Zunfthaussaal Ahrweiler

Aus AW-Wiki

Eigentümer Joachim Frank nannte den Saal „Forum Altes Zunfthaus“.
Ahrweiler - Heinz Grates (300).jpg
Festveranstaltung im Zunfthaus-Saal
Grundstein vom 5. August 1891

Der Zunfthaussaal befindet sich in einem Anbau an das Altes Zunfthaus an der Oberhutstraße in Ahrweiler. Über dem Saal befindet eine Wohnung. Zwischen dem 22 mal 11,50 Meter großen Gebäude und der Oberhutstraße befindet sich ein ebenso breiter (Park-)Platz. Als die St.-Laurentius-Kirche zu Anfang des 20. Jahrhunderts renoviert wurde, diente der Zunfthaussaal drei Jahre lang als Notkirche. Dann war er Jahrzehnte lang so etwas wie die Stadthalle von Ahrweiler. Und der längst nicht mehr existierende Theaterverein der Kolpingfamilie Ahrweiler probte in dem Saal und trat dort auf. Dabei war der Kolpingsaal einer von insgesamt fünf Sälen innerhalb der Stadtmauer – neben den Sälen von Winzer- und Weinbauverein, dem Tanzsaal des Hotels „Drei Kronen“ und dem Saal des „Deutschen Hofs“, der an der Ecke Altenbau-/Johannes-Müller-Straße stand, dort also, wo später die Volksbank gebaut wurde. All diese Säle sind nach und nach geschlossen worden. Und seit das zuvor am Westrand des Marktplatzes erbaute Helmut-Gies-Bürgerzentrums am 24. März 2000 eingeweiht wurde, ist auch der Zunfthaussaal angezählt. Dabei hat das benachbarte „Zunfthaus“ ebenso wenig als Zunfthaus gedient wie der Saal als Zunfthaussaal. Beide trugen zunächst den Namen von Adolph Kolping. Nachdem das Kolpingwerk Herberge und Saal abgegeben hatte, wolle sie, dass die ursprüngliche Bezeichnung als „Kolpinghaus“ und „Kolpingsaal“ nicht länger verwendet wird. So kam es zur Umbenennung.


Standort

Die Karte wird geladen …

Eigentümer

Eigentümer des Saals sind seit 2006 der aus Bonn stammende Joachim Frank und Ehefrau seine Ruth (Dobelstraße 59/1, 71229 Leonberg, Telefon 07152 59349, Fax 07152 357335, E-Mail j.r.frank@t-online.de).[1]

Chronik

Am 5. August 1891 legte der damalige Trierer Weihbischof Heinrich Feiten den Grundstein zum Bau des Zunfthauses. Seitdem prägt der Saalbau mit darüberliegender Wohnung wesentlich das Gesicht des Stadtviertels mit. Seit seiner Fertigstellung war der Saal Austragungsort ungezählter öffentlicher und privater Feste und Feiern. Drei Jahre lang diente er sogar als Notkirche: der Zunfthaussaal an der Oberhutstraße in Ahrweiler.

Den Plan, dass das Zunfthaussaal abgerissen werden soll, haben viele Einwohner von Ahrweiler mit Entsetzen zur Kenntnis genommen. Das Gebäude war aber eigentlich schon abgeschrieben, als es im Oktober 2020 dann hieß, der Saal bleibe erhalten und werde zu einer Art Kulturzentrum umfunktioniert. Zu verdanken sei diese Kehrtwende der Goldschmiedemeisterin Petra Hagenau, die 2006 nebenan im ehemaligen Zunfthaus ein Atelier eröffnet hat, in dem sie „neben Ringen und Ketten jetzt große Pläne für den Saal“ schmiede, wie Thomas Weber im General-Anzeiger berichtete. Dabei hoffe die Eigentümerin durch finanzielle Unterstützung aus der Bevölkerung. Weber schreibt:[2]

Der Saal wurde zuletzt von der Frank & Hagenau GbR betrieben, Petra Hagenau ist die Nichte des Ehepaares Frank aus Leonberg. Das Trio hatte das Anwesen gemeinsam erworben, renoviert und für Veranstaltungen aller Art vermietet. Aber die Mieter wurden zuletzt immer weniger, die Kosten für den Unterhalt aber blieben hoch. Das Objekt wurde defizitär. Die Planung, abzureißen und neue Häuser zu bauen, war eine Alternative, bereitete aber auch den Inhabern Bauchschmerzen. Man hatte selbst Konzepte zum Erhalt entwickelt, zumal es eine Zahl Ahrweiler Bürger gab, die Interesse am Erhalt zeigten. Aber die Investitionskosten ließen die Ideen, zu denen auch die Gründung einer Stiftung gehörte, erst einmal scheitern.

Petra Hagenau wolle nun aber „allein ins Risiko“ gehen. Die GbR sei aufgelöst worden. Nun wolle Hagenau den Saal für fast eine halbe Million Euro kaufen und anschließend weitere 300.000 Euro in dessen Sanierung und Umbau zu investieren.„Rund 400.000 Euro muss die Goldschmiedemeisterin nun neben eigenen Einlagen in gleicher Höhe aufbringen, um das Projekt zu ermöglichen“, berichtete Weber. Diese Summe solle nun über Spenden finanziert werden. „Ich möchte alle Menschen, denen die alten Werte und vor allem der Zunfthaussaal so am Herzen liegen wie mir, zu einer Spende aufrufen“, sagte Petra Hagenau.

Damit im Saal wieder Geld verdient werden kann, wolle Hagenau die Zwischendecke im hinteren Bühnenbereich zurückbauen lassen, damit anspruchsvolle Bühnentechnik eingebaut werden kann. Außerdem solle die Akustik verbessert werden. Selbst eine Rundum-Empore halte die Hagenau für möglich. Die Fenster wolle sie „„““am liebsten bis auf Bodenhöhe ziehen, um die Außenfläche mit in künftige Projekte integrieren zu können.“ Der Saal solle künftig wieder jedem, der dort feiern oder den Raum für ein anderes Angebot nutzen möchte, zur Verfügung stehen. Zu den Motiven der zu dieser Zeit 48-Jährigen Eigentümern schreibt Weber:

Ich möchte die alten Werte erhalten. Der Saal soll stehenbleiben, da möchte ich soziale Dinge drin machen, dazu Kunst und Kultur anbieten und letztendlich auch meine Werkstatt vergrößern. Hier soll am liebsten die ganze Welt zusammenkommen, Modeschöpfer, Designer, Künstler.

Bis Ende Oktober 2020 müsse sich Hagenau gegenüber ihrem Onkel erklären, ob sie den Saal-Kauf finanzieren kann. In Marion-Gabriele Wächter aus Remagen habe sich „bereits eine gute Freundin gefunden, die als Bürge auftreten möchte.“

Nachdem es im Herbst 2020 noch einen verzweifelten Versuch gab, ihn zu retten, ist im Frühjahr 2021 sein Abriss beschlossen. Die Stadt habe „klar entschieden, dass das Gebäude „nicht erhaltenswert“ sei und „dem Abriss ihren Segen erteilt“, bestätigte Eigentümer Joachim Frank dem General-Anzeiger auf Anfrage.[3]

Der aus Bonn stammende und dann mit Ehefrau Ruth ins baden-württembergischen Leonberg gezogene Besitzer kaufte 2005 das Alte Zunfthaus und den angebauten Saal. Das Zunfthaus sei inzwischen Alleineigentum seiner Nichte Petra Hagenau, die in dem schmucken denkmalgeschützten Gebäude eine Goldschmiede betreibt. Was den nicht denkmalgeschützten Saal betrifft, „haben wir ab 2018 alle erdenklichen Rettungsversuche unternommen“, versichert Frank, „mussten aber einsehen, dass das wirtschaftlich nicht machbar ist.“

Investoren, die bereit waren, sich zu engagieren, seien „nach genauerem Hinsehen einer nach dem anderen abgesprungen.“ Ein weiterer Grund für den Abriss: Er habe jahrelang in das Gebäude investiert, sagt Frank, und den Saal für viel Geld renoviert. Diese Investitionen seien aber „nur zum Teil zurückgeflossen.“ Kostendeckende Entgelte für die Saal-Nutzung seien von Interessierten als überzogen abgelehnt worden. Ergo: Dort, wo jetzt noch der Saal steht, werde demnächst „eine Reihe von Wohnhäusern gebaut, die sich wunderbar in ihr Umfeld einfügen“.

Die Interessengemeinschaft „Unsere lebenswerte Stadt“ Bad Neuenahr-Ahrweiler habe sich zwar sehr für den Erhalt des Saales eingesetzt und dabei eine Vielzahl von Ideen kreiert. Aber auch sie habe letztlich niemanden gefunden, der bereit war, den Saal weiter zu betreiben. Umso größer ist bei der IG jetzt die Enttäuschung darüber, dass all ihre Mühen zur Saal-Rettung vergeblich waren, sagt IG-Initiator Markus Hartmann. Neben Enttäuschung gebe es bei der IG aber auch Verärgerung – darüber nämlich, dass die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, der Hartmann „Fantasielosigkeit“ und „fehlende Sensibilität für Zusammenhänge baulicher Art“ attestiert, „nicht mal ansatzweise ihre Möglichkeiten ausgeschöpft hat, zum Erhalt des Saales beizutragen.“

Statt Ideen zu einer Nutzung zu entwickeln oder auf mögliche Betreiber zuzugehen, habe die Stadt „leichtfertig die Abrissgenehmigung erteilt.“ Unter Berufung auf die von ihr selbst beschlossene Erhaltungssatzung für den Altstadtkern von Ahrweiler hätte die Stadt dabei eine Abrissgenehmigung verwehren und „auf dem Erhalt des städtebaulich ausgesprochen schönen Ensembles mit Zunfthaus und Platz bestehen können.“

Auch IG-Mitglied Karl Heinen war überzeugt: Ahrweiler, insbesondere in der Oberhut, hätte profitiert, wenn der Saal zu einem Coworking Space umfunktioniert worden wäre oder zu einem Flohmarkt-Café, in dem Kaffee, Kuchen und kleine Speisen angeboten werden, aber auch Ausstattung und Mobiliar des Cafés – „aufgepimpte Stühle, Sessel, Sofas und Tische etwa“, wie Heinen es formuliert. Alternativ hätte der Saal zu einer Markthalle für regionale Produkte und mit Außengastronomie umfunktioniert werden können. Dabei wäre es möglich gewesen, den Saal auch als Veranstaltungs-Location zu erhalten. Mit der Abrissgenehmigung habe die Stadt „dem Tourismus und der Lebensqualität von Ahrweiler einen Bärendienst erwiesen.“

Petra Hagenau, Nichte von Saal-Eigentümer Frank, hatte noch im Herbst 2020 einen Versuch unternommen, den drohenden Abriss zu verhindern. Um den Saal als „Kultur-Hotspot und Versammlungsort für alle Generationen“ zu erhalten, wollte die Goldschmiedin einen Kulturverein gründen, der 400.000 Euro sammeln, die Immobilie erwerben und anschließend mit Leben füllen sollte. Joachim Frank sagte dem General-Anzeiger, er sei überzeugt, dass die Entscheidung, den Saal abzureißen, „auch von den Nachbarn begrüßt“ werde. Denn wenn in dem Saal gefeiert wurde, habe es immer wieder Beschwerden gegeben - über nächtliches Gegröle auf der Straße, wegen Türenschlagen, Motorenlärm und weil gegen Häuserwände gepinkelt wurde.

Stadt weist Vorwürfe der IG „Lebenswerte Stadt“ zurück

Die Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler wies den Vorwurf zurück, sie habe „klar entschieden“, dass der Zunfthaussaal nicht erhaltenswert sei. Und sie wies darauf hin, dass ihr „weder die denkmalrechtlichen Genehmigungen noch die Erteilung der Abrissgenehmigung obliegen“, wie der General-Anzeiger am 29. April 2021 berichtete. Zu den Vorschlägen der Interessengemeinschaft, in dem Saal einen Coworking-Space zu schaffen, fragte die Stadt, warum dieser Vorschlag nicht mit dem Eigentümer oder anderen interessierten Gruppen erörtert worden sei. Die Stadt bedauere den Verlust des Zunfthaus-Saales, könne aber das Bestreben der Eigentümer „aus Gründen der Unwirtschaftlichkeit nachvollziehen“. Dort hätte ein Mehr an Nachfrage und Belegung „sicher geholfen“. Zu dem Vorwurf, den Abriss unter Berufung auf die von ihr selbst beschlossene Erhaltungssatzung für den Altstadtkern von Ahrweiler nicht verhindert zu haben, nahm die Stadtverwaltung nicht Stellung.[4]

Fußnoten