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Klosterkapelle „St. Anna“ Remagen

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St-Anna-Kapelle.jpg
Remagen - Heinz Grates (287).jpg
Oberin Maria Lay (v.l.) mit Dr. Hartmut Münzel, Landrat Dr. Jürgen Pföhler und Bürgermeister Herbert Georgi bei einer Besichtigung der Kapelle im Frühling 2012
Eingangsbereich nach der Neugestaltung
Das Kloster vor 1916 - rechts die Klosterkirche.
Kapelle Remagen 2.jpg
Eingangsbereich nach der Neugestaltung
St. Elisabeth-Plastik an der Südost-Ecke der ehemaligen Klosterkirche
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Remagen - Heinz Grates (282).jpg

Die 1906 im neugotischen Stil erbaute ehemalige Klosterkirche "St. Anna", von der heute nur noch ein Teil erhalten ist, gehörte zum nicht mehr bestehenden St. Anna-Kloster Remagen. Ab 2012 wurde sie saniert. Seit ihrer Wiedereröffnung Anfang 2014 dient sie als spirituell-kultureller Treffpunkt und als Austragungsort von Ausstellungen, Konzerten und anderen Veranstaltungen. Die ehemalige Kapelle ist zwar nicht mehr geweiht, dennoch wird ihr sakraler Charakter bei den Veranstaltungen berücksichtigt. Auf einer Fläche von rund 200 Quadratmetern stehen in der Kapelle ein zentraler Raum, eine kleine Bühne in der Chorapsis, eine kleine Küche, ein kleines Lager sowie behindertengerechte sanitäre Einrichtungen zur Verfügung.


Anschrift und Standort

Marktstraße

Remagen

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Geschichte

Querhaus und Chor des 1904 bis 1906 nach Plänen von Caspar Clemens Pickel errichteten neugotischen Backsteinkirche.

Die Sankt-Anna-Kapelle gehörte bis 1977 zum St. Anna-Kloster Remagen, der damaligen Heimat der Schwestern des Franziskanerinnen-Ordens. Der Grundstein zum Bau des Gebäudeensembles an der Alten Straße war bereits im Jahr 1865 gelegt worden, doch erst 1906 wurde die Kapelle im neugotischen Stil gebaut. Mitte der 1970er-Jahre wurde das St. Anna-Kloster Remagen aus personellen und finanziellen Gründen geschlossen. Anfang 1977 rückte eine Abbruchfirma an. Lediglich der Gebäudetrakt zur Fährgasse hin und die Kapelle blieben stehen. Das kleine Gotteshaus sollte saniert und in ein Kommunikationszentrum für die zwischenzeitlich entstandenen benachbarten Wohnanlage ("Chinatown") genutzt werden. Aber bei den Abbrucharbeiten wurde das Fundament beschädigt, sodass über einen Abriss diskutiert wurde. Die Stadt Remagen erwarb die Kapelle Mitte der 1970er-Jahre zum symbolischen Preis von einer Mark.

Nach einem längeren Rechtsstreit in den 1980er Jahren wurde das Gebäude 1991 unter Denkmalschutz gestellt - ohne einen konkreten Plan, was aus dem Sakralbau werden sollte. Die Stadt veräußerte die Immobilie im Jahr 1994 an den Kölner Architekten Bruno Wasser. Das Dach des neogotischen Baus wurde neu gedeckt, die Fassade gereinigt, Simssteine und Balken sind erneuert worden. Wasser wollte das Gebäude zu einer "Eventkirche" machen - für Hochzeiten und andere Festivitäten. Wäre es nach ihm gegangen, dann wäre in die ehemalige Sakristei eine Weinstube eingezogen. Im Kirchenschiff hätten sich Hochzeitsgesellschaften mit Kleinkünstlern und Managementberatern abgewechselt, und unterm Dach hätten sich über zwei Geschosshöhen fünf Loftbesitzer breitgemacht. Seitens der Stadt, so bestätigte Stadtplaner Peter Günther aus dem Bauamt im September 2005, werde man jedem Konzept zur Nutzung "wohlwollend begegnen". Wohl auch, weil sich Remagen als zuständige Gemeinde mit dem Kauf der Kirche überfordert sieht. Ganz zu schweigen von den schwer berechenbaren Unterhaltskosten.

Aber es fand sich kein Investor. Deshalb entschied sich Wasser, das sanierungsbedürftige Gebäude, in dessen Dach und Fassade er bereits Hunderttausende Euro gesteckt hat, zu verkaufen. Im Dezember 2010 sollten das 565 Quadratmeter große Grundstück und die 240 Quadratmeter Nutzfläche bietende Kirche versteigert werden; das Mindesgebot lag bei 60.000 Euro. Aber bei der Winteraktion der Westdeutschen Grundstücksauktionen AG in Köln fand sich kein Bieter für die in Rhein-Nähe befindliche Immobilie. Möglicherweise lag das daran, dass es in der Nähe des Gebäudes an Parkplätzen mangelt; außerdem reicht eine Neubebauung sehr dicht an das Baudenkmal heran.[1]

Am 19. März 2011 kaufte die Kongregation der Franziskanerinnen von der Buße und der christlichen Liebe von der Rhein-Insel Nonnenwerth die Kapelle. Der General-Anzeiger berichtete am 22. März 2011:

Wie die Schwester Oberin, Maria Lay, mitteilte, möchten die Franziskanerinnen den früheren Charakter der Kirche als Gotteshaus und Ort der Besinnung wiederbeleben. Die Anna-Kapelle soll den Zwecken des Ordens und der benachbarten Schwesternkonvente der Franziskanerinnen dienen, gleichzeitig aber auch allen Remagener Bürgern offen stehen. Darüber hinaus wollen die Franziskanerinnen das Haus auch für kulturelle Veranstaltungen öffnen, die nach einem entsprechenden Rahmen verlangen. Der Erwerb ist für die Schwestern durchaus mit finanziellen Wagnissen verbunden. "Wir haben", so Schwester Maria, "die Entscheidung weniger mit dem Rechenschieber als mit dem Herzen getroffen. Wir wollen diese Stätte christlichen Glaubens retten, solange es noch nicht zu spät ist. Nach einem Gespräch mit Bürgermeister Herbert Georgi haben wir das Gefühl, dass wir nicht alleine da stehen, wenn wir daran gehen, das Gebäude wieder herzustellen."

Die ehemalige Klosterkapelle soll für einen mittleren bis hohen sechsstelliger Betrag saniert und zu einem spirituell-kulturellen Treffpunkt umfunktioniert werden - barrierefrei und für jedermann zugänglich. Architekt Stefan Freiberg: "Im ersten Bauabschnitt wurden der Dachstuhl saniert und statische Sicherungsarbeiten vorgenommen. Als nächstes werden Dach und Fenster dicht gemacht, sodass weder Feuchtigkeit noch Tiere eindringen können."[2]

Die Kapelle könne in Zukunft als Meditationsraum und für stille Veranstaltungen genutzt werden, teilte die Kreisverwaltung Ahrweiler am 15. Juni 2012 mit. Der Kreis habe die Baugenehmigung für die Instandsetzung und Erweiterung des Gebäudes erteilt.[3]

Die Architekten Michael Zimmer und Stefan Freiberg, Restauratorin Karmen Keller und Glasdesigner Georg Linden machten sich im Auftrag der Franziskanerinnen daran, die Kapelle wieder herzurichten. Dabei stießen sie auf größere Probleme als ursprünglich angenommen. Die Fertigstellung war zunächst bereits für das Frühjahr 2013 vorgesehen. Besonders das Dach war stark in Mitleidenschaft gezogen. Bereits unmittelbar nach dem Ankauf waren der Dachstuhl saniert und statische Sicherungsarbeiten vorgenommen worden. Bis zum Frühjahr 2013 wurden außerdem das Dach neu gedeckt, neue Fester ein- und eine Treppe angebaut. Im Inneren wurden eine neue Elektroinstallation eingebaut sowie Heizungsrohre und andere Versorgungsleitungen neu verlegt. Restauratorin Karen Keller, Malermeister und Handwerker im Denkmalschutz Markus Simons sowie Malermeister und Restaurator Bernd Nonn beschäftigen sich im Frühjahr 2013 mit der Freilegung, Reinigung und Restaurierung der Säulen, Pilaster und farbig ausgemalten Gewölbekappen. Sie sollen den Raum zu mehr als 90 Prozent in seiner ursprünglichen Gestaltung wieder herrichten, wobei die eher schlichte Innengestaltung der Kapelle beibehalten werden soll. Damit sie jede Stelle rasch und sicher erreichen können, wurde der Innenraum komplett eingerüstet. Zunächst haben sie die Befunde untersucht und bauliche Entwicklung rekonstruiert. Eine Herausforderung war es, "die noch vorhandene Substanz auf den stark versalzten und zudem von Taubenkot und Feuchtigkeit angegriffenen Flächen zu erhalten", berichtete die Rhein-Zeitung am 3. April 2013, "dafür werden neben den Säulen dann auch die Quadermalereien, das Maßwerk der Fenster, die Schablonenmalereien in den Gewölben sowie die Wandreliefs aus den 50er-Jahren in neuem Glanz erstrahlen." Architekt Stefan Freiberg, Horst Froese, Vorstand der Angela von Cordier-Stiftung, und Ordensgeschäftsführer Hartmut Münzel seien mit dem bisherigen Verlauf der Sanierung "durchweg zufrieden." Die Franziskanierinnen kalkulieren die Sanierung mit einer knappen Million Euro, die aus Rücklagen, Immobilienverkäufen und Spenden stammt. Schwester Maria Lay sagte gegenüber der RZ: „Der emotionale Wert, den die Kapelle für uns bedeutet, rechtfertigt aus unserer Sicht die Investition. Die Bürgerstiftung Remagen und Privatleute haben die Sanierung bereits durch Spenden unterstützt.[4]

Zuvor hatte sich Schwester Maria Lay mit einem Architekten ein grobes Bild vom Zustand des Gebäudes gemacht. „Als wir dann beim Preis von 51 000 Euro den Zuschlag erhielten, war die Freude riesengroß“, sagte Schwester Maria Lay der Rhein-Zeitung (RZ). Die Freude sei allerdings rasch Entsetzen gewichen: "In vielen Ecken lagerte Müll, Sprayer hatten sich an den Wänden verewigt, und überall lag fingerdick der Taubenkot aus mehreren Jahrzehnten", berichtete die RZ am 2. Januar 2014, und auch der Dachstuhl habe sich bei genauerer Untersuchung als deutlich maroder erwiesen als zunächst angenommen. „Mit viel gutem Willen waren wir damals von rund zwei Jahren Renovierungszeit ausgegangen", sagte Schwester Maria weiter, "dass es dann letztlich ein halbes Jahr länger gedauert hat, ist den vielen kleinen Überraschungen und auch Herausforderungen geschuldet.“ Rund 900.000 Euro hat der Orden in die Sanierung des Dachstuhls, die neue Dacheindeckung, die Sanierung des Mauerwerks, die Sicherung der Wandmalereien, die Aufarbeitung des Fußbodens sowie die neue Infrastruktur Wasser-, Strom- und Heizungsinstallation investiert. In der Rhein-Zeitung hieß es weiter:

Auch wenn in der ehemaligen Sankt-Anna-Kapelle künftig keine Gottesdienste gefeiert werden, soll der Raum doch deutlich vom christlichen Leben geprägt sein. Angedacht sind neben Konzerten und Ausstellungen auch geregelte Öffnungszeiten ohne Programm. „Der Raum soll für alle offen sein, nicht nur für die Ordensschwestern. Wir wollen damit auch eine franziskanische Spur in die Zukunft legen. Sowohl die Zukunft des Ordens und der Kirche wie aber auch der Stadt“, blickt Schwester Maria Lay nach vorn. Dies soll auch durch das große kunstvolle Tau-Kreuz, welches erst kurz vor der Wiedereröffnung der Kapelle aufgehängt wird, verdeutlicht werden. Zusammen mit dem Prolog aus dem Johannesevangelium, der mit den Worten „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“ beginnt. Die Sanierungskosten beliefen sich auf ungefähr eine Million Euro, die aus Rücklagen der Schwestern, aus Spenden und von der Bürgerstiftung Remagen finanziert wurden. „Wenn wir damals gewusst hätten, welche Aufgaben auf uns zukommen, hätte es durchaus sein können, dass wir mit unserem Gebot etwas gezögert hätten“, gestand Schwester Maria Lay nach abgeschlossener Sanierung der Rhein-Zeitung.[5]

Für die Wiedereröffnung der ehemaligen Kapelle wählten die Franziskanerinnen zwei Termine aus: eine offizielle Einweihung für geladene Gäste am Sonntag, 5. Januar 2014, und einen Tag der offenen Tür für die Öffentlichkeit am Sonntag, 12. Januar 2014. Im Rahmen eines kleinen Festakts wurde die von Grund auf sanierte Kapelle am Sonntag, 5. Januar 2014, wieder eingeweiht - knapp drei Jahre nach dem Rückkauf durch die Kongregation der Franziskanerinnen von der Buße und der christlichen Liebe. Die Schwestern um Provinzoberin Maria Lay hatten dazu die an den Arbeiten beteiligten Handwerker und Künstler sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung eingeladen. Die Provinzoberin sagte in ihrer Begrüßung, die Entscheidung zum Ankauf sowie der damit verbundenen Verpflichtung zur Sanierung der Kapelle sei vornehmlich aus emotionalen Gründen, als „eine Entscheidung des Herzens“, getroffen worden. Außerdem wünschte sie sich, dass von der Kapelle ein "Impuls zum Wohl der Menschen" in der Region ausgehe, und dass sie eine "franziskanische Oase" für Spiritualität und Kultur werde. Weiter sagte sie:

Statt auf eine Ruine oder Baustelle fällt unser Blick heute auf ein gelungenes Ganzes. Wir haben die Kapelle nicht nur aus dem über drei Jahrzehnte dauernden Dornröschenschlaf geweckt, sondern nahezu in den ursprünglichen Zustand, so wie er sich in der Zeit der Erbauung Anfang des 20. Jahrhunderts zeigte, zurückversetzt.

Dechant Johannes Georg Meyer segnete die ehemaligen Kapelle sowie zwei Kreuze für die Nebenräume. Landrat Dr. Jürgen Pföhler sagte, die Stadt Remagen und ihre Umgebung würden mit einem „neuen wunderbaren Kleinod beschenkt“. Herbert Georgi, Bürgermeister von Remagen und Vorsitzender der Bürgerstiftung Remagen sagte, einem Stück von Remagen sei neues Leben eingehaucht worden und vielen älteren Bürgern sei ein Stück Erinnerung an die eigene Kindheit und Jugend wiedergegeben worden. Georgi lobte den "Idealismus der Franziskanerinnen", die ein "Wagnis" gegen betriebswirtschaftliches Denken eingegangen seien - auch gegen den Zeitgeist in der Kirche, Sakralbauten aufzugeben oder umzuwidmen

Der anschließende Empfang wurde von einem Cello-Quartett aus Natalia Kozakowa, Andrea Monreal, Sylvia Weiler und Helmut Meixner, vier Lehrern des Privaten staatlich anerkannten Gymnasiums der Franziskanerinnen Nonnenwerth im Rhein, musikalisch eingeleitet. Außerdem war eine Ausstellung mit Arbeiten von Brigitte Noebel, Eva Toepfer, Rosmarie Feuser und Volker Thehos unter dem Motto „Gott in der Welt“ zu sehen. Zudem in dem anschließenden Festkonzert, bei dem Ulla Bundies (Violine) und Taiji Takata (Piano) mehrere Sonaten für Violine und Klavier intonierten.[6]

Weitere Bilder

Siehe auch

St. Anna

Mediografie

Fußnoten

  1. Quelle: Rhein-Zeitung vom 18. Dezember 2010
  2. Quelle: Andreas Wetzlar: Sankt Anna: Wie in Remagen ein kleines Juwel entsteht, rhein-zeitung.de vom 14. Oktober 2011
  3. Quelle: Kirchliches Kleinod für stille Veranstaltungen nutzen - Sankt-Anna-Kapelle in Remagen: Landrat überreicht Baugenehmigung an Franziskanerinnen, Pressemitteilung der Kreisverwaltung Ahrweiler vom 15. Juni 2012
  4. Quelle: Andreas Wetzlar: Sankt-Anna-Kapelle ist im Inneren Baustelle - Eine Million Euro kostet Umwandlung des Gotteshauses in ein Begegnungszentrum, in: Rhein-Zeitung vom 8. und 21. Januar 2013
  5. Quelle: Andreas Wetzlar: Sankt-Anna-Kapelle strahlt in neuem Glanz - Ehemaliges Gotteshaus saniert, in: Rhein-Zeitung vom 2. Januar 2014
  6. Quellen: Sebastian Kirschner: Remagen: Renovierte Anna-Kapelle eingeweiht, general-anzeiger-bonn.de vom 7. Januar 2013, und Andreas Wetzlar: Sanierte Sankt-Anna-Kapelle eingeweiht - Gewinn für kulturelle Möglichkeiten in Remagener Innenstadt – Grundsteinlegung für ehemaliges Kloster war am 19. März 1865, in: Rhein-Zeitung vom 7. Januar 2014