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Ehemalige Kreismülldeponie Brohl-Lützing

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Die ehemalige Kreismülldeponie Brohl-Lützing ...


Um zu verhindern, dass die Oberfläche der ehemaligen Deoponie verbuscht, lässt der Abfallwirtschaftsbetrieb Landkreis Ahrweiler dort seit Frühsommer 2009 Burenziegen weiden.
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Landrat Dr. Jürgen Pföhler (2.v.l.) setzte im Januar 2004 auf der ehemaligen Kreismülldeponie einen Baum. AWB-Werkleiter Walter Reichling (v.l.), Ortsbürgermeisterin Christel Ripoll und der stellvertretende Werkleiter Josef Hommen packten mit an.

Historie

Am Steinbergskopf nahe Niederlützingen klaffte bis 1973 eine gut 80 Meter tiefe Basaltgrube. Bis zum Jahr 1929 war in der "Kappe Kaul", wie sie im Volksmund hieß, Blausäulenbasalt abgebaut worden. Der Name "Kapp" kommt dabei von der einstigen Form des Steinbergskopfes. Aus dem Berg erhob sich früher ein kegelförmiges Basaltgebilde, das den Berg überragte. Diese Erhebung bildete mit rund 288 Metern über dem Meeresspiegel den höchsten Punkt Niederlützingens. Von weitem sah es aus, als säße ein Hut auf dem Berg. Daher der Name "Kapp". Bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde dort Basalt abgebaut, der dann mit Fuhrwerken durch den Ort und danach über den alten Lammertalsweg nach Brohl zum Rhein geschafft wurde.

Mehrmals verpachtete die Gemeinde den Bruch an Unternehmer, darunter 1855 an eine Düsseldorfer Firma und um 1860 an ein niederländisches Unternehmen. Größere Bedeutung erlangte der Basaltabbau in Niederlützingen seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts. 1873 verpachtete die Gemeinde einen Teil des Steinbergskopfes an den Fabrikanten Wilhelm Dulheuer. Der Pachtvertrag lief über 50 Jahre. Dulheuer zahlte 7000 Thaler Pachtgebühr. Zwei Jahre später schlossen Gemeinde und Unternehmer einen zweiten Pachtvertrag, mit dem Dulheuer auch den zweiten Teil des Steinbergskopfes für 50 Jahre übernahm.

Der Pächter schuf in den nachfolgenden Jahren die Voraussetzungen für einen großräumigen Basaltabbau. So wurde zum Beispiel eine Schneise vom Steinberg aus bis ins Vinxtbachtal quer durch den Wald geschlagen. Über diesen sogenannten "Bremsberg" wurde der Basalt ins Tal transportiert. Im Vinxtbachtal wurden ebenfalls Schienen verlegt - bis zur Mündung des Baches in den Rhein. Von dort aus wurde das Gestein auf Schiffe verladen und weiter transportiert. Außerdem ließ Dulheuer Unterkünfte für die Arbeiter sowie Material- und Werkzeughütten bauen.

Gearbeitet wurde im Tagebau. Im Sommer begannen die Arbeiten morgens gegen 7 und endeten abends um 19 Uhr. Im Winter war die Arbeitszeit kürzer. Manchmal machten Frost und Kälte den Abbau unmöglich; dann wurde die Arbeit vorübergehend eingestellt.

Im Jahre 1888 ging das Unternehmen Dulheuer in die heute noch bestehende Linzer Basalt AG über, die dann den Basaltabbau am Steinbergs~kopf betrieb. In den Anfangsjahren arbeiten nicht viele Leute im Steinbruch. Später wurde die Abbaumenge kontinuierlich gesteigert, so dass 40 bis 50 Männer auf dem Steinbergskopf ihr Brot verdienten.

Die Arbeit war hart und gefährlich. An Seilen befestigt, hingen die Arbeiter in der Basaltwand. Anfangs brachen sie den Basalt mit Spitzhacke, Eisenstangen und Hammer aus der Wand heraus. Nach der Jahrhundertwende wurde vermehrt Sprengstoff eingesetzt. Nach jeder Sprengung musste ein Arbeiter in die Wand klettern und die Steine herausbrechen, die zwar gelockert, aber nicht hinunter gefallen waren. Der so gebrochene Basalt wurde von Lehm und anderem Gestein getrennt und anschließend klein geklopft. Ende des 19. Jahrhunderts hatte man dann Brecher errichtet, die das Gestein maschinell auf die gewünschte Größe zerkleinerten. Danach verlud man den Basalt auf Wagen und transportierte ihn ab. Hierzu waren eigens Schienen im Bruch verlegt worden. Pferde zogen die Wägelchen bis zum Bremsberg. Dort befand sich neben Aufenthalts- und Geräteräumen auch eine Anlage, mit der die Wagen ins Tal befördert wurden. Sie bestand aus einem großen Eisenrad, über das ein dickes Drahtseil bis ins Vinxtbachtal lief. Außerdem waren zwei Schienenstränge bis ins Vinxtbachtal verlegt. Über einen Schienenstrang fuhr ein beladener Wagen talabwärts, über den anderen kamen leere Wagen auf den Berg. Die Anlage war so konstruiert, dass die talabwärts fahrenden Wagen die leeren Wagen auf den Berg hinauf zogen. In den ersten Jahren wurden die Wagen per Pferdeeisenbahn zum Rhein transportiert, seit 1883 wurde dann eine Dampflokomotive eingesetzt, das "Däller Füppchen". Der Steinberg-Basalt wurde zum größten Teil zu Schotter und Splitt für Straßen- und Bahnbauarbeiten verarbeitet. Größere Steine, die gebrochen wurden, gebrauchte man zur Befestigung von Uferböschungen und zum Bau von Hafenanlagen. Viele Lieferungen ging in die Niederlande. Es waren sogenannte "Senksteine", die beim Bau von Dämmen verwendet wurden.

Im Laufe der Jahrzehnte war der Steinbergskopf nahezu völlig verschwunden; statt dessen klaffte ein riesiges Loch. Daher mussten die Wagen zunächst mit einer Seilwinde auf das Plateau gezogen werden, ehe sie zum Bremsberg geschafft werden konnten. Der Abfall, der bei der Zerkleinerung des Basaltgesteins entstand, sowie Lehm und Gestein, das man nicht gebrauchen konnte, wurden auf einen Geröll- und Schuttplatz transportiert. Der Untergrund des heutigen Niederlützinger Sportplatz zum Beispiel besteht aus Schutt vom Steinbergskopf.

Ein Unglück an Heiligabend des Jahres 1929 beendete den Basaltabbau "an der Kapp" abrupt: Wie jeden Tag, hatten sich die Arbeiter zum Gebet in der Aufenthaltshütte versammelt. Während des Gebets hörten sie plötzlich ein lautes Krachen und Brechen. Die Leute liefen nach draußen und sahen, wie die Grube einstürzte und alles unter den Erdmassen begrub: Gleise, Wagen und Werkzeug. Zum Glück waren zu diesem Zeitpunkt keine Menschen im Bruch. In den nachfolgenden Monaten bemühten sich die Betreiber, die Arbeit wieder aufzunehmen. Doch sämtliche Versuche scheiterten. Die Grube wurde still gelegt. Noch brauchbare Gerätschaften wurden an die Andernacher Firma Smaritschnik verkauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde kurzzeitig über einen erneuten Basaltabbau am Steinbergskopf nachgedacht; realisiert wurden diese Pläne aber nicht. Die Deponie-Zeit bis 1998

Dann entsorgte dort zunächst die Gemeinde ihren Abfall; 1973 wurde die Grube zur Kreismülldeponie. Einnahmen für Brohl-Lützing in Höhe von 50 000 DM pro Jahr. Von Januar 1973 bis zum Dezember 1998 ist sie randvoll mit Haus- und Gewerbemüll aus dem gesamten Kreisgebiet verfüllt worden. Rund 850 000 Kubikmeter Abfall lagern auf dem etwa 3,5 Hektar großen Gelände. Rekultivierung

Die Arbeiten zur Oberflächenabdichtung und Rekultivierung liefen über 1,5 Jahre und umfassen eine Auftragssumme von 3,5 Millionen Euro. Erst im Jahr 2003 wurde eine neue Tiefbrunnenpumpe für 10.000 Euro installiert. Diese Pumpe befördert Sickerwasser aus dem Deponie-Innern, das nicht abfließen kann, an die Oberfläche, von wo es abtransportiert wird. Auf die Deponieoberfläche wurde eine Kombinationsdichtung aufgebracht, die aus einer mineralischen und einer Foliendichtung besteht. Erstmals in Deutschland wurde die mineralische Komponente als endgültige Dichtung aus Trisoplast hergestellt. Die Abdichtung aus Trisoplast, eine polymervergütete Sand-Bentonit-Mischung, hat den Vorteil, dass sie nur zehn Zentimeter stark ist. Herkömmliche Ton-Dichtungen sind sechs mal so dick. Dies ersparte die Anlieferung von 30.000 Tonnen Material, was die anwohnende Bevölkerung vom Transport entlastete. Auf die Dichtungsschichten wurde eine 1,50 Meter starke Abdeckung aufgetragen. Anschließend wurde die Deponie rekultiviert und mit mehr als 10.000 Sträuchern sowie 30 hochstämmigen Bäumen bepflanzt.

Die ehemalige Mülldeponie verbuschte im Laufe der Jahre mehr und mehr. Die Wurzeln von Gehölzen gruben sich immer tiefer in den Boden und drangen in die Wasserhaushaltsschicht ein, die den Deponiekörper schützen soll. Unterhalb des Mutterbodens befindet sich nämlich ein zwei Meter starkes Dichtungspaket, das verhindert, dass Regenwasser in die Tiefe dringt und die Reststoffe der jahrzehntealten Abfälle ausschwemmt. Mit schwerem Gerät hätten die Planer im Abfallwirtschaftsbetrieb Kreis Ahrweiler (AWB) keine Chance gegen Ginster und andere Büsche; denn die Bodenoberfläche muss locker bleiben. Deshalb wird die Deponie von einer Herde Burenziegen beweidt. Der Jugend-Hilfe-Verein hatte die Deponie zuvor eingezäunt.

Weitere Bilder

Siehe auch

Mediografie

27 Millionen Euro flossen in die Sicherung der drei Alt-Deponien - 10.000 Sträucher in Brohl-Lützing gepflanzt – Aussichtsplattform auf höchstem Punkt – Weitere zwölf Millionen Euro auch nach Oedingen und Schuld, Pressemitteilung der Kreisverwaltung Ahrweiler vom 15. Januar 2004