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Feldkapellchen Bölingen

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Mehr als 150 Jahr stand das Kapellchen (rechts unter dem Baum) zwischen Feldern, Wiesen und Weiden fernab jeder Bebauung. Das hat sich mit der Haribo-Ansiedlung gründlich geändert.
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Während der Umgestaltung im Jahr 2019

Das Feldkapellchen Bölingen ist eine in den Feldern zwischen Beller und Bölingen im klassizistischem Stil errichtete Gedenkstätte für Anna Sophia Willems, die im Jahr 1856 an dieser Stelle bei einem Unfall mit einem Pferdekarren ums Leben kam. Heute befindet sich das einst weit abseits der umliegenden Orte frei auf den Felder stehende Kapellchen wenige Meter südwestlich des Geländes der HARIBO GmbH & Co. KG im Innovationspark Rheinland.


Standort

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Chronik[1]

Ottmar Prothmann schrieb 1983 über das Kapellchen:

Wenn man vor der Flurbereinigung den genannten Mühlenweg weiter nördlich ging, stieß man nach etwa tausend Meter auf ein Heiligenhäuschen. Es befindet sich auch heute noch hier und ist schon von weitem durch einen weißblühenden Kastanienbaum leicht zu erkennen. Mit seinen zwei vorgesetzten Säulen, die einen Baldachin tragen, hat es eine auffallende Gestalt. Eine ehemals vorhandene Inschrift ist nicht mehr einwandfrei lesbar. Sie lautete: Pro memoria ANNAE SOPHIAE WILLEMS e gente WACHENDORFF hie defunctae ANNO MDCCCLVI (Zur Erinnerung an Anna Sophia Willems geb. Wachendorff, die hier im Jahre 1856 verstarb).

Hardy Prothmann fand im Kirchenbuch Adendorf den Hinweis, dass die Verblichene „per infortinatum terribilis morti submissa sepulta est“, durch ein Unglück eines schrecklichen Todes demütig starb. Und Pfarrer Peter Schug aus Ringen hielt in seiner Dekanatsgeschichte fest, die Familie Willems aus Adendorf, deren Mutter durch Scheuwerden eines Pferdes ihr Leben eingebüßt hatte, habe 1857 „ein Heiligenhäuschen nahe bei Ringen“ erbaut. Vom vorangegangenen tötlichen Unfall wird mündlich überliefert, der Ehemann der Verstorbenen, ein Küfer, habe Fässer geladen, mit denen er von der Eckendorfer Heide hinunter zur Ahr wollte. In einer Wegbiegung seien die Fässer vom Wagen gerollt und die Frau sei gestürzt. Tatsächlich ist auf alten Karten diese scharfe Kurve genau zu erkennen. Einem anderen Bericht zufolge betrieb die Familie, die in Ahrweiler Weinberge besaß, in Adendorf eine Töpferei und Landwirtschaft. Im Bölinger Feld habe, auf dem Weg nach Ahrweiler, das Pferd gescheut, wobei Anna Sophia Willems tödlich verunglückt sei. Ihr Mann soll die Feldkapelle erbaut und mit einer Passionsgruppe ausgestattet haben. Prothmann fand jedoch heraus, dass der Ehemann lange vor seiner Frau gestorben war, so dass wohl andere Familienmitglieder das Erinnerungskapellchen ins Feld gesetzt haben. Die Kapelle bestand zunächst aus einem Kreuz mit Sockelinschrift, das später seinen Platz in dem Häuschen fand. Merkwürdig ist, dass Prothmann in der Pfarrchronik Ringen fand, man habe bei der 1913 abgeschlossenen Zusammenlegung der Feldgemarkung Ringen „das Kapellchen der Kirchengemeinde zugeschrieben, ohne deren Einwilligung eingeholt zu haben“. 1930, als es in schlechtem Zustand war, kannte man keinen Eigentümer. Die Zivilgemeinde ließ in den 1950ern aber mehrfach Reparaturen an dem Gebäude vornehmen, während die Pfarrgemeinde Ringen zwei Heiligenfiguren für das Kapellchen beschaffte. Junge Frauen aus Bölingen reinigten die Kapelle regelmäßig. In den 1970ern, als die Gemeinde Grafschaft nach dem Eigentümer suchte, wurde die Kapelle erneut ausgebessert. 1998 nahmen Ehrenamtler eine größere Renovierung vor, bevor die Kapelle von Pastor Heinz Vössing wieder eingesegnet wurde. Nach mutwilligen Beschädigungen im Jahr 2007 richtete Herbert Glath aus Beller die Kapelle wieder her. Eine Frau aus Ringen spendete eine Herz-Jesu-Statue und Toni Unger nahm 2010 einen neuen Anstrich vor.

Vor dem Kapellchen wurde ein Kastanienbaum gepflanzt, um den herum später eine Rundbank montiert worden ist. Durch ein Stück Hecke ist sie vor Wind geschützt. Als die Rundbank etwa 2018 von Unbekannten teilweise zerstört worden war, sorgte Bürgermeister Achim Juchem dafür, dass sie vom Bauhof der Gemeinde Grafschaft innerhalb weniger Tage repariert wurde. Das Kapellchen ist auch ein Lieblingsort von Erno Mahler aus Bad Neuenahr, der dort häufig vorbeischaut. Er hat beobachtet, dass Lkw-Fahrer das Kapellchen besuchen, die vor dem rückwärtigen Tor von Haribo auf die Entladung ihrer Fahrzeuge warten müssen.[2]

Im Februar 2019 berichtete der General-Anzeiger (GA), Hans Guido Riegel, geschäftsführender Gesellschafter der HARIBO GmbH & Co. KG Ringen, habe die kleine Feldkapelle am Rande des Firmengeländes von HARIBO gekauft. Vorher gehörte sie der Pfarreiengemeinschaft Ringen. Nachkommen der Erbauerfamilie waren nicht mehr auszumachen. Riegel trat damit die Nachfolge ehrenamtlicher Helfer an, die sich viele Jahre um die Kapelle gekümmert hatten. Herbert Glath aus Ringen etwa hatte viel Zeit investiert, um das Kapellchen in einem guten Zustand zu erhalten. Zuletzt allerdings befand sich das Kapellchen jedoch in einem maroden Zustand: Der Farbanstrich bröckelte, das Dach war beschädigt. Der neue Eigentümer lasse sie die kleine Andachtsstätte nun von Handwerkern aus der Umgebung überholen und pflegen. Mittlerweile seien keine Nachkommen der Familie mehr auffindbar, hieß es in einer Mitteilung von HARIBO. Die Kapelle solle „der Allgemeinheit zugänglich bleiben und die Möglichkeit bieten, einen Moment zu verweilen und einen Blick über die Grafschaft schweifen zu lassen“, wie der GA berichtete. „Gedenkstätten sind wichtige Orte der Erinnerung, die bewahrt und gepflegt werden müssen“, sagte Riegel, „aber auch die Pflege des ländlichen Raumes und die Erhaltung der Möglichkeit für Spaziergänger, weiterhin die Kapelle besuchen zu können, ist mir persönlich ein großes Anliegen.“ Kurz zuvor erst hatte HARIBO 150.000 Euro zur Renovierung der katholischen Pfarrkirche „St. Dionysius“ Ringen beigesteuert. Dabei handelte es sich um die größte Einzelspende.[3]

„Inzwischen ist ... die von Haribo beauftragte Renovierung der Kapelle abgeschlossen“, berichtete der General-Anzeiger am 31. Oktober 2020, „Rasen wurde rundherum ausgesät, Hainbuchenhecken als Umfriedung gepflanzt.“ Das kleine Bauwerk sei „behutsam in den ursprünglichen Erbauungszustand zurückversetzt worden.“ Rolf Martini – er betreute das Renovierungsprojekt als Bauingenieur – sagte: „Wir haben keine Aufwände gescheut, den Zustand von 1856 mit den Materialen und der Handwerkskunst von damals wiederherzustellen.“ Ob Ornamente, Säulen, das Kreuz oder das geschmiedete Gitter davor – es seien die damals üblichen Werkstoffe verwendet worden. Das gelte auch für die Bleiplatten auf dem Dach, das ein örtlicher Fachmann nach alter Handwerksart erneuert habe.[4]

Weitere Fotos

Fußnoten

  1. Quellen: Ottmar Prothmann: Kleinere religiöse Denkmäler im Ortsbezirk Ringen, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1983, und Ottmar Prothmann: Kleinere religiöse Denkmäler und Gedenkstätten in der Gemeinde Grafschaft, 2017
  2. Quelle: Jochen Tarrach: Was dahinter steckt: Altes Kapellchen trotzt den neuen Haribo-Hallen, rhein-zeitung.de vom 4. Januar 2019
  3. Quelle: Günther Schmitt: Schmuckstück in der Grafschaft – Hans Guido Riegel kauft Feldkapelle, general-anzeiger-bonn.de vom 20. Februar 2019
  4. Quelle: Hildegard Ginzler: Einsatz für sakrale Gebäude – Haribo kauft und saniert Kapelle. Beitrag für Renovierung von Sankt Dionysius, in: General-Anzeiger vom 31. Oktober/1. November 2020