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St.-Raphaels-Kapellchen Niederbreisig

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Das von Felix Lüttgen gestaltete Mosaik an der Stirnwand zeigt den Erzengel Raphael, der St. Tobias, den Patron der Pilger, Reisenden und Augenleidenden, begleitet und beschützt.
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Am nördlichen Ortsausgang der Quellenstadt, direkt vor dem Aldi-Markt, steht das St.-Raphaels-Kapellchen, das 1648 erbaut, später neu aufgebaut und dem Erzengel Raphael gewidmet wurde.


Standort

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Chronik

Nachdem es den Ersten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden hatte, wurde das Kapellchen von der Familie Lövenich, Besitzer des Gasthauses „Zum weißen Ross“, gestiftet und erbaut. Initiatorin war Maria Lövenich, die gläubige Seniorin der Familie. Sie hatte gelobt, das Kapellchen, das der Familie gehörte, aber immer mehr verfallen war, für den Fall, dass ihre beiden Söhne Walter und Bernd wohlbehalten aus dem Krieg zurückkehren, neu und schöner wieder herrichten zu lassen. Als die Söhne zurückkamen, löste die Mutter ihr Versprechen ein und ließ das Kapellchen neu bauen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die St.-Sebastianus-Schützen- und Bürgergesellschaft, die immer eine feste Bindung zum „Weißen Ross“, ihrem Stammlokal, pflegte, die Pflege des Andachtshäuschens an der B 9. Insbesondere Vorstandsmitglied Hans Dresen und seine Gattin Helga hielten das Kapellchen in Stand und sorgten für wechselnden Blumenschmuck vor dem Mosaikbild des St. Raphael an der Stirnwand des kleinen Baues.[1]

Nach Hans Dresen verstorben war, fand sich zunächst niemand, der dessen Aufgabe fortführen wollte. Dann meldete sich ein Spender, der eine große Christus-Statue als zusätzlichen Schmuck für das Kapellchen stiften wollte. Das Geschenk kam dem Vorstand der St.-Sebastianus-Schützen- und Bürgergesellschaft gelegen; denn es gab den Impuls, den Innenraum des Kapellchens mit einem neuen Anstrich zu versehen. Kurt Berlin, Vorsitzender der Gesellschaft, sowie Peter Krahforst und Bobes Salscheider trafen sich vor Ort am Heiligenhäuschen mit Handwerkern, um das Vorgehen bei der Renovierung zu planen. Der Allround-Handwerker Damjanovic strich die kleine Kapelle innen wie außen. Ein schwerer Steintrog wurde beschafft und mit Blumen bepflanzt und die von der Familie Manfred Brungs gestiftete 68 Zentimeter hohe Christusfigur aufgestellt. Dann trafen sich Kurt Berlin und sein Vize Peter Krahforst mit der Spenderin Frau Brungs, Handwerker Damjanovic und Ursula Sponheimer, die sich um den Blumenschmuck für das Kapellchen kümmert und für Sauberkeit im Innenraum sorgt, an der Kapelle.

Ausstattung

Auf zwei Schiefertafeln an der äußeren Stirnseite ist u. a. folgender Text eingemeißelt: „Den Weg des Friedens und des Glückes führe uns der Herr; und sein Engel Raphael geleite uns auf diesem Wege."

Das Innere der Kapelle wird von einem Mosaik bestimmt, das die gesamte Rückwand ausfüllt. Die Darstellung ist ein Werk des Architekten und Malers Felix Lüttgen, der in Niederbreisig bereits von der Renovierung der St.-Marien-Pfarrkirche bekannt war. Heinrich Braun beschreibt das Mosaik im Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler für das Jahr 1963 folgendermaßen:

Dargestellt ist der junge Tobias mit seinem Reisebegleiter, dem Engel Raphael, auf dem Wege nach Medien. Oben links erblicken wir himmlisches Gelände in schönen, maßvoll gehaltenen Farben. Die nach unten weisende Hand Gott Vaters durchschneidet den regenbogenfarbigen Himmel, wo das erdfremde Gold wirkungsvoll ist. Links unten lauert der gleisnerische Gegenspieler mit seinem Pferdefuß auf seine Opfer. Grelle Farben deuten das auffällige gefährliche Treiben des Teufels in der heutigen Zeit an. In der Fläche Himmel und Hölle sind die Trümmer einer zusammenstürzenden Brücke zu erkennen. Die Jahreszahl 1945 verrät, daß der Künstler an die Remagener Rheinbrücke gedacht hat. Zum Leib des Bildes gehören noch der treue Hund, „der ihnen nachlief". Im Vordergrund, als Abschluß nach unten, ist ein Rahmen mit rotfarbigen Verkehrszeichen, die unaufdringlich wie Ornamente wirken. Oben leuchten ein flimmernder Stern — Stella maris — und ein Fisch in goldener Himmelsfarbe. Unter dem linken Engelsflügel erblicken wir an einem Heiligen-Häuschen die Jahreszahl 1648. Nach dem 30jährigen Kriege wurde das Kapellchen in der Notzeit errichtet, das jüngst in schönerem Stil neu aufgebaut wurde. Raphael beherrscht in seiner Größe die ganze Mittelfläche des Bildes. Sein goldener Wanderstab stellt eine Verbindung zwischen Himmel und Erde dar. „Aus dem Himmel ist er, nach dem Himmel zeiget er." Außer den erwähnten Farben hat Lütgen in der Hauptsache in Schwarz-Weiß gearbeitet; auch Raphael, ohne schweres faltiges Gewand, wirkt lichtvoll erhaben als Bote Gottes im blendend weißen Kleid der Gnade. Sehr ausdrucksvoll ist der feine Kopf des Engels mit den großen Augen, die sowohl Strenge als auch Güte ausdrücken. Durch das Schwarz-Weiß wird der Ausdruck recht kraftvoll. Die Lebendigkeit des ganzen Bildes wird noch gesteigert durch beiderseitig eindringendes Licht, wodurch die funkelnden Sternchen, die ja keine glatte Fläche bilden, im Licht- und Schattenspiel, auch beim Kerzenschein, recht lebendig wirken. Die Seele des Bildes spricht klar und unproblematisch zum Beschauer. ... Hell und Dunkel, Gutes und Böses, Himmlisches und Irdisches: Alles ist kunstvoll geordnet in klarer Komposition. Im Schütze der Engelsflügel schreitet Tobias wohlgeborgen auf rechtem Wege. Was kann der Feind ihm schon schaden, wenn sein Engel ihn behütet! Der Wegweiser zeigt nach oben. Das Verkehrszeichen mahnt: Halt! Vorsicht! Besinnung! Der funkelnde Stern leuchtet zielweisend, und alles hat uns etwas zu sagen, nicht zuletzt der goldene Fisch als Symbol bzw. jener Fisch, durch dessen Galle der alte Tobias sein Augenlicht wieder erhalten hat.

Mediografie

Heinrich Braun: Im Raphaelskapellchen zu Bad Niederbreisig, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1963

Fußnoten