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Kreissparkasse Ahrweiler

Trüffelhain Bad Bodendorf

Aus AW-Wiki
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Der 2005 gegründete Verein Ahrtrüffel e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, dass „nahezu unbekannte heimische, wildlebende Organismen auf ausgewählten Flächen angesiedelt werden“. Dafür haben die Mitglieder in einem ehemaligen Weingarten oberhalb von Bad Bodendorf ein Grundstück von etwa 3000 Quadratmetern Größe für 50 Jahre gepachtet und dort den ersten Trüffelhain (Truffière) Deutschlands angelegt. Auf dem Areal hat der Wind Lösswände mit Material aus der vergangenen Eiszeit angetragen. Dieser kalkhaltige Boden ist alkalisch, hat einen hohen pH-Wert. Nur auf solchen Böden gedeihen Trüffeln. Wieviel Trüffel die Kultur hervorbringt, hängt aber auch in hohem Maße von Wetter und Klima ab. Immerhin hat Gérard Chevalier, ein französischer Trüffel-Experte, der Kultur in einen hohen Mykotisationsgrad attestiert. Ähnliche Kulturen in Lothringen liefern Erträge von bis zu zehn Kilogramm je Hektar — bei Tagespreisen für frische Wintertrüffeln von bis zu 1700 Euro je Kilo.


Lage

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Chronik

Im Herbst 2006 pflanzten Jean-Marie Dumaine, Frank Krajewski und einige Helfer auf der 3000 Quadratmeter großen Hang-Parzelle 300 Setzlinge, die sich als Wirt für den Burgundertrüffel, den Tuber uncinatum, eignen. Trüffeln verlangen einen kalkhaltigen Boden; außerdem ist die richtige Begleitvegetation wichtig. In Bad Bodendorf dienen Aprikosen und Kornelkirschen, vor allem aber Eichen, Haselnusssträucher und Schwarzkiefern als Wirtspflanzen für die Sommer- und Burgundertrüffeln. In der Rhein-Zeitung hieß es:

Die Edelpilze gedeihen, wenn sich Trüffelsporen an unterirdischen Wurzeln ansiedeln und der Knollenpilz mit dem Wirtsbaum eine Art Wohngemeinschaft eingeht. Eine Symbiose, von der beide Partner profitieren: Der Untermieter hilft dem Baum, mehr Wasser und Mineralien aufzunehmen, und bekommt im Gegenzug von ihm Zucker, den er zum Wachstum braucht, jedoch aus eigener Kraft nicht bilden kann.[1]

Deshalb waren die Wurzeln der Setzlinge vor dem Pflanzen mit püriertem Trüffel präpariert („mykotisiert“) worden. Mit der Methode werde, hieß es, schon seit dem 19. Jahrhundert experimentiert. Bei Erfolg sollen in anderen Regionen Deutschlands weitere Flächen dazukommen, hieß es. Der Verein hat den Mykotisierungsgrad der Plantage messen lassen. Ergebnis: Er liegt bei vier von fünf möglichen Punkten. Günter Laudien übernahm die Pflege der Anlage. An manchen der kleinen Bäumchen wurden Plaketten mit den Namen ihrer Paten aufgehängt - darunter der von der Sporenfotografin Karin Lüer-Kirsch, dem Kabarettisten Bernd Stelters und von AW-Landrat Dr. Jürgen Pföhler.

Man kann zu diesem Zweck aber auch einfach Katzenstreu verwenden. Nach dem Keimen der Nuss wird ein halber Teelöffel Trüffelsporenpüree mit den Trieben vermischt. Nach einigen Jahren bringt der Pilz Fruchtkörper hervor, Trüffeln. "Dort, wo sich Trüffeln mit dem Wurzelgeflecht ihrer Wirtspflanze verbunden haben, entsteht häufig im Umkreis eine vegetationsgeschädigte Zone, auch 'verbrannte Erde' genannt", berichtete die Rhein-Zeitung im August 2014.[2]

Im November 2015 wurden auf dem Hain erstmals Trüffeln gefunden – vier Stück an der Zahl. Die größte von ihnen wog 40 Gramm. "Neun Jahre Hoffen und Bangen haben ein Ende", berichtete die Rhein-Zeitung (RZ) am 19. November 2015. Bei dem Fund handele es sich um die "bundesweit ersten echten Wintertrüffeln oder Tuber brumale, die in einem künstlich angelegten Trüffelhain selbst angebaut wurden" und "der erste Fund innerhalb Deutschlands in einem von Menschenhand angelegten Trüffelgarten." Der Fund sei „eine Erlösung“, sagte Jean-Marie Dumaine; denn er sei in den vergangenen Jahren für seine Visionen häufig belächelt worden. Die ersten Trüffeln wurden bei einer Trüffelwanderung mit 80 Teilnehmern aus ganz Deutschland gefunden: Einer der Hunde, die Teilnehmer mitgebracht hatten, schlug an. Die RZ berichtete:

Der Trüffelhund (Lagotta romagnolo) mit Namen Frida von Vereinsmitglied Evelyn Fischer hatte an einer Stelle auf der vereinseigenen Truffière gekratzt, und es wurde ein sehr seltsam duftendes Etwas zutage gefördert, das auf den ersten Blick nicht als Trüffel zu erkennen war. Kurz darauf schlug die Hündin aber noch an drei weiteren Stellen an, und die Sache wurde klarer.[3]

2016 fand Dumaine drei Sommertrüffeln.[4]

Frank Krajewski, der einzige Pilzsachverständige im Kreis Ahrweiler und Vorsitzender des Ahrtrüffel e.V., identifizierte die Funde dann als Wintertrüffel.

Im März 2017 stellte die Stadt Sinzig am Rande des Rotweinwanderwegs in Höhe des Trüffelhains eine Infotafel zu Trüffeln auf. „Die Barbarossastadt Sinzig möchte sich so weiter als Trüffelhauptstadt Deutschlands positionieren“, berichtete bad-bodendorf.de.[5]

Im Beisein zahlreicher Pilzfreunde und Experten wie des Agrarwissenschaftlers Dr. Marlene und Dr. Jürgen Dieckmann sowie Frank Krajewski, Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, wurden im Spätherbst 2018 die ersten mykorrhizierten Eichen und Hainbuchen auf einem 700 Quadratmeter großen Grundstück in unmittelbarer Nähe der bestehenden Trüffel-Plantage gepflanzt. Dieckmann zeigte sich zuversichtlich, dass dort in den nächsten Jahren etliche weitere Wirtsbäume wie Linden, Rotbuchen oder Schwarzkiefern zur Vermehrung des Burgundertrüffels eingepflanzt werden können. Die Landschaftsarchitektin Maike Frings und die Künstlerin Andy Mo (Andrea Montermann) aus Mendig hatten ein Konzept für einen Trüffellehrpfad. „In jeder anderen Truffière stehen die Wirtsbäume schön brav in der Reihe“, erklärte Jean-Marie Dumaine, „hier aber haben sich die Planerinnen am goldenen Schnitt, der Ausrichtung des Lichts und einem bisschen Feng-Shui orientiert.“ Eine Linde solle im Zentrum der Anlage stehen. „Während die Eichen für Beständigkeit stehen, ist die Linde ein Symbol für das Gemeinschaftliche“, berichtete die Rhein-Zeitung (RZ). Und „wie das verflochtene Netzwerk der Pilze und Trüffel im Waldboden soll die Anlage auch ein Symbol für den europäischen Gedanken des friedlichen Miteinanders zwischen allen Staaten, insbesondere zwischen Frankreich und Deutschland, sein“, hieß es in dem Beitrag von RZ-Reporterin Judith Schumacher weiter. Trüffelvorkommen gebe es nämlich auf dem gesamten europäischen Kontinent von Irland und Schweden bis nach Weißrussland und im Süden bis nach Italien. Der französische Trüffelpapst und Buchautor Gérard Chevalier hatte als symbolische Geste Eicheln auf dem Ehrenfriedhof Bad Bodendorf gesammelt, ebenso wie Baumfrüchte von den Schlachtfeldern von Verdun, und diese mykorrhiziert. „Geplant ist nun, auch die Absolventen von Schulen durch Workshops mit den Geheimnissen der Trüffel vertraut zu machen“, berichtete Schumacher weiter.[6]

Video

Mediografie

Weblink

Wikipedia: Trüffel

Fußnoten

  1. Quelle: Nicole Mieding: Das Trüffelmekka liegt an der Ahr, in: Rhein-Zeitung vom 12. Dezember 2015
  2. Quelle: Judith Schumacher: Im Trüffelhain sieht's vielversprechend aus, rhein-zeitung.de vom 19. August 2014
  3. Quelle: Judith Schumacher: Sensation: Sinziger ernten erste eigene Trüffel - Bei Wanderung des Ahrtrüffelvereins in vereinseigenem Trüffelhain wurde Hündin Frida fündig, in: Rhein-Zeitung vom 19. November 2015
  4. Quelle: Jens Albes: Auf der Jagd nach edlen Esspilzen – Deutschlands erste Trüffelplantage entstand in Sinzig – Inzwischen gibt es bundesweit Nachahmer, in: Rhein-Zeitung vom 4. Februar 2017
  5. Quelle: Trüffelanlage am Rotweinwanderweg, bad-bodendorf.de vom 17. März 2017
  6. Quelle: Judith Schumacher: Getrüffelte Weltpremiere in Bad Bodendorf – Neue Plantage soll nicht nur Heimat für die edlen Pilzknollen werden, sondern auch jede Menge Symbolik transportieren, in: Rhein-Zeitung vom 29. November 2018