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Gustav Bunge

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Wandgemälde von Carl Christian Andreae im Turmzimmer von Schloss Sinzig: Abreise des Kaufmanns Gustav Bunge im Kölner Hafen, Grisaillemalerei (v.l.): Gutenberg in seiner Buchdruckerwerkstatt, Kaiser Karl V. im Hause Anton Fuggers, Martin Behaim und sein Globus, Martin Luther mit Laute und Bibel

Der Kölner Gustav Bunge (* 1821 in Amsterdam, † Februar 1891) ließ zwischen 1854 und 1858 von Baumeister Vincenz Statz für 27.000 Taler im neugotischen Stil auf den Ruinen einer sagenumwobenen mittelalterlichen Wasserburg das Schloss Sinzig als Sommersitz erbauen. Bunge hatte das Ruinen-Grundstück 1850, im Jahr seiner Heirat mit Adele Andreae, gekauft. Bunges Initialen "GB" zieren noch heute die Wetterfahne auf der Turmspitze des Schlosses.


Die Schloss-Besitzer

Dank ihrer Kontakte zu den Nachkommen konnte Agnes Menacher, Leiterin des Heimatmuseums der Stadt Sinzig, viele Informationen über die wohlhabende und kunstsinnige Familie Bunge-Koenigs zusammentragen. Recherchen, die der Ur-Urenkel des Erbauers Dr. Friedrich-Karl Schröder für einen Vortrag am „Tag des offenen Denkmals“ im September 2003 anstellte, brachten wiederum Neues über Gustav Bunge ans Licht.

Dem ersten namentlich bekannten Bunge in Unna/Westfalen folgte dort fünf Generationen später (1745) der gelehrte wie redegewandte Theologe Dietrich David Bunge, der mit seinem „Religionsbuch“ einen Bestseller für den Unterricht im westdeutschen Luthertum landete und zehn Kinder hatte. Der siebte Sohn, Johann Peter Gottlieb Bunge, gründete 1818 in den Niederlanden die Firma Bunge & Co., eine bis heute im internationalen Getreidehandel florierende Familien-Aktiengesellschaft. Einer seiner neun Söhne war der 1821 in Amsterdam geborene Schloss-Erbauer Gustav Bunge. Fünf Brüder ergriffen den Kaufmannsberuf, und auch in Gustavs Adern floss das Blut eines Geschäftsmannes. Er arbeitete für Bunge & Co., gründete 1959 je eine Niederlassung in Brüssel und New York. Im gleichen Jahr führt ihn ein Kölner Adressbuch als „Kaufmann der Firma Bunge und Borlage, New York“.

Köln erlebte nach 1820 einen gewaltigen Bauboom. Gewerblich dominierte die Textilindustrie, daneben gab es schon 1807 acht Eau de Cologne- Betriebe; Zigarren, Zucker und Seile wurden ebenfalls produziert. „Vor allem aber war Köln die finanzielle Hauptstadt, vor Frankfurt oder Berlin … Insofern war Köln für den Kaufmann Bunge anziehend.“ Andererseits grassierten mangels Hygiene Cholera, Pocken, Schwindsucht und Kinderkrankheiten, weshalb der, welcher die Mittel besaß, sommers aufs Land ging. Daran fehlte es dem jungen Paar Bunge - Gustav hatte im Jahr 1850 Adele Maria Andreae geehelicht - wohl kaum. Denn die Braut kam aus einer wohlhabenden rheinischen Tuchfabrikanten-Familie. Noch im Heiratsjahr erwarben beide die Sinziger Schlossruine und betrieben sogleich den Neubau ihres Sommersitzes auf den Fundamenten der alten Wasserburg.

Zwischen 1851 und 1863 kamen die fünf Kinder Johanna (* 1851), Adele, Agnes, Clara und Sohn Gustav zur Welt. Den Sommer verbrachte die Familie, je nach Wetter, von März bis Oktober in Sinzig. Neben seiner von Köln aus geführten Kaufmanntätigkeit für die Firma Bunge & Co. agierte Gustav Bunge als Sozius der Flachsspinnerei Schöller in Düren. Auch saß er bis zu seinem Tode im Aufsichtsrat der Sinziger Mosaikplattenfabrik und war leitend im Aufsichtsrat der „Stadtberger Hütte AG“, einem Kupferbergwerk in Niedermarsberg/Westfalen. Dem Beispiel seiner Neffen folgend, die in Südamerika Geschäfte machten, gründete Gustav Bunge zweimal in Argentinien einen „Argentinischen Landverein“ zum „Handel mit Grundstücken und Eingeborenen“. 1890 verlor er seine Investitionen durch den argentinischen Staatsbankrott.

Im gleichen Jahr legte Gustav Bunge ebenfalls Geld in südafrikanischen Goldminen an. „Das war alles zeitgemäß, in Deutschland war die Kolonialeuphorie ausgebrochen, vom Kaiser gefördert, menschlich wie sozial fragwürdig. Aber wir sind sicher nicht berechtigt, das mit heutigen Maßstäben zu messen. Vor allem, wenn wir sehen, wie sozial Gustav Bunge an anderer Stelle gehandelt hat“, befand Schröder. So stiftete Bunge die 1874 eröffnete damals sehr fortschrittliche Einrichtung der Kölner „Augenheilanstalt für Arme“. Bunge, der seine Zeit tatkräftig mitgestaltete, erfreute sich zeitlebens einer robusten Gesundheit, bis er im Februar 1891 innerhalb von vier Tagen an einer Lungen- und Rippenfell-Entzündung starb. „Er lebt noch unsichtbar in den Genen seiner Nachkommen, sichtbar durch sein Bild im Schlösschen und in der Wetterfahne über dem Turm.“