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Klara Gottschalk

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Klara Gottschalk (* 25. September 1915 in Niederzissen, † 10. Mai 2001 in Montpellier) ...


Vita[1]

Klara wurde am 25. September 1915 als jüngstes Kind von Siegmund und Mina Gottschalk in Niederzissen geboren. Zusammen mit zwei Schwestern und einem Bruder wohnte sie in einem Haus an der Ecke Horststraße/Oberdorfstraße. Zwei Brüder ihres Vaters wohnten ebenfalls mit ihren Familien in Niederzissen. Deshalb hatte Klara dort neun Vettern und Cousinen.

Als Klara 14 Jahre alt war, starb ihr Vater. Zehn Jahre später starb auch die Mutter. Ihre Schwestern zogen nach Frankfurt, ihr Bruder nach Kottenheim. Klara selbst war in einem Modegeschäft in Koblenz beschäftigt. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges verließ Klara Gottschalk Deutschland; 1940 war sie in Luxemburg gemeldet. Im September 1940 beantragte sie dort einen Reisepass, den sie benötigte, um nach Frankreich ausreisen zu können.

1940 hatte sie in Luxemburg Heinrich Glaser kennengelernt und geheiratet. Er war ein polnischer Jude, der bereits im spanischen Bürgerkrieg gekämpft hatte. Klara Gottschalk und Heinrich Glaser zogen in die Nähe von Montpellier nach Südfrankreich, wo Heinrich Glaser zu einem führenden Mitglied der Résistance wurde. Unter dem Decknamen „Capitaine Leon“ leitete er ein Kommando, das an der Befreiung von Montpellier beteiligt war. Das Paar überlebte die Besetzung Frankreichs und die Verfolgung von Juden und Widerstandskämpfern durch die Nationalsozialisten. Aber ihre Ehe scheiterte und wurde geschieden.

Heinrich Glaser ging nach der Befreiung Frankreichs nach Mittel- und Südamerika, wo er sich weiter an revolutionären Aktionen beteiligte. Klara Gottschalk heiratete am 22. Mai 1953 in Montpellier den Schneider Albert Cadiou. Das Paar bekam einen Sohn. Bis zu ihrem Tod im Alter von 85 Jahren am 10. Mai 2001 lebte Klara in der Nähe von Montpellier, wo sie ihren Mann um zehn Jahre überlebte. Alle Brücken zu ihrer Vergangenheit hatte vermutlich abgebrochen. Deshalb hat sie wohl nie erfahren, dass ihre Schwestern in die USA emigrierten und ihr Bruder sowie dessen Frau und die beiden gemeinsamen Kinder im Holocaust ermordet wurden. Ihre Cousine Johanna kam im Jahr 1980 im Alter von 77 Jahren aus Israel nach Niederzissen, um ihre ehemalige Nachbarin und Freundin Therese Groß zu besuchen.

Fußnoten

  1. Quelle: Hans-Willi Kempenich: Anfrage klärt jüdisches Schicksal auf – Erinnerung an die Pogromnacht: Klara Gottschalk aus Niederzissen verließ Deutschland rechtzeitig in Richtung Frankreich, in: Rhein-Zeitung vom 9. November 2020