FacebookLogo.png   TwitterLogo.png   Wordpress-logo-notext-rgb.png

Rudolf M. Thomi

Aus AW-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rudolf Michael Thomi (* 12. Oktober 1929, † 26. Februar 2015) aus Pützfeld war von 1969 bis 1989 Bürgermeister der Gemeinde Ahrbrück. Ihm ist zu verdanken, dass die spätbarocke Wallfahrtskapelle "Sancta Maria Immaculata" Pützfeld heute gut in Schuss ist.


Caritas-Geschäftsführer Richard Stahl (links) und Rudolf M. Thomi (rechts) bei der Übergabe einer Spende zugunsten der Wallfahrtskapelle "Sancta Maria Immaculata" Pützfeld (im Hintergrund).

Sonstiges

Die Schreibweise seines Namens war ursprünglich "Thomé". Dem Irrtum eines Standesbeamten verdankte er die spätere Schreibweise. Der Staatsdiener las das „e“ mit Akzent als „i“ und übernahm es in amtliche Dokumente.

Rudolf Thomi wuchs in Pützfeld auf, wo sein Vater den Beruf des Schreiners ausübte. Er besuchte die Schule in Brück und begann danach eine Lehre als Bürokaufmann.

Dass er das letzte Kriegsjahr überlebte, hat Thomi einem heimischen Polizeibeamten mit dem Namen "Schumann" zu verdanken. Im Februar 1945, Rudolf Thomi war damals 15 Jahre alt, erreichte ihn ein Einberufungsbefehl für den Westwall. Rudolf Thomi folgte diesem Befehl nicht. Der Rhein-Zeitung verriet er wenige Tage vor seinem Tod: „Ich hatte Angst. Ich ahnte, was mich erwartet. Mein Vater war Soldat!“ So fuhr er weiterhin jeden Morgen mit dem Zug von Brück zu seiner Lehrstelle beim Bauunternehmer Geyer in Adenau. Nach zwei Wochen aber kam der örtliche Polizist vorbei, als Rudolf Thomi in Brück auf seinen Zug wartete, und schaute in seine Richtung. „Ich wusste, wer mit diesem Blick gemeint war“, sagte Thomi, „den Polizisten kannte ich, er hieß Schumann. Der fixierte mich und sagte leise: 'Junge, verschwinde und lass' dich hier nicht mehr sehen!' Schumann wusste, was mir blüht, wenn er mich verhaftet. Aber die Moral war bei ihm stärker als sein Dienstverständnis.“ So rannte Rudolf Thomi nach Hause, griff sich Schaufel und Kreuzhacke und lief in den verschneiten Wald, wo er sich einen Unterstand baute. „Dort hockte ich dann den ganzen Tag. Spät abends ging ich nach Hause und früh morgens wieder in den Wald.“ Nach ein paar Tagen lag erneut ein Stellungsbefehl im Briefkasten: Rudolf Thomi sollte am 7. März 1945 zur Verteidigung des Calmuth in Remagen antreten. Dazu sollte er sich auf einem Hof zwischen Kalenborn und Altenahr einfinden. „Ich hatte keine Courage, mich wieder nicht zu melden, und habe mich für den Einsatz fertig gemacht. Genau am 7. März aber begannen die Amerikaner, Pützfeld zu beschießen und ich konnte nicht mehr weg. Ich habe wirklich Glück gehabt.“[1]

Von 1947 bis 1956 arbeitete Thomi in der Amtsverwaltung Altenahr und von 1956 bis 1959 arbeitete er im Verteidigungsministerium: In der „Ermekeil-Kaserne“ in Bonn war er Mitarbeiter des Kabinettsreferats des damaligen Bundesverteidigungsministers Franz-Josef Strauß. Von 1959 bis 1970 war er Personalsachbearbeiter bei der Standortverwaltung in Bad Neuenahr. Dann wurde er Beamter und leitete den Innendienst im Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland in Marienthal. Dort wurde er stellvertretender Referatsleiter in der dortigen Verwaltung und war für Finanzen und Innendienst zuständig. 1992 ging er als Regierungsamtsrat in Pension.

1949 war Thomi CDU-Mitglied geworden. 1964 wurde Thomi in die damalige Amtsvertretung Altenahr (heute Verbandsgemeinderat Altenahr) und in den Gemeinderat Pützfeld gewählt. Nach dem Zusammenschluss von Brück, Ahrbrück und Pützfeld zur Gemeinde Ahrbrück im Rahmen der kommunalen Gebietsreform im Jahr 1969 wurde Thomi zum ersten Ortsbürgermeister der neuen Gemeinde gewählt. Im gleichen Jahr gründete Thomi den CDU-Ortsverband Ahrbrück, zu dessen Gründungsvorsitzenden er gewählt wurde. 20 Jahre lang war er Bürgermeister und Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes, bevor Thomi im Jahr 1989 aus diesen Ämtern ausschied. Als Jagdvorsteher der Jagdreviere Brück, Ahrbrück und Pützfeld vertrat er genauso lange die Interessen der Jagdgenossen. Ab 1970 war Thomi auch einige Jahre lang Mitglied im Rechtsausschuss des Kreises Ahrweiler. Während seiner Amtszeit als Bürgermeister konnte Thomi für die Gemeinde Ahrbrück das Bahnhofsgebäude von Ahrbrück ankaufen. Er erreichte auch, dass ein Arzt in Ahrbrück blieb und dass der Ort Dienstsitz des Pfarrers des Seelsorgebereiches Ahrbrück blieb.

Während seiner Amtszeit wurden die Denntal-Grundschule Ahrbrück und die Kindertagesstätte "Wirbelwind" Ahrbrück gebaut und eröffnet. Auch die Aussegnungshalle am Friedhof wurde während seiner Amtszeit gebaut.

Ab 1948 versucht sich Thomi auf dem Harmonium in der ehemaligen Notkirche in Ahrbrück. Im Selbststudium wurde er Organist und Chorleiter. Er sorgte dafür, dass der Gemischte Chor "Liederkranz" Ahrbrück 1913 e.V. wiedergegründet wurde, und übernahm dessen Leitung. Thomi selbst sang als Zweiter Tenor unter Rudolf Desch im Chorleiterchor Rheinland-Pfalz. Der "Liederkranz" ernannte ihn später zum Ehrenvorstandsmitglied.

Dank galt Rudolf Thomi auch bei der Auflösung der DLRG-Ortsgruppe Adenau im Januar 2014; 25 Jahre lang war er stellvertretender Vorsitzender dieser Ortsgruppe gewesen.[2]

In besonderer Weise engagierte sich Thomi für die Wallfahrtskapelle "Sancta Maria Immaculata" Pützfeld. 1947, als das Besitzrecht der Kapelle an die damalige Ortsgemeinde Pützfeld fiel, wurde Thomi zum ehrenamtlichen Verwalter ernannt. Anfang der 1950er-Jahre war die Kapelle in desolatem Zustand war. Von 1955 bis 1966 leitete Thomi die erste Kapellensanierung. Unterstützt wurde er von Behörden und der Diözese Trier, und seit 1966 erstrahlt die gemeindeeigene Kapelle in neuem Glanz und wurde anschließend von ihm instand gehalten und verwaltet. Verdienste erwarb sich Thomi auch um die die Ende 1993 abgeschlossen knapp eine Million Mark teure Innen- und Außen-Renovierung der Kapelle, die den Einbau einer neuen Mayer-Orgel einschloss. 1980 gründete Thomi den Verein der Förderer der Marien-Wallfahrtskapelle zu Pützfeld e.V..

Ab und zu überlegte er es sich wohl schon, ob er über Jahrzehnte den größten Teil seiner Freizeit in das Projekt Kapelle stecken sollte, doch Ehefrau Gertrud Thomi unterstützte ihn. Thomi organisierte Konzerte in der Kapelle und holte zum Beispiel immer wieder das von Günter Kehr geleitete Mainzer Kammerorchester nach Pützfeld. An der Anschaffung von Glocken für die Kapelle war er ebenfalls maßgeblich beteiligt. Thomi organisierte die 300-Jahr-Feier der Weihe des Hochaltars, Wallfahrtseröffnungen im Herbst und zahlreiche Pontifikalämter. Zu seinen letzten großen Initiativen gehörte die Anschaffung einer von dem Kreuzberger Bildhauer Rudolf P. Schneider geschaffenen schreitenden Madonna, die in einer Nische über dem Kapellenportal ihren Platz fand. Gemeinsam mit dem Pfarrer überlegte Thomi Anfang der 1970er-Jahre, dass es zu schade sei, die Marienkapelle nur gelegentlich für Trauungen zu nutzen und entwickelte die Idee wöchentlicher Pilgermessen. Bei den Pilgermessen, die Woche für Woche am Dienstag in der Kapelle gefeiert wurden, spielte Thomi die Orgel.[3]

Neben der Arbeit an der Kapelle richtete sich vor vielen Jahren sein Interesse auf die heute nicht mehr sichtbare Wasserburg Pützfeld. Eigene Grabungen brachten ihn fast vor den Kadi, denn der Denkmalschutz war nicht mit seinem Plan einverstanden, mit eigener Hand Mauern aus alter Zeit freizulegen. Er musste sie wieder zuschaufeln.

Ehrungen und Auszeichnungen

Veröffentlichungen

  • Magnus Backes/Rudolf Michael Thomi: Die Wallfahrtskapelle zu Pützfeld an der Ahr, 1958, broschiert
  • Rudolf Michael Thomi: Festschrift zur 300-Jahr-Feier der Weihe des Hochaltars der Marien-Wallfahrtskapelle zu Pützfeld 1699-1999, gebundene Ausgabe, 1999

Mediografie

Ehepaar verbringt viel Zeit in der Kapelle - Pützfeld: Gertrud und Rudolf Thomi feiern heute Goldhochzeit - Er war 20 Jahre Ortsbürgermeister, in: Rhein-Zeitung vom 13. November 2003

Fußnoten

  1. Quelle: Gabi Geller: Polizist rettete Rudolf Thomi vor 70 Jahren – Pützfelder Senior lebt seit Jahrzehnten mit einer großen Dankesschuld, in: Rhein-Zeitung vom 26. Februar 2015
  2. Quelle: Werner Dreschers: Bei DLRG Adenau gehen die Lichter aus - Verein zeichnet ein letztes Mal verdiente Mitglieder aus, in: Rhein-Zeitung vom 17. Januar 2015
  3. Quelle: Nachruf: Marien-Kapelle in Pützfeld und Rudolf Michael Thomi gehörten zusammen, in: Blick aktuell vom März 2015, und: Rudolf M. Thomi aus Pützfeld ist gestorben, in: Mittelahr-Bote Nr. 10/2015, Seite 44
  4. Quelle: Ehrungen verdienter Bürger, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1980
  5. Quelle: Todesanzeige in der Rhein-Zeitung vom 28. Februar 2015