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Franz Bick

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Franz Bick († Herbst 1952) war Gärtnermeister und Winzer in Bad Neuenahr. Sein Wohnhaus stand an der heutigen Weinbergstraße.


Der gläserne Weinberg von Franz Bick am Neuenahrer Sonnenberg.

Der „gläserne Weinberg“ von Hans Bick

Sein erstes Gewächshaus für eine Tafeltraubenkultur baute er Bick der Ebene in der Nähe seines Wohnhauses in der heutigen Weinbergstraße in Bad Neuenahr. Dort erreichte er, dass die Trauben einen Monat früher reift waren. Das aber reichte ihm nicht aus. Mitte bis Ende der 1930er Jahre realisierte Bick deshalb seinen Plan, ein Gewächshaus für Tafeltrauben auf den sonnenverwöhnten Terrassen seines Weinberges in der Lage „Neuenahrer Sonnenberg“ nördlich der Heerstraße zu bauen. Viele Kollegen standen Bicks Idee skeptisch gegenüber, aber Franz Bick ließ sich von seinem Vorhaben nicht abbringen, zumal er Besitzer eines erfolgreichen etwa sieben Hektar großen Obst- und Gemüsebetriebes war und seine bisherigen Ideen und Entscheidungen in den meisten Fällen von Erfolg gekrönt waren. Auch die Spezialfirma aus Köln, mit der er über sein außergewöhnliches Bauprojekt verhandelte, war anfangs skeptisch. Aber als der Gärtnermeister detaillierte und ausgetüftelte Pläne vorlegte, nahm das Unternehmen den Bauauftrag an und überglaste eine etwa 530 Quadratmeter große Weinbergsfläche.[1]

Dabei wurden die Gewächshausfenster schräg an die vorhandenen drei Meter hohen Weinbergsmauern auf die in Beton eingelassen Stahlträger montiert. So ergab sich eine dreieckförmige Gewächshauskonstruktion mit einer Grundfläche von ebenfalls drei Metern Tiefe auf den vorhandenen Weinbergterrassen, die insgesamt 13 Meter tief waren. Die Jahrhunderte alten Weinbergsmauern hatten nicht nur den Zweck die Scheiben für das Gewächshaus zu halten, sie sollten auch die Tageswärme speichern, um sie nachts an das Innere der Gewächshäuser zurückzustrahlen. Auf dem Gipfelkamm des Weinberges ließ Bick ein Windrad mit Motor bauen, das aus dem Lantershofener Bach Wasser in einen etwa 45.000 Liter fassenden Hochbehälter pumpte, von dem aus Bick seine verglasten Weinberge bewässerte. Die wasserrechtliche Genehmigung dazu erteilte die Bezirksregierung Koblenz am 28. Juli 1938. Über ein verzweigtes Röhrensystem wurde das Wasser über eine Heizkesselanlage am Bergabhang erhitzt, bevor es in die Gewächshäuser gelangte. Die Lufttemperatur unter den Glasflächen erreichte deshalb auch in den Wintermonaten bis zu 15 Grad.

Bevor die ersten jungen Reben in die zwei etwa 100 Meter langen Gewächshäuser gepflanzt wurden, experimentierte Bick mit verschiedenen Traubensorten. Aus ganz Deutschland holte er sich Rat und Pfropfreben. Sorten zu finden, die sich für die Verhältnisse des Ahrtales eigneten, war nicht leicht. Schließlich blieb es bei der Sorte „Perle von Scaba“, einer frühreifenden Tafeltraube ungarischen Ursprungs. Sie konnte bereits in den ersten drei Juniwochen geerntet werden. Anschließend reifte die „Forster’s White“, die bis Mitte Juni geerntet werden konnte. Danach kamen die „Black Hamburg“, eine besonders fruchtbare Sorte, und die „Lady Downes Seedling“, eine lange, wie eine Girlande aussehende Traube. Die letztgenannten Traubensorten konnten bis Mitte August geerntet werden. Die einzelnen angebotenen Trauben konnten sich mit den heutigen Tafeltrauben in der Beerengröße im Ertrag sowie in der Süße durchaus messen. An einem einzigen Stock hingen bis zu 50 Pfund Trauben, wobei die einzelnen Trauben von einem dreiviertel Pfund bis zu zwei Pfund wogen.

Der Rebschnitt und die übrigen Arbeiten, die normalerweise im Frühjahr erledigt wurden, außerdem eine erste Düngung und eine Bodenlockerung wurden im „gläsernen Weinberg“ bereits vor Weihnachten abgeschlossen. Anschließend konnten sich die Reben eine Weile erholen, bevor es Franz Bick in seinem „gläsernen Weinberg“ zischend und brausend Frühling werden ließ. Bereits im März setzte die Rebenblüte ein. Bis zu den Eisheiligen Mitte Mai wurden die Rebstöcke nun je nach Frostlage täglich mit warmem Wasser berieselt. Dazu wurde die Entlüftungsanlage am Fuße der Glaskörper ständig kontrolliert und reguliert. Das Lüften war eine besondere Kunst, die auch in den heißen Sommermonaten, in denen im Gewächshaus Temperaturen von bis zu 50 Grad gemessen wurden, Fingerspitzengefühl und Erfahrung voraussetzten. Zum Beginn der Heizperiode im Januar baute Bick unter den Stöcken Salat und Radieschen an. Das Zusammenwirken von Düngung, Belüftung, Beheizung, Bodenbearbeitung und verhaltener Schädlingsbekämpfung war dabei sein Erfolgsrezept.

Auch in den Kriegsjahren konnte die Firma Bick Tafeltrauben produzieren. In den letzten Kriegsmonaten wurde die 55.000 Mark teuere Anlage jedoch völlig zerstört. Aber Franz Bick ließ sich dadurch nicht entmutigen; schon kurz nach dem 8. Mai 1945 begann er mit der Instandsetzung. In den späten 1940er und 1950er Jahren erlebte Bick „gläserner Weinberg“ eine Renaissance. Zeitweise stellte die Kurverwaltung zusammen mit der Firma Bick in der Trinkhalle eine Kelter auf. Mit ihrer Hilfe wurde frischer Traubenmost gepresst und für Traubenkuren an die Kurgäste abgegeben. Für die häusliche Nachkur konnte ganzjährig naturreiner Traubenmost aus Ahr-Trauben in Flaschen erworben werden. Zur Wirkung der Traubenkuren war in Heft 10, Jahrgang 51 der Zeitschrift „Gesundes Volk“ zu lesen: „Traubenkuren dienen zur Reinigung und Entschlackung des Blutes, zur Anregung der Gallen-, Nieren- und Leberfunktion und Zufuhr von lebenswichtigen Vitaminen.“ Ein Chefarzt eines Krankenhauses äußerte in der Zeitung, dass er aufgrund von Traubenkuren mit gleichzeitiger Milch und Pflanzenkost gegen Fettsucht, Rheumatismus, Steinkrankheit und Nierenentzündungen bei seinen Patienten beste Erfolge erzielt habe.

Die roten und goldenen Bick’schen Tafeltrauben wurden so bald wieder über die Bad Neuenahrer Kurstadt hinaus bekannt, was auch Pressestimmen aus dieser Zeit belegen. So schrieb der „Fränkische Tag“: „... Bad Neuenahr erlebt heuer die Traubenlese bereits im Juni ....“. Und der „Donau-Kurier“ schrieb: „Die Kurgäste der Kurstadt Bad Neuenahr haben es gut, denn schon jetzt erhalten sie frische deutsche Tafeltrauben.“ In der „Frankenpost“ war zu lesen: „Trauben reifen in Deutschland sogar schon im Juni. In Bad Neuenahr gibt es nämlich einen Gläsernen Weinberg.“ Aber nicht nur die Trauben fanden Interesse, auch das Bick’sche Patent des „gläsernen Weinbergs“ fand in Fachkreisen Anerkennung. So reisten fast jede Woche Studenten und Schüler aus den Bereichen Wein- und Obstbau an die Ahr, um den „gläsernen Weinberg“ zu besichtigen und vom Altmeister Bick Vorträge über die Tafeltraubenkultur unter Glas zu hören. Franz Bick, der in Fachkreisen beliebt und bekannt war, erhielt auch das Angebot, sein Patent „gläserner Weinberg“ zu verkaufen. Aber davon hielt er wenig, denn die Methode könne man nicht einfach anderenorts exportieren.

Nach dem Tod von Franz Bick wurde sein „gläserner Weinberg“ bis Mitte der 1970er Jahre weitergeführt. Mit der Öffnung neuer europäischen Märkte waren die Tafeltrauben aus dem Neuenahrer Sonnenberg jedoch bald nicht mehr konkurrenzfähig. Außerdem stand die Flurbereinigung für das Gebiet an der Heerstraße ins Haus. Während des Flurbereinigungsverfahrens wurden die Gewächshäuser und Bicks gesamte Anlage abgebrochen. Heute werden die Grundstücke aus dem Bick’schen Besitz vom Weingut Sonnenberg bewirtschaftet. Die Weinbergslage, in der früher die Glashäuser standen, heißt heute „Neuenahrer Schieferley“.

Mediografie

Werner Schüller: Als es im Juni reife Trauben an der Ahr gab – Der 'Gläserne Weinberg' von Franz Bick war einst eine Sensation - Lehrobjekt für Bonner Studenten, in: General-Anzeiger vom 8. Juli 1997, S. 8, mit Abb.

Fußnoten

  1. Quelle: Werner Schüller: Der „Gläserne Weinberg“, Manuskript