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Wolfgang Appel

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Seit der Eröffnung im Oktober 1990 leiten Wolfgang Appel (* ca. 1957) und Ehefrau Maria Appel, die er 1979 geheiratet hatte, das Jugendgästehaus Bad Neuenahr-Ahrweiler. Wolfgang Appels Eltern Karl und Karoline Appel leiteten die ehemalige Christoph-Strauck-Jugendherberge in Ahrweiler, das spätere Haus der Jugend, wo Sohn Wolfgang aufwuchs.


Vita[1]

Wolfgang Appel ist "erblich vorbelastet", wie er selbst sagt: Denn die Christoph-Strauck-Jugendherberge an der Peter-Friedhofen-Straße 2 in Ahrweiler, die Vorgängerin des heutigen Jugendgästehauses, war sein Elternhaus. Vater Karl und Mutter Karoline Appel hatten dieses Haus im Jahr 1953 übernommen. Vier Jahre später wurde Sohn Wolfgang geboren. Zum Jahresende 1982, nach fast 30-jähriger Tätigkeit in der Jugendherberge, verabschiedeten sich seine Eltern in den Ruhestand. Da hatte Sohn Wolfgang bereits eine Schornsteinfeger-Lehre absolviert und eine kaufmännische Ausbildung oben draufgesattelt. Dann bot sich ihm die Möglichkeit, bei der Bundeswehrapotheke in Bad Neuenahr zu arbeiten. Das wäre vermutlich ein sicherer Job gewesen. Und allzu viel Stress hätte er wohl auch nicht gehabt. Dennoch entschied sich Wolfgang Appel für den elterlichen Beruf: Im gleichen Jahr, in dem seine Eltern die Leitung der Strauck-Jugendherberge aufgaben, übernahm er – zusammen mit seiner aus Reifferscheid stammenden Ehefrau Maria – die Leitung der Grafenschloss-Jugendherberge in Diez. Acht Jahre später kehrten Maria und Wolfgang Appel an die Ahr zurück, um das neue Jugendgästehaus in Bachem zu übernehmen. Weil der Familienurlaub bei den Appels meist auf der Strecke blieb, hat sich Tochter Alexandra allerdings gegen das Ahrtal und gegen eine berufliche Zukunft in der Jugendherberge entschieden: Die im August 2019 36-jährige lebt in Aachen und ist Doktorin der Chemie.

„Den Herbergsvater alter Prägung, den gibt es heute nicht mehr“ - sagt einer, der es wissen muss: Wolfgang Appel. Er ist – Stand August 2019 - seit fast 30 Jahren „Betriebsleiter“, wie es heute heißt, des Jugendgästehauses in Bachem. Längst läuft er, wenn die Uhren 22 Uhr zeigen, nicht mehr durch die Herbergsflure und ruft: „Licht aus!“ Denn heute entscheiden die Gäste selbst, wann für sie die Nachtruhe beginnt. Und anders als früher bekommen die Gäste heute Schlüssel, mit denen sie die Türen zu ihren Zimmern auch von innen abschließen können.

Vorbei sind auch die Zeiten, in denen die Herbergsgäste nach dem Frühstück die Kartoffeln fürs Mittagessen schälen und nach dem Essen in der Spülküche Dienst tun mussten. Und längst greift der Herbergsvater nicht mehr abendlich zur Klampfe, um Volks- und Wanderlieder anzustimmen. Für die musikalische Unterhaltung der Gäste - etwa 75 sind es pro Nacht, insgesamt 27.000 jährlich - sorgen heute Youtube und Spotify. Anders als früher stehen dem Herbergsvater heute nicht mehr Autorität und Strenge zu Gebote; er muss ganz auf den Diskurs setzen - und dabei immer auf das bessere Argument. Gilt auch für das Verhältnis zu den Mitarbeitern: Dort ist der Herbergsvater nicht mehr Gebieter, sondern Chef eines Teams, das aus 30 bis 35 Mitarbeitern besteht. Koordinieren und Motivieren, Diskutieren und mit gutem Beispiel vorangehen – das ist es, was heute zählt. Aber nicht nur das Berufsbild des Herbergsvaters hat sich während Appels Dienstzeit gewandelt, sondern das Jugendherbergswesen insgesamt. Jugendherbergen seien heute durch und durch kundenorientierte Wirtschaftsbetriebe, wie er sagt. Längst werde der Dienstleistungsgedanke auch dort bis zu Ende gedacht. Die Zeiten der großen Schlafsäle und der Gemeinschafts-Sanitärräume auf den Fluren sind vorbei. In einem im Sommer 2019 im Jugendgästehaus Ahrweiler eingerichteten Musterzimmer erinnerte kaum noch etwas an die Jugendherberge alter Prägung; man fühlt sich eher wie in einem hippen Familienhotel.

Im Jahr 2020 werde das unmittelbar an der Ahr gelegene Haus wieder einmal auf den neuesten Stand gebracht– auch mit Blick auf die Landesgartenschau 2022. Eine Notbeleuchtung soll eingebaut, der Brandschutz verbessert, Möbel, Böden und Küchenlüftung sollen erneuert werden. Außerdem werden, der Barrierefreiheit wegen, die Zwischentüren auf den Fluren elektrifiziert.

Das Programmangebot habe sich ebenfalls gewandelt. Wandern hat an Bedeutung stark eingebüßt. „Früher ging's von Bachem aus per pedes nach Dernau auf den Krausberg hinauf“, erinnert sich Appel, „heute stehen Action in Kletterpark und Hochseilgarten, Bogenschießen und Bowling auf dem Programm.“

Eines aber ist geblieben: Die Arbeitstage eines Herbergsvaters sind lang. Für Wolfgang Appel beginnen sie gegen 7.30 und dauern bis etwa 19 Uhr. Dazwischen gönnt er sich lediglich den „Luxus“ einer etwas längeren Mittagpause. Dieser Nachteil aber werde aufgewogen, versichert Appel – etwa durch gute Kontakte. Bereits während seiner Diezer Zeit in den 1980ern lernte er den deutsch-amerikanischen Jazz- und Schlagersänger Bill Ramsey kennen. Außerdem den Trompeter Till Brönner und Entertainer Stefan Raab, die damals als Schüler des Bad Godesberger Aloisius-Kollegs mit ihren Schulklassen an der Lahn zu Gast waren. „Aus vielen dieser Begegnungen sind Freundschaften geworden“, sagt Appel.

Geblieben ist auch die gute Auslastung der Einrichtung. Das hat wohl auch damit zu tun, dass Appel und sein Team über die Jahre viele Stammgäste gewonnen haben. Das Rhein-Gymnasium Sinzig etwa lädt seine Fünftklässler Jahr für Jahr nach den Sommerferien zu einem Kennenlerntag mit Übernachtung in die Jugendherberge ein. Und REWE und Thyssen-Krupp sind regelmäßig mit ihren neuen Azubis in Bachem zu Gast.

Ein Brand in der Jugendherberge, ein Einbruch, ein Überfall, bei dem ein Mitarbeiter mit einem Messer bedroht wurde – auch das hat Appels Spaß an seinem Beruf keinen Abbruch getan. Das liegt aber auch daran, dass die Verantwortung für den Gesamtbetrieb nicht mehr nur auf seinen eigenen Schultern lastet, sondern auch auf denen seiner Assistentin Annemie Haas, die ebenfalls seit 1990 zum Team gehört, und auf denen von Herbergskoch Dirk Hoffmann.

Fußnoten

  1. Quellen: Wolfgang Appel versteht sich noch als klassischer Herbergsvater - 58-Jähriger leitet die Jugendherberge in Bad Neuenahr-Ahrweiler, in: Rhein-Zeitung vom 1. Juni 2015, und Anton Simons: Smartphone statt Mikado – Das hat sich in Bachems Tourismus verändert, general-anzeiger-bonn.de, 20. August 2019