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Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Weinbau, Gartenbau und Landwirtschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler

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Walporzheim - Heinz Grates (85).jpg
„Prov. Wein- und Obstbauschule zu Ahrweiler“, Siegelmarke aus der Zeit zwischen 1850 und 1923
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Infotafel am Rotweinwanderweg
Vor 1922
Das einstige Hauptgebäude.
Im Advent 2015 wurden die Gebäude von ihrem neuen Besitzer, der Medentis medical GmbH, farbig illuminiert.
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Die Provinzial-Wein- und Obstbauschule, ab 1945 Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Weinbau, Gartenbau und Landwirtschaft, wurde im Jahr 1902 von der damaligen Provinzialverwaltung der Rheinprovinz in Düsseldorf gegründet. Für die Gründung dieser Schule hatte die Stadt Ahrweiler bereits 1899 Gelände inmitten der Weinbergslage „Walporzheimer Himmelchen“ zur Verfügung gestellt. In Abgrenzung zu den Einrichtungen in Trier, Kreuznach und Oppenheim sollte in Ahrweiler besonderes Augenmerk auf dem Rotwein liegen. Im Zuge einer landesweiten Strukturreform der Agrarverwaltung wurde die Einrichtung zum 1. September 2003, gut 100 Jahre nach ihrer Eröffnung, von der rheinland-pfälzischen Landesregierung geschlossen.


Lage

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Gründung, Entwicklung und Schließung

In einer der ersten Verlautbarungen der Einrichtung hieß es:

Hier in der Schule wird das Fundament zur vernunftmäßigen Bewirtschaftung gelegt. Alte Vorurteile, schädliche Gepflogenheiten ... werden auf die Seite geschoben. Es wird nur auf das Mustergültige hingewiesen. Theorie und Praxis gehen hierbei Hand in Hand. Morgens erfolgt in der Schule die theoretische, nachmittags in Wein- und Obstbau die praktische Unterrichtung.

Die Provinzial-Wein- und Obstbauschule ist der Titel eines Ahrweiler-Reiseführers aus dem Jahr 1921. Darin heißt es:

Gleich den übrigen Weinbaugebieten der Provinz, wie das der Mosel, Saar, Nahe und des Oberrheines machte sich auch für den ganzen Weinbaubezirk der Ahr und des Mittelrheines die Notwendigkeit der Errichtung einer Wein- und Obstbauschule geltend. Da besonders die Lage des Rotweinwinzers der Ahr schon in den neunziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts eine gedrückte war, erkannte der Landrat des Kreises, Herr Geh. Reg-Rat Heising zu Ahrweiler, die Zukunftssituation seiner Winzer und brachte bei der Rheinischen Provinzial-Verwaltung die Errichtung einer Fachschule auf diesem Gebiete mit dem Sitz in Ahrweiler in Vorschlag. Im Jahre 1899 sprach sich der Provinziallandtag für die Errichtung einer solchen Schule aus und bereits am 3. Oktober 1902 konnte die Schule mit 26 Schülern eröffnet werden. Die Schule liegt oberhalb Ahrweiler in dem sich nach der „bunten Kuh" stark verengenden, wildromantischen Ahrtale und ist von der Bahnstation Walporzheim in 2, von Station Ahrweiler aus in 30 Minuten zu erreichen. Sie verfolgt den Zweck, angehenden Winzern und Landwirten eine möglichst eingehende praktische und theoretische Ausbildung zuteil werden zu lassen, die sie befähigt, den väterlichen und demnächst ihren eigenen Betrieb den höheren Anforderungen der Zeit gemäß intensiver und ertragreicher zu gestalten. Die Ausbildung der Schüler erfolgt in einjährigen und zweijährigen Kursen und zwar letztere für solche jungen Leute, die später als Aufseher, Verwalter und Kellermeister tätig sein wollen. Die Anstalt hat fernerhin die Aufgabe, durch besondere Spezialkurse in Weinbau, in der Kellerwirtschaft und Weinchemie, im Obstbau und in der Obstverwertung, sowie in der Landwirtschaft auch solchen Interessenten Gelegenheit zum Besuche zu geben, deren sonstige Tätigkeit ein Abkommen auf längere Zeit nicht gestattet. Außerdem werden auch noch aus den einzelnen Gebieten Vorträge gehalten. Die Tätigkeit der Provinzial-Wein- und Obstbauschule erstreckt sich auf alle Gebiete der Landwirtschaft. Weinbau und Kellerwirtschaft, Obstbau und Obstverwertung, Ackerbau und Tierzucht, Garten- und Gemüsebau, Betriebslehre und Buchführung, Chemie und Weinuntersuchung, Physik, Feldmessen und Nivellieren bilden den Unterricht, der durch besondere Fachlehrer: den Direktor, einen Obstbaulehrer, einen Weinbaulehrer und einen Landwirtschaftslehrer, die praktisch und theoretisch wohl ausgebildet sind, erteilt wird. Außer diesen Fächern erteilen auch noch zwei Hilfslehrer und ein Religionslehrer Unterricht in Deutsch, Rechnen und Raumlehre und Religion. Dann bieten auch die geräumigen Gebäude mit ihren großen Lehrsälen, Laboratorien, Bibliotheken, Kellereien und Obstverwertungsräumen etc. sowie auch der ausgedehnte Ländereibesitz der Schule Gewähr dafür, daß keine Mittel gescheut werden, den Schülern den Unterricht so eingehend angedeihen lassen zu können, wie nur möglich. Der Gesamtlandbesitz der Schule setzt sich zusammen aus ca. 140 ar Weinbergen, 250 ar Obst- und Gartenland und ca. 400 ar landwirtschaftliche Versuchsfelder in Vettelhoven, Bodendorf und Ramersbach. Außerdem unterstehen die staatlichen Versuchsweinberge mit ca. 100 Ar der Leitung der Schule. Größere Exkursionen zur Besichtigung von Weingütern, Kellereien, Obstanlagen sowie landwirtschaftlichen Betrieben werden alljährlich mit den Schülern unternommen. Mit der Schule ist ein Internat verbunden, in dem die Schüler gegen Zahlung eines angemessenen Schul- und Kostgeldes Aufnahme finden können. Nicht in der Anstalt wohnende Schüler haben ein Schulgeld von 100 M. jährlich zu zahlen. Hospitanten zahlen monatlich 12 M. Durch Gewährung von halben und ganzen Freistellen kann unbemittelten jungen Leuten je nach ihrer Bedürftigkeit der Besuch der Schule ermöglicht werden. Das neue Schuljahr beginnt an der Schule anfangs Oktober. Die Schule hat in den 19 Jahren ihrer Tätigkeit mannigfaltige Erfolge aufzuweisen. Sie wirkte in erster Linie auf Ausübung eines sachgemäßen Rebschnittes, überhaupt auf bessere Neuanlage sowie Pflege der im Ertrag stehenden Weinberge. In gleicher Weise war sie bestrebt, den Wein dem Geschmack der Konsumenten anzupassen und hat durch die eingehend geleiteten Entrappversuche, Vergährungsmethoden, Anwendung der Reinhefe, der Praxis große Dienste geleistet. Auch auf dem Gebiete der Landwirtschaft und des Obstbaues, besonders in Bezug auf Obstverwertung, sind vielseitige Erfolge aufzuweisen. Der Direktor der Schule ist gern bereit, jede gewünschte weitere Auskunft zu erteilen und den Schülern und ihren Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Meldungen zum Schulbesuch werden von dem Direktor entgegengenommen.[1]

Die Schule besaß fünf Hektar Weinbergslagen in Ahrweiler und Walporzheim. Das zur Weinbauschule gehörende landwirtschaftliche Versuchsgut Altenwegshof wurde 1944 verkauft. Das zur Schule gehörende Internat wurde nach dem Krieg aufgegeben. Überhaupt schadeten Krieg und Nachkriegsjahre der Entwicklung der Anstalt. Lange Zeit war im Hauptgebäude das Gymnasium untergebracht, das erst 1953 in ein neu errichtetes Gebäude umzog. Im Jahr 1952 wurde der Weinbauschule die Staatliche Weinbaudomäne Marienthal angegliedert. Dadurch wurden in Walporzheim Kelter-, Brennereiräume sowie Weinkeller frei, die nun für andere Zwecke genutzt werden konnten. Von da an entwickelte sich insbesondere ein Zweig ländliche Hauswirtschaft und Ausbildung von Landfrauen.

Kurt Broicher war von 1957 bis zu seiner vorgezogenen Pensionierung im Jahr 19780 Direktor der Einrichtung samt der Staatlichen Weinbaudomäne Marienthal.

Die Schließung

Die Tage der SLVA in Ahrweiler seien gezählt, meldete die Rhein-Zeitung am 21. November 2002. Spätestens im Jahr 2015 werde sie geschlossen, hatte es tags zuvor aus dem Mainzer Wirtschaftsministerium geheißen, vielleicht aber auch schon 2005. Grund für den Rückzug aus dem Ahrkreis war die landesweite Strukturreform der Agrarverwaltung. Zweck der Reform sei die längst überfällige Anpassung der Verwaltung an die veränderten Verhältnisse in der Landwirtschaft: Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sei von 1991 bis 2001 landesweit von 51.330 um rund 40 Prozent auf 30.834 gesunken. Vor allem aber sollen mit der Reform Personal- und Sachkosten eingespart werden - zwischen 40 und 50 Prozent bis zum Jahr 2015 und bis zu 38 Millionen Euro jährlich. Die unverhältnismäßig hohen Kosten der Agrarverwaltung seien dem Landesrechnungshof seit Jahren ein Dorn im Auge.

Trost für die Mitarbeiter: Niemand solle entlassen werden. "Wir setzen ganz auf natürliche Fluktuation", sagte Jörg Wagner, Pressesprecher von Wirtschaftsminister Hans Artur Bauckhage. Ein Teil der Mitarbeiter werde aber nicht darum herum kommen, bis zur SLVA nach Bitburg zu fahren.

Die einzelnen Bereiche der 100 Jahre zuvor gegründeten Einrichtung sollen auf andere Einrichtungen verteilt werden. Der Weinbau komme möglicherweise in Bernkastel-Kues unter; der Moselort sei ohnehin landesweit das Zentrum für Steillagen-Weinbau. Und die Bienenkunde werde eventuell dem Dienstleistungszentrum Montabaur zugeteilt.

Verkauf der Immobilie

Nach dem Scheitern des von Modezar Alfredo Pauly geplanten Projekts „Châteaux de Luxe“ gab es vom 15. August bis 30. November 2014 ein neues Bieterverfahren für die Immobilie. Das Mindestgebot betrug 2,5 Millionen Euro. Der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) war im September 2013 von dem Kaufvertrag zurückgetreten, den er im Jahr 2009 geschlossenen hatte. Grund: Pauly hatte die Vertragskonditionen nicht erfüllt und Fristen immer wieder verstreichen lassen.[2]

Der General-Anzeiger (GA) berichtete am 16. Januar 2015, die Medentis medical GmbH aus Dernau werde die ehemalige SLVA-Immobilie für rund vier Millionen Euro kaufen. Alleingeschäftsführer Alexander Scholz bestätigte dem GA, er habe beim Finanzministerium des Landes Rheinland-Pfalz für das Areal geboten. Sollte er den Zuschlag erhalten, werde er mit seiner Firma von Dernau nach Bad Neuenahr-Ahrweiler umziehen und auf dem Gelände neben Produktion, Verwaltung und Vertrieb auch ein Fortbildungszentrum betreiben. "Die Medentis Medical GmbH gehört zu den größten Gewerbesteuerzahlern in der Verbandsgemeinde Altenahr", hieß es im GA weiter, "der Wegzug des Unternehmens würde für die Gemeinde Dernau ein schwerer Schlag bedeuten." Das Bieterverfahren sei zwar inzwischen abgeschlossen, bestätigte der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) dem GA. Eine Entscheidung des Haushalts- und Finanzausschusses des Landtags und des LBB-Verwaltungsrates stehe jedoch noch aus.[3]

Siehe auch

  • Dr. agr. Diplom-Landwirt Alfred Jöhnsen übernahm im Jahr 1946 die Leitung der Landeslehr- und Versuchsanstalt Ahrweiler übertragen. Diese Aufgabe nahm er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1952 wahr.
  • Dipl.-Ing. Agr. Wolfgang Frisch (* 6. Februar 1948, † 1. November 2016) aus Dernau war der letzte Leiter der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Weinbau, Gartenbau und Landwirtschaft, bevor die Einrichtung aufgelöst wurde.

Weitere Bilder

Mediografie

Weblink

kuladig.de: Ehemalige Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Weinbau, Gartenbau und Landwirtschaft in Ahrweiler – Weinbauschule Ahrweiler

Fußnoten

  1. Quelle: Gewerbe- und Verkehrs-Verein Ahrweiler (Hrsg.): Die Kreisstadt Ahrweiler – Der Mittelpunkt des Ahrtals – Ein Ratgeber für Touristen und Zuziehende, 3. verbesserte und vermehrte Auflage, Ahrweiler 1921, 50 Seite, S. 33-36
  2. Quelle: Rhein-Zeitung vom 5. August 2014
  3. Quelle: Grundstück an der Walporzheimer Straße - Dernauer will Chateau-Areal kaufen, general-anzeiger-bonn.de vom 16. Januar 2015