Katholischer Junggesellenverein Waldorf 1738 e.V.

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Der Katholische Junggesellenverein Waldorf 1738 e.V. ist seit mehreren hunderten Jahren Veranstalter der St. Remaklus-Kirmes Waldorf.


Gründung und Entwicklung

im Jahr 1738 gegründet - Neben dem hohen Alter des Vereins ist erwähnenswert, dass bereits 1850 die Mitwirkung der Mädchen ausdrücklich festgeschrieben wurde.

Traditionell wird das Junggesellenbrauchtum durch den "Katholischen Junggesellenverein Waldorf 1738" (JGV) gepflegt und fortgeführt. Neben dem hohen Alter des Vereins ist besonders erwähnenswert, dass bereits 1850 die Mitwirkung der Mädchen ausdrücklich festgeschrieben wurde. Die früheste Nachricht über einen Zusammenschluss der Junggesellen stammt aus einem kleinen, vollständig erhaltenen Versammlungsbuch.

In 32 teilweise selbstironischen Artikeln sind die Ordern, Benimmregeln und Strafgelder der Gesellen aus dem nicht mehr vorhandenen Protokollbuch von 1738 niedergeschrieben und die Namen der Mitglieder von 1800/01 bis 1841.

Aus diesen 32 Paragraphen und den Huldigungen (Aufnahme der neuen Mitglieder) geht hervor dass das Vereinswesen nur in den Händen der Junggesellen lag und ohne aktive Beteiligung der weiblichen Dorfjugend durchgeführt wurde. Dennoch spielten die Mädchen offensichtlich eine bedeutendere Rolle, da die Gesellen ihnen gegenüber zu besonderem Verhalten verpflichtet waren.

Über den Aufbau des Vereins können nur Vermutungen angestellt werden. Wahrscheinlich bildeten der Prefeckt, President, fritens Richter, Maierie (Bürgermeister) und adjunkt (Gehilfe) die Regierung (den Vorstand) der Gesellen, während alle anderen der kompanÿ angehörten. Durch die Zeile im Heulbierspruch (Artikel 31)... hier kommen wir mit Sanct Remaclusstab, davvon wir haben die macht euch zu fordern ab... wird, im Zusammenhang mit einer bevorstehenden Vermählung, eine Bindung des Vereins an die Kirche sichtbar Die Bindung zum Kirchweihfest findet in Artikel 30 erstmalig schriftliche Erwähnung: Auf Kirmes abent ist auch gebräuchlich, das sich alle jungesellen auf dem prefectur einfinden ohne versäumnis.

Hinweise auf Maiversammlungen und Schützentätigkeiten finden sieh in den Artikeln 22 bis 24: Auf mäÿ aben ist der gebrauch das alle jungesellen sich auf dem prefecktur ein finden wo der heer prefekt dan seine sitzung nimbt...Als dan wird das gesetz der hoch ansehnligen jungesellen vorgelesen, und nach ablesung der gesetzer werden die schützen ihre kühren anbringen... Und als dan wird die gantze regierung aufs neue an gesetz sambt den schützen wie alle jahr gebräuchlig ist. Mit diesen Schützen ist vermutlich eine Ehrenformation gemeint. Die formelle Wächter- und Begleitfunktionen ausübte. z. B. durfte ein Junggeselle zur Hochzeit dan auch von dem herrn Maire zwei mit gesellen begehren aus der gemein, die ihm das geleit in die kirch geben mit gewehr und waffen (Säbel), und darbey auch zu schiessen (Artikel 28).

Über Eintrittsalter, Beiträge, Fahnen, Uniformen, Umzüge und weitere Bräuche sagt das Versammlungsbuch leider nichts aus. Einzig die heute noch erhaltene Tradition des Heulbieres, auch als Heules. Hillich oder Hillig bekannt, wird mit den Sprüchen zum abholen des Heulbieres dokumentiert (Artikel 31 und 32).

Ein Protokollbuch gibt ab 1850 Auskunft über den JGV. Darin sind neben einer ordentlichen Satzung die Ergebnisse der Vorstandswahlen, die Jahresabrechnungen und die Namen der Mitglieder bis 1968/69 nahezu lückenlos eingetragen. Am Schluss des Buches befindet sich noch ein Verzeichnis über sämtliche Sachen, die dem Junggesellen- und Mädchen- Verein zugehören. geführt bis 1909. Obwohl die schriftliche Überlieferung zwischen 1841 und 1850 aussetzt, hat höchstwahrscheinlich ein Zusammenschluss in der Tradition von 1738 fortbestanden. Denn das völlige Erliegen des einzigen nachweisbaren Dorfvereins, der vor allem von jungen Menschen getragen wurde, ist in einer Zeit mit geringen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung schwer vorstellbar. In ursprünglich 37 Artikeln und zwei Reglements von acht und sechs Paragraphen sind die Statuten über die Organisation des Junggesellen- und Mädchen- Vereins zu Waldorf festgehalten, mit denen das Vereinsleben reorganisiert und penibel reglementiert wurde: Nachdem nun in heutiger Generalversammlung vorstehende Statuten und Reglements berathen und genehmigt worden, wurden dieselben von allen Mitgliedern des Vereins unterzeichnet. So geschehen zu Waldorf im Gemeinde Haus am fünfzehnten September ein tausend acht hundert fünfzig. Am 12.Oktober 1879 wurden die Statuten nachträglich um ein Reglement von 15 Paragraphen und die Artikel 38-42 erweitert und präzisiert.

Am 16.Februar 1851 wurde dann die erste reguläre Wahlversammlung abgehalten: In heutiger Generalversammlung wurden gewählt: Anton Schirmer, Hauptvorsteher; Jos. Anton Seul, Jos. Joh. Frömbgen, Engelbert Dahm, Joseph Blum, Anton Felten I., Johann Flerus, Verwaltungsräte; Michael Schmitz, Friedensrichter; Jos. Heinrich Frömbgen, Empfänger. In Beziehung auf die Leitung der öffentlichen festlichen Aufzüge wurden gewählt: Matthias Seul, Hauptmann; Anton Schirmer, Offizier; Anton Dahm, Fähnrich; (Auch wurden noch vier Cadetten gewählt

Von den ersten Mitgliedsbeiträgen stattete der Verein sich mit folgenden Gegenständen aus: 1. einer Fahne mit dem Bilde Jesus, Maria und Josef 2. einem Tragriemen, 3. einer rotseidenen Schärpe für den Fähnrich, 4. vier weißen baumwollenen Schärpen für die Cadetten, 5. drei weiteren für die Offiziere und den Hauptmann, 6. einem Hut mit einer weißen Feder, 7. einem Hut mit einer schwarzen Feder, 8. einem Hut ohne Feder, 9. drei Paar silbernen Imbolets mit Sternen, 10. zwei Hüten, 11. einem Schlagsäbel, 12. einem Schrank für besagte Sachen.

Die Zielsetzung der Gesellschaft wurde folgendermaßen formuliert: Als Zweck des Vereins ist ins Auge zu fassen daß ein gediegener Sinn für Religion und Sittlichkeit und Achtung vor dem Gesetze und Eintracht unter hiesigen jungen Leuten erhalten und immer mehr gekräftigt werde. Genau vorgeschrieben waren auch die Beitrittsbedingungen (Artikel 4):

Niemand kann zur Aufnahme vorgeschlagen werden:

1., der nicht das Alter von achtzehn Jahren zurückgelegt hat. 2., der nicht eines unbescholtenen Rufes genießt. 3., der nicht Einwohner der Gemeinde Waldorf ist. 4., der nicht ein keusches Leben führt.

In Artikel 16 wurde das Eintrittsgeld von 18 Groschen festgelegt. Der Betrag wurde vermutlich 1879 auf 20 Groschen erhöht und gilt seitdem unverändert. In Notzeiten, z.B. nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, reichten jedoch auch 10 oder mitunter nur 5 Groschen aus. Aufgenommen werden in die Gesellschaft konnten die Ledigen beiderlei Geschlechts gleichermaßen, sofern ihre finanziellen Verhältnisse es ihnen erlaubten. Blieb man dagegen Strafgelder säumig, konnte man aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden, wofür sich mehrere Beispiele in den Mitgliederlisten finden.

Aus den Protokollen ist ersichtlich, daß allein die Burschen, speziell diejenigen die beim Militär gedient hatten, Verwaltung und Leitung der Vereinigung innehatten und die öffentlichen Aufzüge durchführten. Der streng an preußischer Disziplin und Ordnung orientierte Rahmen der Satzung gibt die Wirklichkeit des Vereinslebens wohl nur unzureichend wieder.

Die ausführlich reglementierte Aufstellung von Zügen an öffentlichen Feierlichkeiten war weitgehend durch religiöse Festtage bestimmt. Dazu gehörten neben der Fronleichnamsprozession alle hohen Muttergottes-Feiertage, die Beerdigung verstorbener Mitglieder und die Kirmes, wenngleich auch hier über deren Verlauf und über das Verhalten der Gesellschaft nichts zu erfahren ist. Die kirchliche Verbundenheit in dem rein katholischen Waldorf wurde untermauert durch die Anschaffung einer großen Fahne mit dem Bilde der Muttergottes = des Jesus = Kinde und des h. Aloisius von 1876. Beide Fahnen sind heute noch gut erhalten.

Über die Ausrichtung von Musik- und Tanzveranstaltungen, Ausflügen, Maiaktivitäten, Festlichkeiten, Polterabenden etc. und über außergewöhnliche Vorkommnisse sind vor dem Ersten Weltkrieg keine Aufzeichnungen gemacht worden.

In den Jahren 1914 bis 1918 ruhte das Vereinsleben, weil die meisten jungen Männer zum Kriegsdienst einberufen worden waren. Von den 155 Waldorfer Soldaten mußten 28 auf den grauenhaften Schlachtfeldern ihr Leben lassen, davon gehörten 14 zu den Junggesellen. In den mageren 20er Jahren ist lediglich ein besonderer Anlaß kurz notiert: Am 28. Juni 1925 war 75. Stiftungsfest, mit der Einweihung der neuen Fahne. Die Fahne wurde angefertigt im Klarissenkloster in Neuenahr. Fünf Jahre später heißt es: Der Junggesellenverein feiert am 29. Juni 1930 sein 80. Stiftungsfest, verbunden mit der Einweihung einer neuen Fahne. Die Fahne ist von dem hiesigen Jagdpächter Herrn Fritz Mellmann aus Köln gestiftet worden. Sie wurde angefertigt von der Fahnenfabrik Bernhard Richter aus Köln. Zum ewigen Andenken. Der Junggesellenverein Waldorf (Abdruck der Stempels)

Zu diesem Fest ist ein neues Kassenbuch begonnen worden, das die jährlichen Einnahmen und Ausgaben detailliert bis 1956/57 aufführt, mit Ausnahme der Jahre 1939 bis 1945. Leider sind Rechnungsbücher älteren Datums nicht erhalten geblieben. Deren Angaben ließen einen tieferen Einblick in das Vereinsgeschehen zu, als die Generalversammlungsprotokolle, die fast nur die Namen der neuen Vorstände festhalten. Für das Jubiläum gab man z. B. für Musikanten 130 M, für deren Getränke 17,20 M, für Böllerschüsse 5,50 M, für Pulver 8 M und für die Jubiläums-Medaille 3,90 M aus. Den gesamten Festausgaben von 252,75 M standen Einnahmen von 534,32 M gegenüber, doch blieb durch einen Unkostenübertrag von 292,72 M ein Minus von 11 M, die man dem Gastwirt Bernhard Friedsam vorläufig schuldig bleiben musste.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde auch auf den JGV Einfluss genommen. Die einzige außergewöhnliche Aufzeichnung stammt von der Versammlung vom 7. Juni 1934: Die Reichsregierung hat in Bezug der Vorstandswahl in den Vereinen folgende Bestimmung erlassen: 1.) Von den versammelten Mitgliedern darf nur der Vorsitzende (Der Vereinsführer) gewählt werden. 2.) Der Vereinsführer ernennt dann aus der Versammlung die übrigen Vorstandsmitglieder. Diese militärähnlichen Bestimmungen hatten eine schleichende Enddemokratisierung und Gewöhnung an das Führerprinzip zur Absicht. Sie wurden offiziell am 9. September 1950 aufgehoben. Trotz der zunehmenden Konkurrenz durch die Hitlerjugend und den Bund Deutscher Mädel ist aus dem Kassenbuch eine kontinuierliche Tätigkeit des Vereins ablesbar, bis sich durch Einziehung zum Arbeitsdienst und zur Wehrmacht Ende der 30er Jahre die Reihen der Junggesellen lichteten. Am 16. Juli 1939 fand die vorläufig letzte Generalversammlung statt, die Eintrittsgelder von vier neuen Mitgliedern wurden noch zu Kriegsbeginn am 1. September 1939 verzeichnet. Doch Wegen des Krieges ist keine Kirmesfeier, aber auch keine Kirmesstimmung, heißt es in der Schulchronik. An Stelle der Feiern fanden sich sonntags viele Leute in den Wirtschaften Hoß und Friedsam ein und grübelten in bedrückter Stimmung über das kommende Schicksal. Während des Krieges durften keinerlei öffentliche Vereinsaktivitäten oder Kirmesfeste stattfinden.

Am 9. März 1945 war der Krieg für Waldorf zu Ende, in dem 14 Mitglieder das Leben gelassen hatten. Hernach rauften sich die Waldorfer schnell wieder zusammen, und so fand schon im Herbst 1945 eine kleine Veranstaltung im Saal Friedsam statt. Noch unter französischer Besatzung wurde am 3. Februar 1946 eine Sonderversammlung abgehalten und der Verein unter Beitritt von 19 Junggesellen reaktiviert. Bereits am 4. März und am 27. Juni organisierte der JGV Tanzveranstaltungen auf den Sälen, die recht hohe Einnahmen erbrachten. Die Kirmes lebte im Herbst ebenfalls im gewohnten Rahmen auf und erfreute nach den entbehrungsreichen Jahren Jung und Alt. Die Währungsreform am 20. Juni 1948 brachte schließlich einen finanziellen Neuanfang, der mit der Aufnahme von 39 Mädel in den Verein zu je 5 Groschen eingeleitet wurde; die namentlich genannten Burschen zahlten selbstverständlich 20 Groschen.

In den folgenden Jahren widmete sich der JGV den verschiedenen, traditionellen Aktivitäten. Nach Auffinden des Versammlungsbuches mit der Artikeln von 1738 wurde am 5. und 6. Juli 1968 unter Beteiligung von vielen Dorf- und Brudervereinen das 230. Stiftungsfest begangen, zu dem Ernst Marx eigens eine Schwenkfahne schuf. Ebenso bunt und prächtig wurde Kirmes 1988 das 250. Jubiläumsfest ausgerichtet.

Ab 1973 veranstaltete der JGV die Kirmes in einem großen Festzeit, bis 1980 die neu erbaute Vinxtbachhalle zum Domizil wurde. Seitdem die Veranstaltungen nicht mehr in den Gastwirtschaften stattfinden, muss der Verein als Organisator der Festlichkeiten sämtliche Vorbereitungen und Dienste eigenverantwortlich übernehmen. Dies bedeutet für die Mitglieder dass nicht nur gefeiert werden dar, sondern auch gearbeitet werden muss. In gleicher Weise muss das Offizierscorps und der Vorstand harten Belastungen gewachsen sein, um die Festtage mit allen Pflichten überstehen zu können. Doch trotz manch langer Nacht hinter der Theke bleibt allen genügend Zeit zum Vergnügen. Dank gebührt daher den Helfern anderer Vereine, die freiwillig Obliegenheiten übernehmen und den jungen Leuten ihr Pläsier ermöglichen.

Die heutigen Aufgaben der Junggesellen und Mädchen sind die Ausrichtung der St. Remaklus-Kirmes, das Stellen des Dorfmaibaumes und das Einfordern des Heulbieres. Außer der Teilnahme an kirchlichen Prozessionen werden andere Veranstaltungen, die erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts belegbar sind, inzwischen nicht mehr durchgeführt.

Im September 2015 zählt der Verein rund 70 Mitglieder. Am Karfreitag 2015 wurde Greta Plath Vereinsvorsitzende. Nach Verena Reuter und Maxi Bruder ist sie die dritte Frau, die an die Vereinsspitze gewählt wurde. Abgesehen vom Königsschießen am Kirmes-Dienstag, an dem nur die Männer teilnehmen dürfen, haben die Frauen im Verein die gleichen Rechte. Aaron Lang wurde beim Königsschießen im September 2015 König.[1]

Siehe auch

Reservistenclub – Junggesellenverein Waldorf 1738 e.V.

Mediografie

Christiane und Michaela Göbels: 275 Jahre Junggesellenverein Waldorf. Tradition und Moderne, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2014, Ahrweiler 2013, 282 Seiten, Seiten 36-39

Weblinks

Fußnoten

  1. Quelle: Andreas Wetzlar: Kirmes sorgt in Waldorf für fünf tolle Tage - Aaron Lang ist neuer König der Junggesellen – Buntes Festtreiben, in: Rhein-Zeitung vom 10. September 2015