

Zu den Erfolgen in vielen Rundstrecken- und Bergrennen kamen 17 Weltrekorde mit Fahrzeugen, die nicht in Rennen eingesetzt wurden, sondern darauf ausgelegt waren, die höchstmögliche Geschwindigkeit zu erzielen.[1] Eine dieser Rekordfahrten fand am 28. Januar 1938 auf dem Autobahnabschnitt Frankfurt–Darmstadt statt. Caracciola auf Mercedes-Benz erzielte über einen Kilometer mit fliegendem Start 432,69 km/h. Beim anschließenden Versuch der Auto Union, diesen Wert zu verbessern, verunglückte Bernd Rosemeyer[6] tödlich. Der Wagen wurde bei etwa 430 km/h von einer Windbö erfasst und zerschellte an einem Baum.[7]

Comeback nach dem Krieg

Nach dem Krieg versuchte „Caratsch“, wie er oft genannt wurde, ein Comeback, verunglückte aber 1946 beim Training zum 500-Meilen-Rennen von Indianapolis schwer. 1952 startete er auf Mercedes-Benz 220 bei der Rallye Monte Carlo und auf Mercedes-Benz 300 SL bei der Milli Miglia, die er als Vierter beendete. Kurze Zeit später verunglückte er im Sportwagenrennen in Bern erneut und zog sich schwere Verletzungen an den Beinen zu. Unfallursache war wahrscheinlich ein Defekt an der Bremsanlage des Wagens.[1] Danach zog sich Caracciola vom Rennsport zurück und war fortan als Repräsentant für Mercedes-Benz tätig. Seinen Wohnsitz hatten er und seine zweite Frau in den letzten Jahren in Lugano-Castagnola.[2]

Das Caracciola-Denkmal Remagen nahe der Caracciola-Villa am Rhein erinnert an den Rennfahrer. Das Haus beherbergt heute zwei Arztpraxen und eine Wohnung.

Weitere Bilder

Siehe auch

Mediografie

Weblinks

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Michael Behrndt, Jörg Thomas Födisch, Matthias Behrndt: Deutsche Rennfahrer. Heel Verlag, Königswinter 2008, ISBN 978-3-86852-042-2.
  2. 2,0 2,1 Willi K. Michels, Luki Scheuer: Nürburgring – Jagdrevier der schnellen Männer. Mittelrhein-Verlag, Koblenz.
  3. 750-kg-Formel: Das Höchstgewicht des Wagens mit Rädern, aber ohne Treibstoff, Öl, Kühlwasser und Reifen durfte 750 kg betragen. Als Renndistanz waren mindestens 500 km vorgeschrieben.
  4. Der Mercedes-Benz W 125 hatte einen Reihenachtzylindermotor mit Kompressor, Hubraum 5660 cm³, Leistung etwa 570 PS bei 5800/min
  5. Programmheft zum Großen Preis von Europa, Veranstalter Automobilclub von Deutschland (AvD), Frankfurt/Main.
  6. Bernd Rosemeyer (* 1909 in Lingen im Emsland, † 1938): Neben Caracciola galt er als bester deutscher Rennfahrer der 1930er-Jahre. Seit 1936 war er mit der Fliegerin Elly Beinhorn verheiratet.
  7. Halwart Schrader (Redaktion): Silberpfeile – Die legendären Rennwagen 1934 bis 1955. Heel Verlag, Königswinter 1995, ISBN 3-89365-428-3.