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Vincenz Statz

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Vincenz Statz, Lithographie von Adolf Dauthage, 1882
Das von Statz für Wohnzwecke entworfene Sinziger Schloss beherbergt heute u.a. das Heimatmuseum der Stadt Sinzig
Die Fertigstellung der von ihm entworfenen katholischen Pfarrkirche „St. Remigius“ in Unkelbach erlebte Statz nicht mehr.

Mächtige Raumhöhen und spitz zulaufende Bögen sind charakteristisch für die neugotische Architektur, zu deren bekanntesten Vertreterinnen der Kölner Dom zählt. Vincenz Statz (* 9. April 1819 in Köln, † 21. August 1898 ebenda), Mitglied der Kölner Dombauhütte, war einer der einflussreichsten Baumeister dieser Stilepoche, die ihre Blüte von 1830 bis 1900 erlebte. Zu Statz‘ bekanntesten Schöpfungen zählen der Neue Dom in Linz in Oberösterreich, die Marienkirche in Aachen und die Wallfahrtskirche in Kevelaer. Seine Entwürfe für die Votivkirche in Wien, den Berliner Dom und die Kathedrale von Lille riefen seinerzeit Bewunderung ebenfalls hervor. Auch in mehreren Rhein-Orten des Kreises Ahrweiler stehen Bauten, die Vincenz Statz einst entwarf.


Vita

Vincenz Statz wurde am 9. April 1819 in Köln geboren. Nach einer Ausbildung als Schreiner, Zimmermann und Maurer wurde er im Jahr 1841, im Alter von 22 Jahren, Mitglied der von Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner gegründeten Kölner Dombauhütte. Nur vier Jahre später war Statz bereits Dombauwerkmeister und damit einer der Stellvertreter des Dombaumeisters. Ohne die eigentlich übliche akademische Ausbildung wurde Statz im Jahr 1861, mit 42 Jahren, zum Baumeister und 1863 sogar zum Diözesanbaumeister der Erzdiözese Köln ernannt. Statz‘ Werk umfasste zu dieser Zeit bereits etwa 150 Kirchen und Kapellen, 47 kirchliche Wiederherstellungsbauten, 15 Pfarrerwohnungen und acht Krankenhäuser.

Weil Vincenz Statz neben seiner Arbeit in Köln auch außerordentlich viele Entwürfe für Bauprojekte in anderen Orten anfertigte, kam es in Köln zum Bruch. Nun machte sich Statz erst recht ans Werk. Seine wohl gewaltigste Schöpfung wurde der Neue Dom in Linz in Oberösterreich, der zu den bemerkenswertesten Baudenkmälern des 19. Jahrhunderts in Österreich zählt. Dort wurde Statz auch zum Dombaumeister ernannt. Diese Anerkennung ebnete ihm auch in der Heimat den Weg zu Höherem: Der preußische Staat ernannte Statz zum Privatbaumeister, schließlich sogar zum „Königlichen Baumeister“.

Weitere besonders anspruchsvolle Anlagen, die Statz entwarf, sind die Marienkirche in Aachen, die Mauritiuskirche in Köln und die Wallfahrtskirche in Kevelaer. Seine Entwürfe für die Votivkirche in Wien, den Berliner Dom und die Kathedrale von Lille riefen seinerzeit ebenfalls Bewunderung hervor. Statz‘ Wirkungskreis reichte schließlich von Holland bis nach Neapel. Er selbst hat einmal behauptet, 500 Bauten gingen auf ihn zurück. Immerhin 121 lassen sich heute nachweisen. Die meisten von ihnen stehen längst unter Denkmalschutz, viele wurden originalgetreu restauriert. Vincenz Statz starb am 21. August 1898 in Köln, sein Grab befindet sich auf dem Kölner Melaten-Friedhof.

Bauprojekte im Kreis Ahrweiler

Schloss Sinzig

Statz‘ erstes Bauprojekt im Kreis Ahrweiler war das Sinziger Schloss, das von 1854 – Statz war zu dieser Zeit 35 Jahre alt - bis 1859 nach seinen Plänen auf den Resten einer 1337 erstmals erwähnten und 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörten Wasserburg errichtet wurde. Während es Aufgabe des Vorgängerbaus war, seine Bewohner vor Angreifern zu schützen, sollte das von dem Kölner Gustav Bunge bei Statz in Auftrag gegebene Schlösschen mondänes Wohnen und Repräsentation ermöglichen. Und während die alte Wasserburg vier Türme besessen hatte, erhielt das 27.000 Taler teure neue Schloss lediglich einen einzigen. Dessen Wände stattete der Historienmaler Prof. Carl Christian Andreae, ein Schwager des Besitzers, von 1863 bis 1865 mit prächtigen Wandmalereien aus. Außerdem gestaltete er die Kassettendecke des Salons und das Treppenhaus. Der Park rund um das Schloss schließlich beruht auf einem Entwurf des Gartenbaudirektors Peter Josef Lenne.

Marienbrunnen auf dem Rathausplatz Remagen

Vincenz Statz entwarf nicht nur Gebäude, sondern auch Altäre, Kanzeln und andere größere kirchliche Ausstattungsstücke. Zusammen mit dem Koblenzer Stadtbaumeister Hermann Nebel entwarf er den Marienbrunnen auf dem Rathausplatz Remagen, der wie auf der Brunnensäule zu lesen ist, im Jahr 1862, Statz‘ 43. Lebensjahr, erbaut wurde. Weiter ist auf der Säule zu lesen: „Möge diese lebendige und klare Quelle unter Gottes Schutz allen, die daraus schöpfen, zum Heile gereichen.“ Die massive Brunnensäule mit Schale und Löwenköpfen wird von einer kunstvoll gearbeiteten Marienfigur gekrönt. 1000 Reichstaler ließ sich Remagen diesen an Stelle des heute vor der katholischen Pfarrkirche „St. Peter und Paul“ stehenden Marienbrunnens kosten.

Kapelle „Zur unbefleckten Empfängnis Mariens“ Rolandswerth

Drei Jahre später, im Jahr 1865, ließen die Kölner Kaufleute Jakob und Ludwig Lützenkirchen nördlich ihrer Villa in Rolandswerth von Vincenz Statz die kleine Kapelle „Zur unbefleckten Empfängnis Mariens“ als Backsteinbau errichten. Per Schenkungsvertrag vom 23. März 1867 übereigneten die Brüder das kleine Gotteshaus dem Erzbistum Köln.

Katholische Pfarrkirche „St. Laurentius“ Oberwinter

Gut drei Kilometer weiter südlich, mitten in Oberwinter, wurde zur gleichen Zeit ebenfalls nach einem Plan von Vincenz Statz gebaut: 1864 war dort die 1131 erstmals urkundlich erwähnte alte St.-Laurentius-Kirche abgerissen worden. Der Oberwinterer Pastor Johann Wald hatte sie bereits 1845 als „klein, dunkel, ungesund feucht“ und „ohne alles Ansehen“ beschrieben. Lediglich ihr 1525 erbauter Chor blieb erhalten und wurde in die neue Kirche übernommen. Weil die Kirche sehr lang und schmal geworden wäre, fand Statz' erster Entwurf jedoch keine Zustimmung. Stattdessen wurde ihm zur Auflage gemacht, in einem neuen Entwurf eine Verbreiterung vorzusehen. Ende Oktober 1864 trafen Statz‘ Pläne bei der Königlichen Regierung in Koblenz ein, die nun keine Einwände mehr gegen deren Verwirklichung hatte. Dank günstiger Witterung konnte das neue Gotteshaus bereits am 30. September 1866 eingesegnet werden, bevor Bischof Dr. Matthias Eberhard fast sechs Jahre später, am 14. Mai 1872, die feierliche Konsekrierung vornahm.

Villa im Sinziger Zehnthof

Der jüngste Bauplan, der von Statz im Kreis Ahrweiler verwirklicht wurde, war derjenige für die Villa im Sinziger Zehnthof. Diese 1340 erstmals urkundlich erwähnte Hofanlage unterhalb der katholischen St.-Peter-Kirche war während der der Franzosenzeit zu Anfang des 19. Jahrhunderts Eigentum des Gerichtsschreibers Broicher geworden. Nachdem dessen Sohn Karl Anton Broicher, zweiter Präsident des Rheinischen Appellationsgerichts in Köln, den Hof hatte ausbauen lassen, ließ dessen Sohn wiederum im Jahr 1872, also nach dem deutsch-französischen Krieg, von dem inzwischen 53-jährigen Vincenz Statz die Villa und anschließend den Festsaal errichten. Bei alledem hatte die Familie Broicher, ähnlich wie zwei Jahrzehnte zuvor die Familie Bunge beim Sinziger Schloss, „offensichtlich das Bestreben, aus dem ursprünglichen Bauernhof mit Abgabensammelstelle einen Herrensitz zu machen, bei dem der Stallgeruch in eine Ecke vor dem Hof verdrängt wurde“, wie Dieter Schewe im Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler für das Jahr 1981 schrieb.

Katholische Pfarrkirche „St. Remigius“ Unkelbach

Bereits 13 Jahre zuvor, im Jahr 1859, hatte Vincenz Statz Entwürfe für die katholische Pfarrkirche „St. Remigius“ in Unkelbach angefertigt. Sie sollte die um 1200 gebaute Vorgängerin ersetzen, die bis zum Jahr 1842 derart baufällig geworden war, dass Einsturz und baupolizeiliche Schließung drohten. Weil die Bevölkerungszahl immer weiter zugenommen hatte, war die alte Kirche mit nur 60 Quadratmetern Grundfläche außerdem viel zu klein geworden. In Unkelbach mangelte es jedoch am nötigen Geld. Deshalb wurde mit dem 144 Quadratmeter großen Neubau oberhalb der Vorgängerkirche erst fast 40 Jahre später begonnen, in Statz' Todesjahr 1898. Die Bauleitung hatte der Kirchenbaumeister Johann Adam Rüppel übernommen, der im AW-Kreis auch die St.-Philippus-und-Jakobus-Kirche in Kempenich und die katholische Kapelle „Zum Heiligen Kreuz“ in Vettelhoven baute. Nachdem im Herbst 1898 das Fundament gelegt worden war, wurden die Arbeiten auf der Baustelle nach einer Winterpause im Frühjahr 1899 fortgeführt. Im Juni 1899 ist dann der Grundstein gelegt worden. Gut ein Jahr später, am 1. Juli 1900, konnte der Neubau eingesegnet werden. Und am 8. Juli 1903 schließlich wurde die neue Kirche vom Trierer Weihbischof Carl Ernst Schrod feierlich konsekriert. Der firmte bei dieser Gelegenheit auch gleich Kinder aus Unkelbach sowie aus den Nachbardörfern Oberwinter und Oedingen.

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