FacebookLogo.png   TwitterLogo.png   Wordpress-logo-notext-rgb.png

Alte Mühle Gillig

Aus AW-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ewald Gillig ist Eigentümer der Alten Mühle Gillig in Antweiler, die heute in vierter Generation im Familienbesitz ist. Von 1913 bis 1948 versorgte die Mühle ganz Antweiler mit Strom. Getreide mahlt sie seit 1976 nicht mehr. Heute werden im umgebauten Kornspeicher Veranstaltungen wie das alljährliche Kammermusikfestival und Mühlenführungen - etwa am Deutschen Mühlentag - angeboten. Nach wie vor bezieht die Mühle ihr Wasser aus der Ahr, die mit Hilfe eines Wehres oberhalb von Antweiler gestaut wird. Über einen etwa 250 Meter langen Kanal wird das Wasser zur Mühle geleitet.


Dieser Balken trägt die Jahreszahl 1686 und das Wappen des Herzogs von Arenberg. Nach der Auflösung des Herzogtums Arenberg gelangte die Mühle zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Privatbesitz und über Eheschließung 1892 in den Besitz der Familie Gillig.
Antweiler Mühle 7.jpg
Antweiler Mühle 2.jpg
Info-Schild an der Mühle
Antweiler Mühle 1.jpg
Antweiler Mühle 3.jpg

Anschrift und Standort

Mühlenweg

53533 Antweiler/Ahr

Die Karte wird geladen …

Kontakt

Chronik

Die Geschichte der Mühle, die in herzoglich-arembergischen Besitz war, geht bis auf das Jahr 1525 zurück. 1578 lag die Jahrespacht bei 9,5 Malter Korn, einem Mühlenschwein von 100 Pfund, 100 Eiern und vier Pfund Wachs. Im Jahr 1686 wurde die Getreidemühle mit zwei Wasserrädern neu erbaut. Damals wurde in der Region Eisen verhüttet, und als Landesherren setzten schon damals die Herzöge von Arenberg auf die Wasserkraft. Rund 200 Meter oberhalb der Mühle entstand ein Wehr aus Bruchsteinen, an dem auch zwei Wasserräder betrieben wurden. Eines lieferte Energie für die Schneidemühle, ein weiteres für die Mahlsteine der Kornmühle.[1]

1892 kam die Kornmühle in den privaten Besitz von Nikolaus Gillig, dem Urgroßvater des heutigen Besitzers Ewald Gillig. 1912 wurden die beiden Wasserräder gegen eine Francis-Turbine mit Strom-Generator ausgetauscht. Damit hielt in Antweiler zehn Jahre vor den umliegenden Orten der elektrische Strom Einzug. Die Schulchronik von Antweiler berichtet am 27. Oktober 1912: „Antweiler steht im Zeichen des Fortschritts. Kann es sich doch rühmen, den meisten Eifeldörfern voraus, ein Elektrizitätswerk aufzuweisen.“ Die Anlage erzeugte 220 Volt Gleichstrom. In einem separaten Akkumulatorenraum wurde der Strom in etwa 90 mit Bleiplatten und Säure gefüllten Glasbehältern gespeichert und von dort an die Abnehmer geliefert. Der Strom war damals für die Abnehmer jedoch teuer; deshalb wurde er von den Antweilerern sparsam und vor allem für Beleuchtung in Haus und Stall genutzt. Im Laufe der Jahrzehnte wurde elektrische Energie jedoch immer billiger, und mehr und mehr Elektrogeräte hielten in den Haushalten Einzug. So kam es, dass die Strommenge, die in der Mühle erzeugt wurde, nicht mehr ausreichte. So übernahmen die RWE die Konzession. Die übrigen Generatoren an der Ahr wurden nach und nach abgeschaltet; ledigich die Turbine in Gilligs Mühle erzeugte weiterhin Strom für die private Nutzung. "In den 1960er- und 1970er-Jahren war Strom so billig, dass die meisten Menschen die Wasserkraftturbine in Gilligs Mühle nicht als sinnvoll, sondern eher als Marotte betrachteten," berichtete Gabi Geller in der Rhein-Zeitung vom 18. Mai 2013. Nachdem der Mahlbetrieb im Jahr 1976 eingestellt worden war, ist der alte Glockenradantrieb der Turbine durch ein moderneres Getriebe ersetzt und der Gleichstrom-Generator gegen einen Drehstrom-Asynchron-Generator ersetzt worden. Seitdem wird der erzeugte Strom ins öffentliche Netz eingespeist.

Beim Mühlentag an Pfingsten 2003 stellte Eigentümer Ewald Gillig die restaurierte und wieder in Stand gesetzte dreistöckige Mühle zum ersten Mal der Öffentlichkeit vor. Wenig später ließ der Müllermeister ein Mühlrad bauen, wie es sie früher an der Gillig-Mühle gab. Im Nachbarort Rodder fand er den Zimmermann Stefan Klein, der sich den Job zutraute. Informationen zu den alten Techniken des Mühlradbaus fand man in Büchern und in Dresden, wo in der Nähe der ehemaligen Deutschen Müllerschule noch Zimmerleute mit entsprechender Praxiserfahrung leben. Im Aremberger Wald wurden dann zwei Eichen ausgewählt, die dort 250 Jahre lang herangewachsen waren und das Rohmaterial für das Mühlrad lieferten. In der Zimmerei Klein in Barweiler wurde das Wasserrad in Teilstücken hergestellt: die beiden Holzbogen von 4,5 Meter Durchmesser, die Achse und die Schaufelräder. Die Einzelteile wurden an den Mühlenteich in Antweiler transportiert und das Mühlrad wurde vor Ort zusammen gebaut und installiert. Ein behelfsmäßiges Gerüst im Teich half dabei. Die Achse war aus einem Stamm zugeschnitten und an den Enden mit eisernen Lagern versehen. Als die an ihrem Platz waren, mussten die beiden großen Holzbögen angebracht werden, dann die Schaufeln. Gillig erinnert sich, dass danach das schwierigste Problem auftauchte: "Wir mussten das Rad ausrichten, damit es nicht eiert."

Mit der Mühle könnte man auch heute noch problemlos Korn mahlen, weiß Gillig. Aber das müsse man dann dauerhaft jeden Tag tun, weil das Mehl, das an den Riemen und im Mahlwerk hängen bleibt, bei lediglich sporadischem Betrieb Motten und anderes Ungeziefer anlockt. Alles muss ständig in Bewegung bleiben, oder man müsste die Anlage nach dem Mahlen wieder säubern. Aber Ewald Gillig hält die Mühlenkonstruktion mit ihren vielen ledernen Treibriemen, Schüttelmaschinen, Kornaufzügen und anderen bewegten Apparaturen in Schuss, und an Besuchertagen wie dem Mühlentag am Pfingstmontag setzt er sie zur Freude der Gäste in Gang.

Am Mühlentag 2013 war im ehemaligen Kornspeicher eine Ausstellung zum Thema „100 Jahre elektrischer Strom in Antweiler“ zu sehen.

Konflikt ums Wehr

Die Mühle bezieht ihr Wasser aus der Ahr, die mit einem Wehr oberhalb von Antweiler gestaut wird. Über einen etwa 250 Meter langen Kanal wird das Wasser zur Mühle geleitet. Im Rahmen der „Aktion Blau” solle das Wehr abgebaut werden, berichtete die Rhein-Zeitung am 17. Mai 2013. Dadurch werde die Stromerzeugung erheblich eingeschränkt: Wegen der erforderlichen Mindestwassermenge würde die Turbine rund drei Monate jährlich stillstehen. Im Rahmen dieser Aktion seien der Kreis Ahrweiler und die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord seit 1996 damit beschäftigt, die Durchgängigkeit der Ahr von der Mündung bis zur Quelle wiederherzustellen. Mühlen-Inhaber Ewald Gillig wolle sich damit jedoch nicht abfinden; schließlich besitze seine Familie seit 100 Jahren die Wasserrechte zum Betreiben der Turbine. Das Wehr habe "noch keinen Fisch daran gehindert, seinen Weg ahraufwärts zu machen", sagte er der Rhein-Zeitung. Außerdem sei der aus Wasserkraft erzeugte Strom mit 7,67 Cent pro Kilowattstunde der günstigste Strom aus erneuerbaren Energien.

Renaturierungsmaßnahmen an Gewässern würden nur im Einvernehmen mit den Mühlenbetreibern durchgeführt, versicherte die Kreisverwaltung Ahrweiler im Mai 2013 mit Blick auf die Gillig-Mühle und die Mosenmühle im Brohltal. Dieser Grundsatz sei mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) in Koblenz als Obere Wasserbehörde abgestimmt worden. "Die Funktionsfähigkeit der Mühlen müsse und solle erhalten bleiben", berichtete die Rhein-Zeitung am 18. Mai 2013. Befürchtungen, der Gillig-Mühle werde das Wasser abgedreht, seien deshalb unbegründet. Die Wehranlage oberhalb der Mühle sei jedoch ein Hindernis für Wanderfische, weil sie den Fischaufstieg sowie bei Niedrigwasser den Fischabstieg erschwere. Geplante Umbaumaßnahmen hätten das Ziel, dass die Wanderfische über eine Natursteinrampe ahraufwärts schwimmen können. Der Stauwasserspiegel bleibe dabei erhalten.

SGD Nord und Kreisverwaltung Ahrweiler planen, "die Wehranlage für rund 350.000 Euro so zurückzubauen, dass die flache Neigung eines natürlichen Stromschnellenabschnitts nachempfunden wird", berichtete die Rhein-Zeitung am 4. November 2015. Damit sei der Mühlenbetreiber jedoch nicht einverstanden. „Letztlich würde dies zum Stillstand meiner Wasserkraftanlage über Monate und auch zur erheblichen Minderung der Jahresarbeit führen“, schrieb Ewald Gillig in einer Stellungnahme. Damit käme es juristisch gesehen zu einer unverhältnismäßigen Härte, die rechtlich nicht haltbar wäre. Deshalb werde er, sollten die Behörde die Dammkrone herunterbrechen, den Klageweg beschreiten. Immerhin sorge seine Turbine für eine jährliche CO2-Ersparnis von 160 Tonnen. Gillig gab aber auch zu bedenken, es um das Jahr 1900 habe es an der Ahr mehr als 90 Wehre gegeben; trotzdem seien damals Lachs und andere Wanderfische für die Laichablage aufgestiegen. „Fische wie Lachse und Meerforelle orientieren sich beim Auf- und Abstieg im Fluss an der Strömung – durch die Wasserkraftanlage wird ein Großteil des Wassers in Richtung Turbine abgeleitet, was für die Fische die stärkste wahrnehmbare Strömung ist“, zitierte die RZ den Fachbereichsleiter Lothar Jörgensen von der SGD. Die der Turbine vorgeschalteten Rechen hätten in der Regel einen Stababstand von fünf bis zehn Zentimetern. „Da geht jeder Fisch durch und es liegt nahe, dass sie dort getötet oder so verletzt werden, dass sie später verenden“, so Jörgensen. Das Ersetzen von Wasserrädern durch Turbinen sich negative auf die Entwicklung der Fischbestände ausgewirkt. Weiter hieß es in der RZ:

Die verbindlichen Vorgaben des Umweltministeriums verlangten die ökologisch begründete Mindestwassermenge im Durchfluss von 700 Litern pro Sekunde. Den Kompromissvorschlag der SGD-Nord an Ewald Gillig, die Mindestwassermenge auf 400 Liter pro Sekunde festzulegen, lehnt der Mühlenbetreiber als unverhältnismäßig ab. Er besteht darauf, dass 120 Liter Wasser pro Sekunde ausreichen müssten, nachdem er das Wasser für seine Mühle abgezweigt hat. Dabei beruft er sich auf das alte Wasserrecht, was 100 Liter pro Sekunde vorsieht.[2]

Das aber reiche "bei Weitem nicht aus, die gewässerökologischen Funktionen der Ausleitungsstrecke als Lebensraum für Fische und Wirbellose, zu gewährleisten“, meinte Lothar Jörgensen. Der Beitrag von Kleinwasserkraftanlagen zur Energiewende sei kaum nennenswert; unter dem Strich überwiege der gewässerökologische Schaden. Gillig hingegen meinte, „mit dem Einbau einer Fischtreppe und der dadurch benötigten geringeren Mindestwassermenge würde der weiteren Nutzung der Wasserkraft Genüge getan.“ Jörgensen entgegnete: „Da kann nicht einfach ein Graben als Umgehungsrinne gebuddelt werden – so einfach ist das nicht.“

Siehe auch

Mediografie

  • Mühlrad sorgt für Licht (Artikel aus Anlass des 14. Deutschen Mühlentages an Pfingsten 2007), in: Rhein-Zeitung vom 24. Mai 2007
  • Winfried Sander: Paradoxer Konflikt: Naturschutz kontra Energiewende - Rückbau bremst Stromlieferant Wassermühle aus, in: Rhein-Zeitung vom 22. Januar 2015

Weblinks

Fußnoten

  1. Quellen: Rhein-Zeitung vom 8. und 21. Januar 2008 sowie vom 17., 18. und 21. Mai 2013
  2. Quelle: Judith Schumacher: Streit um Wasserkraft und Fischansiedlung - Gilligs Mühle und SGD Nord liegen weiter im Clinch um Rückbau des Wehres, in: Rhein-Zeitung vom 4. November 2015