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Ahrwein-Messe am 25. November 2017 im Kurhaussaal in Bad Neuenahr

Albrecht Bernardi

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Der katholische Pfarrer Albrecht Bernardi (* 10. August 1887, † 21. August 1964) war aufgrund seiner NS-kritischen Betätigung am 1. August 1939 mit der Pfarrstelle in Altenahr betraut worden, nachdem er aus dem Saarland ausgewiesen worden war. Die Pfarrei stand, bedingt durch die regimekritischen Aktivitäten von Bernardis Vorgänger, Karl Wies, noch unter ständiger polizeilicher Beobachtung.


Sonstiges

Auf der Website rheinische-geschichte.lvr.de heißt es zu Albrecht Bernardi weiter:

Eine vom Generalvikariat Trier geforderte Aufhebung des Aufenthaltsverbots wurde vom Reichskirchenministerium abgewiesen; vielmehr beobachtete man "ob Bernardi in seinem neuen Wirkungskreis keinen Anlass zu weiteren Beanstandungen" biete. Am 12.1.1941 hatte er den Kindern seiner Seelsorgestunden Briefe für ihre Eltern mitgegeben, in welchen er unter anderem auflistete, wie oft die Kinder während den Stunden gefehlt hatten. Einleitend schrieb er: "Grüss Gott! Es ist eine der ernstesten Pflichten aller Eltern, für die religiöse Unterweisung ihrer Kinder zu sorgen. Es freut mich, dass unsere Eltern sich dieser Pflicht bewusst sind und ihre Kinder regelmäßig zur Seelsorgestunde schicken; ich freue mich für die Eltern, denn nicht die Seelsorger, sondern die Eltern werden den Segen dieser Pflichttreue ernten. Leider haben einige Kinder ohne Wissen und Willen der Eltern öfters in der Seelsorgestunde gefehlt. Ich sende hiermit den Eltern eine Aufstellung, aus der sie ersehen können, wie oft die Kinder im letzten Jahre, soweit es festgestellt wurde, in den Seelsorgestunden ohne Entschuldigung gefehlt haben. In der Hoffnung, dass im neuen Jahre alle Kinder pflichtbewusst sein werden, grüsst Eltern und Kinder. A. Bernardi, Pfarrer". Der Vater eines Jungen empfand diesen Brief als persönlichen Affront, weshalb er Bernardi umgehend anzeigte. Auch wenn sich der Pfarrer und der Anzeigende, laut der Rekonstruktion des Kaplans Jakob Leister, darauf einigten, die Sache beizulegen - der Vater erklärte, er würde die Anzeige zurücknehmen (auch wenn dies nicht nachgewiesen werden konnte) - wurde Bernardi am 3. Februar 1941 von der Gestapo in Koblenz vernommen und wegen Verteilung eines verbotenen Rundschreibens festgenommen. Der erneute Vorfall in Altenahr ließ die Gestapo den Schluss ziehen, "dass er nicht gewillt ist, positiv mitzuarbeiten, sondern dass er nach wie vor versucht, seine frühere staatsabträgliche Tätigkeit fortzusetzen" was darüber hinaus zur "Störung der Volksgemeinschaft und Schwächung der Heimatfront" führe. Offensichtlich gründete seine Verhaftung tatsächlich auf den bereits abgestraften Vorfällen in Wemmetsweiler (Saarland). Bis zur Urteilsverkündung befand sich Bernardi für fünf Wochen in Haft (Gestapo, Gefängnis Koblenz). Auf Grundlage einer allgemeinen Verfügung vom 10.3.1939 wurde ihm in Absprache mit dem Reichssicherheitshauptamt ein Aufenthaltsverbot für die Provinzen Rheinland, Westfalen, Hessen-Nassau und die übrigen westlich des Rheins gelegenen Gebiete erteilt. Hinzu kam die Sperrung des staatlichen Gehaltszuschussses. Bernardi selbst beteuerte in seinen Vernehmungen, die Briefe ohne jegliche politische Intention verfasst oder abgeschickt zu haben, da er nur in bester Absicht auf die diversen Fehlstunden der Kinder hinweisen wollte. Diese Argumentation leuchtete offenkundig auch der Gestapo ein: "Als ich im Verhör die Begründung entkräftigte, zeigte der Gestapomann auf meine Akten Gestapo Saarbrücken und bemerkte: 'dies ist die Hauptsache'." Insofern steht der Fall Bernardi nicht nur exemplarisch für die verschwimmenden Grenzen zwischen "Täter-" und "Opferrollen" im Widerstand, sondern auch für eine gezielte Vorgehensweise der nationalsozialistischen Verfolgungsinstanzen.[1]

Mediografie

  • Priester unter Hitlers Terror. Eine biographische und statistische Erhebung, bearb. von Ulrich von Hehl, 4. durchgesehene und ergänzte Auflage, Paderborn u.a. 1998, S. 1427
  • Andreas Klaes: Pfarrer Albrecht Bernardi (1887-1964), in: Scheidgen, Hermann-Josef / Prorok, Sabine / Rönz, Helmut (Hg.): Kirche und Gesellschaft. FS für Gabriel Adriányi zum 75. Geburtstag, Nordhausen 2012, S. 197-252
  • Peter Brommer: Das Bistum Trier im Nationalsozialismus aus der Sicht von Partei und Staat, Mainz 2009, S. 580

Fußnoten

  1. Quelle: Pfarrer Albrecht Bernardi verfasste ein Rundschreiben an die Eltern seiner Gemeinde (10.03.1941), rheinische-geschichte.lvr.de, gesehen am 30. Juli 2016