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Römische Eisenschmelzersiedlung „An den Maaren“ im Ahrweiler Wald

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Die gut einen Hektar große Römische Eisenschmelzersiedlung „An den Maaren“ im Stadtwald zwischen Ahrweiler und Ramersbach ist ein internationales Bodendenkmal. An dieser Stelle, die im 1. bis 4. Jahrhundert für Erzabbau, Erzaufbereitung und als Werksiedlung der Eisenhüttenleute genutzt wurde, ist wie nirgendwo anders nördlich der Alpen, die Gewinnung von Eisen umfassend nachgewiesen worden. Die Siedlung wurde in den Jahren 1958 bis 1965 durch die Univerität Bonn unter der Leitung von Prof. Dr. Otto Kleemann erforscht, wobei etwa nur ein Fünftel des gesamten Siedlungsareals freigelegt wurde. Damals entdeckte man zwei als Werkstätten genutzte Gebäude mit 18 Verhüttungsöfen sowie ein kleineres Wohngebäude. Auch Abschnitte der großen Umfassungsmauer, eine Zisterne und Teile der Wasserleitungen wurden freigelegt. Außerdem wurden Kinderrasseln und Sklavenfesseln gefunden. 2010 und 2011 wurden weitere Forschungsgrabungen durchgeführt. Ans Licht kam überraschend ein Wohngebäude. Funde von Fensterglas, bunter Wandbemalung und zwei Fußbodenheizungen deuten dabei auf einen gehobenen Lebensstandard hin. Dass die Siedlung auch noch in der Spätantike (4. Jahrhundert) im großen Umfang produzierte, belegen drei mächtige Schlackenhalden.


Ausgrabung neben der alten Eisenschmelze
Hinweis - und Erläuterungsschild zum Eisenweg
Ausgrabungsarbeiten

Lage

Die Fundstelle liegt zwischen Ahrweiler und Ramersbach. Sie ist über den Wanderweg der Historischen Straße vom Wanderparkplatz am Eisenweg an der Landesstraße 84 aus zu erreichen.

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Chronik

Die römische Siedlung wurde im 2. Jahrhunder n.Chr. gegründet, ihre wirtschaftliche Blüte erlebter sie im 3. Jahrhundert. Umfangreiches Fundmaterial belegt, dass sie auch im 4. Jahrhundert noch bewohnt war. Die Wasserversorgung und die Nähe zu Erzabbaustellen waren entscheidend für die Lage der Siedlung, die anscheinend nur für den Zweck der Roheisenproduktion angelegt worden war. Da die Grabungsergebnisse nicht veröffentlicht wurden und aufgrund der etwas abgelegenen Lage im Ahrweiler Stadtwald, geriet die Siedlung in Vergessenheit und verwilderte. Erst auf Initiative der Landespflegebehörde wurde sie 2001 erneut vom Bewuchs befreit und der Öffentlichkeit im Rahmen des neuen Eisenwegs zugänglich gemacht. Seit 2001 werden dort in regelmäßigen Abständen Eisenverhüttungsversuche in Rennfeueröfen durchgeführt.

Von 1958 bis 1965 führte das Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Bonn unter der Leitung von Professor Otto Kleemann an der Siedlung Grabungen durch und legte eine Eisenverhüttungsanlage zu einem Fünftel frei. Damals entdeckte man zwei als Werkstätten genutzte Gebäude mit 16 Verhüttungsöfen und ein kleineres Wohngebäude. Auch Abschnitte der großen Umfassungsmauer, eine Zisterne, Teile der Wasserleitungen sowie einige große Schlackehalden wurden freigelegt.

Nach den Altausgrabungen wurde es lange Zeit sehr ruhig um die Siedlungsstelle. Der von der Kreisverwaltung Ahrweiler ausgewiesene Eisenweg mit Info-Schautafeln, der Wanderer an den restaurierten Mauerzügen entlang führt, trug dazu bei, die antike Stätte vor dem öffentlichen Vergessen zu bewahren.

Die Eisenschmelzer-Siedlung gilt als römerzeitliches Bodendenkmal von internationalem Rang. An keinem anderen Ort nördlich der Alpen ist die Eisenproduktion bislang so umfassend nachgewiesen wie im Ahrweiler Stadtwald, denn dort sprechen die Abbaustellen zusammen mit den Werkstattgebäuden und zugleich den großen Schlackenhalden für die Eisenproduktion im großen Stil und für einen römischen Wirtschaftsboom. Das Eisen wurde über den Eigenbedarf hinaus produziert. Die umfangreiche Metallproduktion verhalf der Siedlung zu einer Blüte und ermöglichte ihren Besitzern ein Leben in erheblichem Wohlstand, wie die ausgegrabenen Befunde und Fundstücke belegen.

Nach 40 Jahren Pause gab es dort 2010 wieder archäologische Grabungen, die vom Förderverein für Archäologie und Museumskultur Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. durchgeführt wurden. Diese Initiative brachte einen weiteren Schub. Nach Restaurierungsarbeiten, die sich über ein ganzes Jahr erstreckten, übergibt der Förderverein für Archäologie und Museumskultur Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. am 27. April 2012 das Haus 3 der Eisenschmelzersiedlung an die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler als Eigentümerin. Nachdem Wind und Wetter den Mauern der Siedlung 60 Jahre lang zugesetzt hatten, war eine Sanierung dringend notwendig. Ehrenamtliche Mitarbeiter des Fördervereins verbrachten viele hundert Stunden damit, die Mauern von Haus 3 zu restaurieren.[1]

Ziel der Forschungsgrabungen in den Jahren 2010 und 2011 war es, mehr über die Gebäudestrukturen des Bodendenkmales zu erfahren, um somit das Leben der römischen Siedler im Ahrtal und das antike Landschaftsbild besser rekonstruieren zu können. Dazu wurden Bereiche untersucht, die an die Grabungen aus den 1960er Jahren angrenzten. Die Untersuchung des damals nur teilweise ausgegrabenen Werkstattgebäudes (Haus 3) wurde durch die Freilegung eines Lagerraumes abgeschlossen. Daneben entdeckte man, durch einen Korridor getrennt, überraschend ein repräsentatives Wohngebäude (Haus 4). Funde von Fensterglas, bunter Wandbemalung und zwei Fußbodenheizungen (Hypokausten) deuten auf einen gehobenen Lebensstandard hin, wie er in dieser Form in einer Werksiedlung nicht erwartet wurde.

Der Lebensstandard war ähnlich wie in der Römervilla am Silberberg von Ahrweiler. Dass die Siedlung auch noch in den Wirren der Spätantike (4. Jh.) im großen Umfang weiterproduzierte, belegen drei mächtige Schlackenhalden, welche die älteren Wohn- und Wirtschaftshäuser zum Teil als Abfallberge überdeckten.

Zu dem geborgenen Keramikrepertoire gehört neben groben Koch- und Vorratsgefäßen auch feines Tafelgeschirr. Man servierte und genoss die Getränke aber auch aus edlen Glasgefäßen, wie zahlreiche Bruchstücke belegen. Als eine kleine Sensation wurden außerdem ein intaktes Bronzegefäß und ein versilberter Gefäßgriff gefunden. Ein Bild vom Aussehen der ehemaligen Bewohner geben einige geborgene Trachtbestandteile wie Fibeln, Glasperlen, ein Glasarmreif, ein Fingerring und ein Ohrring. Ein ganz besonderes, seltenes Fundstück stellt außerdem eine kleine bemalte Tonrassel dar. Wie für eine Eisenmanufaktur nicht anders zu erwarten, fanden sich zudem zahlreiche Eisenerze, Schlacken und Eisenobjekte, etwa Nägel, Geräte, Bauteile und Küchenutensilien.

Die Funde in den Siedlungen geben ein gutes Bild, wie die Römer Eisen gewannen: Zunächst musste der Eisenstein in den zahlreichen obertägigen Schürfstellen (Pingen) der Umgebung abgebaut werden. Danach schlug man das Erz mühsam aus dem tauben Gestein heraus und zerkleinerte es in faust- bis haselnussgroße Stücke, die mit Ochsenkarren in die Siedlung transportiert wurden. Dort wurden durch spezialisierte Handwerker die Verhüttungsöfen, sogenannte „Rennfeueröfen", errichtet, die mit Holzkohle und Erz beschickt wurden. Die dazu benötigte Kohle wurde aus dem Holz der umliegenden Wirtschaftswälder hergestellt.

Bei dem Rennfeuerprozess verflüssigte sich das unbrauchbare Nebengestein und floss als Schlacke aus dem Ofen heraus. Die eisenhaltige Luppe blieb zurück und musste danach in Ausheizherden ausgeschmiedet werden, um das Metall von den Schlackenrückständen zu befreien. Danach wurde es in einem letzten Arbeitsgang zu Barren oder Rohlingen geschmiedet. Eine weitere Verarbeitung zu Werkzeugen, Waffen oder Geräten wurde im Stadtwald von Ahrweiler bislang nicht sicher belegt, ist aber durchaus möglich.[2]

Die Kreisverwaltung Ahrweiler bezog die Anlage von 1998 bis 2001 in das Naturschutzprojekt "Historische Straße" ein. Durch Schautafeln, Ausstellungen, Veranstaltungen und eine Broschüre rückte das Areal wieder ins Licht der Öffentlichkeit.

Mit einem Doppelzuschuss unterstützte der Kreis Ahrweiler den Förderverein für Archäologie und Museumskultur Bad Neuenahr-Ahrweiler für dessen Engagement für die römische Eisenschmelze. Der Verein leiste einen „wichtigen Beitrag für die Erhaltung von Kulturlandschaften und zugleich von Biotopen", sagte Landrat Dr. Jürgen Pföhler den beiden Vereinsvorsitzenden Eva-Maria Kreuter und Dr. Wilbert Herschbach. Folglich habe der Kreis je 5000 Euro bezuschusst - aus dem Förderprogramm "Ländlicher Raum" des Kreises Ahrweiler und aus Mitteln des Naturschutzes. Macht zusammen 10.000 Euro. Mit der geplanten naturnahen Wiederherstellung des Wasserbeckens vor der Maueranlage entstehe ein Lebensraum für Wasser-Tierarten wie Libellen, Frösche und weitere Amphibien. Pföhler: „Diese Idee wird das Areal ökologisch aufwerten. Der Verein schafft ein neues Biotop."[3]

Nach zwei Jahren Pause plant der Förderverein für Archäologie und Museumskultur für 2014 weitere Ausgrabungen an den Maaren. Zu Anfang des Jahres wurden die Grabung von der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) genehmigt und mit Rüdiger Gogräfe aus Mainz ein neuer Grabungsleiter gefunden. Die Vereinsmitglieder haben das Gelände zuvor aufgeräumt, von Provisorien und Müll befreit sowie ein massives Holzgeländer nach Römischem Vorbild montiert. Im Dezember 2013 wurde die vom Kreis Ahrweiler geförderte Renaturierung des Teiches unter fachlicher Begleitung von Klaus Löbner abgeschlossen. Der Teich war bei den Ausgrabungen in den 1950er und 1960er Jahren zum Großteil mit Grabungsschutt verfüllt worden, der vollständig entfernt wurde. Zudem wurden die Böschungen abgedichtet.[4]

Videos

siehe auch

Portal "Römer an Rhein und Ahr"

Mediografie

Weblink

ahrchaeologie.com: An den Maaren

Fußnoten

  1. Quelle: General-Anzeiger vom 24./25. März 2012
  2. Quelle: Archäologen beleuchten Römer in der Region neu - Kreis zeigt Ausstellung „Eisenschmelzer im römischen Ahrtal“ - Landrat: „Wir demonstrieren unser kulturelles Erbe“ - Bürgermeister: „Exzellente Funde“, Pressemitteilung der Kreisverwaltung Ahrweiler vom 18. März 2013
  3. Quelle: Libellen und Frösche zwischen Kinderrasseln und Sklavenfesseln - Römische Eisenschmelze im Ahrweiler Wald: Kreis fördert Naturschutz-Idee, Pressemitteilung der Kreisverwaltung Ahrweiler vom 19. Oktober 2012
  4. Quelle: Grabungen im Ahrweiler Wald: Förderverein hofft auf spannende Funde und neue Erkenntnisse, general-anzeiger-bonn.de vom 3. Juni 2014