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Kreissparkasse Ahrweiler

Wasserturm Kripp

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Remagen-Kripp, Wasserturm M.jpg
Im Januar 2014 ist der Wasserturm, inzwischen zehn Jahre "kopflos", eingerüstet.
Der Wasserturm von Kripp - aus südlicher Richtung fotografiert.
Die Eingangstür zum Kripper Wasserturm.
Ein Detail

Der Wasserturm an der Weinbergstraße wurde im Jahr 1904 an der höchsten Stelle von Kripp erbaut. Heute gilt der Turm, der bis in die 1970er Jahre in Betrieb war, als Zeugnis kommunaler Wasserversorgung um die Jahrhundertwende in der Goldenen Meile. Von den Krippern zum Wahrzeichen ernannt, prägt er mit seinen annähernd 35 Metern, in unmittelbarer Nähe des Kirchturms stehend, die Dortsilhouette. Er ist auf der Kripper Ortsflagge und in den Wappen nahezu sämtlicher Ortsvereine zu finden.


Standort

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Geschichte

Die Geburtsstunde des Kripper Wasserturms schlug, als die Kripper um die Jahrhundertwende beschlossen, ihre hygienisch nicht immer einwandfreien Dorfbrunnen durch eine zentrale kommunale Trinkwasserversorgung zu ersetzen. Nachdem strenge Bestimmungen zur Verbesserung von Hygiene und Versorgungssicherheit erlassen worden waren, beschäftigten sich die zuständigen Behörden ab etwa 1900 mit dem Gedanken, Kripp von einer zentralen Stelle aus über ein Netz aus Wasserleitungen zu versorgen. "Ein kombiniertes System aus Pumpanlage, Wasserwerk, Hochdruck-Reservoir und Leitungssystem sollte entstehen", heißt es dazu in einem Beitrag, den Willy Weis, von April 1991 bis März 1999 Vorsitzender des Kripper Bürger- und Heimatvereins, und seine Lebensgefährtin Hildegard Funk für das 1995er Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler schrieben. Von 1904 wurden diese Pläne in die Tat umgesetzt.

In diesem Jahr wurde an der höchstgelegenen Stelle von Kripp, in der Weinbergstraße, der Wasserturm erbaut. Er hat einen äußeren Sockeldurchmesser von 7,50 Metern und verjüngt sich nach 20 Metern konisch zulaufend auf fünf Meter. Das Mauerwerk ist, abgesehen von dem 4,20 Meter hohen verputzten Sockel, aus Kripper Ziegelsteinen als Sichtmauerwerk hergestellt. Der Turm ruht auf einem 3,50 Meter tiefen konisch auslaufenden Ringfundament mit einer maximalen unteren Ringbreite von zwei Metern. Über ein abschließendes verputztes Kranzgesims mit auslaufenden kleinen Bogenschnitten erhebt sich der über dem Mauerwerk hinausragende Wasserbehälter, der „Wasserkopf", der mit einer Stahlkonstruktion umkleidet und mit Kalkzement-Putz versehen ist. Als Putzträger dient ein umlaufendes Drahtgeflecht. Der Aussendurchmesser des verputzten Oberteils beträgt 7,50 Meter. Der innen liegende Stahltank hat ein Volumen von 80 Kubikmetern und liegt voll auf dem konisch verjüngenden Turmschaft auf. Durch eine linksgewendelte Steintreppe, die direkt ins Mauerwerk eingelassen ist, erreicht man nach fast 100 Stufen das Oberteil des Turms, das durch acht Vertikalfenster genügend ausgeheilt ist. Dreizehn Fenster, die spiralförmig verteilt über die Treppenstufen vertikal eingelassen sind, erhellen den Turmschaft. Tatsächlich besteht der Turm nur aus zwei Räumen: einem geräumigen Treppenhaus von ungefähr fünf Metern Mitteldurchmesser und 20 Metern Höhe und dem Wasserkopf, der einen phantastischen Ausblick auf die Rhein- und Ahrlandschaft bietet.

Ein rundes Schieferdach mit einer Neigung von etwa 50 Grad und einem seitlichen Überstand von etwa 80 Zentimetern bilden den oberen Abschluß. Bis 1988 gab es noch eine Turmspitze aus einer Stahlkonstruktion mit seitlichen Lamellen. Die mußte aber wegen ihres schlechten Zustands aus Sicherheitsgründen im Wege einer Ersatzvornahme durch die Kreisverwaltung entfernt werden, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten. Die Spitze lag zunächst auf dem Gelände des städtischen Bauhofs in Remagen und rostete still vor sich hin, bis sie im April 1994 verschrottet wurde.

Ab 1907 übernahm die Stadt Remagen die Wasserförderung und -Versorgung in Kripp. Nachdem der Turms fertig gestellt war, wurde die umliegende Gegend zum Wasserschutzgebiet erklärt. Zum Sammeln des Wassers wurde unterhalb der Weinbergstraße, am Badenackerweg, ein Schöpfbrunnen vorgetrieben, um den ein Pumpenhaus gebaut wurde. Zum Heben des Wassers diente eine Pumpe mit Gasmotor, durch die das Wasser in einer Druckleitung 25 Meter hoch in den im Wasserturm befindlichen Hochbehälter gepumpt wurde.

Der Wasserturm half 70 Jahre lang mittels eines dauerhart geregelten Wasserdrucks, das Wasser über die Verteilungsanlage in die Kripper Stuben zu transportieren. Französische Touristen nannten den Turm einmal liebevoll „chateau d'eau" (Wasserschloss).

Das Dorfjuwel verlor Mitte der 70er Jahre durch den Einsatz moderner Methoden seine eigentliche Funktion. Wegen stark gestiegenden Wasserverbrauchs konnte er den Bedarf nicht mehr decken und wurde durch die neue Pumpstation „Im Sand" abgelöst. Von da an diente er der Freiwilligen Feuerwehr Kripp als Gerätehaus und dem RWE als Trafo-Station. Der Abriß wurde erwogen, als die Feuerwehr ein eigenes modernes Gerätehaus baute und das RWE in die neue Trafostation umzog. Aber Kripper Bürger liefen gegen das Abrißvorhaben Sturm - und konnten sich durchsetzen. So wurde der Turm 1980 von der Stadt Remagen für 65.000 Mark an den Kölner Architektur-Professor Herbert Tabeling. Eine Rückfall-Klausel sah vor, dass der Turm in den Besitz der Stadt Remagen zurückfällt, falls er vom Erwerber nicht nach einer bestimmten Zeit zu Wohnzwecken genutzt wird, wie Weis und Funk schreiben. Seit dem Eigentümer-Wechsel wurde der 1995 unter Denkmalschutz gestellte Turm mehrmals in Stand gesetzt. Tabelings Pläne, den Turmkopf als Wohnung auszubauen, scheiterten jedoch am Veto von Nachbarn, die aufgrund direkter Nähe zum Turm gefragt werden mussten.

Die Arbeiten zum Abriss des Turmkopfes begannen am 27. Januar 2003. Seitdem ist der unter Denkmalschutz stehende Turm "kopflos". Der in Köln lebende Architekt Prof. Dr. Herbert Tabeling ist seit den 1960er Jahren Eigentümer des Turms. Die RZ berichtete:

Der Architekt wollte sich damals ein Ferien- und Wochenenddomizil dort einrichten. „Nachdem Bürgermeister Hans Peter Kürten und der damalige Landrat dem Professor zugesichert hatten, dass dieser auch eine Baugenehmigung bekommt, wenn er den Antrag stellt, gab es Ärger mit einem Nachbarn“, weiß Hammer. Grund: Dem Architekten war wegen Bausicherheitsaspekten auferlegt worden, eine Außentreppe an dem Turm anzubringen, und ein Nachbar hatte sich durch das Vorhaben in seiner Intimsphäre bedroht gefühlt. „So weit ich weiß, kam es nicht zum Antrag einer Genehmigung“, erläutert Hammer weiter. Die mehrfachen Versuche, den Eigentümer des Kripper Wahrzeichens zu erreichen, scheiterten bisher.[1]

Ortsvorsteher Heinz-Peter Hammer sagte im Dezember 2012, der Wunsch, den Wasserturm als Wahrzeichen von Kripp zu erwerben, sei derzeit zwar nicht umsetzbar, solle aber unbedingt weiter im Fokus bleiben.

Kripper fürchten Abriss

„Nachdem das Dach abgenommen wurde, regnet es rein, und der Turm wird immer baufälliger“, zitierte die Rhein-Zeitung (RZ) am 3. August 2016 Ortsvorsteher Heinz-Peter Hammer. Die Silhouette des Wahrzeichens sei bereits durch den Rückbau des Turmkopfes gebrochen, „nun herrscht in Kripp die Angst davor, dass der Eigentümer den Turm heute oder morgen abreißt.“ Der Eigentümer habe „nach Aufforderung immer wieder Verkehrssicherungsmaßnahmen durchgeführt, weil der Turm bröckelt“, sagte der Ortsvorsteher weiter. Auch das technische Innenleben des Turms, das den Status eines Industriedenkmals rechtfertige, sei demontiert worden. Mehrheitlicher Wunsch des Ortsbeirates sei, dass die Stadt Remagen den Turm und das daneben stehende alte Feuerwehrhaus vom Eigentümer zurückkauft, sagte Hammer der RZ. Außerdem sei es an der Zeit, ein Nutzungskonzept für den Turm zu entwickeln. Vorstellbar sei etwa ein Heimatmuseum. Andere Möglichkeit: Das alte Feuerwehrhaus könne zu einer Wohnung umgebaut werden, und dort, wo einst der Hochbehälter auf dem Turm war, könne ebenfalls eine kleine Ferienwohnung mit herrlichem Rundumblick gebaut werden. Der Heimat- und Bürgerverein, der Verschönerungsverein oder ein noch zu gründender weiterer Verein könnte die Instandhaltung der Immobilie übernehmen.

Weitere Fotos

Siehe auch

Alte Pumpe Kripp

Mediografie

Weblink

Wikipedia: Kripper Wasserturm

Fußnoten

  1. Quelle: Judith Schumacher: Kripper Turm gefährdet – Lösung gesucht, in: Rhein-Zeitung vom 3. August 2016