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Katholische Pfarrkirche „St. Peter und Paul“ Remagen

Aus AW-Wiki
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Die Kirche in ihrem Umfeld
Firmgottesdienst mit Weihbischof Jörg Michael Peters
Altarraum in der Weihnachtszeit
Blick vom Altar in Richtung Orgelempore
Die Orgel
Kirche vom Deichweg aus gesehen
Marienaltar im nördlichen Seitenschiff
Das Pfarrhoftor (rechts)
Ansichtskarte aus den 1920er Jahren.
Der Rhein und Remagen mit der Katholischen Pfarrkirche "St. Peter und Paul" Remagen und dem Apollinarisberg (rechts).
Diese historische Ansichtskarte zeigt einen Blick aus Richtung Apollinarisberg über die Linke Rheinstrecke in Richtung Süden. Links ist der Rhein zu sehen, rechts die Katholische Pfarrkirche "St. Peter und Paul".

Die Katholische Pfarrkirche „St. Peter und Paul“ an der Kirchstraße in Remagen steht auf den Resten eines römischen Kastells. Das romanisch-gotische Gotteshaus hat einen neoromanischen Anbau. Auf dem Kirchhof neben dem Gotteshaus steht ein in seiner Art in Deutschland einmaliges romanisches Pfarrhoftor aus dem 12. Jahrhundert, das ursprünglich nicht im Zusammenhang mit der Kirche stand. In der alten Pfarrkirche – der heutigen Taufkapelle – befinden sich Fresken aus dem 13. Jahrhundert, die bei Restaurierungsarbeiten unter bis zu 14 Farbschichten entdeckt und freigelegt wurden. Im neuromanischen Anbau steht ein Altartisch aus dem 13. Jahrhundert.[1]


Standort

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Baugeschichte

Eine christliche Gemeinde gab es in Remagen wahrscheinlich schon in römischer Zeit. Früheste Zeugnisse sind die Grabinschrift der Meteriola aus dem 5. Jahrhundert und zwei Fragmente von Schrankenplatten mit Christogramm-Verzierungen, die im Römischen Museum Remagen und im Rheinischen Landesmuseum Bonn aufbewahrt werden.

Die Pfarrkirche, ausgestattet mit dem nach Rom verweisenden Patrozinium der Apostelfürsten, liegt in der Nordwestecke des ehemaligen römischen Kastells Ricomagus. Auffällig ist die mittelalterliche Umwehrung des Gotteshauses, das innerhalb eines Vierecks hoher Mauern steht, die wohl dem Schutz der Kirche dienen sollten. Das Viereck wurde entweder gleich beim Bau der Kirche oder später zur Verteidigung um diese herum errichtet. In der Kirchenbefestigung sind Reste der römischen Bausubstanz in typischer Quaderbauweise erhalten.[2]

Sicher belegt ist eine Kirche in Remagen für das Jahr 1003, in dem Erzbischof Heribert von Köln der Abtei Deutz Zehntrechte in Remagen übergab. Seitdem waren die Remagener Pfarrer bis zur Französischen Revolution immer Angehörige des Deutzer Konvents. 1495 wurde die Pfarrei dem Kloster inkorporiert. Von diesem Ursprungsbau, der dem Stadtbrand von Remagen im Jahr 1198 zum Opfer fiel, sind wenige Reste im westlichen Langschiff erhalten.

Der älteste Teil des heutigen Baukörpers ist der 1246 geweihte Chor. Über diese Weihe und den Bauherrn, den Pfarrer Richard, gibt eine Tafel an der Außenseite des Chors Auskunft. Es handelt sich hier um eines der ganz seltenen Baudaten der Zeit. Das Mittelschiff der alten Kirche stammt wohl ebenfalls weitgehend aus dieser Epoche.

Im frühen 16. Jahrhundert wölbte man Mittelschiff und Chor mit einem reichen spätgotischen Netzgewölbe ein. Der Bau fiel einem Brand im Dreißigjährigen Krieg zum Opfer, als schwedische Truppen Remagen erstürmten. Dabei wurde auch das aus vier Glocken bestehende älteste, noch nachgewiesene Geläut zerstört. Nur im Chor blieb das Gewölbe erhalten; im Mittelschiff musste es erneuert und um 1902 im Zuge des Kirchenneubaus restauriert werden.

Der Glockenturm, der in seinen Formen an die Türme der Deutzer Abteikirche erinnert, entstand 1662. Das Turmgewölbe war 1674 vollendet. Zunächst gab es nur eine neue, St. Peter geweihte Glocke. 1758 kam eine Marien-Glocke und 1762 eine Peter-und-Paul-Glocke hinzu. Doch auch diese gibt es heute nicht mehr. Im Ersten und im Zweiten Weltkrieg wurden sie für die Rüstungsproduktion eingeschmolzen. Seit 1952 läuten vier Stahlglocken aus der Gießerei des Bochumer Vereins für Bergbau und Gussstahlfabrikation.

Für die gewachsene Gemeinde errichtete man von 1900 bis 1904 einen Erweiterungsbau in den Formen der rheinischen Spätromanik nach Plänen des Düsseldorfer Architekten Caspar Clemens Pickel. Die alte Kirche, die komplett saniert wurde, blieb nach Abbruch der Seitenschiffe als Vorhalle stehen. Bei der Restaurierung in den 1980er Jahren wurde der Altbau wieder als eigener Gottesdienstraum eingerichtet.

Außenbau

Die Kirche sieht heute so aus, als seien es zwei separate Kirchen, die unmittelbar nebeneinander stehen. Die alte Kirche samt Turm wurde durch Umbau und Erweiterung durch Caspar Clemens Pickel zum westlichen Vorbau der neuen Kirche.

Das dreijochige alte Kirchenschiff im romanisch-gotischen Übergangsstil weist im Sockelgeschoss Rundbogenarkaden, in den Obergaden gotische Maßwerkfenster auf. Ein Satteldach hat Gauben und einen Dachreiter. Der Chor schließt mit fünf Achteln.

Der alte Turm ist eine Stilmischung mit großer Blendarkade im Sockelgeschoss, Oculus, darüber barocker Nische mit Figur der Maria Immaculata (der Unbefleckten Empfängnis bzw. der ohne Erbsünde geborenen Gottesmutter Maria), darüber romanischen Zwillingsfenstern mit Oculus im Überfangbogen, darüber einer barocken Haube und Wetterfahne.

Nach Osten schließt sich der Pickel-Bau als dreischiffige Basilika auf kreuzförmigem Grundriss mit Querhaus, massivem Vierungsturm und 5/8-Chorapsis, flankiert von zwei kleinen Türmen, an. Grundlegende Stilelemente sind, wie in der reinen Romanik, Rundbogenfenster, abgegrenzt durch Lisenen, und Rundbogenfriese. Der Vierungsturm besitzt Doppelarkaden mit Überfangbögen.

Der Komplex ist von einer Mauer umgeben, die den Pfarrbezirk umschließt. Zwei Nischen an der Nordseite in diesem Mauerwerk geben den Blick auf die zugrunde liegende spätantike Bausubstanz frei.

Innenbau

Die heutige Vorhalle der Kirche, die Mittelschiff der Vorgängerkirche war, weist einen zweizonigen Innenwandaufriss mit romanischen Rundbögen im Sockelgeschoss und spätgotischen Obergaden auf. Die spätgotischen Netzgewölbe in Mittelschiff und Chor sind ein qualitätsvolles Beispiel ihrer Art, wobei die floralen Wandmalereien in den Gewölbezwickeln Restaurierungsarbeiten um 1900 konstituieren.

Bei dieser Restaurierung wurden romanische Wandfresken in den Blendarkaden im Chor (Sockelgeschoss) freigelegt und aufbereitet, beispielsweise ein segnender Christus aus dem 13. Jahrhundert und vermutlich noch ältere Apostelfiguren (Jakobus der Ältere, Petrus, Johannes).

Spätromanischen Blattwerk- und Maskenschmuck (stark restauriert) weisen die Kapitelle an den Triumphbogenpfeilern auf.

Das Innere des neoromanischen Pickel-Baus in fünf Jochen entspricht typischer Architektur in romanischer Formensprache: zweizoniger Innenwandaufriss (Rundbogen-Arkaden und Obergaden-Doppelarkaden, abwechselnd Säulen und Bündelpfeiler mit reichem figürlichem Kapitellschmuck, Kreuzgewölbe mit auf Konsolen ruhenden Halbsäulen, aus denen die Gewölberippen herauswachsen, Übergang zum Querhaus durch Triumphbogen, Sterngewölbe im Chor.

Dadurch, dass die Kirche vom Pfarrhof her (Südseite) betreten wird, dominiert für den Besucher zunächst der wuchtige Eindruck des neoromanischen basilikalen Anbaus.

Ausstattung

Das stilistisch heterogene Inventar aus allen Epochen verteilt sich gleichmäßig auf den Vorgängerbau und den neoromanischen Anbau.

  • Das bedeutendste Ausstattungsstück des Vorgängerbaus ist das um 1500 gestaltete spätgotische Sakramentshäuschen im Chorraum, dessen beschädigte filigrane Architektur um 1900 stark restauriert werden musste. Über dem Sakramentsschrein ist eine Abendmahlsszene dargestellt.
  • Im alten Chor befinden sich außerdem ein neoromanisches Taufbecken, ein Altartisch von 1860 und, den Triumphbogen flankierend, barocke Statuen der Apostel Petrus und Paulus.
  • Eine spätgotische Grablegung (um 1500) mit sieben überlebensgroßen Figuren und drei Reliefszenen am Sarkophag (Samson, Jonas und Christus in der Vorhölle) füllt die ehemalige Sakristei aus.

Im Pickel-Neubau fanden folgende ältere Ausstattungsstücke Platz:

  • romanischer Hauptaltar (1240), stark restauriert, mit Stifterinschrift von Pfarrer Richard;
  • Kreuzigungsgruppe und spätgotische Statuen der Apostel Petrus und Paulus als Flankenfiguren am Triumphbogen;
  • Pietà um 1600 als Vesperbild.

Die übrige Ausstattung im Anbau geht auf die Ära Pickel zurück. Dazu zählen der Zelebrationsaltar im Chorraum sowie zwei Seitenaltäre. Aus dem 20. Jahrhundert stammen die vier Stahlglocken (1952), die zerstörtes älteres Geläut ersetzen, sowie die Orgel (1968 mit Erweiterung 1996).

Die Krypta

Die Krypa wurde zum Pfarrfest im Juli 2006 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Vom Ende des Zweiten Weltkrieges an war der über Treppen von außen und innen zugängliche Raum verschlossen. Im Gegensatz zu den Krypten anderer Kirchen wurde die Remagener Krypta nicht als Begräbnisstätte genutzt; sie war vom Architekten Caspar Clemens Pickel von vornherein nur als eine Art Unterkirche konzipiert, in der Messen gefeiert werden konnten.

Karl-Heinz Kornwolf hatte den mit Kreuzgratgewölben überspannten dreischiffigen Raum für das Pfarrfest 2006 zu einem kleinen Museum umfunktioniert – mit Exponaten, die im Laufe der Zeit aus den „überirdischen“ Kirchenräumen aussortiert, aber erhalten wurden:

  • drei hölzerne Pfeifen der alten Orgel
  • ein prächtiges Messgewand
  • eine Wandlungsschelle aus dem 19. Jahrhundert
  • zwei aus Terrakotta gefertigte Heiligenstatuen von St. Matthias und St. Antonius, die noch auf ihre Restaurierung warteten
  • ein mit Edelsteinen besetzter Glorienbogen, der einst im Altarraum hing
  • ein alter handgefertigter Sakristeischrank, der einst als Tresor oder Geldschrank genutzt wurde

Der Raum sollte der Öffentlichkeit künftig regelmäßig zugänglich gemacht werden, mit dem Fernziel, dort auch wieder Andachten und Messen zu feiern. Bis November 2009 sollte die Krypta weiter renoviert werden, zum 110. Jahrestag, an dem die Baugenehmigung für die Kirche erteilt wurde.

Weitere Bilder

Außenaufnahmen

Innenaufnahmen

Heiligen-Skulpturen

Siehe auch

Mediografie

  • Am Schriftenstand in der Kirche finden Sie ausführliche Informationen zur alten Pfarrkirche und zum Pfarrhoftor.
  • Hermann Comes: Altarkonsekration krönt Renovierung der alten Pfarrkirche St. Peter und Paul. Remagener Pfarrgemeinde hatte Grund zu feiern, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1983
  • Peter Paul Pauly: St. Peter und Paul Remagen/Rhein, München/Zürich 1983
  • Michael Schmitz: Verlorene Fenster. Glasscheiben des 17. Jahrhunderts aus der Remagener Pfarrkirche, in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2010, S. 163
  • Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Rheinland-Pfalz und Saarland, München 1972
  • Remagen/Rhein: Katholische Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul, Schnell-Kunstführer Nr. 1409, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, 2. Auflage 1998

Weblink

Wikipedia: St. Peter und Paul (Remagen)

Fußnoten

  1. Ein großer Teil der Informationen in diesem Beitrag stammt aus dem Wikipedia-Artikel "„St. Peter und Paul (Remagen)“
  2. Quelle: Jochen Tarrach: Pfarrkirche wird oftmals unterschätzt – Serie Sankt Peter und Paul in Remagen hat eine lange Geschichte, in: Rhein-Zeitung vom 3. Februar 2016