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Zehntscheuer Ahrweiler

Aus AW-Wiki
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Die Zehntscheuer am Marktplatz Ahrweiler.
Baum-Verkauf beim Weihnachtsmarkt Ahrweiler
Bronzene Info-Plakette
Schlussstein über dem Tor
Spendenaufruf im September 2018 auf dem Dach der Zehntscheuer

Bei der am Nordrand des Marktplatzes von Ahrweiler stehenden Zehntscheuer handelt es sich um einen niedrigen verputzten Bruchsteinbau mit hohem Walmdach. Der Keilstein der Toreinfassung trägt die Jahreszahl 1742. Die Scheune gehörte einst zum ehemaligen Prümer Hof in Ahrweiler. Dort wurden die Naturalabgaben der Lehensbauern bis zum Abtransport nach Prüm zwischengelagert. Heute dient das Gebäude der katholischen Pfarrgemeinde „St. Laurentius“ Ahrweiler als Pfarrheim. So ist in Ahrweiler mit der Blankart-Scheune, die einst zum Blankartshof gehörte und die heute als Haus der Schützen dient, eine weitere Zehntscheune erhalten.


Anschrift und Standort

Marktplatz 13

53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler (Stadtteil Ahrweiler)

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Chronik

Das Prümer Urbar aus dem Jahr 893, also das Güterverzeichnis der Abtei, nennt für Ahrweiler das klostereigene Herrengut sowie 24 Höfe zehntpflichtiger Lehnsbauern. Die Abtei Prüm war bis zur Säkularisation im Jahr 1803, also fast 1000 Jahre lang, Zehntherr in Ahrweiler, außerdem Kirchen-, Schul-, Markt-, Gerichts- und reichster Grundherr. Dabei verlehnte die Abtei das Zehntrecht häufig an Adelsfamilien. Zum Zehnt zählten Getreide, Obst, Wein, Flachs, Holzpfähle und Schindeln („Feldzehnt“) sowie Vieh, Milch, Hühner und Eier („Blutzehnt“). Diese Naturalabgaben wurden später vielfach durch Geldzahlungen abgelöst.[1]

Nach sieben Monaten Bauzeit wurde die sanierte und erweiterte Zehntscheuer im August 2009 feierlich wieder eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Das 1742 erbaute denkmalgeschützte Gebäude nach der 200.000 Euro teuren Rundumsanierung in neuem Glanz. Der Multifunktionsraum kann für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden, auch eine Küche und behindertengerechte Sanitärräume stehen zur Verfügung, für Wärme sorgt eine Fußbodenheizung. Im hinteren Bereich des Gebäudes wurden die Fenster zu Türen vergrößert und so entstand ein Außengelände mit gepflastertem Innenhof und Rasenfläche. Die Kosten der Sanierung wurden allein von der katholischen Pfarrgemeinde „St. Laurentius“ getragen. Ehrenamtliche Helfern erbrachten Eigenleistungen im Wert von geschätzten 20.000 Euro. Ab Mai 2008 hing an der Außenwand der Zehntscheuer ein Spendenbarometer, das bis zur Wiedereinweihung auf 150.800 Euro anstieg. Die noch fehlenden Geldmittel wurden aus Rücklagen der Pfarrei vorgestreckt.[2]

Sonstiges[3]

Als Kirchenherr von Ahrweiler war das Kloster Prüm verpflichtet, das Kirchengebäudes zu unterhalten und gegebenenfalls für einen Neubau zu sorgen. Dafür durfte Prüm auch den Pfarrer stellen. Zu den Pflichten der Zehntherren gehörte es auch, für den Unterhalt des Zielviehs, also der Zuchtstiere, zu sorgen. Diese Tiere hatten wiederum von der Stadt das Privileg, an den Wegerändern und Hecken weiden zu dürfen. Allem anderen Bürgervieh war das bei Strafe verboten. Die Zehntherren waren nur für den Unterhalt des Kirchenschiffes zuständig. Für den Unterhalt des Chors musste allein Prüm aufkommen. War das Chor aber zerstört, hatte die Stadt die Pflicht, ihn wieder aufzubauen. Auch für de Kirchturm war die Stadt zuständig. Nach dem Stadtbrand von Ahrweiler am 1./2. Mai 1689 kam die Stadt ihren Pflichten nach und ließ die beschädigten Teile an Turm und Chor reparieren oder wiederaufbauen. Die Zehntherren hingegen, von Prüm abgesehen, hatten damit keine Eile. In einem neunjährigen Gerichtsprozess über drei Instanzen verurteilte das geistliche Diözesangericht die Zehntherren zum Wiederaufbau des Langhauses. Zunächst aber geschah nichts. Erst im Jahr 1732, 43 Jahre nach dem Brand, zahlten die Zehntherren die Rechnungen. Das Kirchendach war bereits 1712 vom Kloster Prüm, das für die Zehntherren in Vorlage trat, fertiggestellt. Dagegen protestierten die Zehntherren jedoch. Sie waren der Meinung, das Dach sei nicht fachmännisch und solide gebaut. Und tatsächlich sorgt dieses Satteldach noch heute für Probleme. Im Jahr 1717 bestellte die Stadt beim Orgelbauer König aus Münstereifel eine neue Orgel. Als der Orgelbauer sie im Jahr 1726 einbauen wollte, beklagte er, dass Glasfenster fehlen. Die Orgel müsse für einen ordnungsgemäßen Betrieb gegen die Unbillen des Wetters geschützt werden. Das führte zu einem Rechtsstreit vor dem geistlichen Gericht in Köln. Abermals wurden die Zehntherren zur Zahlung verurteilt. Aber wieder tat sich nichts. Erst als die Stadt die Zehntweine einbehielt, lenkten die Zehntherren ein.

Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich die Zehntabgabe jedoch immer wieder. Dabei ist zunächst zwischen dem nassen und dem trockenen Zehnt zu unterscheiden. Wobei der nasse Zehnt die Abgabe des zehnten Teils der Trauben und der trockene Zehnt die Abgabe des zehnten teils der Körnerfrüchte war. Unabhängig davon, gab es den großen Zehnt und den kleinen Zehnt. Dabei wurden mit dem großen Zehnt die Zehntabgaben der Bewohner der Innenstadt von Ahrweiler bezeichnet, mit dem kleinen Zehnt die Abgaben der umliegenden Dörfer Walporzheim, Girenzheim, Gisenhoven und Bachem. Während das Kloster Prüm zunächst alleiniger Zehntherr in Ahrweiler war, konnte Hans-Georg Klein für die Jahre um 1700 mehrere Zehntherren von Ahrweiler ermitteln: das Kloster Prüm, der Freiherr Walpott von Gudenau, der Freiherr von der Leyen zu Adendorf, das Kapitel zu Münstereifel, der Freiherr von Bourscheid (vormals Orsbeck), das Domkapitel zu Köln, das Kloster Steinfeld, der Freiherr von Wentz (vormals von Brembt) und der Freiherr Walpott von Bornheim (vormals Freiherr von Boos). „Sie alle hielten die Hände auf, wenn Winzer und Bauern den Zehnten abgeben mussten“, schrieb Klein.

Dabei haben die Winzer und Bauern den Zehnten nicht freiwillig zur Scheuer gebracht. Der prüm'sche Schultheiß – wahrscheinlich Johann Philipp Gruben – schrieb um 1730, dass die Zehntscheuer von dem Prümer Herbstboten verwaltet wurde. Dabei gingen ihm sechs Knechte zur Hand, die die Aufgabe hatten, den Traubenzehnt einzusammeln. Dazu verteilten sie sich auf den untersten Weinbergswegen mit einem Wagen und zugehörigen Bütten. Und jeder Winzer musste zehn Prozent seiner Lese in die Bütten umladen. Damit das alles ordnungsgemäß ablief, musste der Stadtrat Jahr für Jahr zwei wichtige Beschlüsse fallen:

  1. Er legte ein Datum fest, von dem an die Hutenmeister die Weinbergswege schließen mussten. Von da an war das Betreten der Wege bei Strafe verboten.
  2. Zusätzlich zu den elf Feldschützen setzte der Rat jährlich im herbst 14 Nachschützen ein, deren Aufgabe es war, die Weinberge Tag und Nacht zu bewachen. Dadurch sollte verhindert werden, dass Winzer den Zehnten umgingen.

Die Kontrolle durch die Zehntknechte wurde durch die Anordnung gewährleistet, dass die Winzer ihre Ernte ausschließlich über den untersten Weinbergsweg nach Hause bringen durften. Eine Ratskommission setzte dann unter Hinzuziehung der Hutenmeister die Termine für den Lesebeginn fest – getrennt nach roten und weißen Trauben. Damit sich die Zehntherren einrichten konnten, mussten bei der Terminierung acht Tage Vorlaufzeit eingeplant werden. Eine Vorlese wurde erheblich bestraft. Schultheiß Johann Philipp Gruben berichtet, Winzer seien, um die Zehntabgabe zu umgehen, aus den Weinbergen nach oben hin zur Grafschaft entwischen. Andere seien an den Zehntknechten vorbei gegangen ohne einen Zehnt abzugeben. Wieder hätten gesagten, dass sie den Zehnt abgäben, wenn alles gelesen ist, gaben dann aber nichts. Dann habe es Winzer gegeben, die in ihren Weinbergen die unreifen Trauben gelesen hätten, um sie als Zehnt abzugeben. Der Traubenzehnt kam anschließend in die Zehntscheuer, wo er gekeltert wurde.

Die Schöffen von Ahrweiler erhielten jährlich in der Zehntscheuer 15 Viertel, etwa 142 Liter, der Maische. Als Gegenleistung wurde erwartet, dass sie die Zehntherren unterstützen. Der Pfarrer von Ahrweiler bekam aus der Zehntscheuer jährlich ein Ohm Maische, das sind 189 Liter, oder 250 Flaschen Wein. Weil die Pastöre noch aus anderen Quellen Wein erhielten, ließen sich manche von ihnen dazu verführen, „den Kneipenwirt zu spielen“, wie Hans-Georg Klein schreibt. Der Prümer Bote, der auch „Herbstherr“ genannt wurde, erhielt ebenfalls ein Ohm Wein. Dafür hatte er die Zehntscheuer sauber zu halten, Bütten und Kelter zu wässern und die Maische abzumessen. Der zeitige Glöckner erhielt aus der Zehntscheuer ein Viertel Maische. Für die Beleuchtung der Kirche mussten die Zehntherren jährlich neun Goldgulden zahlen. Der prüm'sche Schultheiß erhielt einen Goldgulden für die Aufsicht. Nach Abzug dieser Betriebskosten teilte der Herbstherr die Maische nach einem komplizierten Schlüssel an die Zehntherren auf. Dazu wurde der Most in 144 Teile geteilt, die folgendermaßen aufgeteilt wurden:

  • Prüm 71 Teile
  • Adendorf, früher Eltz, 27 Teile
  • Gudenau, früher Einenberg, 27 Teile
  • Orsbeck acht Teile
  • Boos vier Teile und
  • Brembt 4 Teile.

Die Einnahmen hingen dabei immer von der Erntemenge ab. Der Weinertrag belief sich in Ahrweiler beim großen und kleinen Zehnt auf insgesamt etwa zehn Fuder. Beim Korn kamen etwa 50 Malter oder etwa 7500 Liter zusammen. Den Weinzehnt von Bachem erhielt alleine das Kloster Prüm. In Walporzheim erhielt das Kloster Prüm zwei Drittel und der dortige Domherrenhof, also das Kölner Domkapitel, ein Drittel des Weinzehnts. Den schellartz oder ritzer Zehnt sammelte der Vikar des Heiligkreuz-Altares ein, der ein Drittel dieses Zehnts erhielt. Zwei Drittel kamen zum großen Zehnten in die Zehntscheuer. Den schweiner Zehnt, der nach dem selben Schlüssel aufgeteilt wie der Ritzer Zehnt, mussten die Schweinheimer Nonnen selbst einziehen.

Weblinks

Fußnoten

  1. Quellen: Hans-Georg Klein: Ahrweiler, 2. aktualisierte und überarbeitete Auflage, Jünkerath: Eifel-Verlag 2016, 64 Seiten, ISBN 978-3-943123-20-3, S. 36, u.a.
  2. Quelle: Rhein-Zeitung vom 3. August 2009
  3. Quellen: Hans-Georg Klein: Die Geschichte der Zehntscheuer auf dem Marktplatz – Teil 1, in: Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler, Nr. 12/2019, S. 28, und derselbe: Die Geschichte der Zehntscheuer auf dem Marktplatz – Teil 2, in: Stadtzeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler, Nr. 16/2019, S. 16