Alte Kellerei Wehr
Die Alte Kellerei bzw. das Alte Pfarrhaus oder Propsteigebäude im Zentrum von Wehr wurde im 18. Jahrhundert gebaut. Die Fassade trägt die Jahreszahl 1730. Früher war das Gebäude Sitz des Kellners – so nannte sich der Verwalter des Klosters Steinfeld, zu dem Wehr 900 Jahre lang gehörte. Heute ist in dem Gebäude die Grundschule beheimatet, der Männergesangverein 1925 Wehr e. V. probt und der Gemeinderat tagt dort. Außerdem befindet sich dort eine Praxis für Physiotherapie.
Standort
Chronik
Schon zur Merowingerzeit im 7. Jahrhundert war das Gelände der Propstei ein Hofgut. Es folgte der spätere Betrieb des Klosters mit Öl- und Getreidemühle, Brau- und Backhaus sowie mit Kuh-, Pferde- und Schafställen, und in der Kellerei oder Kellnerey, wie das Amtsgebäude genannt wurde, hatten die Bauern in Naturalien den „Zehnten“ abzuliefern, die damalige Steuer. Zum Bereich des Cellerars oder Kellners gehörten 29 Höfe. Als das Kloster in Steinfeld 1802 von Napoleon säkularisiert und aufgegeben worden war, fiel die Filiale Wehr an den französischen Staat, der die Gebäude des Kellnereybezirks an die Bürger von Wehr versteigerte, die sie zu Wohnhäusern umbauten. Aus der Ölmühle entstand eine Kneipe.
Das Propsteigebäude ist aus Tuff gebaut, dem Gestein, das früher in Wehr abgebaut wurde. Die Fenstereinfassungen sind aus Mendiger oder Mayener Basalt. Doch obwohl solches Mauerwerk sehr massiv erscheint, waren nach den Jahrhunderten aufwendige Restaurierungen des zweigeschossigen, knapp 50 × 15 Meter großen Bauwerks nötig. Steine mussten ausgetauscht, lose Fugen und die marode Freitreppe erneuert werden. 52 Tonnen Schiefer wurden gebraucht, um das Dach neu einzudecken. Die zahllosen Dachgauben wurden wieder in rotem Holz gerahmt, passend zum Rahmen des Mittelgiebels mit der Jahreszahl 1730.[1]
Vor allem die hohen Investitionen in die Dachsanierung des Gebäudes prägten den Haushalt des Jahres 2013 der Ortsgemeinde Wehr. Die Gesamtkosten wurden mit 962.000 Euro veranschlagt.[2]
Am 2. Oktober 2014 berichtete die Rhein-Zeitung, das in der Propstei, dem alten Pfarrhaus, verbaute Holz sei mit Hausschwamm infiziert. Zur Sanierung müssten Mauerwerk und Holzkonstruktion trockengelegt werden. Dabei müssten „befallene Holzteile … in der Längsachse mit einem Meter Sicherheitsabstand vom letzten erkennbaren Befall ‚gesundgeschnitten‘ werden.“ Die ohnehin geplante Komplettsanierung des Daches solle im Jahr 2015 mit der Dach-Ostseite beginnen, weil dort der Hausschwammbefall aufgetreten sei.
Im Dezember 2017 vergab der Gemeinderat Wehr einstimmig die Arbeiten für die Fenster- und Fassadensanierung am Kellereigebäude. Im Haushalt der Gemeinde Wehr für das Jahr 2018 waren 650.000 Euro für die Sanierung vorgesehen. Bei der Finanzierung des Kellereigebäudes erwartete die Gemeinde Zuwendungen in Höhe von 585.000 Euro, sodass sich der Eigenanteil auf 65.000 Euro beschränken würde. Die Verbandsgemeinde Brohltal beteiligte sich mit 360.000 Euro an der Maßnahme, weil sie für die Unterhaltung der Grundschule zuständig ist, die sich in dem Gebäude befindet.[3]
2017 wurde in der Alten Kellerei der riesige Dachstuhl restauriert, für das Jahr 2018 stand die Fassaden- und Fenstersanierung auf dem Plan.[4]
Garten der alten Propstei
Der Barockgarten, an dem Propsteigebäude und Kirche stehen, ist etwa 58 × 51 Meter groß. Er ist an drei Seiten von einer 3 Meter hohen Mauer aus Tuffstein eingefriedet und im Südosten von der Kirchstraße und im Südwesten von der Straße Im Wingert begrenzt. In der Mauer sind die Nischen erhalten, in denen einst die Bienenkörbe der Mönche standen. Bis etwa 1970 wurde der Garten noch vom Pastor von Wehr genutzt und gepflegt, bis die Pfarrei als Seelsorgeeinheit Niederzissen zugeordnet wurde und die Anlage mehr und mehr verwilderte. Im März 1999 wurde jedoch der Brauchtums- und Verschönerungsverein Wehr gegründet, der den Garten neu gestaltete.[5]
Mediografie
- Bruno Andre: Die Kellerei in Wehr – Geschichte eines Hofgutes über 1500 Jahre, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2003
- Hans-Willi Kempenich: Neue Fenster sorgen für Ärger und Kosten – Einbau sorgt für Dreck im ganzen Haus - Fehler bei Montage – Öffnen oft nicht möglich, in: Rhein-Zeitung vom 17. August 2018
Fußnoten
- ↑ Quelle: Deutschlandfunk Kultur. Abgerufen am 12. August 2026.
- ↑ Quelle: Rhein-Zeitung vom 27. Dezember 2012
- ↑ Quelle: Hans-Willi Kempenich: 650.000 Euro fließen in Wehrer Kellereigebäude – Großprojekt dominiert auch Etat von 2018 – Werden Mietpreise für Veranstaltungen erhöht?, in: Rhein-Zeitung vom 28. Dezember 2017
- ↑ Quelle: Rhein-Zeitung vom 27. März 2018
- ↑ Quelle: Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler. Abgerufen am 12. August 2026.






