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Karl Schweitzer

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Der Metzger Karl Schweitzer (* 6. September 1882 in Dernau), seine Ehefrau Rosa (geborene Michel, geboren am 15. Februar 1884) und seine sechs Kinder waren die einzigen Juden, die in Altenahr lebten. Die Familie wohnte zunächst an der Ecke Bonner Straße 33 in Dernau, bevor sie an die Adresse Rossberg 37 in Altenahr umzog.


Ehemaliges Wohnhaus der Familie am Roßberg 39 in Altenahr
Die am 9. September 2016 von Gunter Demnig vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie verlegten Stolpersteine

Standort des ehemaligen Wohnhauses der Familie

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Sonstiges

Benedikt Steinhoff aus Altenahr, Vorsitzender des Kreisverbands Ahrweiler der Piratenpartei, setzte sich dafür ein, dass in Altenahr Stolpersteine zur Erinnerung an Rosa und Karl Schweitzer verlegt wurden. In einem Bericht der Rhein-Zeitung zum Thema hieß es:

Laut verschiedener Quellen waren die Schweitzers die einzige jüdische Familie in Altenahr. Sie kamen von Dernau nach Altenahr. Karl Schweitzer, geboren am 6. September 1882 in Dernau, war Metzger – wie sein Vater. Seine Frau Rosa, geboren am 15. Februar 1884, kam aus Münchholzhausen bei Wetzlar. Das Paar hatte sechs Kinder: Leo, Herbert, Gerda, Tilla, Hilde und Walter. Leo wurde in Dernau geboren, die anderen Kinder in Altenahr. Hotels und Gaststätten, aber auch die Nachbarschaft am Rossberg waren Kunden der 1910 neu gebauten Metzgerei der Schweitzers am Rossberg 37 – heute 39. Das Geschäft ging so gut, dass Karl Schweitzer sich einen Lieferwagen kaufte. Dies änderte sich mit dem Boykottaufruf für jüdische Geschäfte im April 1933. Die Situation verschärfte sich im Dezember 1935 mit dem Verbot freier Berufe für jüdische Bürger. Nur versteckt und nachts konnte Karl Schweitzer etwas ausliefern. Wie viele andere flüchteten Karl und Rosa Schweitzer 1937 mit ihren Kindern in die Anonymität Kölns. Von dort sollen sie 1941 in das Reichsjuden-Ghetto in Riga deportiert und ermordet worden sein (laut deutschen und israelischen Gedenkbüchern). Nach Aussagen von Leo Schweitzer, dem ältesten Sohn, der Altenahr 1950 besuchte, sollen Karl und Rosa Schweitzer jedoch schon vorher in Köln verstorben sein. Sie versäumten es damals, ihre Auswanderung zu beantragen. Nur ihre Kinder konnten sich retten, da sie 1938 der Käufer eines Grundstücks der Schweitzers von Köln über die belgische Grenze brachte. Sie leben heute verstreut ... in England, in den USA und Venezuela.[1]

Am Freitag, 9. September 2016, wurden am Rossberg 39 sieben Stolpersteine zur Erinnerung an die Mitglieder der Familie verlegt. Gunter Demnig ließ die Steine eigenhändig vor dem damaligen Wohnhaus der Familie Schweitzer in den Boden ein. Ruth Swindon, eine Enkelin des ermordeten Ehepaares, dankte für die Möglichkeit, sich auf diese Weise an die Großeltern zu erinnern.

Beim anschließenden Empfang im Rathaus ergriff Charles Swindon, ein Enkel von Karl und Rosa Schweitzer, das Wort. Sein Vater Walther sei mit einem der letzten Kindertransporte aus dem Nazi-Reich entkommen. Er habe es immer als ungerecht empfunden, nie Großeltern väterlicherseits gehabt zu haben. Er fand von ihnen lediglich ein Foto in einer Schachtel mit Postkarten, das sie schön gekleidet und voller Zuversicht zeige. Es sei zu spät, zu hassen und die Geschichte zu ändern, hieß es in einem Gedicht, das seine Tochter Susan vortrug. Es sei aber nicht zu spät, sich zu erinnern. Bei Matthias Bertram, der die Geschichte der Schweitzers erforscht hat, bedankte sich Swindon, und bei Benedikt Steinhoff, dessen Großeltern in den Hungerjahren des Ersten Weltkriegs von der Familie Schweitzer unterstützt worden waren. Er hatte die Verlegung der Stolpersteine in Altenahr angestoßen.[2]

Mediografie

Fußnoten

  1. Quelle: Stolpersteine als mahnende Erinnerung - Das Ehepaar Schweitzer wurde 1941 ermordet, in: Rhein-Zeitung vom 11. Juni 2015
  2. Quellen: Rhein-Zeitung vom 8. September 2016, Frieder Bluhm: Namen in Messing erinnern an jüdische Mitbürger – Kunstaktion in Altenahr im Beisein von Nachfahren der Familie Schweitzer, in: Rhein-Zeitung vom 8. September 2016, und Christine Schulze: Stolpersteine in Altenahr: „Jetzt weiß ich, wo meine Großeltern lebten“, general-anzeiger-bonn.de vom 11. September 2016