Katholischer Junggesellenverein Oberwinter 1847 e.V.

Aus AW-Wiki

Der Katholische Junggesellenverein Oberwinter 1847 e.V., Hauptträger der St. Laurentius-Kirmes Oberwinter, ist der älteste Verein des Hafenorts. Vereinszweck war damals, aus den „Jungmännern“ des Ortes einen „tüchtigen und ehrbaren Bürgerstand“ zu formen. Hauptaktivitäten des Vereins sind heute das jährliche Aufstellen des Maibaumes in der Ortsmitte sowie Organisation der Kirmes.


JGV Owi.jpg

Mitgliederzahl

  • August 2002: 125
  • August 2016: 165

Vorstand

Gründung und Entwicklung

Höhen und Tiefen hat der Verein seit seiner Gründung im Jahre 1847 erlebt. Kuriose Blüten trieb etwa die Zeit der Inflation in Deutschland - auch bei den Oberwinterer Junggesellen. Monatlich mussten die Beiträge neu festgelegt werden, bis man der Einfachheit halber dazu überging, die Beiträge an den jeweils aktuellen Preis von einem Glas Bier anzupassen.

Der Kriegsausbruch im Jahr 1939 zog einen vorläufigen Schlussstrich unter das Vereinsleben. 1946, pünktlich zur St. Laurentius-Kirmes Oberwinter, feierte der des Junggesellenverein seine "Wiedergeburt". Auch das Hahneköppen fand fortan wieder statt.

Für Vereinsaspiranten galt einst das Gebot, dass sie gebürtige Oberwinterer und katholischen Glaubens sein sollten. Mitte der 1960er-Jahre passten sich die Junggesellen dem Wandel der Zeit an und änderten ihre Statuten. Seitdem spielen Konfession und Ortszugehörigkeit bei der Aufnahme keine Rolle mehr. Die weiblichen Interessenten mussten hingegen länger warten: Sie dürfen erst seit 2004 Mitglied werden. Geschlechterübergreifend nimmt sich der JGV seitdem den alten Traditionen an. Seine Mitglieder stellen den Maibaum auf, pflegen die Kriegsopfergedenkstätte Oberwinter und veranstalten die St. Laurentius-Kirmes Oberwinter. Gerade bei diesem Fest leben die überlieferten Bräuche wieder auf - allen voran das "Fähndelschwenken" und das "Hahneköppen".

Was im Herbst 2011 mit den Arbeiten am Schriftzug „Oberwinter“ an der rheinseitigen Hafendammböschung und der Investition von 65 Arbeitsstunden begann, das setzten Mitglieder des Junggesellenvereins im Herbst 2012 fort: Sie trafen sich erneut auf dem Damm des Oberwinterer Hafens, um den Blick auf den Schriftzug komplett frei zu machen. Eine große Weide, die mit ihren zahlreichen Ästen direkt am rheinseitigen Ufer stand, verwehrte den Passagieren der Schifffahrt und den Bewohnern der „Schäl Sick“ den Blick auf den Ortsnamen. Ausgestattet mit Besen, Rechen, Spaten, Freischneidern, Kettensägen, Winde, Häcksler und Trecker starteten die jungen Leute das Unternehmen. Rund 25 Äste des Baumes wurden abgesägt und auf die Dammkrone gezogen. Dort kreischten sofort wieder die Kettensägen, um das Holz zu zerteilen. Der von der Zapfwelle eines Traktors angetriebene Häcksler bekam sofort alles „zu fressen, was er verdauen konnte“. Zusätzlich wurde, in der kompletten Breite des Ortsnamens, die Dammböschung vom Unkraut befreit.[1]

Im November 2012 restaurierte der Junggesellenverein ein Hinweisschild. Am Sitzplatz Ecke Mauerstraße/Holzweg hatte zuvor jahrelang ein Schild mit der Aufschrift "Hahneporz" gestanden. Es sollte an eines der vier mittelalterlichen Tore von Oberwinter erinnern, die es längst nicht mehr gibt. Durch die Hahneporz führte der Weg bergauf nach Birgel und Bandorf. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Oberwinter-Rolandseck e.V. hatte im Jahr 1993 unter dem Vorsitz von Otto Franz Josef Assenmacher einen Sitzplatz mit Steintisch, Bänken und einem Baum im Hintergrund aufstellen lassen. Das dazu angebrachte Schild „Hahneporz“ war später mutwillig zerstört worden.[2]

"Heute steht der Gedanke der Traditionspfege im Zentrum der Vereinsaktivitäten von 40 aktiven und 130 inaktiven Mitgliedern", heißt es in dem 1986 erschienenen Band 1100 Jahre Oberwinter 886-1986 von Hans Atzler und Heinz Wilms, "als Träger der großen Laurentiuskirmes und der Maifeierlichkeiten machen sich die Junggesellen unter dem Vorsitz von J. Lindlohr Jahr für Jahr um die Erhaltung des alten rheinischen Brauchtums verdient." Von den Mitgliedern müsse "insbesondere Johannes Clemens erwähnt werden, dem der Wiederaufbau des Vereins nach dem Zweiten Weltkrieg in erster Linie zu verdanken ist", heißt es in dem Buchbeitrag weiter.[3]

Im Bestreben, sich für ihren Heimatort Oberwinter einzusetzen, wurde der Katholische Junggesellenverein (JGV) im Frühjahr 2015 erneut aktiv. Durch Wildwuchs drohte der Ausblick vom Aussichtsplatz „Friedrichsberg“, den der Verkehrs- und Verschönerungsverein Oberwinter-Rolandseck e.V. im Jahr 2008 errichtete, verloren zu gehen. Schon 2012 nahmen die Junggesellen Freischneidearbeiten zum Erhalt des Panoramablicks vor. Um den Ausblick noch zu erweitern und den Wildwuchs zu beseitigen, führte der JGV im Frühjahr 2015 eine Rodungsaktion durch. Schon 1927 beschrieb Lehrer Schoeter den Ausblick von der einst bevorzugten Weinbergslage von Oberwinter als einen der schönsten am ganzen Rheinstrom. Der Panoramablick und der historische Bezug veranlassten den VVOR im Jahr 2008, an dieser Stelle einen Sitzplatzes aus rotem Granit aufzustellen.[4]

Präsides[5]

1845 bis 1851: Jakob Lehnen

1851 bis 1861: Andreas Reitz

1861 bis 1886: Johann Wald

1886 bis 1887: Stanislaus Ladislaus Ferdinand von Freyhold

1888 bis 1890: Johannes Riotte

1890 bis 1901: Alphons Stiff

1901 bis 1912: Johannes Josef Ockenfels

1913 bis 1918: Franz Xaver Schwaab

1918 bis 1933: Johann Jodokus Sebastian

1933 bis 1951: Nikolaus Weber

1951 bis 1967: Josef Dupont

1967 bis 1973: Kurt Butterbach

1974 bis 1992: Herbert Lonquich

1992 bis 2006: Norbert Klaes

ab 2006: Frank Klupsch

Siehe auch

Maibaum-Aufstellen Oberwinter

Mediografie

  • Zu seinem 160-jährigen Bestehen im Jahr 2007 hat der Junggesellenverein eine Chronik erstellt. 160 Seiten, illustriert mit etwa 80 Schwarz-Weiß-Fotos, erzählen Interessantes und Kurioses aus der Geschichte des ältesten Oberwinterer Vereins. Dessen Geschichte ist eng verbunden mit der Entwicklung des Hafenortes. Es wird berichtet über die historische Entstehung des einst kirchlich geprägten Vereins und seine Entwicklung bis in die Gegenwart. Außerdem enthält sie Wissenswertes über Traditionen wie Hahneköppen und Fähndelschwenken. Weiter ist über die Besatzungszeiten nach den beiden Weltkriegen, die Ausweisung der Eisenbahner nach dem Ersten Weltkrieg und die Wiederauflebung des Vereins mit Genehmigung der französischen Besatzungsmacht zu lesen. Das Buch ist zum Preis von zehn Euro erhältlich bei Blumen Assenmacher in der Oberwinterer Hauptstraße.
  • Petra Ochs: Tradition: Wenn der Kopf fällt, steht Oberwinters König fest, rhein-zeitung.de vom 31. Juli 2018

Weblinks

Fußnoten

  1. Quelle: General-Anzeiger vom 31. Oktober 2012
  2. Quelle: Rhein-Zeitung vom 1. Dezember 2012
  3. Quelle: Hans Atzler/Heinz Wilms: 1100 Jahre Oberwinter 886-1986, Oberwinter: Verlag Kessel 1986, 182 Seiten, Seite 138
  4. Quelle: Rhein-Zeitung vom 19. März 2015
  5. Quelle: jgv-oberwinter.de: Präsides des Kath. Junggesellenvereins Oberwinter 1847 e.V., gesehen am 2. Januar 2014