Junggesellenverein „St. Josef“ Bad Bodendorf 1820 e. V.

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Die Bodendorfer Junggesellen im Jahr 1927 mit Spielleuten vor der Burg
Für das 200-jährige Bestehen des Junggesellenvereins ist für Mai 2020 ein kölscher Abend geplant.
Olympisches Bauchrutschen der Bad Bodendorfer Junggesellen am Kirmes-Sonntag 2008.
Mitglied des Junggesellenvereins mit Kirmesmann beim traditionellen Trinkzug am Kirmes-Dienstag 2008.
Die Bodendorfer Junggesellen bei einem Umzug durch Bodendorf im Jahr 1951
Fähndelschwenken in Höhe des Pfarrhauses bei einem Umzug der Junggesellen
Der Maibaum wird zu seinem Aufstellplatz am Bahnhof transportiert.

Der Junggesellenverein „St. Josef“ Bad Bodendorf 1820 e. V. (JGV) macht sich in Bad Bodendorf für das örtliche Brauchtum stark. So wird vor dem 1. Mai auf der Schulwiese der große bändergeschmückte Maibaum aufgestellt. Dann stehen Aktivitäten zur Bad Bodendorfer Kirmes Anfang September an, wie das Herrichten des Kirmesmannes, seit jeher die Aufgabe der jüngeren Mitglieder des Vereins, das JGV-Königsschießen am Montag und der Trinkzug am Kirmesdienstag mit der abschließenden Verbrennung des Kirmesmannes. Vor allem aber ist der Junggesellenverein neuerdings Ausrichter der Kirmes Bad Bodendorf. Auch beim Dorffest Bad Bodendorf am letzten Septemberwochenende wird man die Junggesellen antreffen, da sie am eigenen Bierstand dafür sorgen, dass keiner durstig bleibt. Seit vielen Jahren veranstalten sie im Dezember eine stets gut besuchte Nikolaus-in-daHouse-Party.


Vorstand

Vorgänger:

Vorstandsmitglieder:

Beisitzer:

Junggesellen-Schützenkönige

2013/2014: Andreas Gödderz[1]

2009/2010: Thomas Hirsch

2008/2009: Dennis Richard

2007/2008: Stefan Radermacher

2006/2007: Daniel Liedke

2005/2006:

2004/2005:

2003/2004:

2002/2003: Frank Henneke

2001/2002: Mario Heuser

2000/2001:

1999/2000: Ingo Winterscheidt

Regelmäßige Veranstaltungen

Chronik

Der Junggesellenverein „St. Josef“ ist - nach der St.-Sebastianus-Bruderschaft von 1681, mit deren Geschichte der Junggesellenverein verwoben ist - der zweitälteste Verein von Bad Bodendorf. Dass zur Geschichte des Junggesellenvereins viele Informationen verfügbar sind, ist Dr. Karl-August Seel zu verdanken, der von 1983 bis 1999 Ortsvorsteher von Bad Bodendorf war und zudem ein unermüdlicher Sammler von Quellen zur Geschichte des Dorfes. Aus einer Vielzahl solcher Quellen hat er die Geschichte des Junggesellenvereins rekonstruiert und für einen Beitrag im Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1995 zusammengefasst.

Der heutige Junggesellenverein wurde wahrscheinlich im Jahr 1893 gegründet. Zweifelsfrei erwiesen sei das jedoch nicht. Aber es muss in Bodendorf schon lange zuvor eine Junggesellen-Vereinigung gegeben haben. Denn in einer alten Beschreibung der Bodendorfer Kirche und ihrer Ausstattung wird auch „eine alte Junggesellen Fahne vom Jahre 1820“ genannt. Aus den Statuten gehe hervor, dass dieser Verein dem heiligen Sebastian gewidmet war, dem Schutzpatron der Bodendorfer Kirche. In Paragraf 3b der Vereinssatzung heißt es nämlich, dass der St.-Sebastianus-Tag am 17. Januar als Namenstag des Patrons mit einem Gottesdienst zu feiern sei, dem eine Versammlung zu folgen habe.

1858 wählten die St.-Sebastianus-Junggesellen letztmals einen Vorstand. Dann werden die Junggesellen Teil der wiederbelebten St.-Sebastianus-Bruderschaft. Um 1893 trennen sich die Junggesellen dann wieder von der Bruderschaft, vermutlich wegen eines Zwists, und gründen einen eigenen Verein mit St. Josef als Namenspatron.

Auch nach dem ersten Weltkrieg sind Winter- und Herbstkirmes, Maibaumstellen, Mailehen und Maitanz die Höhepunkte im Vereinsjahr. Als neue Aktivitäten kamen Theaterabende, Preismaskenbälle mit Büttenreden und außerdem ein Fastnachtszug mit drei Wagen und Fußvolk hinzu. Von diesem Zug ist überliefert, dass „Zugbegleiter trunken vom Esel fielen". Mit der Gründung von Gesangverein, Sportclub (beide 1919) und St.-Sebastianus-Schützengesellschaft (1926) wuchs die Zahl der Bodendorfer Vereine. Aber der Junggesellenverein blieb doch der tragende Verein des öffentlichen Dorflebens.

Vor 1925 wurde ein Spielmannszug als Abteilung des Junggesellenvereins gegründet. Aus ihm ging der 1965 ins Leben gerufene heutige Spielmannszug „Blau-Weiß“ hervor. Nachdem es in den 1930er Jahren geheißen hatte, dass alle Vereine aufgelöst und in die nationalsozialistische Einheitsgemeinschaft Kraft durch Freude (KdF) überführt werden sollten, beschlossen die Junggesellen, die gut gefüllte Vereinskasse bei einem gemütlichen Abend in Bodendorf und auf der Lohrsdorfer Kirmes zu erleichtern.

Mit Beginn des 2. Weltkrieges kam das Vereinsleben zum Erliegen; bereits die Herbstkirmes am ersten September-Wochenende 1939 fand nicht mehr statt. 23 Bodendorfer Junggesellen fielen in diesem Krieg, neun blieben vermisst. Am 24. Mai 1947 wurde der Verein von 35 Junggesellen reaktiviert. 1969 und 1970 wurde in Bodendorf ein „Hahneköppen" veranstaltet, das aber bald wieder aufgegeben worden ist. Ab 1961 ist erstmals ein Saufzug als Ausklang der Kirmes belegt, ab 1963 wird dabei ein Kirmesmann mitgeführt. Vom "Rhein in Flammen" inspiriert, veranstalteten die Bad Bodendorfer Junggesellen 1979 erstmals ein Ahruferfest. Seit 1992 firmieren die St.-Josefs-Junggesellen offiziell als eingetragener Verein.[2]

Bein einer Mitgliederversammlung im Frühjahr 2019 auf dem Schützenplatz wurde der langjährige Präsident in seiner Arbeit bestätigt, so dass Nico Schmitz in sein sechstes Präsidentenjahr startete. Auf die weiteren Vorstandsposten wurden gewählt: 1. Schriftführer Dominik Jonas, 2. Schriftführer Alexander Weber, 1. Kassierer René Bender, 2. Kassierer Joe Seidel, Beisitzer Mark Eltzschig und René Leydecker. Neu in die Reihen der Junggesellen aufgenommen wurden Enzo Feist, Leo Welter und Fabian Liedtke.

Die „Strafakten“

Ein 1859 begonnenes Kassenbuch listet die „Strafakten der Bodendorfer Junggesellen" auf, eine Kombination aus Satzung und Benimmregeln, die tiefe Einblicke in das dörfische Leben zu einer Zeit vermittelt, in der an Tinder und ähnliche Internet-Kontaktforen niemand auch nur im Entferntesten dachte.

Das liest sich zum Beispiel so: "Wen die Jungesellen beisammen sind darf keiner ins Zimmer kommen, er muß erst an der Thür anklopfen, und wen man ihm dann heißt herein kommen, so muß er die Thür ganz leise aufmachen." Weiter heißt es dort: "Wenn er ins Zimmer herein trit, muß er den Hut abthun und grüßen wie die Zeit des Tages sich begiebt." Der Passus endet mit folgender Forderung: "Es darf aber auch keiner mit einer Mütze noch weißen Kittel erscheinen." Nicht ohne Grund wird von den Junggesellen weiter verlangt: "Es darf … keiner soviel Trinken das er sich im Zimmer übergiebt."

Das Buch enthält aber auch Gebote, deren Sinn sich dem unbedarften Leser nicht sogleich erschließt. Ein Beispiel: "Mann darf auch nicht mit einem Klatschkiesen Stücke über de Straße gehen", was, in heutiges Deutsch übersetzt, wohl soviel heißen mag wie: Man darf nicht mit einem Stück Klatschkäse über die Straße gehen.

Von den Mitgliedern wird auch Loyalität eingefordert: "Es darf … keiner sich mit Jungesellen aufhalten welche noch nicht in diese und unsere Bruderschaft eingeschrieben sind."

Über die Grenzen des Schicklichen heißt es: "Es darf sich auch keiner die Freiheit bedienen bei einem anderen Junggesellen sein Matchen zu gehen." Und: "Wenn einer ein Matchen im Felde und in der Wiese antritt so darf er nicht bei ihm stehen bleiben, um sich mit ihm ins Gesprech einzulaßen."

Klar geregelt auch das Verhalten gegenüber Vorgesetzten: „Wenn die Jungesellen zusammen sind, so müßen sie ihre Vorgesetzten und Obrigkeit mit aller höflichkeit vorkommen, auch auf der Straße mit einem gehörigen bedragen begegnen.“ Der Fähnrich wird darauf verpflichtet, sorgsam mit seinen Insignien - Zweispitz, Schärpe und Degen - umzugehen. Er müsse sich "in acht nahmen das nichts schmutziges daran kommt oder zu rißen wierd. wenn es sine schuld ist so muß er sie aus seine mittel in Reprathur setzen lassen." Zu den Pflichten des Fähnrichs erfahren wir weiter: Die Fahne "wird bei jeder Feierlichkeit mitgenommen und zwar bei jeder Prozeßion, bei Begräbniß" und "bei Gelegenheit des Vogelschießens nur bis an das letzte Haus des Dorfes."

Die Mailehen-Versteigerung

Zu den Aufgaben des Vereinsvorstands gehörte das Einholen des „Heulesbiers", das sich aus der traditionellen Mailehen-Versteigern ergab. Vor dem Maitanz wurden alle ledigen Bodendorfer Mädchen an Junggesellen versteigert. Dass auch auswärtige Mädchen versteigert wurden, die in Bodendorf in einer Anstellung waren, geht aus dem Protokoll der Versteigerung vom 1. Mai 1858 hervor. Dort heißt es nämlich, dass auch „Lehrersch Magd, Madame Viehmagd dem Lehrer sein Schwester, Madame Küchenmagd“ und „Ritzdorfs Kindermagd" versteigert worden sind. Mädchen, für die kein Gebot abgegeben wurde, wurden mit anderen „Sitzengebliebenen" im Bündel versteigert. Die Erlöse dieser Versteigerungen flossen in die Vereinskasse. Wurde ein Bodendorfer Mädchen von einem Ortsfremden entführt, so musste er den Bodendorfer das „Heulbier“ zahlen. Aus einem altüberlieferten Heulesspruch geht hervor, dass sogar noch viel mehr gefordert wurde: Der Maibräutigam müsse nämlich zahlen ...

soviel Bier und Wein wie Wasser im Rhein,
soviel Schinken und Braten wie der Tisch kann tragen,
ein Fuder Wein und 50 Taler fein,
wir glauben, das könnte erträglich sein.

So oder so: Die Junggesellen mussten ihren Maibräuten den gesamten Wonnemonat über den Hof machen, sie zum Tanz führen und ihnen einen Maibaum stellen. Robert Hoening, von 1917 bis 1937 Pfarrer in Bodendorf, machte den Mailehenversteigerungen, vor allem dem Versteigern des Bündels, dann aber ein Ende.

Weitere Fotos

Siehe auch

St. Josef

Mediografie

Weblinks

Fußnoten

  1. Quelle: Schützenfeste: Neue Schützenkönige in Bad Bodendorf und Kripp, general-anzeiger-bonn.de vom 4. September 2013
  2. Quelle: Judith Schumacher: Bad Bodendorf feiert: Kölsche Party zum 200. Geburtstag, rhein-zeitung.de, 5. Februar 2020