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Wilhelmstraße 73 (Bad Neuenahr-Ahrweiler)

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An den Verzierungen des 1907 erbauten Hauses an der Wilhelmstraße 73 in Ahrweiler kann man die damals verbreitete Faszination für China erkennen.[1] Insgesamt ist dieses Haus ein hervorragendes Beispiel für Miethäuser für gut gestellte Bürger im Kaiserreich.


Standort

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Chronik[2]

Dieses Haus wurde im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts im Heimatstil mit Jugendstilelementen erbaut. Es war als Mietshaus für Steuerinspektoren und andere gut situierte Beamte vorgesehen. Das repräsentative vierstöckige Haus zeigt sich mit fünf Achsen, wobei die Mittelachse besonders betont ist. Die ursprüngliche Wohnungsaufteilung ist an der Fassade noch heute gut zu erkennen. In dieser Zeit waren sehr häufig drei Zimmer zur Straßenfront angeordnet, die mit Schiebetüren zu einem großen Raum verbunden werden konnten.

In dieser Raumfolge waren diese meist folgendermaßen angeordnet: In der Mitte befand sich das Esszimmer, rechts und links das Herrenzimmer und der Damensalon bzw. das Wohnzimmer. So konnte man sich nach dem Hauptgang zwanglos in die beiden Zimmer zurückziehen, während sich das Personal im Esszimmer des Tisches annahm und für das Dessert eindeckte. Nach dem kompletten Essen zogen sich die Herrschaften dann erneut zurück – die Herren auf eine Zigarre und einen Cognac und die Damen auf einen Mocca oder ein Likörchen. Weil die Zimmer durch die geöffneten Schiebe- oder auch oft durch Doppeltüren miteinander verbunden werden konnten, war auch für große Festivitäten ausreichend Platz vorhanden.

Die Mittelachse wird im dritten Obergeschoss von einem Fachwerkgiebel überragt. Darunter befindet sich der zweigeschossige, das ganze Bauwerk dominierende Erker. Jugendstilelemente prägen die beiden Obergeschosse, während im rustifizierten Erdgeschoss Rokoko-Elemente zwischen den Fenstern zu sehen sind. Die Fensterschürzen in den beiden Obergeschossen haben fantasievolle Zierelemente, die unter den Fenstern im zweiten Obergeschoss sind besonders aufwendig. Zwischen den Fenstern im ersten Obergeschoss sind zarte Weinranken dargestellt. In der Mitte des Erkers befinden sich die Initialen des Bauherrn (AK).

Sehr interessant gestaltet sich der Zierrat über den Fenstern im zweiten Obergeschoss: Man hat den Eindruck kleiner Pagoden, denn in der Zeit des Jugendstils hatte man ein Faible für Ostasiatika. Besonders zu beachten sind die zierlichen Stege der Fenster-Oberlichter, auch diese fern an China erinnernd. Die Fenster, übrigens alle neu, haben sich ganz genau an die alte Vorlage gehalten. Die Haustüre ist auch noch original. Der damals übliche Vorgarten ist ebenfalls noch erhalten.

Weitere Fotos

Fußnoten

  1. Quelle: Gabi Geller: Gebäude erzählen viel über die Stadtgeschichte – Rund 30 Teilnehmer nehmen Villen der Wilhelmstraße in Augenschein, in: Rhein-Zeitung vom 16. September 2016
  2. Quelle: Karl Heinen: Die Ahrweiler Wilhelmstraße im Wandel der Zeit – Teil 28, in: Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler 35/2020, S. 14