FacebookLogo.png   TwitterLogo.png   Wordpress-logo-notext-rgb.png

Ahrwein-Messe am 25. November 2017 im Kurhaussaal in Bad Neuenahr

Brunhilde Stürmer

Aus AW-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Brunhilde Stürmer (* 1943)[1] aus Niederzissen ist der „Motor“ der Erforschung jüdischen Lebens in Niederzissen und der Umgebung. Seit 1979 pflegt sie Briefkontakte und Freundschaften mit jüdischen Familien in den USA, Israel, Australien, England, Schweden, Mexico, den Niederlanden und Südafrika. Dass die Gemeinde Niederzissen die ehemalige Synagoge gekauft und saniert hat, ist auch Stürmers Engagement zu verdanken. Motiv ihres Engagements: Durch die Aufarbeitung der Geschichte will sie einen Beitrag dazu leisten, dass sich die schrecklichen Geschehnisse im Dritten Reich niemals wiederholen.


Brunhilde Stürmer (links) bei einer Führung über den Jüdischen Friedhof Niederzissen
Brunilde Stürmer (im lindgrünen Anorak) mit Willi Klapperich

Sonstiges

Die Rhein-Zeitung portraitierte Brunhilde Stürmer in ihrer Ausgabe vom 4. Dezember 2012. Autorin Petra Ochs schrieb:

Die Heimatgeschichte hat die 69-Jährige schon immer interessiert. „Ich bin bei meiner Großmutter groß geworden. Da wurde immer viel von früher erzählt“, erklärt sie. Die Idee, eine Chronik über ihren Heimatort zu verfassen, kam Brunhilde Stürmer schon früh. Doch damals interessierten sie vor allem die alten Häuser – wie eben das Gebäude der ehemaligen Synagoge, das von ihren eigenen Verwandten zur Schmiede umgebaut worden war. ... Die Namen all jener Juden, die in Niederzissen geboren wurden oder dort geheiratet haben, kennt sie inzwischen alle. Doch nach wie vor interessiert sie vor allem das Schicksal hinter den Namen – oder zumindest ein Gesicht dazu.[2]

Auf ihrer Suche nach einer alten Fotografie der Synagoge wandte sie sich Ende der 1970er-Jahre an einen Holocaust-Überlebenden: Richard Berger, Abkömmling einer der größten jüdischen Familien in Niederzissen und Sohn des letzten Vorstehers der jüdischen Gemeinde Niederzissen. Er war der Verfolgung durch die Nazis in letzter Sekunde entgangen.

Brunhilde Stürmer zögerte lange, den in New York lebenden Berger mit ihrem Anliegen zu behelligen. Dann entschied sie sich zu schreiben - und bekam Antwort. Berger legte seinem Brief ein paar Originalfotos bei, die er bei seiner Flucht mitgenommen hatte. Brunhilde Stürmer und Richard Berger pflegten bis zu Bergers Tod freundschaftliche Kontakte. Seitdem hat Brunhilde Stürmer mit zahlreichen anderen Überlebenden oder ihren Nachkommen Kontakt aufgenommen. Eine davon ist Carrie Lewen, geborene Karoline Berger (* ca. 1915), die Schwester von Richard Berger.

Brunhilde Stürmer ist Mitglied im Vorstand des Kultur- und Heimatvereins Niederzissen e.V.. Sie leitet Führungen durch die Synagoge, und zusammen mit Gerd Friedt hat sie eine Dokumentation zum jüdischen Friedhof Niederzissen zusammengestellt. Auf ihre Recherchen verwendete sie bereits in jungen Jahren viel Zeit. Aber Ehemann Peter und ihre drei Kinder zogen immer mit.

Neben ihrem ehrenamtlichen Engagement arbeitete Brunhilde Stürmer - zwischenzeitlich (Stand: Dezember 2012) sechsfache Großmutter und einfache Ur-Oma - in einem Steuerberatungsbüro und erledigte Verwaltungsarbeiten für die Schreinerei ihres Mannes. Gelegentlich malt Brundhilde Stürmer; außerdem sang sie 20 Jahre im Kirchenchor mit. Auch im Kirchenvorstand war sie aktiv.

Im November 2017 wurde der Band von Brundhilde Stürmer und Brigitte Decker verfasste Band: Ein langer Weg über die Geschichte der jüdischen Familien in der früheren Synagogengemeinde Niederzissen veröffentlicht. „Grundlage des Buches sind die umfangreichen Forschungen von Brunhilde Stürmer, die seit den 1970er-Jahren auch längst verblasste Spuren des früheren jüdischen Lebens in Niederzissen und im Brohltal wieder sichtbar macht“, berichtete die Rhein-Zeitung anlässlich der Buchvorstellung. Dazu habe sich Stürmer „durch Archive gekämpft“ – in der Verbandsgemeinde Brohltal, im Landeshauptarchiv Koblenz, im Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt und im Institut der Geschichte der deutschen Juden in Hamburg. Daneben habe sie weltweit Kontakte zu Nachfahren Niederzissener Juden geknüpft. Im Bericht von RZ-Reporter Hans-Willi Kempenich hieß es weiter:

Brunhilde Stürmer wälzte Personenstandsakten, sie lernte, französische Akten zu lesen, führte ungezählte Gespräche mit Überlebenden, sammelte Anekdoten und Fotos und verschlang Literatur von anderen Heimatforschern.[3]

Kultur-Staatssekretär Salvatore Barbaro sagte bei der Buchvorstellung, das Engagement von Brunhilde Stürmer werde international wahrgenommen und gewürdigt. Deshalb werde Stürmer im Januar 2018 Obermayer German Jewish History Award ausgezeichnet.[4]

Veröffentlichungen

  • Gerd Friedt/Brunhilde Stürmer: Dokumentation zum Friedhof Niederzissen, ca. 2007
  • Brunhilde Stürmer: „Seine Seele sei eingebunden im Bündel des Lebens". Der Grabstein des Hermann Feit (1765 - 1845) auf dem jüdischen Friedhof in Niederzissen, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2009, S. 166
  • Gerd Friedt/Brunhilde Stürmer: Seit undenklichen Zeiten ... Der jüdische Friedhof in Niederzissen, hrsg. v. Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V., Niederzissen 2012
  • Brunhilde Stürmer/Brigitte Decker: Ein langer Weg, Kultur- und Heimatverein Niederzissen e.V. (Hrsg.), 328 Seiten, Niederzissen 2017 - Der Band schildert die Geschichte der jüdischen Familien in der früheren Niederzissener Synagogengemeinde.[5]

Fußnoten

  1. Quelle: Hildegard Ginzler: Buchpräsentation in ehemaliger Synagoge – Leben und Leiden der Niederzissener Juden, general-anzeiger-bonn.de vom 16. November 2017
  2. Quelle: Petra Ochs: Menschen für Mitmenschen: Die Heimatforscherin - Brunhilde Stürmer aus Niederzissen arbeitet jüdische Vergangenheit auf, in: Rhein-Zeitung vom 4. Dezember 2012
  3. Quelle: Hans-Willi Kempenich: 328 Seiten zeichnen Bild jüdischer Heimatgeschichte – Gäste aus aller Welt reisen zur Vorstellung am Sonntag an, in: Rhein-Zeitung vom 10. September 2017
  4. Quelle: Hildegard Ginzler: Buchpräsentation in ehemaliger Synagoge – Leben und Leiden der Niederzissener Juden, general-anzeiger-bonn.de vom 16. November 2017
  5. Siehe auch: Hans-Willi Kempenich: 328 Seiten zeichnen Bild jüdischer Heimatgeschichte – Gäste aus aller Welt reisen zur Vorstellung am Sonntag an, in: Rhein-Zeitung vom 10. September 2017, und Hildegard Ginzler: Buchpräsentation in ehemaliger Synagoge – Leben und Leiden der Niederzissener Juden, general-anzeiger-bonn.de vom 16. November 2017