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Josef Heinen

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Josef Heinen mit Ehefrau Elisabeth
Mitglieder der Aloisius-Jugend im Jahr 1912
Josef Heinen (oben rechts) mit seiner Familie im Sommer 1918
Josef Heinen im Jahr 1919
Josef Heinen (rechts) im Ersten Weltkrieg
Josef Heinens Geburtshaus in der Niederhut

Der Name von Josef Heinen (* 19. November 1898, † 23. Dezember 1989) aus Ahrweiler ist in der Gedenkstätte Yad Vashem bei Jerusalem verewigt, im „Garten der Gerechten“ steht ein Baum für ihn. Als 55. Deutscher seit der Gründung von Yad Vashem (1963) wurde er im Jahr 1969 in die Liste der Gerechten der Völker aufgenommen.


Vita[1]

Josef Franz Heinen wurde am 19. November 1898 als drittes Kind des Polsterer- und Dekorateurmeisters Franz Heinen und seiner Ehefrau Elisabeth Heinen (geb. Mies) im Haus an der Niederhutstraße 57 in Ahrweiler geboren. Zwei Jahre nach seiner Geburt wechselte die Familie auf die gegenüber liegende Straßenseite, weil Franz Heinen für seine Familie das Haus Niederhutstraße 68 erworben hatte, in dem er auch seine Werkstatt und sein Geschäft einrichtete. Doch auch dieses Haus sollte bald eng werden, denn die Familie wuchs weiter, es folgten acht weitere Geschwister. Von 1905 bis 1913 besuchte Josef die Aloisius-Volksschule in Ahrweiler und gehörte bald der Aloisius-Jugend an, deren Hauptmann er 1912 wurde.

Nach Abschluss der Volksschule, von 1913 bis 1916, erlernte Josef den Beruf des Einzelhandelskaufmanns. Dann, im Sommer 1914 brach der 1. Weltkrieg aus, ein Ereignis, das einschneidende Veränderungen auch in das Leben der Familie Heinen brachte. Im November des ersten Kriegsjahres, nach einer Belgien-Reise, verstarb plötzlich der Vater. So stand seine Mutter Elisabeth plötzlich mit elf Kindern alleine da. Die Neubaupläne wurden zu den Akten gelegt und Peter Heinen, Josefs ältester Bruder, übernahm im Alter von nur 19 Jahren mit einer Sondergenehmigung das väterliche Geschäft und sicherte so der Familie die weitere Existenz. Josef selbst zog 1916, mit 18 Jahren, als Soldat in den Krieg, aus dem er 1918 unversehrt zurückkehrte.

Nach dem Ersten Weltkrieg kamen gute Jahre für Josef Heinen. Als Addemichshöde-Jong war er Mitglied der St.-Laurentius-Junggesellen-Schützengesellschaft Ahrweiler, deren Fähnrich er im Jahr 1924 war. Josef hatte stets einen großen Kreis von Freunden um sich. So wird noch heute in der Familie berichtet, dass ihm der damalige Wirt des Hotels „Zum Stern“ anbot, dass er, wenn er mit seiner großen Clique zu ihm käme, umsonst trinken könne. Ob er von diesem Angebot Gebrauch machte, ist nicht überliefert.

In dieser Zeit arbeitete Josef in dem von seinem Bruder geführtem Geschäft mit. 1926 heiratete er Elisabeth Heinen (geb. Kathol) aus Ahrweiler und gründete in Walporzheim einen eigenen Hausstand. Bald schon kam Nachwuchs: Im gleichen Jahr wurde Tochter Hildegard geboren, der 1932 Sohn Wilfried folgen sollte. 1928 machte sich Josef Heinen selbstständig und eröffnete an der Hauptstraße 30 in Adenau ein Möbelgeschäft. Trotzdem blieb er seiner Vaterstadt Ahrweiler und der Schützentradition als Bürgerschütze im Königsglied verbunden.

Es folgte Deutschlands dunkelste Zeit, und auch Josef Heinen erlag wie so viele den Verführungskünsten der neuen Machthaber und wurde Mitglied der NSDAP. Schon bald aber kamen ihm Zweifel an der Politik dieser Partei und er ging deutlich auf Distanz zu ihr. Weil dies der Parteileitung nicht verborgen blieb, wurde er mit einem Schreiben der Kreisleitung an der Wilhelmstraße 8 in Ahrweiler vom 20. September 1935 vom Kreisleiter im Einvernehmen mit dem Kreisparteigericht aus der NSDAP ausgeschlossen. Zur Begründung hieß es in diesem Schreiben:

Der Ortgruppenleiter Dittmann, Adenau, ging am 5.8.35 mit einem Plakat, das vom Gauleiter gegen den politisierenden Katholizismus herausgegeben war, zu Ihnen und bat Sie, dasselbe aufzuhängen. Sie lehnten das mit der Begründung ab, dass Ihnen dadurch Unannehmlichkeiten entstehen würden, da Sie von Ihrer Vermieterin geschäftlich abhängig seien, und Sie sich aus gesundheitlichen Gründen nicht aufregen dürften. Im vorigen Jahre haben Sie bereits ein HJ-Plakat nur auf besonderes Zureden des Ortsgruppenleiters aufgehängt. Am anderen Tag brachten Sie es jedoch mit dem Bemerken wieder zurück, dass Sie aus gesundheitlichen Rücksichten auf jede Beanspruchung der Partei verzichten müssen. Sie haben mit diesen Tatsachen bewiesen, dass Sie alles andere als ein Nationalsozialist sind.

Das Dritte Reich mündete in den 2. Weltkrieg und auch Josef Heinen wurde erneut als Soldat eingezogen. In Frankreich verwundet, musste er nach seiner Genesung bei der Wachmannschaft des Lagers „Rebstock“ Dienst ableisten.

Bereits vor Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte Josef Heinen für sich und seine Familie in Liers ein Wochenendhaus angemietet – ursprünglich, um dort seine Wochenenden zu verbringen. Während des Krieges aber nutzte er das Haus auch als Ausweichquartier vor den gefürchteten Bombenangriffen. Als er 1941 von seinem Geschäftspartner und Freund Gerd Sonnenfeld, der in Köln-Lindenthal eine Lampenschirmfabrik führte, erfuhr, dass er und seine Eltern von Verfolgung und Deportation bedroht wurden, bot Josef Heinen ihnen sein Wochenendhaus als Versteck an. Gerd Sonnenfeld berichtete später:

Ich war im Sommerhaus von Heinen, es lag zwar versteckt inmitten des Waldes, aber in einem Dorf, wo einer den anderen kannte. Als die Verfolgungen immer härter wurden, schlug mir Heinen vor, dass ich meinen Vater und meine Mutter sofort in das Sommerhaus bringen solle. Er hatte von mir gehört, dass sie sich im „Judenhaus“ befinden, in dem die Juden gehalten wurden, die für die Deportation vorgesehen waren. Nach einem heftigen Bombardement gelang es mir, meine Eltern im Schutz der Nacht herauszuholen und sie in das Sommerhaus zu bringen. Meine Mutter, die sehr krank war, musste ich 70 km weit auf einem flachen Wagen transportieren. Heinen scheute sich nicht, uns an den Wochenenden zu besuchen, trotz der Gefahr, die ihm wegen des Versteckens von Juden drohte.

So bedankte sich denn auch Theodor Sonnenfeld, der Vater von Gerd Sonnenfeld, in einem Schreiben vom 16. Oktober 1945 bei Josef Heinen:

Ich freue mich, heute Gelegenheit zu haben, Ihnen meinen Dank aussprechen zu können, dass Sie mir als Juden während der kritischsten Zeit meiner Verfolgung die Möglichkeit geboten haben, mich in Ihrem Wochenendhaus, in welchem ich heute noch wohne, verborgen zu halten. Ich bin mir voll und ganz bewusst, dass Sie hiermit etwas Außergewöhnliches getan haben und hoffe, dass Ihre aufrichtige und eindeutige Gesinnung, die Sie hier unter Beweis stellten, zum Segen gereicht.

Josef Heinen, dessen Geschäft und Wohnung in Adenau 1944 einem Bombenangriff zum Opfer fielen, baute sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Ahrweiler eine neue Existenz auf. Zunächst siedelte er mit seiner Familie nach Ahrweiler um und zog zu seinen Schwiegereltern Kathol an der Walporzheimer Straße 86, wo er auch nach Verkauf des Hauses noch bis 1954 in beengten Wohnverhältnissen wohnen blieb. 1954 kaufte er dann sein Haus an der Büllesheimer Straße 9, in dem er bis zu seinem Tod wohnte.

An der Kreuzstraße in Bad Neuenahr eröffnete Josef Heinen ein neues Fachgeschäft für Stilmöbel und Accessoires, das er bis 1983 führte.

Wegen seines couragierten, mitmenschlichen Verhaltens während der Kriegszeit wurde Josef Heinen fast 25 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, am 20. Juli 1969, eine ganz besondere Ehrung zuteil: Er wurde vom Staat Israel für dieses Engagement mit dem „Yad-Vashem-Orden“, dem „Orden der Gerechten“, ausgezeichnet. Am 16. Oktober 1969 überreichte ihm der israelische Botschafter diesen Orden. Bei dieser Gelegenheit sagte Josef Heinen, dass damals zahlreiche Bewohner von Liers genau Bescheid wussten. „Sie haben alle dicht gehalten“, wie er es formulierte. 1969 wurden für Josef Heinen in Jerusalem ein Baum in der „Allee der Gerechten unter den Völkern“ gepflanzt, dem 1971 zwei weitere Bäume im „Walde der Märtyrer“ folgten.

Ein Jahr nach der Auszeichnung durch den Staats Israel wurde Josef Heinen auch von der Bundesrepublik Deutschland für sein Verhalten während des Zweiten Weltkriegs geehrt. Auf Vorschlag des damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Dr. Helmut Kohl verlieh ihm Bundespräsident Dr. Gustav Heinemann am 24. November 1970 das Bundesverdienstkreuz am Bande, das ihm vom damaligen Landrat Heinz Korbach überreicht wurde. Korbach sagte damals bedauernd, dass nur selten menschliches Verhalten wie das von Josef Heinen bekannt würden. Und er erinnerte daran, dass jedem, der sich schützend vor Juden stellte, selbst Verfolgung und Tod drohten. Josef Heinen antwortete, dass sein Verhalten für ihn eine Selbstverständlichkeit gewesen sei und hob erneut die Unterstützung der Einwohner von Liers hervor. Weil sie nicht nur Stillschweigen hinsichtlich des Verstecks gehalten hatten, sondern auch dafür sorgten, dass die verborgenen Juden verpflegt wurden, band er sie ausdrücklich in seine Auszeichnung mit ein. In Zeiten der Lebensmittelrationierung und der Lebensmittelkarten sei die Verpflegung der untergetauchten Juden nämlich ein schwieriges Unterfangen gewesen.

Weil Josef Heinen auch in der Familie nicht über sein mutiges Verhalten erzählt hatte, waren sogar seine Geschwister von den Ehrungen überrascht. Wie Josef Heinen selbst mit seinem Einsatz umging, geht auch aus einem Schreiben seines Freundes Heinrich Eckendorf hervor, der 1969 in Folge der Auszeichnung des Yad-Vashem-Ordens an Josef Heinen schrieb:

Lieber Josef! Aus den beiden Tageszeitungen entnehme ich, wie Du vor Jahrzehnten in einer äußerst gefährlichen Zeit eine herzhafte Tat durchgeführt hast, die in meinen Augen umso mehr wiegt, als Du mir gegenüber nie ein Wort hast verlauten lassen. Man kann über das Hilfswerk nur zu einem einstimmigen Urteil gelangen, nämlich in Dir keinen frömmelnden Augendiener zu sehen, sondern den wahrhaft praktizierenden Christen. Das hebt Dich hoch hinaus über die Masse der Nachläufer, der Zagenden, der Untätigen und der Heuchler.

Josef Heinen verstarb am 23. Dezember 1989 im Alter von 91 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Bergfriedhof in Ahrweiler.

Aus Anlass des 25. Todestages von Josef Heinen regte Karl Heinen, ein Neffe von Josef Heinen und Chronist der Hutengemeinschaft „Hl. Maria“ Adenbachhut Ahrweiler, beim Hutenfest der Hutengemeinschaft am 31. Januar 2015 an, Josef Heinens Grab in ein Ehrengrab umzuwandeln – Josef Heinen zur ehrenden Erinnerung und künftigen Generationen zur Mahnung.

Auszeichnungen

Siehe auch

Sibylla Cronenberg wurde ebenfalls als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

Mediografie

Weblinks

Fußnoten

  1. Quellen: Gabi Geller: Adenbachhut feiert ihr Patronatsfest – Festrede über Wolfgang Müller, in: Rhein-Zeitung vom 2. Februar 2015, und E-Mail von Karl Heinen vom 17. Juli 2019