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Bunkeranlage Niederzissen

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300 bis 400 Menschen suchten während der Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs Unterschlupf in der etwa 300 Quadratmeter großen Bunkeranlage an der Klosterstraße im Trassberg in Niederzissen. Eng sind die in den Stein geschlagenen Stollen, und an vielen Stellen können selbst kleingewachsene Menschen nur gebückt stehen. Vorläufer der 1943 erbauten Anlage war ein "Knollenkeller", der zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Lagerung von Feldfrüchten in den Berg (ein verfestigter vulkanischer Schlammstrom) getrieben worden war.


Bunkerplan
Bunker Hochformat.jpg

Anschrift und Lage

Klosterstraße

Niederzissen

Geschichte

Der 53 Meter lange Hauptgang führt 25 Meter in den Berg hinein, der später gebaute Nebengang ist 17 Meter lang. Während diese Gänge in Gemeinschaftsarbeit angelegt wurden, mussten die davon abgehenden insgesamt 26 Nischen von den einzelnen "Nutzern" selbst mit Kreuzhacken in den Fels geschlagen werden. Kleine Plastikschilder an einigen der Nischenöffnungen erinnern heute an diese Erbauer: Niederzissener Familien und Nachbargemeinschaften, aber auch die Franziskanerinnen der nahegelegenen Klosterniederlassung der Waldbreitbacher Schwestern. Doch welche Familien genau hier Schutz gesucht haben, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen.

Bunkerführer Heinz Schröder aus Niederzissen hat Bau und Betrieb des Bunkers als Kind miterlebt. "Hier war immer Bewegung drin", erinnert er sich, es war ein ständiges Kommen und Gehen. Betten, eine Toilette und Kochgelegenheiten gab es in den engen Stollen aus Platzgründen nicht. Wer sein Geschäft verrichten oder etwas essen wollte, musste den Bunker verlassen. Elektrisches Licht gab es ebenfalls nicht; das wurde erst im Jahre 2000 installiert. Für Beleuchtung sorgten statt dessen Kerzen sowie Petroleum- und Karbidlampen. Das kärgliche Mobiliar bestand bestenfalls aus einer Bank, die zunächst aus dem Fels herausgehauen und dann mit einem Brett belegt wurde, und einem rohen Tisch. Mit Decken und Mänteln versuchten die Benutzer, sich gegen die Kälte zu schützen.

Nach dem Krieg diente der Bunker zunächst als Abenteuerspielplatz für Kinder, zuweilen auch als "Liebesnest" - dann wurde er verschlossen. Bis 1992: Da konnte er anlässlich des 30. Jubiläums des DRK-Ortsvereins Niederzissen e.V. besichtigt werden - ein Angebot, von dem viele Neugierige, aber auch einstige Nutzer regen Gebrauch machten. Seit 2005 steht der Bunker im Rahmen des Vulkanparks Brohltal/Laacher See Besuchern regelmäßig offen. Gruppenführungen können bei der Tourist-Information Brohltal gebucht werden.

Im Oktober 2009 wurde eine Infotafel vorgestellt, die am Bunker befestigt werden soll:

1943 wurde von Niederzissener Bürgern der Entschluss zum Anlegen eines Bunkers gefasst. Soldaten, Zwangsarbeiter, Kinder, Jugendliche und Frauen beteiligten sich in schwerer Handarbeit am Ausbau. Bis Kriegsende wurde der Bunker bei Fliegeralarm aufgesucht. Er bot Platz für 300 bis 400 Menschen. Jede Familie, Nachbarschaft oder Gruppe hatte ihre eigene Nische. In den Stollenwänden befanden sich auch zwei Bildstöcke, an denen gebetet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente er Kindern und Jugendlichen als Abenteuerspielplatz und wurde später geschlossen. Seit 2000 ist der Bunker im Rahmen des Vulkanparks Brohltal/Laacher See wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde unterhalb des Bunkers durch einen Privatmann in den Lahar ein ,Knollenkeller" zur Lagerung von Feldfrüchten getrieben.

Die Rhein-Zeitung berichtete am 30. Juli 2012:

Bereits 1981 wollte Heinz Schröder den etwa 300 Quadratmeter großen Bunker der Öffentlichkeit zugänglich machen. Ohne Erfolg: Sein Antrag wurde abgelehnt. Der Bunker sei zu unsicher, teilte man ihm mit. Doch gerade der verfestigte vulkanische Schlammstrom sorgt für eine natürliche Standsicherheit. So ist bis heute kein Abstützen der Stollen nötig. „Es heißt, dass die Bürger von den Bomben, die auf den Bunker niedergingen, nichts mitbekommen haben“, berichtet Schröder. Die Stabilität des Bunkers bestätigte auch eine Kommission, die den Schutzraum nochmals im Jahre 1998 inspizierte. Zukünftigen Bunkerführungen für die Öffentlichkeit stand fortan nichts mehr im Wege.

Die Freiwillige Feuerwehr Niederzissen und die Rettungshundestaffel Ahrtal e.V. haben die Bunkeranlage mehrfach für Atemschutz- sowie für Bergungs- und Rettungsübungen genutzt.

weitere Bilder

Mediografie

Fritz Mangartz: Der Niederzissener Bunker in der Klosterstraße - Zeugnisse des Zweiten Weltkrieges in unserer Heimat', in: Kreisverwaltung Ahrweiler (Hrsg.): 'Heimatjahrbuch für den Kreis Ahrweiler 2001, Ahrweiler 2000, S. 172