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Jüdische Gemeinde Dernau

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Nachfahren von Mitgliedern der ehemaligen jüdischen Gemeinde Dernau (Familien Heymann, Schweitzer, Bär, Levi, Stolz, Mayer, Meyer) wohnten später in Ahrweiler, Bad Neuenahr, Siegburg, Köln-Deutz, Weilerswist und Euskirchen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verteilten sich die Überlebenden auf viele Länder.[1]


Aquarell von Matthias Bertram: Ehemalige Synagoge/ Bethaus/ Schule der jüdischen Gemeinde Dernau um 1850

Chronik

Erste frühe Hinweise auf eine jüdische Gemeinde in Saffenburg/Dernau finden sich in einer Judensteuerliste des Reichserbkämmerers Konrad von Weinsberg aus dem Jahr 1434 (HZA, E59.1, fol.2r). Konrads Gehilfe Sefrid hatte demnach von etlichen Juden aus der Rhein-Ahr-Region Geld eingenommen. Neben Juden aus Sinzig, Breisig und Honnef ist dabei auch ein nicht namentlich genannter Saffenberger Jude aufgelistet. Da aus der Vergangenheit in der Grafschaft Saffenberg/Saffenburg nur in Dernau ansässige Juden dokumentiert sind, ist anzunehmen, dass der genannte Jude aus Dernau stammte.

In einer hebräischen Handschrift in Oxford/England wird 1616 von einem Moses ben Mei, genannt Moses Ternau, berichtet, der als Beisitzer an einem Schiedsgericht in Bonn teilnahm.[2] Hierbei dürfte es sich um den 1619 in den Ahrweiler Ratsprotokollen genannten „Moschell Judt zu Dernaw“ handeln. In den Jahren 1609 bis 1619 sind des Weiteren in den Ahrweiler Ratsprotokollen die Dernauer Juden Simon und Levi dokumentiert. Für das Jahr 1694 ist ein Dokument in Dernau erhalten (Horst Bertram), das ein Weinhandelsgeschäft des dortigen Juden Isaac Senior bestätigt.[3]

Um das Jahr 1850 waren ca. fünf Prozent der Einwohner Dernaus jüdischen Glaubens. Bis 1900 reduzierte sich diese Zahl durch Wegzug und Auswanderung einiger Familien (Heymann, Baer) und den Bau der neuen Kreissynagoge in Ahrweiler auf ein Prozent der Bevölkerung.

Das Zusammenleben zwischen jüdischen und christlichen/katholischen Dernauern war im Großen und Ganzen problemlos, auch wenn um 1860 von Bekehrungsversuchen jüdischer Kinder durch die Lehrerin und den Pastor des Ortes in der Presse berichtet wurde. Dies ist um so erstaunlicher, als sich in einem englischen Reiseführer aus dem Jahr 1906 massive antisemitische Äußerungen über die Dernauer Judenschaft finden, die mit der tatsächlichen Situation vor Ort nichts gemein hatten:

In dem genannten Reiseführer (Sabine Baring-Gould: A Book of the Rhine from Cleve to Mainz, Macmillan-Verlag 1906) heißt es:

… Dernau is a nest of blood-sucking Jews who prey on the exigences of the peasants, getting the sale of the wines into their hands, in bad times advancing money at high interest ; and when once getting a grip on a farm not letting go again …

Sinngemäße Übersetzung:

... Dernau ist ein Nest von blutsaugenden Juden, die die Notlage der Bauern ausbeuten, versuchen den Verkauf des Weines in die Hände zu bekommen und in schlechten Zeiten Geld zu hohen Zinsen verleihen/vorschießen; und wenn sie einmal einen Hof im Griff haben, lassen sie ihn nicht mehr los.

Diese Beschreibung gibt die damalige Situation im Ort weder sachlich noch stimmungsmäßig korrekt wieder und ist lediglich ein Zeichen für den 1906 bereits weit fortgeschrittenen Antisemitismus in Europa.

siehe auch

Fußnoten

  1. Quelle: Günther Schmitt: Jüdische Familien im Rheinland - Spurensuche in Dernau, general-anzeiger-bonn.de vom 18. Oktober 2014
  2. Quelle: Birgit E. Klein: Wohltat und Hochverrat – Juda bar Chaijm und die Juden im Alten Reich, Dissertationsschrift, nach Matthias Bertram, E-Mail vom 13. Oktober 2015
  3. Quelle: Matthias Bertram: "In einem anderen Lande" – Geschichte, Leben und Lebenswege von Juden im Rheinland, ISBN 978-3-95631-333-2, nach Matthias Bertram, E-Mail vom 13. Oktober 2015