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Kreissparkasse Ahrweiler

Moshe Shen

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Infotafel zu Moshe Shen an der Erinnerungsstätte Lager „Rebstock“ in Marienthal
Die Darstellung in der Mitte, ein Linolschitt von Matthias Bertram, zeigt, wie Moshe Shen im September 1944 von einem Wachmann verprügelt wurde, nachdem er ihn erwischt hatte, wie er Trauben von Weinstöcken nehmen wollte.
Das rechte der drei Fotos auf dem Buchcover zeigt während seiner Zeit im Krankenhaus in Celle.

Moshe Shen († Januar 2012 in Israel) war 1944 Insasse des Konzentrationslagers Auschwitz, bevor er etwa zwei Wochen im Lager „Rebstock“ nach Dernau inhaftiert war. Eine Tafel an der im Jahr 2017 eröffneten Erinnerungsstätte Lager „Rebstock“ in Marienthal ist Moshe Shen und seinem Schicksal gewidmet.


Vita

Moses Schön (später in Israel hieß er Moshe Shen), ein erst 14-jähriger Häftling, stammte aus der ungarisch-rumänischen Grenzregion, die bis 1940 rumänisch, dann ungarisch war. Er war im Jahr 1944 wenige Wochen im KZ-Auschwitz und wurde dann mit seinem Vater David als „Mechaniker“ für das Volkswagenwerk in Fallersleben ausgewählt. Von dort kam er wenig später – zusammen mit insgesamt 300 jüdischen Gefangenen - nach Tiercelet und dann am 2. September 1944 überraschend nach Dernau, obwohl Volkswagen dort die Planungen für den Aufbau von V1-Aktivitäten bereits eingestellt hatte. Die KZ-Häftlinge wurden provisorisch in drei Baracken auf dem Bahndamm oberhalb von Dernau untergebracht. Weil es in Dernau keine Arbeit mehr für VW gab, kam zwei Wochen später die Order, nach Mittelbau Dora im Harz weiterzuziehen. Jahrzehnte später sagte Moshe Shen in einem Interview:

... wir waren nicht lange genug in Auschwitz, um Nummern zu bekommen. ... Es war Ende des Sommers. Wir kamen in ein anderes Lager, nach Dernau bei Koblenz. Es war ein kleines Lager, vielleicht zwei Baracken, eine kleine Fabrik. Aber wir wurden wieder von den anderen separiert. Dort waren die Konditionen noch ein wenig schlechter als im Tunnel von Tiercelet. In Dernau kam der selbe Mann, der uns in Ausschwitz ausgesucht hatte, ins Lager.[1] Wir gehörten noch immer zu Volkswagen. Dort mussten wir ebenfalls Tunnel anlegen.[2] Ich musste mit dem Hammer Löcher in den Fels hauen. Wir waren nicht mehr am Bau der „Geheimrakete“ beteiligt. … im Herbst wurden wir ... in das KZ-Mittelbau-Dora gebracht. Ab da gehörten wir nicht mehr zu Volkswagen. In Dora hatte die SS die Aufsicht übernommen. Dora war schrecklich ...[3]

Moses Schön und sein Vater überlebten die Zeit der Lager. Am 15. April 1945 wurde er in Bergen-Belsen befreit. Schwer erkrankt, musste er fast ein ganzes Jahr im Krankenhaus in Celle verbringen. Nach der anschließenden Zeit im Displaced-Person-Camp in Bergen-Belsen entschied er sich 1947, wie auch sein Vater David, nach Palästina zu ziehen und ein neues Leben zu beginnen. Dort hebräisierte er seinen deutschen Namen Moses Schön in Moshe Shen. Er schloss sich im gleichen Jahr der Haganah an, einer jüdischen militärischen Untergrundorganisation und nahm am israelischen Unabhängigkeitskrieg im Jahr 1948 teil. Bis 1954 blieb er Offizier der Tsahal, der israelischen Armee.

Moshe Shen war maßgeblich daran beteiligt, an der Schule seines Wohnortes Hod HaSharon einen Gedenkraum für die 300 Juden einzurichten, die von Auschwitz zu Volkswagen und dann in weitere Lager kamen. Moshe Shen war überzeugt, dass Erinnern eine tägliche Übung sein und nicht nur an einem einzigen festen Tag im Jahr stattfinden sollte. Moshe starb im Januar 2012 in seiner neuen Heimat Israel.

Mediografie

Matthias Bertram: Untertageverlagerung Geheimkommando 'Rebstock' – Menschen und Fakten, Erinnerungskultur in Deutschland, 154 Seiten, 9,90 Euro, ISBN 978-3-95631-656-2

Fußnoten

  1. Hier handelte es sich um den VW-Ingenieur A. Schmiele.
  2. Im englischen Original heißt es „prepare“, also „fertig machen, vorbereiten.
  3. Quelle: Matthias Bertram: Untertageverlagerung Geheimkommando 'Rebstock' – Menschen und Fakten, Erinnerungskultur in Deutschland, 154 Seiten, 9,90 Euro, ISBN 978-3-95631-656-2