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Sieben Fußfälle Bad Neuenahr

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Station auf dem Friedhof in Beul
Bad Neuenahr - Heinz Grates (1652).jpg
Dieses beschädigte Relief der Station am ehemaligen Rentmeisterhof zeigt Jesus im Tempel („Jesu Beschneidung“).

In Beul gab es einst einen Sieben-Fußfälle-Bittweg, der längs der heutigen Willibrordusstraße – deshalb steht die erste Station heute noch am Parkplatz zur Stadtbücherei – hinauf zum Friedhof an der Willibrorduskirche führte. „Das Erlebnis des Todes stand anders als heute noch mitten in der Gemeinde und wurde im Betrachten des Leidens und des Todes Jesu in tröstlicher Trauer angenommen“, schrieb der damalige Pfarrer Otto Berberich in einem zweiteiligen Beitrag über den Sieben-Fußfälle-Weg anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Willibrorduskirche in der Stadtzeitung. Drei seiner Stationen sind heute noch erhalten: Eine steht am ehemaligen Rentmeisterhof, zwei weitere befinden sich auf dem Friedhof. Die fehlenden Bildstöcke sind wegen Baufälligkeit entfernt worden. An den Stationen der sieben Schmerzen Mariens wurde gebetet, wenn ein Einwohner Beuls im Sterben lag oder gerade verstorben war. Junge „unbescholtene“ Mädchen trafen sich dazu am Sterbe- oder Trauerhaus und beteten entlang des Stationsweges den schmerzhaften Rosenkranz. An den einzelnen Darstellungen knieten die Mädchen nieder und beteten je drei Vater Unser, Ave Maria und Ehre sei dem Vater. Auch bei der kleine Kapelle am Friedhofseingang aus dem Jahr 1697 mit den Darstellungen von Jesus mit St. Magdalena, der Verkündigung und St. Willibrordus wurden Sterbe- oder Totengebete verrichtet. Der Rückweg zum Sterbe- oder Trauerhaus erfolgte in gleicher Weise. Dort angekommen, wurde nochmals für den Sterbenden oder am Sarg für den Verstorbenen gebetet. Der kleinen Prozession voran trug ein Junge das Kreuz, sieben Jungen oder Mädchen führten brennende Kerzen mit sich, je nachdem, ob der Sterbende oder Tote ein Mann oder eine Frau war. Nach Abschluss der Gebete erhielten die Teilnehmer kleine Gaben oder sie wurden zum Leichenschmaus eingeladen. Letztmalig sollen die Fußfälle beim Tode von Barbara Steinborn, der Schwester von Bertram Steinborn (Mittelstraße) im Jahr 1930 gebetet worden sein. „Der Zustand der "Fußfälle" ist heute ein untergegangenes, zumindest verwehtes Zeugnis vergangener Kreuzkultur, die nicht zuletzt auch verdrängt wurde durch den Kreuzweg mit 14 Stationen, der fast in jeder katholischen Kirche zu finden ist“, schreibt Berberich. Die Tatsache, dass die Steingehäuse aus weichem Tuffgestein gehauen und die Bilder aus Terrakotta gegossen sind, mache eine Restaurierung der noch vorhandenen Statopmem unmöglich.


Standorte

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Allgemeines

Einer Legende folgend, ging die Gottesmutter Maria nach Jesu Tod jeden Tag seinen Leidensweg durch Jerusalem nach und betete an sieben Stellen. Später seien dort sieben Stationen sowie – am Anfang und am Ende des Weges – je eine Kapelle gebaut worden. Wegen des siebenmaligen Kniens entstand der Name der „sieben Fußfälle“. Später wurde an den Stationen im Stehen gebetet.

In einem Beitrag zum Fußfälle-Bittweg in Beul schrieb Berberich, damals Pfarrer in Bad Neuenahr, im Jahr 1990 zum Beuler Fußfälle-Weg:

Die religiöse Thematik ... bezeichnet die enge Beziehung der Mutter Jesu mit ihrem Sohn und umgreift ihr gemeinsames irdisches Leben, angefangen von der Geburt bis zum Tode Jesu als ein vom Schmerz der Mutter gekennzeichneter Weg. Er fängt an mit der Weissagung Simeons im Tempel, setzt sich fort in der Flucht nach Ägypten. Der 12jährige Jesus im Tempel, der drei Tage lang von seinen Eltern gesucht wurde, die Begegnung auf dem Kreuzweg, die Kreuzigung, das Sterben Jesu und seine Grablegung bezeichnen in 7 Stationen das Leid Mariens.

Sonstiges

Wer in Beul den Weg über die ehemalige Kirchstraße (heute Willibrordusstraße zur Willibrorduskirche geht, passiert wenige Meter hinter dem einstigen Rentmeisterhof, später Pfarrhaus, heute Stadtbibliothek) einen Bildstock mit Relief, das Jesus im Tempel zeigt. Diese Szene wird auch „Jesu Beschneidung“ genannt. Der Kopf des Jesusknaben fehlt. Auf dem weiteren Weg zur Kirche befinden oder befanden sich in der Mauer des alten Pfarrgartens noch zwei Einbuchtungen, in denen Ruhebanke aufgestellt worden waren. Dort standen einst zwei weitere Bildstöcke:

  1. die Flucht nach Ägypten und
  2. die Darstellung des zwölfjährigen Jesus im Tempel.

Innerhalb der Friedhofsmauer befanden sich vier weitere Bildstöcke:

  1. Kreuztragung Christi,
  2. Kreuzigung Christi („Maria unter dem Kreuz“ genannt),
  3. Kreuzabnahme Christi (oder „Maria nimmt Jesus Leichnam auf den Schoß“/Mater Dolorosa) und
  4. Grablegung Christi.

„Heute sind auf dem Friedhof sechs Bildstöcke oder Teile davon zu sehen“, schrieben Hedwig Deil/Heinz Lindlahr 1985 in der Beuler Lupe. Die Darstellung Jesu im Tempel und die Kreuzigung Christi würden fehlen. Von diesen Stationen würde „nur noch ein leerer Bildstock und das Oberteil eines solchen eingemauert in die Friedhofrmauer“ zeugen. Zu Datierung der Beuler Fußfälle-Stationen schrieben Hedwig Deil/Heinz Lindlahr:

Ließ die Volksfrömmigkeit im 15. Jahrhundert die sichtbare Nachbildung der einzelnen Stationen des Weges Christi zum Kreuz in sieben Stationen entstehen, denen später im 17. und 18. Jahrhundert unter dem Einfluß franziskanischer Kreuzwegandachten vierzehn Leidensstationen folgten, so handelt es sich bei den hiesigen Darstellungen keinesfalls um einen derart frühen Kreuzweg. ... Die sieben Fußfälle sind vielmehr auf im 12./13. Jahrhundert aufkommende starke Marienverehrung zurückzuführen. Die Verehrung der Freuden der Maria wurde schom im 13. Jahrhundert durch den toskanischen Servitenorden verbreitet. Analog dazu stellte man die Schmerzen zusammen, deren Fest allerdings erst durch die Synode zu Köln 1423 belegt ist. Die Anfangs auf fünf beschränkte bzw. wechselnde Zahl der Ereignisse wurde im 15. Jahrhundert für beide Folgen auf sieben festgesetzt.

Zu den sieben Freuden zählen, wie Deil und Lindlahr schrieben:

  1. Die Verkündigung an Maria,
  2. die Heimsuchung der Maria,
  3. die Geburt Christi,
  4. die Anbetung der Könige,
  5. die Darbringung im Tempel,
  6. das Wiedersehen mit dem zwölfjährigen Jesus im Tempel und
  7. die Krönung Mariens.

Zu den sieben Schmerzen gehören die oben genannten Darstellungen. Dabei fällt auf, dass die Darstellung im Tempel (wegen Simeons Ausspruch „Ein Schwert wird deine Seele durchdringen") und die Suche nach dem zwölfjährigen Jesus im Tempel in beiden Zyklen vertreten sind. Bildliche Darstellungen sind, wie Deil und Lindlahr schreiben, erstmals in der Mitte des 15. Jahrhunderts belegt. Das Alter der Beuler Fußfälle sei nicht bekannt. Vollständig erhaltene, gleichartige Fußfälle gebe es noch in Nürnberg, Kobern/Mosel und Linz/Rhein.

Die Beuler „Fußfälle“ wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts von einem Bildhauer Scherf in Köln-Kalk hergestellt. Dieser fand dazu die Anregung bei dem österreichischen Maler und Zeichner Führich (1800-1876), der als bedeutsamer „Nazarener“ und Freskenmaler auch Kupferstiche und Holzschnitte schuf. Scherf hat an vielen anderen Orten des Rheinlands Kreuzwege im gleichen Kunststil errichtet. Heute sind noch welche in Weilerswist, Brühl und Brenig-Bornheim zu finden.

Dass es ähnliche Darstellungen mit der gleichen Thematik auch in anderen Pfarrgemeinden des Rheinlands gibt, bestätige, wie Otto Berberich schreibt, „daß die Verehrung der "Schmerzhaften Mutter" eine weitverbreitete Frömmigkeit gewesen ist, die sich in Wallfahrten, Andachten und Litaneien bis heute gehalten hat.“

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