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Synagoge Ahrweiler

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Die Gebäude der ehemaligen Synagoge Ahrweiler und der ehemaligen Synagoge Niederzissen sind die einzigen heute noch erhalten Synagogengebäude im Kreis Ahrweiler. Der kleine Saalbau wurde 1894 nach Plänen des Remagener Architekten Jakob Nicolaus Gronert in Schichtmauerwerk mit Einzelformen im „maurischen Stil" errichtet. Kennzeichnend für diesen Baustil sind die Hufeisenbögen der Fenster und die Giebelbekrönung in Gestalt von zwei Gesetzestafeln. Am 21. Oktober 1894 wurde die Synagoge eingeweiht; in der Pogromnacht 1938 wurde sie verwüstet und gebrandschatzt. Erich Elkan, der mit Eltern und Bruder nicht weit entfernt von der Synagoge wohnte, und Julius Gottschalk, ein befreundeter Hotelier, löschten das Feuer, weil die Feuerwehr nicht ausrücken durfte. SS-Schergen brannten die Synagoge jedoch später endgültig nieder.[1] Seit 1942 gibt es in Ahrweiler keine jüdische Gemeinde mehr. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude als Lagerraum zweckentfremdet. Bei der Wiederherstellung durch den Bürgerverein Synagoge Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V., der das Gebäude 1981 erwarb und in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflegeund unter besonderer Berücksichtigung der ursprünglichen Malerei und Farbgebung aufwändig renovieren ließ, wurde auch die Schablonenmalerei im oberen Bereich wiederhergestellt. Heute dient das ehemalige jüdische Gotteshaus als Kulturzentrum.[2]


Außenansicht
Annemarie Müller-Feldmann in der Bibliothek der Synagoge.
Klaus Liewald in der Synagoge Ahrweiler.
Hinweistafel-synagoge-ahrweiler.jpg
Matthias Bertram bei der Vorstellung seines Buches ... in einem anderen Lande - Geschichte, Leben und Lebenswege von Juden im Rheinland im Herbst 2015 in der ehemaligen Synagoge Ahrweiler.

Anschrift und Standort

Altenbaustraße 12a

53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler (Stadtteil Ahrweiler)

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Chronik

Einen Betraum für Juden gab es in Ahrweiler nachweislich bereits 1773 in einem Kellersystem der Häuser 56-68 in der Niederhutstraße. Davon zeugt eine erst ca. 1994 im Düsseldorfer Hauptstaatsarchiv gefundene Akte. Mehrere Jahrzehnte lang diente dieser Raum als Betraum; dann aber gingen die Ahrweiler Juden nach Dernau, denn dort war um 1796 ein Betraum eingerichtet worden. Um 1844 bekamen die Ahrweiler Juden wieder eine eigene Betstube in der Plätzerstraße, die bis zur Fertigstellung der Synagoge an der Altenbaustraße im Jahr 1894 für gottesdienstliche Versammlungen genutzt wurde. Nach nur einem Jahr Bauzeit wurde die neue Synagoge am 21. Oktober 1894 eingeweiht. Etwa 80 Juden leben zu dieser Zeit in Ahrweiler und Dernau. Den alternativen Standort vor dem Niedertor, dort, wo sich heute die Hauptstelle der Kreissparkasse Ahrweiler befindet, hatte die jüdische Gemeinde verworfen. Anlässlich des 120. Jahrestages der Einweihung der Synagoge im Jahr 2014 gab die Rhein-Zeitung am 18. Oktober 2014 einen Beitrag aus der Ahrweiler Zeitung zur Eröffnung der Synagoge wieder:

Flaggenschmuck an den Häusern in Ahrweiler, insbesondere denen der jüdischen Mitbürger, kündigte am 21. Oktober 1894 ein besonderes Ereignis an: Die Einweihung der neuen Gottesdienst- und Schulhauses der jüdischen Gemeinde in der Altenbaustraße, direkt gegenüber dem Weißen Turm. Über drei Tage ging das Festprogramm und die Bevölkerung nahm großen Anteil an der Eröffnung der neuen Synagoge. Sogar das Musikcorps des Rheinischen Pionierbataillons Nr. 8 aus Koblenz war gekommen, die Thorarollen aus dem bisherigen Betraum feierlich in die neue Synagoge zu begleiten.[3]

Allerdings feierten nicht alle mit: Bürgermeister und Klerus blieben der Veranstaltung fern. So war es an Carl von Ehrenwall, dem Beigeordnetem der Stadt Ahrweiler, den Schlüssel zur Synagoge nach der Thora-Prozession von Berta Levy stellvertretend in Empfang zu nehmen - mit dem Hinweis, dass die neue Synagoge unter städtischer Obhut sicher sei. Der Rabbiner Laser Weingarten aus Bad Ems hielt die Einweihungsansprache. Die jüdische Gemeinde Ahrweiler hatte sich für einen orientalisch inspirierten Baustil entschieden, um sich von der neuromanischen und neogotischen Formensprache der christlichen Kirchen dieser Zeit zu unterscheiden. 10.000 Reichsmark hatte sie sich die die Synagoge kosten lassen. Der Remagener Architekt Jakob Nicolaus Gronert entwarf den Bau. Stilistisch orientierte er sich an der 1866 in Berlin erbauten großen Synagoge. Dem entsprechen die Rundbögen der Fenster sowie die Orientierung des Raumes zum Thoraschrein an der Ostseite.[4]

Im General-Anzeiger vom 9. November 2011 beschrieb Günther Schmitt die Ereignisse in der Pogromnacht folgendermaßen:

Am späten Abend des 9. November 1938 stürmte ein SA-Trupp die Wohnung des Weinhändlers Herbert Baer. Er wurde misshandelt, in seinem Weinkeller veranstaltete die SA ein Zechgelage. Am nächsten Morgen brachen SA-Leute die Synagoge an der Altenbaustraße auf, verwüsteten den Innenraum, warfen die Thorarolle und Gebetbücher auf die Straße und legten Feuer. In der Volksschule wurde der Unterricht unterbrochen. Zeitzeugen berichten von einem Lehrer, der angesichts der brennenden Synagoge ausrief: „Das ist der schönste Tag in meinem Leben.“ Wie durch ein Wunder blieb die Synagoge stehen.

Die Rhein-Zeitung berichtete am 8. November 2013:

In der 'Ahrweiler Zeitung' hieß es am 12. November 1938 ...: „In unserem Kreisgebiet kam es am Donnerstag und in der folgenden Nacht zu spontanen antijüdischen Kundgebungen. Die Erbitterung der erregten Menge richtete sich gegen jüdische Geschäfte und Gebäude.“ Was in dem Bericht folgt, sind lediglich ... weitere Beschimpfungen der Juden. Im Buch 'Kreis Ahrweiler unter dem Hakenkreuz' ist die Szene in Ahrweiler wie folgt beschrieben: „Am Morgen des 10. November fuhr in der Altenbaustraße ein Lastwagen mit SA-Männern vor. Die Synagoge wurde gewaltsam aufgebrochen. Der Trupp stürmte mit einem Geschrei ins Innere. Drinnen wurden die Bänke umgeworfen, die Fensterscheiben eingeworfen, das Lesepult für den Vorbeter umgestürzt. Die Bodenteppiche schleppte man nach draußen, ebenso die Thorarolle und andere Schriftstücke wie Gebetbücher. Vor dem Portal wurden sie angezündet. Danach legte man Feuer in der Synagoge selber.“ Die Feuerwehr rückte an, löschte aber nicht die Synagoge, sondern schützte lediglich die Nachbarhäuser vor den Flammen. Der Innenraum brannte völlig aus. Die Grundmauern blieben aber stehen und wurden später, als man sich der Barbarei bewusst wurde und sich dessen schämte, im wesentlichen unverändert für den Wiederaufbau genutzt.[5]

Der General-Anzeiger berichtete am 12. November 2013:

Dass es in Ahrweiler nicht zu noch größeren Ausschreitungen kam, wird übrigens darauf zurückgeführt, dass ehemals aktive Linke unter Führung eines Kommunisten die SA in eine massive Straßenschlacht verwickelten und der nicht gerade großen braunen Truppe kein Freiraum für weitere Verwüstungen blieb.[6]

Nach dem Brand in der Reichspogromnacht 1938 gab es keine jüdische Gemeinde mehr, die einen Wiederaufbau hätte betreiben können. Viele Juden zogen aus Ahrweiler fort. Und die wenigen, die blieben, wurden deportiert und in Konzentrations- und Vernichtungslager ermordet. Eine jüdische Gemeinde, die in der Altenbaustraße regelmäßig ihre Gottesdienste abhält, gibt es seitdem in Ahrweiler nicht mehr. Das ramponierte Gebäude wechselte mehrfach den Besitzer, bevor es im Jahr 1955 von der Raiffeisen-Genossenschaft gekauft wurde und zur Lagerung von Kunstdünger und Pestiziden diente. Im Volksmund wurde die ehemalige Synagoge deshalb "Düngerkirche" genannt. 1976 forderte dann eine Gruppe Jugendlicher, die nach der Rückkehr von einer Israel-Reise in einem Brief an die Stadtverwaltung die Umwandlung der alten Synagoge in eine Gedenk- und Kulturstätte. 1978 wurde das Haus für 66.000 Mark vom inzwischen gegründeten Bürgerverein Synagoge Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. erworben. 1982 ist es unter Denkmalschutz gestellt worden. Von 1981 bis 1990 renovierte der Bürgerverein die ehemalige Synagoge in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz und richtete es als museale Kulturstätte und für kulturelle Veranstaltungen ein. Dabei wurde innen wie außen der ursprüngliche Zustand des Gebäudes weitgehend wiederhergestellt. "Sollte es je wieder eine jüdische Gemeinde im Ahrtal geben, würde die Synagoge wieder das sein können, was sie einmal war: Ein Haus der Zusammenkunft und des Gottesdienstes", heißt es auf der Homepage des Bürgervereins Synagoge.

Siehe auch

Mediografie

Weblinks

Fußnoten

  1. Quelle: Gabi Geller: Holocaust riss Nachbarn in Bad Neuenahr auseinander. Wiedersehen nach 60 Jahren bei der Aktion Stolpersteine, rhein-zeitung.de vom 18. Februar 2012
  2. Quelle: Malerwerkstatt in Ahrweiler, Kostbarkeit in Königsfeld, Fliesen in Sinzig - Tag des offenen Denkmals mit buntem Motto: „Farbe“ - Führungen durch historische Bauwerke im AW-Kreis, Pressemitteilung der Kreisverwaltung Ahrweiler vom 29. August 2014
  3. Quelle: Jochen Tarrach: Vor 120 Jahren: Synagoge in Ahrweiler eröffnet - Anfangs war das Verhältnis der jüdischen Gemeinde zu Mitbürgern harmonisch, in: Rhein-Zeitung vom 18. Oktober 2014
  4. Quelle: Synagoge in Ahrweiler: Die Einweihung fand vor 120 Jahren statt, general-anzeiger-bonn.de vom 21. Oktober 2014
  5. Quelle: Jochen Tarrach: Mit einem Konzert wird der Pogromnacht gedacht - Ehemalige Synagoge in Ahrweiler ist heute ein Mahnmal gegen Unfreiheit und Gewaltherrschaft, in: Rhein-Zeitung vom 8. November 2013
  6. Quelle: Gedenken an die Pogromnacht: Ahrweiler Bürgerverein Synagoge ruft zur Teilnahme am Demokratiefest in Remagen auf, general-anzeiger-bonn.de vom 12. November 2013