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Gemeindehaus „Alte Schule“ Löhndorf

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Plastik "Löhndorfer Kinder" des Löhndorfer Bildhauers Titus Reinarz vor dem Gemeindehaus "Alte Schule".
Martinsmarkt Löhndorf.jpg

Das Gemeindehaus "Alte Schule" in Löhndorf ist der kulturelle Mittelpunkt des Rosendorfs.


Lage

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Geschichte

An heutigen Maßstäben gemessen, war die Schule im Backhaus von Löhndorf nicht sonderlich komfortabel: Auf nur 30 Quadratmetern drängelten sich die Schüler, oft vom Qualm der im Untergeschoss liegenden Backöfen gestört. Heute steht das historische Haus im Freilichtmuseum Kommern und gibt einen guten Eindruck von der einstigen Schulerziehung auf dem Lande.

Eine Besonderheit, die in der Südeifel sowie im Westerwald häufiger anzutreffen war, ist die Kombination des Gemeindebackhauses (Backes) mit der Dorfschule. Die Unterbringung beider öffentlicher Einrichtungen in ein und demselben Gebäude senkte Bau- und Unterhaltskosten. So war es auch im kleinen Örtchen Löhndorf. In 19. Jahrhundert ein Ort mit kleinbäuerlicher Struktur in abgeschiedener Lage im Hellenbachtal. Seine Bewohner ernährten sich bescheiden von Acker- und Weinbau, hielten etwas Vieh und mussten sich im Winter meist noch ein Zubrot durch Holzfällerei verdienen. In Löhndorf konnte trotzdem schon 1696 Unterricht für die Kinder stattfinden, da Dank einer großherzigen Stiftung ein Vikar, das war ein Frühmessner oder auch Küster, zum Schuldienst verpflichtet wurde. Als dann im Jahre 1763 ein eigener Schulraum notwendig wurde, war es wirtschaftlicher Zwang, Schulstube, Lehrerwohnung und Backes in einem Gebäude unterzubringen. Es stand direkt neben dem noch heute erhaltenen Torbogen zum Zehnthof. Eine richtige Schulstelle erhielt Löhndorf aber erst im Jahr 1808.

Nur knapp 30 Quadratmeter maß der Klassenraum, in dem sich bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts die Löhndorfer Schulkinder aller Altersstufen drängten. In der ersten Reihe saßen die Jüngsten, hinten die Älteren, von Lehrerpult aus streng überwacht. Lesen, Schreiben und Rechnen waren die einzigen Fächer, die die Kinder lernen sollten, und deshalb kam der Lehrer mit Kreidetafel und hölzerner Rechenmaschine aus. Neben dem Klassenraum lag die Lehrerwohnung, nicht mehr als 16 Quadratmeter groß.

Diese Enge mussten Schüler und Lehrer in Löhndorf noch bis in das Jahr 1844 ertragen. Erst mit Kabinettsorder der preußischen Regierung vom 14. Mai 1825 wurde auch in Löhndorf die allgemeine Schulpflicht ab dem fünften Lebensjahr eingeführt. Damit war die Schule über dem Backes bald zu klein. Deshalb musste 1844 auf Kosten der Gemeinde eine neue Schule gebaut werden. Diese ist noch heute als Gemeindehaus "Alte Schule" in Nutzung.

Durch die preußische Order kam es schnell zur Überfüllung der Schule, und noch nach dem Umzug in das neue Schulgebäude 1844 musste der Schulmeister 120 bis 130 Kinder gleichzeitig unterrichten. Die Besetzung der Lehrerstellung übernahm fortan die Regierung, dennoch musste die Gemeinde weiter für die Entlohnung aufkommen. Das war nicht immer so, denn zuvor konnten die Schulverhältnisse im kleinen Ort nur als chaotisch bezeichnet werden. Es ist kein Wunder, dass die Schulmeister, schlecht bezahlt und unzureichend ausgebildet, auf unterster Stufe der dörflichen Hierarchie standen. Noch 1814 stellte der damalige Direktor des Schulwesens am Mittelrhein, Josef Görres, fest: "In der Regel ist der Schweinehirt eine weit geehrtere Person im Dorfe als der Schullehrer."

In Löhndorf wird es nicht anders gewesen sein. So ist es kein Wunder, dass der Löhndorfer Lehrer noch nach 1850 eine Nebentätigkeit als Küster, Organist und Baumwart, zuständig für die Dorfbäume im Gemeindebesitz, als Zubrot hatte. Die nach 1870 von einem Löhndorfer Lehrer verfasste Schulchronik berichtet: "Viele Kinder gingen nur im Winter zur Schule. Sie saßen an langen Tischen auf Bänken ohne Lehne. Im Winter brachten die Kinder das nötige Holz von Haus mit. Jeder trug seinen Scheid auf der Schulter zur Schule. Frau Lehrer saß meistens mit im Schulsaale bei den Kindern wenn sie Kartoffeln schälte oder Gemüse fegte. Und nicht selten ist es vorgekommen, dass sie dem Lehrer behilflich war, wenn einer der widerspenstigen Jungen zu züchtigen war."

Lehrerseminare sorgten später allmählich für einen qualifizierteren Lehrernachwuchs. Durch behördliche Unterstützung stieg nun auch das Lehrerhonorar, für das die Gemeinde nach wie vor zu sorgen hatte. Der Lehrer wurde im preußischen Sinne nach und nach eine Respektsperson. Noch vielen Wandlungen war das Schulwesen unterlegen, ehe nach dem zweiten Weltkrieg, im Jahr 1970, die Schulgeschichte in Löhndorf endet. Die Grundschüler werden seit dem in Westum unterrichtet und die Oberstufen im Schulzentrum Sinzig. Das alte Schul-Backes-Gebäude in Kommern erinnert gemeinsam mit dem Gemeindehaus "Alte Schule" noch heute an die lange Schultradition in Löhndorf.

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