Backesverein Grafschaft-Nierendorf e.V.

Aus AW-Wiki

Günter Bach (vorne von links), Reiner Ackermann und Landrat Dr. Jürgen Pföhler mit Bürgermeister Achim Juchem (2.v.r.) und Mitgliedern des Backesvereins im Herbst 2013
Das im September 2014 eingeweihte Nierendorfer Backes

Der Backesverein Nierendorf wurde am Freitag, 15. Januar 2010, auf Initiative von Günter Bach und Gerold Schürger im neuen Feuerwehrhaus gegründet. Der Verein hat das Nierendorfer Backes gebaut, das er seit seiner Fertigstellung betreibt.


Kontakt

E-Mail info@backesverein-grafschaft.de

Mitgliederzahl

Juni 2012: 86

April 2013: 100

Januar 2014: 118

Chronik

32 Interessierte folgten der Einladung zur Gründungsversammlung des Backesvereins am Freitag, 15. Januar 2010, im Feuerwehrgerätehaus Nierendorf. Paul Raven leitete die Sitzung, nachdem die Initiatoren Gerold Schürger und Günter Bach die Anwesenden begrüßt hatten. Der Satzung wurde nach wenigen Detailänderungen des Entwurfs einstimmig beschlossen. Die Mitgliedsbeiträge sind von der Versammlung auf 12 Euro für Einzelpersonen und 15 Euro für Familien jährlich festgelegt worden. Gerold Schürger wurde zum Vorsitzenden gewählt, Günter Bach zu seinem Stellvertreter. Willi Schultes übernahm die Kassenführung, Anne Kaiser wurde als Schriftführerin und Barbara Zellmer als Beisitzerin gewählt. Paul Raven werde sich als Backesmeister um das geplante Backes kümmern, hieß es. Manfred Bell übernahm seine Stellvertretung. Hans Dohmganz und Conny Staden wurden zu Kassenprüfern gewählt.[1]

Rudolf Genn, Obermeister der Bäcker-Innung des Kreises Ahrweiler kritisierte im Januar 2011 die Förderung des Backesvereins mit öffentlichen Geldern. Die Rhein-Zeitung (RZ) zitierte ihn in ihrer Ausgabe vom 20. januar 2011:

Als hätten wir Probleme, die Bevölkerung mit Backwaren aus unseren Innungsbetrieben und Aufbackstationen in den Supermärkten zu versorgen, macht man sich in Nierendorf Gedanken, große Summen an Steuergeldern auszugeben. Und das ohne Kontrolle von Behörden (Gesundheitsamt) oder Kontrolle der Einnahmen (Schwarzgeld).

Es gebe es nicht Wenige, die aus solchen Subventionen Profit schlagen, sagte Genn weiter. In einem Backes im Kreis Ahrweiler seien Laibe in größeren Stückzahlen gebacken und veräußert worden, sagte Genn wenige Wochen später gegenüber RZ-Redakteurin Beate Au. Weiter sagte Genn: „Das als Brauchtum deklarierte Brotbacken in Backeshäusern, die mit öffentlichen Mitteln bezuschusst werden, ist subventionierte Schwarzarbeit, die ohne Kontrollen seitens der Behörden betrieben wird.“ Genn sah in der wachsenden Zahl der Backesse inzwischen „eine ernst zu nehmende Konkurrenz für seine Kollegen, die sich ohnehin einem harten Wettbewerb stellen müssen“, hieß es in dem RZ-Beitrag. Friedhelm Moog, Leiter des Bauamtes der Gemeinde Grafschaft, und als Ortsvorsteher von Kirchdaun ebenfalls mit der Backes-Kultur vertraut, entgegnete, es gebe die Regel, nur für den Eigenbedarf zu backen. In Kirchdaun selbst gebe es allerdings keinen Bäcker mehr. Das Backhaus werde dort fast jede Woche von mehreren Familien genutzt. Das Nierendorfer Backes habe sich aber auch zu einem geselligen Treffpunkt für die Kirchdauner entwickelt – auch deshalb, weil es in Kirchdaun keine Kneipe gebe. In Westum seien Backesverein und Dorfbäckerei aufeinander zugegangen: Die Bäckerei bot alle 14 Tage im Westumer Backes Kaffee und Kuchen bei urigem Flair an.[2]

Bei der Jahreshauptversammlung der 35 Mitglieder starken Bäcker-Innung des Kreises Ahrweiler im April 2011 in der Ahr-Akademie griff Obermeister Genn das Thema erneut auf. Er habe keine Einwände gegen einen traditionellen Backes, der zwei oder drei Mal im Jahr zu Festen genutzt werde, sagte er, aber in Einzelfällen würden bis zu 40.000 Euro Umsatz gemacht – und das alles ohne entsprechende Lebensmittelaufsicht. Die Politiker wüssten das, aber trotzdem seien mehr als 500.000 Euro an öffentlichen Geldern in Erhaltung und Ausbau der Backesse gesteckt worden. Der Backesverein wies Genns Vorwürfe jedoch zurück. Die Rhein-Zeitung berichtete:

Weder er (der Backesverein) noch die anderen Backesvereine im Kreis Ahrweiler hätten die Absicht, den Bäckern Konkurrenz zu machen. Ziel sei es, alte Backkunst zu praktizieren, Tradition und dörfliche Gemeinschaft zu pflegen. Von daher sei eine Versorgung der Bevölkerung mit Backwaren durch den Verein ausgeschlossen und wegen der traditionellen, holzbefeuerten Backöfen technisch auch gar nicht möglich.[3]

Bei einer Vorstandsitzung im Februar 2013 zog der Vorstand des Backesvereins unter der Führung des neuen Vorsitzenden Reiner Ackermann und im Beisein von Bürgermeister Achim Juchem und der Beigeordneten Michael Schneider und Helga Dohmganz ein positives Resümee, was den Baufortschritt am Nierendorfer Backes betrifft. Gegen Herbst 2013 werde das Backes voraussichtlich eröffnet. Ackermann lobte den Arbeitseinsatz vieler Mitglieder und die Hilfe zahlreicher Sponsoren. Die Vereinsmitglieder Thomas und Roland Schaaf aus Lantershofen, die sich auch als Grafschafter Ratsmitglieder für die Belange des Vereins einsetzten, hätten in Abstimmung mit dem Vorstand eine eigene Internetseite für den Backesverein eingerichtet. Zum Zweck des Backes, alte Backkunst zu pflegen und zu praktizieren, sei dort viel zu lesen.

Im März 2013 erhielt der Backesverein den Sonderpreis des Kreises Ahrweiler aus dem Förderprogramm "Ländlicher Raum" des Kreises Ahrweiler. Landrat Dr. Jürgen Pföhler überreichte die mit 2500 Euro dotierte Auszeichnung an die beiden Vereinsvorsitzenden Reiner Ackermann und Günter Bach. Bei der Errichtung des Backhauses im Auelsgarten in Nierendorf handele es sich um ein „besonders gelungenes, innovatives Projekt im Förderprogramm Ländlicher Raum", heißt es in der vom Landrat unterzeichneten Urkunde. Das Backhaus diene der Pflege der Dorfgemeinschaft und sei ein Impuls, um die alte Backestradition wiederzubeleben. Wichtig: Die Vereinsmitglieder führen alle Arbeiten in Eigenleistung aus. Der Kreis- und Umweltausschuss des Kreises Ahrweiler hatte die Vergabe des Sonderpreises beschlossen. Zuvor hatte der Verein bereits einen Zuschuss von 5000 Euro aus dem AW-Förderprogramm erhalten.[4]

Im Herbst 2013 erhielt der Backesverein erneut finanzielle Unterstützung vom Kreis Ahrweiler: Diesmal gab es 2050 Euro aus dem Förderprogramm des Kreises Ahrweiler für Vereine und das Ehrenamt. „Wir wissen den ehrenamtlichen Einsatz sehr zu schätzen und fördern dieses Engagement gerne", sagte Landrat Dr. Jürgen Pföhler dem Vereinsvorsitzenden Reiner Ackermann und dessen Stellvertreter Günter Bach. Der Landrat besuchte die Backes-Baustelle im November 2013 gemeinsam mit Grafschaft-Bürgermeister Achim Juchem. Dort wurden zu dieser Zeit die beiden Backöfen für 28 beziehungsweise 20 Brote eingebaut. Die Bausätze kosteten rund 7000 Euro, den Einbau nahm der Verein in Eigenleistung vor. Der Verein plante, dass der Innenausbau des Gebäudes bis Jahresende 2013 weitgehend abgeschlossen sein sollte. Im Frühjahr solle es dann an die Gestaltung der Außenanlagen gehen, hieß es.[5]

Bei der Mitgliederversammlung im 14. Januar 2014 in der Alten Schule berichteten Vorsitzender Reiner Ackermann und sein Stellvertreter Günter Bach aus dem Vereinsjahr 2013: Sieben Mal habe der Vorstand getagt, und an der Backes-Baustelle seien bei 207 Arbeitseinsätzen insgesamt mehr als 1000 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet worden. Backesmeister Paul Raven, der die Aktivitäten mit zahlreichen Fotos dokumentiert hatte, berichtete, die beiden Öfen seien inzwischen eingebaut und „eingebrannt“ worden. Nun müssten noch die Bodenfliesen verlegt sowie Heizung und Küche eingebaut werden. Bis auf kleinere Arbeiten und die Außenanlage sei das Backes dann fertig. Für die Sponsoren solle es im Mai 2014 ein Brotbacken im Backes geben; offiziell eingeweiht werde das Backhaus aber erst im September 2014. Die Vorstandsmitglieder wurden einstimmig für zwei Jahre in ihren Ämtern bestätigt: Reiner Ackermann, Günter Bach, Conny Staden und Peter Moog, Anne Kaiser (Schriftführerin). Auch Backesmeister Paul Raven und sein Stellvertreter Manfred Bell wurden in ihren Ämtern bestätigt.[6]

Zur Mitgliederversammlung im Februar 2015 konnte der Vorsitzende Reiner Ackermann 22 der insgesamt 128 Vereinsmitglieder begrüßen. Ackermann erinnerte daran, dass das Backes-Gebäude fertiggestellt wurde und dass es zwei offene Backveranstaltungen, Aktionen mit dem Kinder- und Jugendförderverein und einen Dankeschönabend für die Helfer gegeben habe. Die Einweihungsfeier im September 2014 sei ebenfalls ein voller Erfolg gewesen. In seinem Rechenschaftsbericht sagte der stellvertretende Vorsitzende Günter Bach, die Aktiven hätten bei 319 Arbeitseinsätzen 2779 Arbeitsstunden geleistet. Derzeit würden 16 alte Eichenstühle aufgearbeitet, für vier Klapptische hat der Kreis finanzielle Unterstützung zugesagt, und in Abstimmung mit Bürgermeister Achim Juchem wurden aus dem Gemeindewald Lärchenholzbalken beschafft. Hieraus sollen sowohl eine Einfriedung im Außenbereich als auch Balancierbalken für die Kinder gebaut werden. Die Putz- und Pflasterarbeiten sollen abgeschlossen werden, eine Holzlagerstelle gebaut und ein Kräutergarten angelegt werden. Der Verein wolle sich am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ beteiligen, sagte Bach weiter. Paul Raven legte sein Amt als Backesmeister aus gesundheitlichen Gründen nieder. Als Nachfolger wurde Manfred Bell (Nierendorf) gewählt. Andrea Eggerichs und Gaby Bach stellten sich als Helferinnen zur Verfügung.[7]

Bei einer Mitgliederversammlung am 19. Februar 2016 wurden in den Vorstand gewählt: 1. Vorsitzender Günter Bach, 2. Vorsitzender Peter Moog, Schatzmeister Conny Staden, Schriftführerin Anne Kaiser und Beisitzer Steffen Langner.[8]

Beim Jahresrückblick während der Mitgliederversammlung im April 2018 erinnerten sich die Mitglieder an den Brand des neuen Schuppens in der Nacht vom 18. auf den 19. August 2017. Obwohl Feuerwehr und Helfer schnell vor Ort waren, konnten sie den Schuppen nicht mehr retten. Ein Übergreifen der Flammen auf das Backhaus konnte jedoch verhindert werden. Bis zum Backesfest Ende Oktober 2017 stand der Schuppen wieder. Die alten Vorstandsmitglieder erklärten sich bereit, ihre Ämter für zwei weitere Jahre zu übernemhmen. So wurden von der Versammlung bestätigt: 1. Vorsitzender Günter Bach, 2. Vorsitzender Hans Peter Moog, Schriftführerin Anne Kaiser, Kassierer Conny Staden, Backesmeister Manfred Bell, Vertreter des Backesmeisters Gaby Bach und Andrea Eggerichs sowie die Beisitzer Steffen Langner und Dieter Sebastian.[9]

Weblink

http://www.backesverein-grafschaft.de

Fußnoten

  1. Quelle: Nierendorf hat nun Backesverein – Planungsgruppe konkretisiert in den nächsten Monaten den Backes-Bau, in: Rhein-Zeitung vom 18. Januar 2010
  2. Quelle: Beate Au: Bäcker fürchten um ihr täglich Brot – Backes steht am Pranger, in: Rhein-Zeitung vom 1. Februar 2011
  3. Quelle: Jochen Tarrach: Bäcker schauen sorgenvoll in die Zukunft – Innung fürchtet hohe Energiepreise – Konkurrenz durch Backes beklagt, in: Rhein-Zeitung vom 15. April 2011
  4. Quelle: Backesverein Nierendorf mit AW-Sonderpreis ausgezeichnet - Förderprogramm Ländlicher Raum: Arbeiten in Eigenleistung - Dorfgemeinschaft pflegen, Pressemitteilung der Kreisverwaltung Ahrweiler vom 18. März 2013
  5. Quelle: Zwei neue Backöfen für 48 Brote - Grafschaft-Nierendorf: Kreis Ahrweiler fördert Backesverein, Pressemitteilung der Kreisverwaltung Ahrweiler vom 15. November 2013
  6. Quelle: Rhein-Zeitung vom 25. Januar 2014
  7. Quelle: Rhein-Zeitung vom 24. Februar 2015
  8. Quelle: backesverein-grafschaft.de: Vorstand, gesehen am 15. Januar 2019
  9. Quelle: Mitgliederversammlung des Backesvereins Grafschaft-Nierendorf e.V. – Vorstand wurde im Amt bestätigt, blick-aktuell.de vom 30. April 2018