Sibylla Cronenberg

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Vom stolzen Hotel-Restaurant „Zum Anker“ steht heute nur noch eine Ruine. Hinter dem Fenster im Parterre ganz links befand sich der Stammplatz der einstigen Inhaberin Sibylla Cronenberg.
Historische Ansichtskarte des von Sibylla Cronenberg geführten Hotel-Restaurants „Zum Anker“ in Rolandseck
Grabstätte der Familie Cronenberg auf dem Mehlemer Friedhof

Sibylla Cronenberg (* 12. Oktober 1870, † 18. Dezember 1951 in Kirn/Nahe) war Inhaberin des Hotel-Restaurants „Zum Anker“ in Rolandswerth. Während der Nazizeit versteckte sie in dem Hotel die jüdische Familie Salomon und Henriette Jakoby sowie deren Tochter Hildegard Schott vor den Nazis, wofür sie und ihre Tochter Josephine Odenthal später – wie Josef Heinen aus Ahrweiler und Willy Ahrem aus Bad Neuenahr – von der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet wurde.


Vita[Bearbeiten]

Die unverheiratete Sibylla Cronenberg, Tochter von Bernhard Cronenberg, wohnte ab 1937 mit ihrem Bruder Friedrich Cronenberg († 17. Oktober 1941) in Bonn (Bonner Talweg 73). Nach dem Krieg verzog sie pflegebedürftig zum Großneffen Dr. Dietmar Feyen nach Bad Kreuznach und später nach Kirn, wo sie am 18. Dezember 1951 starb.[1]

Die Rettung der jüdischen Familie Jacoby[2][Bearbeiten]

Auszeichnung der Retter[Bearbeiten]

Die Rettung der Familie Jacoby, an der Sibylla Cronenberg beteiligt war, ist von der Projektgruppe „Rettung verfolgter Juden und Jüdinnen 1933-1945“ der Regionalgruppe Mittelrhein des Vereins „Gegen Vergessen - Für Demokratie“ erforscht worden. Die Rettung wurde von Antje Dertinger, Peter Mohr und Manfred Struck aus Bonn und Rheinbach recherchiert. Unterstützt wurden sie von der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus - An der Synagoge, das NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus Köln, Dr. Manfred van Rey sowie von den Stadtarchiven Bonn, Köln, Bad Kreuznach und Kirn. Am 4. November 2004 wurde der Ehrungsantrag gestellt.

Am 28. September 2006 sind Katharina Bayerwaltes als einzige noch lebende Retterin und – postum – Sibylla Cronenberg sowie Heinz und Josephine Odenthal aus Bonn bzw. Köln im Alten Rathaus von Bonn als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt worden. Die mit Sibylla Cronenberg geehrten Retterinnen und Retter waren:

  • Sibylla Cronenbergs Tochter Josephine Odenthal
  • Sibylla Cronenbergs Schwiegersohn Heinz Odenthal
  • Die Fremdsprachenspezialistin und Sekretärin Katharina Bayerwaltes (* 20. Januar 1914 in Gelsenkirchen, † 17. Juni 2011 in Bonn), geb. Rehtmann, wohnte vor und nach 1945 in Bonn (Argelanderstraße 44). Sie war mit Dr. Rolf Bayerwaltes verheiratet, der während der Rettungsaktion Wehrmachts-Offizier gewesen war.

Gerettete[Bearbeiten]

Die Geretteten waren:

Rettungsgeschichte[Bearbeiten]

Das jüdische Ehepaar Salomon und Henriette Jacoby sowie Hildegard Schott, ihre verwitwete Tochter, wohnten in Köln als Mieter in der Bismarckstraße 52, einem innerstädtischen Bezirk zwischen den Ringstraßen und der Bahnlinie in der Nähe des Bahnhofs Köln-West und des Friesenplatzes. Zu ihren Nachbarn gehörte die mit ihnen befreundete Familie Heinz und Josephine Odenthal.

Das Ehepaar Salomon besaß eines Kaufhaus, das jedoch von den Nazis „arisiert“ worden war und lebte unter Verhältnissen, die von Verboten und der seit 1939 um sich greifenden Verarmung geprägt waren.

Heinz Odenthal war als katholischer Lehrer am Kolleg des Dominikaner-Ordens und später im öffentlichen Schuldienst beschäftigt. Er stand dem NS-Regime ablehnend gegenüber; dennoch trat er später auf Anregung des Ordens NSDAP bei. Der Mann von Hildegard Schott, Leo Schott, wurde nach den Pogromen 1938 in das KZ Dachau verschleppt und zur Ausreise gezwungen. Seine Flucht in die Schweiz scheiterte. Nach der Abschiebung floh er über Italien nach Shanghai, wurde von den Japanern nach Manila verschleppt und dort ermordet.

Im Januar/Februar 1942 wurden das Ehepaar Jacoby und seine verwitwete kinderlose Tochter Hilde Schott in das Ende 1941 eingerichtete Sammellager Müngersdorf eingewiesen. Von Anfang 1942 bis zum 4. März 1945 wurden in diesem Lager die Kölner Juden „konzentriert", um über das Messelager Köln in die Vernichtungslager deportiert zu werden.

Mit Hilfe der Familie Odenthal gelang der Familie Jacoby/Schott die Flucht aus dem damals noch nicht hermetisch abgeschlossenen Lager. Sie flohen in das Haus der alleinstehenden, hochbetagten Sibylla Cronenberg, einer Verwandten von Frau Odenthal, im Bonner Talweg 73. Frau Cronenberg wohnte dort mit ihrem Bruder Friedrich. Ihr Haus stand an einer innerstädtischen Hauptverkehrsstraße. Diese Versteck-Adresse wurde vom Ehepaar Odenthal vorbereitet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit lebte die Familie Jacoby/Schott dort unter falscher Identität unter dem Namen der Tochter. Dieses ist anzunehmen, weil in dem Haus weitere Mietparteien wohnten. Ihnen gegenüber wäre die Anwesenheit von drei erwachsenen Personen nicht zu verheimlichen gewesen, zumal nicht von einer mehr als 70-jährigen alleinstehenden Dame. Die Anwesenheit der Familie Jacoby/Schott musste also, evtl. als Bombenflüchtlinge, glaubwürdig und nur schwer überprüfbar begründet und erklärt werden.

Das Ehepaar Odenthal half während dieser Illegalitäts-Phase von Köln aus durch Lebensmittel und Lebensmittelkarten, Besuche und Informationen. Weil sie Frau Cronenberg als Verwandte besuchen konnten, ohne Verdacht zu erregen, fanden die Gespräche und die Übergabe der Karten in deren Wohnung statt. Nach ihrer Ausbombung in Köln im Jahr 1942 zog die Familie Heinz Odenthal in das elterliche Haus von Frau Cronenberg nach Rolandseck. Herr Odenthal arbeitete weiterhin bis zur Einstellung des Schulbetriebs als Lehrer an einer Schule in Köln. Die schon von Köln aus geleisteten Hilfestellungen setzte die Familie Odenthal nun von Rolandseck aus fort.

Im Mai 1943 sprach die Familie Jacoby/Schott als Wohnungssuchende bei Frau Bayerwaltes in Bonn in der Argelanderstraße 44 vor. Die Gründe, welche die Flüchtigen veranlassten, bei Frau Cronenberg auszuziehen, evtl. eine Erkrankung von Frau Cronenberg oder deren Ausbombung, wurden bislang nicht recherchiert. Die Familie fand, weil im April im Hause Bayerwaltes eine Wohnung frei wurde, Aufnahme unter dem Tarnnamen Schott, dem Familiennamen ihrer Tochter. Obwohl sie sich zuerst nicht als flüchtige Juden zu erkennen gaben, vermutete Katharina Bayerwaltes, dass es sich bei der Familie Jacoby/Schott um illegale untergetauchte Juden handelte, behielt diesen Verdacht aber für sich. Frau Bayerwaltes arbeitete zu diesem Zeitpunkt im Büro einer größeren Firma. Ihr Ehemann, Dr. Rolf Bayerwaltes, war ab 1940 als Offizier an der Ostfront.

Im Dezember 1943 offenbarte sich Henriette Jacoby gegenüber Katharina Bayerwaltes als verfolgte Jüdin. Sie bat Frau Bayerwaltes nach einem schweren Sturz im Treppenhaus händeringend darum, auf keinen Fall einen Arzt zu rufen. Katharina Bayerwaltes erklärte Henriette Jacoby, dass sie beruhigt sein könne, sie habe schon vermutet, dass sie illegal lebende Juden seien. Henriette Jacoby bestätigte dies, und Katharina Bayerwaltes konnte das Vertrauen der Flüchtigen gewinnen. Sie bot der Familie Jacoby/Schott die kostenlose Unterkunft in der zweiten Etage und Verpflegung an.

Im Dezember 1943 wurde Katharina Bayerwaltes Mutter eines Sohnes. Das verbesserte ihre Versorgungssituation und somit ihre Möglichkeiten, die illegal bei ihr Wohnenden mit zu versorgen. Ihrem Ehemann gegenüber verschwieg sie den Hintergrund der Familie Jacoby/Schott.

Im Oktober und Dezember 1944 gab es schwere Bombenangriffe auf Bonn, die auch den Haushalt Bayerwaltes gefährdeten und die Gefahr der Enttarnung der „illegalen Gäste“ vergrößerten. Im Dezember 1944 bat der Ehemann während eines Urlaubs Katharina Bayerwaltes, mit Sohn und Schwester sowie deren Tochter zu den Schwiegereltern nach Oberfranken zu ziehen. Am 1. Januar 1945 fuhr Frau Bayerwaltes nach Schlegelshaid. Am 5. Februar 1945 gab es einen weiteren schweren Bombenangriff auf Bonn. Die Nachricht darüber veranlasste Katharina Bayerwaltes, Bonn sofort zu verlassen, weil sie befürchtete, ihr Haus würde bombardiert und die Jacobys würden enttarnt. In Bonn fand sie Haus und Hausbewohner jedoch unversehrt vor.

Während die Familie Jacoby/Schott bei Katharina Bayerwaltes wohnte, verließ sie häufig das Haus, um sich in wechselnden Lokalen in Bonn vom Ehepaar Odenthal mit Lebensmittelmarken versorgen zu lassen. Dieses erleichterte Katharina Bayerwaltes die Versorgung der fünf Personen ihres „Haushaltes“. Josephine Odenthal berichtete, dass sie immer große Angst hatte, entdeckt zu werden. Gegenüber Katharina Bayerwaltes sprachen die Flüchtigen von Freunden, ohne den Namen der Helfer zu nennen.

Am 9. März 1945 räumten die deutschen Truppen das linksrheinische Bonn und sprengten die Rheinbrücken. Kurze Zeit später besetzten alliierte Truppen Bonn und beendeten für die linksrheinische Bonner Bevölkerung Krieg und Naziherrschaft. Damit war auch die Familie Jacoby gerettet. Katharina Bayerwaltes arbeitete nach der Befreiung bei den Besatzungsbehörden. Dies erleichterte ihr, für ihre jüdischen Gäste zu sorgen. Im Sommer 1945 vermittelte sie der Familie Jacoby/Schott eine Wohnung in der Fasanenstraße. Nach deren Wieder-Inbesitznahme durch den entnazifizierten Vorbesitzer vermittelte sie eine Wohnung in der Dürenstraße. Dort wohnte die Familie Jacoby/Schott bis zu ihrem Lebensende und dort wurde sie von Katharina Bayerwaltes auch später noch gelegentlich besucht. Gute Kontakte zwischen den Familien Jacoby/Schott und Odenthal bestanden bis zum Tod. Hilde Schott entlastete Herrn Odenthal nach dem Krieg durch ihre Aussage über die Beteiligung an ihrer Rettung bei dessen Entnazifizierung.

Weitere Fotos[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Mediografie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten

  1. Quelle: Kurzfassung der Dokumentation vom 19. Juni 2011 zum Ehrungsantrag und Ehrung als „Gerechte unter den Völkern“ Katharina Bayerwaltes, Sibylla Cronenberg sowie Heinz und Josephine Odenthal aus Bonn bzw. Köln der Projektgruppe Rettung verfolgter Juden und Jüdinnen 1933-1945 der Regionalgruppe Mittelrhein des Vereins Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V.
  2. Quellen: Kurzfassung der Dokumentation zu Ehrungsantrag und Ehrung als „Gerechte unter den Völkern“ Katharina Bayerwaltes, Sibylla Cronenberg sowie Heinz und Josephine Odenthal aus Bonn bzw. Köln, rheinische-geschichte.lvr.de: Sibylla Cronenberg versteckte die jüdische Familie Jacoby und Wikipedia: Sibylla Cronenberg, Version vom 13. Mai 2019