Festung Ehrenbreitstein (Koblenz)

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Festung Ehrenbreitstein (2015)

Die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz gilt als zweitgrößte erhaltene Festungsanlage Europas und ist die einzige erhaltene preußische Festung aus dem 19. Jahrhundert. Die Anlage, wie sie sich heute zeigt, entstand zwischen 1817 und 1828, ihr Ursprung reicht reicht jedoch bis ins Jahr 1000 zurück.

Geschichte

Gottesdienst des Kolpingwerks zur BUGA 2011 in der Festungskirche

Als Gründer der bis zu 118 Meter über dem Rhein gelegenen Festung um das Jahr 1000 wird ein „Konradiner Ehrenbert“ genannt, Angehöriger eines fränkischen Herrschergeschlechts, dessen Namensgeber Herzog Konrad I. († 918) ist. Aus „Ehrenbertstein“ wurde im Laufe der Jahre „Ehrenbreitstein“. Im 15. Jahrhundert folgte unter Kurfürst und Erzbischof Richard von Greiffenklau der Ausbau zu einer Artillerie-gesicherten Festung. 1797 wurde sie von französischen Truppen belagert, 1799 durch Aushungern zur Aufgabe gezwungen und 1801 gesprengt. Nachdem der rechtsrheinische Teil des Kurfürstentums Trier 1815 durch den Wiener Kongress an Preußen gefallen war, begann 1817 der Ausbau zu der Festungsanlage unter Ingenieur-Offizier Carl Schnitzler, wie sie seit 1828 erhalten ist.[1] Sie ist ein Teil des damaligen Besfestigungssystems um Koblenz herum. Die preußische Armee nutzte die Festung bis 1918.[2]

Im Jahr 1822 begann auf dem Schlosshof der Bau einer Festungskirche, die auch mit fünf Geschützscharten ausgestattet ist. Fertiggestellt wurde sie erst 1866 als evangelische Kirche. Genutzt wurde sie offenbar kaum, bis sie 1952 als katholische Kirche wiederhergestellt wurde. Gleichzeitig wurde sie renoviert, eine Zwischendecke und die Abmauerung eines ehemaligen Verbrauchspulvermagazins entfernt. Arkaden mit breiten Pfeilern deuten Seitenschiffe an und tragen die Empore. Heute hat die Festungskirche keinerlei militärische Funktion mehr; es finden dort jedoch Gottesdienste statt.[3]

Der Erste Weltkrieg 1914/18 hatte die Festung nicht in Mitleidenschaft gezogen. Dass sie anschließend jedoch nicht geschleift wurde und als Kulturdenkmal erhalten blieb, ist dem Eingreifen des amerikanischen Oberbefehlshabers General Henry Tureman Allen († 1930) zu verdanken.[4] Im Zweiten Weltkrieg lagerten in der Festung Kunstgüter und Archivbestände aus Koblenz, Köln und Wuppertal. Im Felsen unter der Festung entstand 1943 ein Luftschutzbunker, der bis zu 10.000 Menschen aus Ehrenbreitstein und umliegenden Stadtteilen Schutz bieten sollte.[5]

Lage der Festung

Die stärksten Befestigungen der Festung Ehrenbreitstein liegen nach Norden und Osten. Dazu gehören zwei bis fünf Meter tiefe und 20 bis 25 m breite Hauptgräben sowie Wälle mit bis zu drei Meter dicken Außenmauern. Diese Mauern haben drei übereinanderliegende Reihen von Kanonenscharten. Über ihre Funktion und Wehrhaftigkeit hinaus sollte die Festung Ehrenbreitstein allerdings auch repräsentativ sein, was sich insbesondere in dem oberen Schlosshof zeigt.

Für eventuelle Eroberer bildete der sogenannte Retirierte Graben oder Rückzugsgraben das letzte Hindernis, das zu überwinden war, um ins Innere der Festung zu gelangen. Der Retirierte Graben bildete zusammen mit der Kurtine (hoher Wall), Rhein- und Landbastion den „Retirierten Wall“, von dem aus der Hauptwall und der Retirierte Graben aus drei verschiedenen Positionen zu beschießen und vor dem Angreifer zu schützen war. In den Retirierten Graben gelangt man durch eine 50 Meter lange Poterne bzw. einen gedeckten Gang.[6]

Ständige Nutzung und Veranstaltungen

Blick von der Festung aufs Deutsche Eck, links die Seilbahn

In den 1960er-Jahren gab es Pläne zwei Kasematten für die Lagerung von kleineren Mengen Atommüll, Forschungsabfällen der Universität Mainz, zu nutzen. Nach Bürgerprotesten kam es aber nicht zur Ausführung. Untergebracht sind auf der Festung das Landesmuseum von Rheinland-Pfalz, eine Jugendherberge und das Landesamt für Denkmalpflege (Abteilung archäologische Denkmalpflege) sowie die Verwaltung von Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz. [5]

Stationentheater „Der ewige Soldat“ mit André Wittlich

Die Anlagen rund um die Festung Ehrenbreitstein bildeten einen großen Teil der Bundesgartenschau 2011 (BUGA). Um die Besucher von der Stadt aus hoch hinauf auf das Festungsgelände zu bringen, wurde eine Seilbahn gebaut, die mit 16 Kabinen für jeweils 35 Fahrgäste rund 3800 Personen pro Stunde in jede Richtung transportieren kann. Die etwa 850 Meter lange Fahrt von der Kastorkirche aus über den Rhein dauert etwa 4 Minuten.[7] Eine Kabine wiegt 3,5 Tonnen einschließlich Laufwerk. Der Durchmesser des Tragseils beträgt 54 Millimeter. Gebaut wurde die Bahn in einer Bauzeit von 14 Monaten von der Doppelmayr Gruppe, Wolfurt, Österreich; Betreiber ist Skyglide Event Deutschland GmbH.[8] Anfangs hatte die Seilbahn nur eine Betriebserlaubnis für drei Jahre, die jedoch mehrmals verlängert wurde, und zwar jeweils befristet. 2025 verlängerte der Landbetrieb Mobilität die Genehmigung bis 2030. Für eine dauerhafte Genehmigung fordere die UNESCO eine Umgestaltung der Berg- und der Talstation.[9]

Seit 1992 ist die Festung Ehrenbreitstein auch Freilicht-Musikbühne. In diesem Jahr begann anlässlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt Koblenz mit „Fidelio“ von Beethoven eine Reihe von jährlichen Opern-Aufführungen.[10]

In einem Stationentheater „Der ewige Soldat“ von Dominique Caillat führen die Schauspieler André Wittlich, Bruno Lehan und Patrick Dollmann in den Sommermonaten alternierend über das Festungsgelände, durch Kasematten und Verliese. Eine Stunde und 15 Minuten ist der ewige Soldat mit seinen Zuhörerinnen und Zuhörern samstags und sonntags unterwegs. Im Zentrum der Führung steht neben dem historischen Hintergrund das Schicksal der Menschen, das durch Macht, Unterdrückung, Folter, Leid, aber auch Liebe und Hoffnung bestimmt wird.[11]

Sesselbahn und Schrägaufzug

Besucher kamen außer zu Fuß ab 1955 mit einer Sesselbahn hinauf zur Festung; die Talstation lag in der Nähe des Bahnhofs Ehrenbreitstein. Aus unbekannten Gründen verlängerte das Land Rheinland-Pfalz als Eigentümer des Geländes, über das die Bahn lief, Ende 2009 den Vertrag mit dem Betreiber nicht mehr, sodass der Betrieb Ende November eingestellt wurde. Ersetzt wurde die Sesselbahn an anderer Stelle durch einen Schrägaufzug, der parallel zur Seilbahn gebaut und zur Bundesgartenschau 2011 eröffnet wurde.[12] Die Kabine des Aufzugs ist für 15 Personen und maximal zwei Kinderwagen oder zwei Fahrräder zugelassen. 94 Höhenmeter werden in 3 Minuten überwunden. Die Fahrt startet der Fahrgast selbst.[13] Die Talstation liegt an der Straße Vor dem Sauerwassertor.[14]

Siehe auch

Portal „Bundeswehr und Militär im Kreis Ahrweiler“

Video

Mediografie

Alexander Hertel: Diese Burgen und Schlösser prägen das Mittelrheintal, ga.de, 18. Oktober 2024

Weblink

Wikipedia: Festung Ehrenbreitstein

Fußnoten

  1. Quelle: Memorator.eu. Abgerufen am 9. Juli 2026.
  2. Quelle: Ehrenbreitstein.de. Abgerufen am 9. Juli 2026.
  3. Quelle: KuLaDig. Festungskirche. Abgerufen am 9. Juli 2026.
  4. Quelle: Festungsbauten.de. Abgerufen am 9. Juli 2026.
  5. 5,0 5,1 Quelle: Ehrenmal-Heer.de. Abgerufen am 9. Juli 2026.
  6. Quelle: Ehrenbreitstein.de. Festungsplan. Abgerufen am 9. Juli 2026.
  7. Quelle: RLP.de. Abgerufen am 10. Juli 2026.
  8. Quelle: Seilbahn-Koblenz.de. Abgerufen am 10. Juli 2026.
  9. Quelle: SWR. Abgerufen am 10. Jul 2026.
  10. Quelle: Andeas Pecht. Abgerufen am 10. Juli 2026.
  11. Quelle: Dominique Caillat. Abgerufen am 10. Juli 2026.
  12. Quelle: Ehrenbreitstein.de. Wege zur Festung. Abgerufen am 10. Juli 2026.
  13. Quelle: Koveb.de. Festungsaufzug. Abgerufen am 10. Juli 2026.
  14. Quelle: Visitmosel.de. Festungsaufzug Koblenz. Abgerufen am 10. Juli 2026.
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