Ahr-Hochwasser vom 14./15. Juli 2021

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Die Messlatte des Bodendorfer Ahr-Pegels wurde bei dem Hochwasser vom 14./15. Juli 2021 abgerissen.
Das Ahrtor in Ahrweiler zwei Monate nach der Flut
Alte Brücke Heimersheim‰.jpg
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Hier stand bis zum Hochwasser der Spessart-Steg Sinzig.
Junge Schlammschipper vor dem Kreishaus Ahrweiler

Am 14./15. Juli 2021 hatte die Ahr ihr folgenreichstes Hochwasser seit Menschengedenken. Es zerstörte 62 Ahr-Brücken, 14 Schulen und neun Kitas, die erst einmal nicht geöffnet wurden. 20 Kilometer Schienenunterbau der Ahrtalbahn wurden weggeschwemmt und sieben Eisenbahnbrücken zerstört. Mehr als 130 Menschen starben in den Fluten.


Hilfsangebote

Hochwasserbetroffene im Ahrtal: Welche Hotlines jetzt Hilfe bieten, rhein-zeitung.de, 1. August 2021

  • Für Angehörige von Vermissten - Hinweise und Fragen: 0800 6565651
  • Hotline zur psychosozialen Unterstützung (9-17 Uhr): 0800 0010218

Spendenkonten

Opfer und Schäden

Das Hochwasser breitete sich auf einer Fläche von mehr als 200 Hektar aus. Von den 56.000 Menschen, die in diesem Gebiet lebten, verloren 17.000 ihr Hab und Gut oder hatten erhebliche Schäden zu beklagen. Von den etwaa 4200 Gebäuden im Flutgebiet wurden mehr als 3000 beschädigt, also mehr als 70 Prozent. Mindesten 467 Gebäude wurden vollständig zerstört, mehr als 60 Brücken zertört.

65 der 68 Weinbaubetriebe in dem Flusstal waren von dem Hochwasser betroffen. Ihr Gesamtschaden wurde auf 160 Millionen Euro geschätzt. Rund 32 der 560 Hektar Rebflächen im Ahrtal wurden völlig und teils metertief weggespült. Weitere 15 Hektar sind vom Hochwasser so überspült worden, dass dort im Jahr 2021 keine Trauben gelesen werden konnten.[2]

Im Bereich der Bereich der Ahr und ihren Nebenflussen wurden von der Juli-Flut, wie das rheinland-pfalzische Landwirtschaftsministerium im Mitte Oktober 2021 auf Anfrage der Rhein-Zeitung informierte, 28 landwirtschaftliche Betriebe betroffen. Eine vollstandige Liste von durch das Hochwasser an der Ahr und in der Eifel betroffenen Bauernhéfen und Pferdehaltern gebe es jedoch noch nicht. Insgesamt seien an der Ahr knapp 60 Hektar Grünland, 48 Hektar Ackerfläche sowie 3,5 Hektar Gemüse und Kartoffeln Uberschwemmt worden. In der Eifel sei der Schaden deutlich gröRer: rund 950 Hektar landwirtschaftliche Fläche seien betroffen. Konkret erfasst seien 790 Hektar Grünland und 164 Hektar Ackerland. Die Schäden würden in den meisten Fallen die Vernichtung der Ernte bedeuten. Dazu habe es Anlandungen von Schutt, Geröll und Unrat gegeben. Die Schäden an Wirtschaftsgebäuden seien ebenso erheblich wie Schäden an der Technik wie etwa Melkanlagen. Zu beklagen seien auch Tierverluste. Sehr viele Futtervorräte seien nicht mehr zu gebrauchen.[3]

Ahrtalbahn

Bei dem Juli-Hochwasser wurde ein im Bahnhof Kreuzberg stehender Regionalzug überflutet. Anschließend konnte er nicht abtransportiert werden. „Wahrscheinlich muss der Hersteller kommen und den Zug vor Ort in Einzelteile zerlegen“, vermutete Peter Filz, ein Ahrtalbahn-Lokführer.[4]

Schäden in Sinzig

Barbarossaschule: 15 Millionen Euro, Sporthalle: 10 Millionen Euro, Mensa: 6 Millionen Euro (wird abgerissen), Regenbogenschule: 750.000 Euro, Wohngebäude mit Mietwohnungen in der Friedrich-Spee-Straße: 2,4 Millionen Euro, Rhein-Ahr-Stadion (inkl. Infrastruktur und Gebäude): 4,1 Millionen Euro, Sportanlage Bad Bodendorf (inkl. Infrastruktur und Gebäude): 2,1 Millionen Euro, Tennisanlage HTC Bad Bodendorf (inkl. Infrastruktur und Gebäude): 800 000 Euro, Minigolfplatz Bad Bodendorf (inkl. Infrastruktur und Gebäude): 400 000 Euro, Historisches Thermalbad Bad Bodendorf (inkl. Technik und Gebäude): 5,7 Millionen Euro, Touristinformation Bad Bodendorf: 850 000 Euro, Brücke Christinensteg: 500 000 Euro, Brücke Richard-Spessart-Steg: 500 000 Euro, Brücke an der Ahrmündung: 800 000 Euro, Freizeit- und Sportanlage Hohenstaufenstraße: 300 000 Euro, Spielplätze (Am Teich, Josef-Hardt-Straße, Friedrich-Spee-Straße): je 150.000 Euro, Straßenbeleuchtung insgesamt: 250.000 Euro, Radwegeinfrastruktur: 4,5 Millionen Euro, Straßeninfrastruktur Kripper Straße (Zweiter Bauabschnitt): 150.000 Euro.[5]

Katholische Kirchengemeinden

Insgesamt waren 58 Objekte betroffen: 26 Kirchen, zwölf Pfarrheime, acht Pfarrhäuser, neun Kindertagesstätten und drei weitere Immobilien.[6]

Todesopfer und Vermisste

Marlies Jammel, Josef Löhr, Ingrid Mayer, Elvira Neufeld, geb. Wiebe (* 11. Juni 1962, † 15. Juli 2021, Ahrweiler),[7], Johann Neufeld (* 27. August 1950, † 15. Juli 2021, Ahrweiler),[8], Frank Neufeld (* 1. Mai 1999, † 15. Juli 2021, Ahrweiler)[9] und Gerd Schmidt (* 13. September 1940, 15. Juli 2021)[10]

Schicksale

Rebecca Arnoldy-Heimansfeld (Dernau), Uwe Deckenbrock (Sinzig), Wolfgang Ewerts (Insul), Gerd Gasper (Altenburg), Margarete Gebauer (Bad Bodendorf), Ingo Gemein (Altenburg), Manuela Göken (Insul), Sven Götsch (Marienthal), Kerstin Hauswald (Walporzheim), Erich Kilb (Ahrweiler, Altenahr), Klaus Korte (Ahrbrück), Beate Ort (Oberzissen), Christof Paetz (Altenburg), Ingrid Schmitt (Marienthal), Sascha Meyer (Altenburg), Petra Ruhnke (Altenburg), Tino Rossi (Altenburg), Georg Josten (Dernau), Elke Noll (Dernau), Alfredo Pauly (Bad Neuenahr), Willi und Helgard Kottusch (Bad Neuenahr), Christian Schrading, Pierre Sebastian, Wioletta Seweyn-Jarek (Sinzig), Simon Templeton (Heppingen) und Christian Thanos (Sinzig)

Schulen

17 Schulen im Überschwemmungsgebiet waren von dem Hochwasser so stark betroffen, dass dort nach den Sommerferien 2021 kein Unterricht stattfinden kann:[13]

  • Grundschulen: Antweiler, Altenahr, Dernau, Ahrweiler (Aloisius), Ahrbrück, Sinzig (Regenbogen), Bad Neuenahr-Ahrweiler
  • Förderschulen: Bad Neuenahr-Ahrweiler (Don Bosco), Förderschule Bad Neuenahr-Ahrweiler (Levana)
  • Realschulen plus: Altenahr, Bad Neuenahr-Ahrweiler (Erich-Kästner), Bad Neuenahr-Ahrweiler (Philipp Freiherr von Boeselager), Sinzig (Barbarossa)
  • Gymnasien: Bad Neuenahr-Ahrweiler (Are), Bad Neuenahr-Ahrweiler (Peter-Joerres), Sinzig (Rhein)
  • Berufsbildende Schule Bad Neuenahr-Ahrweiler

Brücken

Ahr-Psalm

Am 28. August 2021 wurde im Hohen Dom zu Aach ein ökumenischer Gottesdienst für die Opfer des Ahr-Hochwassers vom 14./15. Juli 2021 gefeiert, und vom ZDF live übertragen. Der in Kripp aufgewachsene Monsignore Stephan Wahl trug dort in gekürzter Form einen „Ahr-Psalm“ vor:[14]

Schreien will ich zu dir, Gott, mit verwundeter Seele,
doch meine Worte gefrieren mir auf der Zunge.
Es ist kalt in mir, wie gestorben sind alle Gefühle,
starr blicken meine Augen auf meine zerbrochene Welt.
Der Bach, den ich von Kind an liebte,
sein plätscherndes Rauschen war wie Musik,
zum todbringenden Ungeheuer wurde er,
seine gefräßigen Fluten verschlangen ohne Erbarmen.
Alles wurde mir genommen.
Weggespült das, was ich mein Leben nannte.
Mir blieb nur das Hemd nasskalt am Körper,
ohne Schuhe kauerte ich auf dem Dach.
Stundenlang schrie ich um Hilfe,
um mich herum die reißenden Wasser.
Wo warst du Gott, Ewiger,
hast du uns endgültig verlassen?
Baust du längst an einer neuen Erde,
irgendwo fern in deinen unendlichen Weiten?
Mit tödlichem Tempo füllten schlammige Wasser die Häuser,
grausig ertranken Menschen in ihren eigenen Zimmern.
Ist dir das alles völlig egal, Unbegreiflicher?
Du bist doch allmächtig, dein Fingerschnippen hätte genügt.
Die Eifernden, die dich zu kennen glauben, sagen,
eine Lektion hättest du uns erteilen wollen, eine deutliche,
eine Portion Sintflut als Strafe für unsere Vergehen,
für unsere Verbrechen an der Natur, an deiner Schöpfung.
Ihre geschwätzigen Mäuler mögen für immer verschlossen sein,
nie wieder sollen sie deinen Namen missbrauchen,
für ihre törichten Besserwissereien, ihr bissiges Urteil
mit erhobenem Zeigefinger, bigott kaschiert.
Niemals will ich das glauben, niemals,
du bist kein grausamer Götze des Elends,
du sendest kein Leid, kein gnadenloses Unheil
und hast kein Gefallen an unseren Schmerzen.
Doch du machst es mir schwer,
das wirklich zu glauben.
Ich weiß, wir sind nicht schuldlos an manchem Elend,
zu leichtfertig missbrauchen wir oft unsere Freiheit.
Doch warum siehst du dann zu, fährst nicht dazwischen,
bewahrst uns nicht vor uns selbst?
Dein Schweigen quält meine Seele,
ich halte es fast nicht mehr aus.
Wie sich Schlamm und Schutt meterhoch türmen,
in den zerstörten Straßen und Gassen
und deren Schönheit sich nicht mehr erkennen lässt,
so sehr vermisst meine Seele dein Licht.
Meine gewohnten Gebete verstummen
meine Hände zu falten gelingt mir nicht.
So werfe ich meine Tränen in den Himmel
meine Wut schleudere ich dir vor die Füße.
Hörst du mein Klagen, mein verzweifeltes Stammeln,
ist das auch ein Beten in deinen Augen?
Dann bin ich so fromm wie nie,
mein Herz quillt über von solchen Gebeten.
Doch lass mich nicht versinken in meinen dunklen Gedanken,
erinnere mich an deine Nähe in früheren Zeiten.
Ich will dankbar sein für die Hilfe, die mir zuteilwird,
für die tröstende Schulter, an die ich mich anlehne.
Ich schaue auf und sehe helfende Hände,
die jetzt da sind, ohne Applaus, einfach so.
Die vielen, die jetzt kommen und bleiben
die Schmerzen lindern, Wunden heilen,
die des Leibes, wie die der Seele,
mit langem Atem und sehr viel Geduld.
Auch wenn du mir rätselhaft bist, Gott,
noch unbegreiflicher jetzt, unendlich fern,
so will ich dennoch glauben an dich,
widerständig, trotzig, egal, was dagegen spricht.
Sollen die Spötter mich zynisch belächeln,
ich will hoffen auf deine Nähe an meiner Seite.
Würdest du doch nur endlich dein Schweigen beenden,
doch ich halte es aus und halte dich aus, oh Gott.
Halte du mich aus! Halte mich!

Siehe auch

Weblinks

Fußnoten

  1. Quelle: Spenden für Betroffene vom Unwetter: GA-Weihnachtslicht startet Hilfsaktion, ga.de, 16. Juli 2021
  2. Quelle: Jens Albes: Ahrwinzer ernten besonderen Jahrgang, stimme.de, 3. Oktober 2021
  3. Quelle: Frank Bugge: Ministerium legt Zahlen vor: 28 Bauernhöfe sind von Flut betroffen, rhein-zeitung.de, 12. Oktober 2021
  4. Quelle: Nach der Flut im Ahrtal: Tränen und Zukunftssorgen, t-online.de, 14. Oktober 2021
  5. Quelle: Bürgermeister Andreas Geron informierte über Flutschäden - Sinzig: So viel Schaden richtete die Flut an, blick-aktuell.de, 2. Oktober 2021
  6. Quellen: Bistum Trier schafft Koordinierungs-Büro für den Wiederaufbau nach der Flut, eifelschau.de, 14. Oktober 2021, und Schuh betreut Gemeinden an der Ahr - Neuer Beauftragter des Bistums Trier, in: General-Anzeiger vom 15. Oktober 2021
  7. Quelle: Traueranzeige in Blick aktuelll 35/2021, S. 71
  8. Quelle: Traueranzeige in Blick aktuelll 35/2021, S. 71
  9. Quelle: Traueranzeige in Blick aktuelll 35/2021, S. 71
  10. Quelle: Traueranzeige in Blick aktuelll 35/2021, S. 71
  11. Quelle: Uli Adams: Hochwasserschutz über Jahrzehnte vernachlässigt? Bürgermeister an der Oberahr setzen sich für Regenrückhaltebecken und Retentionsräume ein, in: Rhein-Zeitung vom 14. September 2021
  12. Quelle: Uli Adams: Hochwasserschutz über Jahrzehnte vernachlässigt? Bürgermeister an der Oberahr setzen sich für Regenrückhaltebecken und Retentionsräume ein, in: Rhein-Zeitung vom 14. September 2021
  13. Quelle: Jens Wiefels: Schulbetrieb im Kreis soll weitergehen - 17 Schulen von der Flutkatastrophe zum Teil massiv betroffen. Ausweichquartiere unter anderem in Containern, in: General-Anzeiger vom 9. August 2021
  14. Quelle: Hoher Dom zu Aachen: Ökumenischer Gottesdienst für die Opfer der Flutkatastrophe | 28.08.2021 | aus dem Hohen Dom zu Aachen | 10:00 Uhr live im ZDF, fernsehen.katholisch.de, ohne Angabe eines Veröffentlichungsdatums