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Hotel „Zur Traube“ Bad Neuenahr

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Nachfolgebau im Mai 2020
Nachfolgebau im Februar 2020
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Das Hotel und Kurheim „Zur Traube“ war im 19. Jahrhundert eines der ersten derartigen Einrichtungen in der aufstrebenden Kurstadt Bad Neuenahr. Heute wird das an der Hauptstraße 91 gegenüber der Post-Filiale und in Sichtweise des Rathauses stehende Gebäude als Wohn- und Geschäftshaus genutzt. Die Schwanen-Apotheke, die Geschäftsstelle der Kreuzbundgruppen Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V., ein Reisebüro, ein Geschäft, eine physiotherapeutische Praxis sowie sieben Wohnungen sind in dem Gebäude untergebracht.


Standort

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Eigentümer

Doris Dawid-Ernst und Bruder René Dawid

Chronik

Der Hotelier Peter Joseph Paffenholz ließ das Gebäude vor 1886 aus Feldbrandziegeln mauern und die zur Hauptstraße hin gelegene Fassade aufwendig gestalten. Ein Hotelprospekt aus dem Jahr 1911 - Gregor Müller war zu dieser Zeit Inhaber des Hauses – versprach „modernen Komfort, einen großen Speisesaal, Restaurationssaal, Frühstückshalle, Damensalon, Lesezimmer und sogar elektrisches Licht“ - und zwar von drei Seiten frei im Garten gelegen und in der Nähe der Kuranlagen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut.

Etwa 2011, nach dem Tod der ehemaligen Besitzerin, wurde das Gebäude von einer Erbengemeinschaft übernommen. Als erster Schritt einer überfälligen Sanierung wurde im Jahr 2013 die Fassade saniert. Dabei sind die Balkone weitgehend zurückgebaut, die schönen Balkongeländer jedoch aufgearbeitet und wieder vor den Balkontüren angebracht worden. Die Besitzer gingen davon aus, das Gebäude in weiteren Bauabschnitten komplett sanieren zu können. Ein paar Jahre später jedoch standen die Eigentümer mit einem Investor in Verhandlungen, um alles zu verkaufen, wie die Rhein-Zeitung (RZ) im Dezember 2017 berichtete. Der Investor, ein Geschäftsmann aus Bad Neuenahr, wolle das ehemalige Hotelgebäude abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Die schöne Fassade solle dabei aber möglichst erhalten bleiben. In der RZ hieß es dazu:

Man könnte zum Beispiel das Haus selbst abreißen, dabei die Straßenfront erhalten und sie – in quadratische Stücke zerteilt – zwischenlagern. Das neue Haus müsste dann so gebaut werden, dass sich die Front Stück für Stück wieder davorsetzen lässt.[1]

„Kaiserpalais“ laute der Arbeitstitel für das 9,55-Millionen-Euro-Projekt, berichtete der General-Anzeiger (GA) am 17. Januar 2018. An die Stelle der „Traube“ sollen Ladenlokale sowie Miet- und Eigentumswohnungen treten. „Wer den Planer Volker Esch kennt, der weiß, dass ihm nichts mehr zuwider ist, als alte Häuser abzureißen“, hieß es im GA. Paradebeispiel dafür sei die Blankartsmühle in Ahrweiler, die Esch „samt Mühlrad wieder zu einem Schmuckstück der Altstadt gemacht hat.“ Die Substanz des ehemaligen Hotels und Kurheims „Zur Traube“ sei jedoch nicht mehr zu retten. Im Auftrag des neuen Eigentümers, des Bad Neuenahrer Geschäftsmanns Bernd Möhren (Domo Projektentwicklung GmbH Bad Neuenahr), habe Esch in enger Absprache mit der Stadt ein Projekt entwickelt, zu dem der Planungsausschuss der Kreisstadt am 15. Januar 2017 sein Einvernehmen nach dem Baugesetzbuch erteilt habe. Äußerlich solle der Neubau aber „eng an das einst schmucke Hotel angelehnt“ werden. Dazu soll die Gliederung Fassade „in großen Zügen beibehalten werden.“ Das gelte auch für die Stuckumrahmungen der Fenster. Allein für die aufwendige Fassadengestaltung seien Mehrkosten von 150.000 Euro eingeplant. „Das i-Tüpfelchen für den Planer ist jedoch der Erhalt des kompletten Schmuckgiebels, der das Bild der Hauptstraße prägt“, heißt es in dem Beitrag von GA-Redakteur Günther Schmitt. „Der wird zunächst mit einer Stahlkonstruktion gestützt, dann komplett abgebaut und renoviert wieder auf das neue Haus aufgesetzt“, sagte Esch. Allein diese Maßnahme werde 25.000 Euro kosten. In der Rhein-Zeitung hieß es ergänzend:

Das aus Feldbrandsteinen errichtete Gebäude ist nicht mehr sanierungsfähig und nach Aussage von Architekt Esch auch nicht mehr erhaltenswert. Es ist total verwinkelt und nach 140 Jahren Nutzung arg heruntergekommen. Allein die Zimmerhöhe von drei Metern mit Holzbalkendecken schafft Probleme und bringt viel verlorenen Raum. Selbst die Fassade entspricht durch abgeänderte Balkone nicht mehr ihrem ursprünglichen Aussehen. Denkmalschutz besteht nicht.[2]

Detlev Koch, Erster Beigeordneter der Kreisstadt berichtete während der Ausschusssitzung, es habe zahlreiche konstruktive Gespräche zwischen Stadt und Planer gegeben. Sie hätten zu einer Neubaulösung geführt, die sich gut in das Stadtbild einfügt und die durch ihren Stil an das alte Haus erinnere. Als Krönung werde der alte Spitzgiebel abgeschnitten und in das neue fünfgeschossige Gebäude integriert. Dabei greife der Neubau die Traufhöhen der Nachbargebäude auf und übernehme die stadtbildprägende Funktion des bisherigen Gebäudes in vollem Maße. Der Neubau werde sich „geschmeidig an die alte Bauweise angleichen.“ Der Standort werde durch die geplante Baumaßnahme erheblich aufgewertet, so Koch. In der Bad Neuenahrer Innenstadt würden dringend neue Mietwohnungen gebraucht, die Leben in die Straßen bringen.

Über einer Tiefgarage mit 37 Stellplätzen soll der Neubau im Parterre Platz für fünf Ladenlokale bieten. In den drei Obergeschossen und in der Mansarde seien 30 Wohnungen vom Ein-Zimmer-Appartement bis zur Vier-Zimmer-Wohnung geplant. „Der größte Teil davon soll als Mietwohnungen genutzt werden“, sagte Volker Esch während der Ausschusssitzung. Auf einer Grünfläche hinter dem Haus soll ein Kinderspielplatz gebaut werden. Eine Feuerwehrzufahrt führe links am Gebäude zu der Grünfläche. Die Zufahrt zur Tiefgarage ist rechts geplant. Der Baubeginn ist für Frühsommer 2018 geplant. Eine Bauzeit von 18 Monaten ist vorgesehen.[3]

22 Monate nach Baubeginn war die Baulücke, die durch den Abriss der alten „Traube“ im Juli 2018 entstanden war, wieder geschlossen. Im April 2020 ist der Neubau bezugsfertig. Projektleiter Bernd Möhren von der Domo-Projektentwicklung sagte der Rhein-Zeitung (RZ), die 31 Wohnungen, die der Neubau bietet, würden zum 1. Mai 2020 übergeben. Bereits zum 1. April 2020 sollte im Parterre der holländische Textildiscounter „Zeeman“ wiedereröffnet werden. Wegen der Corona-Pandemie ist die Wiedereröffnung aber verschoben worden - zunächst auf den 1. Mai 2020. Auch die beiden übrigen Gewerberäume im Erdgeschoss waren Anfang April 2020 vermietet und sollten in absehbarer Zeit eröffnet werden. „Geplant sind dort eine kleine Caférösterei mit Bistro sowie ein Maklerbüro“, wie die RZ berichtete. Vom Erscheinungsbild erinnert der Neubau an das ehemalige Hotel, hat jedoch bei einer Grundfläche von 273 Quadratmetern zwei zusätzliche Stockwerke. Wie versprochen, wurde in den Neubau ein markantes Stück aus der Fassade der alten „Traube“ übernommen. Auf dem Gelände hinter dem Neubau soll ein weiteres neues Gebäude mit 18 Wohneinheiten und Tiefgarage entstehen. Das Gebiet gehöre, wie die RZ berichtete, „in großen Teilen den Steyler Missionaren mit Sitz in Sankt Augustin.“ Der Neubau soll über die Ahrstraße ans Straßennetz angebunden werden. Für die Zufahrt war dort im April 2020 bereits ein Gebäude abgerissen worden.[4]

Mediografie

Jochen Tarrach: Ein bisschen von der „Alten Traube“ wird bleiben – In der Hauptstraße von Bad Neuenahr hat ein Investor neu gebaut und der Erinnerung an die verschwundene historische Fassade einen Platz gegeben, in: Rhein-Zeitung vom 15. November 2019

Fußnoten

  1. Quellen: Jochen Tarrach: Einstiges Hotel erstrahlt in alter Schönheit - Eigentümer renovieren auf eigene Kosten, in: Rhein-Zeitung vom 24. Januar 2013, und Jochen Tarrach: Geschichte des „Hotels zur Traube“ beginnt in der Glanzzeit des Heilbads, in: Rhein-Zeitung vom 16. Dezember 2017
  2. Quelle: Jochen Tarrach: Hotel "Zur Traube": Nur der Giebel bleibt übrig, rhein-zeitung.de vom 17. Januar 2018
  3. Quelle: Günther Schmitt: Bauvorhaben für 9,55 Millionen Euro – Die Bad Neuenahrer „Traube“ wird zum „Kaiserpalais“, general-anzeiger-bonn.de vom 17. Januar 2018
  4. Quelle: Jochen Tarrach: Fassadenstücke erinnern an das alte Hotel zur Traube . Neubau in der Hauptstraße in Bad Neuenahr ist nunmehr bezugsfertig, in: Rhein-Zeitung vom 6. April 2020