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Naturschutzgebiet „Mündungsgebiet der Ahr“

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Ahr-Mündung Luft M.jpg
Das Mündungsgebiet bei Hochwasser, vom Kaiserberg bei Linz aus gesehen
Das Naturschutzgebiet aus der Luft
Unten links der Ortsrand von Kripp, rechts ist Sinzig-Ost zu sehen, dazwischen das Naturschutzgebiet.
Blick vom Kaiserberg oberhalb von Linz über den Rhein auf Sinzig. Im Vordergrund sind das Naturschutzgebiet und die Ahr-Mündung zu sehen
Naturschutzgebiet Ahr 2.jpg
Die Ahr-Mündung in den Rhein oberhalb von Kripp. Gegenüber sind Linz, der Turm der Linzer Kirche und dahinter der Kaiserberg zu sehen.
Naturschutzgebiet Ahrmündung.
Oberhalb der Mündung der Ahr in den Rhein quert der Rhein-Radweg die Ahr.

Das 1977 ausgewiesene und 1981 erweiterte Naturschutzgebiet Ahrmündung an der Mündung der Ahr in den Rhein zwischen Bonn und Koblenz gilt als das einzige verbliebene naturbelassene bzw. renaturierte Mündungsgebiet eines Nebenflusses in den Rhein. Es liegt im äußersten Nordosten des Stadtgebietes von Sinzig, nahe der Grenze zur Stadt Remagen. Schutzzweck für das Naturschutzgebiet ist gemäß § 3 der aktuellen Verordnung vom 23. Juni 1981 „die Erhaltung des natürlichen Mündungsgebietes mit seinen Wasser-, Sand- und Schlammflächen sowie als Lebensraum seltener in ihrem Bestand bedrohter wildwachsender Pflanzen und seltener in ihrem Bestand bedrohter Tier-, insbesondere Vogelarten aus wissenschaftlichen Gründen.“ Mit der Unterschutzstellung sollte das Gebiet, dessen Erscheinungsbild sich durch natürliche Flussdynamik auch heute noch fortwährend wandelt, langfristig gesichert werden. Durch freies, vom Menschen unbeeinflusstes Mäandrieren, ständiges Auf-, Ab- und Umlagern von Schlick-, Sand-, Kies- und Schottermassen sollten die Voraussetzungen für das Überdauern flussauentypischer Pionierbiozönosen geschaffen werden.


Lage

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Sonstiges

Das Gebiet, das vom Land als so genanntes FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) für das europaweite Schutzsystem Natura 2000 gemeldet wurde, beherbergt eine nicht nur für Rheinland-Pfalz einzigartige Artenfülle. Außerdem gibt es dort heute noch Auwaldreste, Weidengebüsche, Rohbodenflächen, Steilufer und vom Hauptarm der Ahr abgetrennte Altarme, wie sie für natürliche Flusstäler typisch sind.

Neben etwa 200 Pflanzenarten wurden dort 40 gefährdete Arten alleine aus der Familie der Laufkäfer nachgewiesen. Insgesamt sind dort fast 80 Arten registriert - darunter Wachtelkönig, Uferschwalbe und Flussläufer, Flussregenpfeifer, Wasseramsel, Teichrohrsänger und Beutelmeise. Für Eisvogel, Gartenrotschwanz und Schwanzmeise, Pirol, Gebirgsstelze und Rohrammer sind Brutnachweise vorhanden. Das Gebiet ist aber auch als Nahrungs- und Rastbiotop für Durchzügler, Flussseeschwalbe und Waldwasserläufer etwa, sowie für Wintergäste von Bedeutung.

Unter den Heuschrecken sind die Vorkommen von Kurzflügeliger Schwertschrecke und Langflügeliger Schwertschrecke, Goldschrecke und Dornschrecke erwähnenswert. Bei den tagaktiven Schmetterlingen sind besonders der Schwarzblaue Ameisenbläuling, Senfweißling, Großer und Kleiner Schillerfalter, Kleiner Eisvogel, Großer Fuchs, Mauerfuchs und Kleewidderchen zu nennen.

Auch die Fischfauna des Mündungsbereichs ist wertvoll. So kommen dort Nase und Barbe vor, die ihre Eier bevorzugt auf Kiesbänken ablegen. Die ebenfalls bedrohte Flussäsche sowie Bachforelle, Flussneunauge und Stichling, die allesamt auf sauerstoffreiches Wasser angewiesen sind, finden dort ebenfalls einen Lebensraum.

Entscheidend für diese Artenvielfalt sind die Kies- und Sandbänke, die von der Ahr häufig innerhalb weniger Tage und Wochen aufgeworfen und umgebaut werden. Solche Bänke, wie sie in der intensiv genutzten Kulturlandschaft heute kaum mehr vorzufinden sind, bieten auch bodenbrütenden Vogelarten eine Heimat. Gerade die Uferbereiche dieses Gebiets sind allerdings hochsensibel für Störungen durch Erholungssuchende.

Die Ahrmündung unterliegt einem fortwährenden Wechselspiel zwischen Rhein und Ahr. Zu Zeiten des Rheinhochwassers steht sie durch Rückstau über die Grenzen des Naturschutzgebiets hinaus bis zum Klärwerk am Ende des Grünen Weges in Sinzig unter Wasser. Weil ihre dadurch Fließgeschwindigkeit verringert wird, lagert die Ahr dann Kies- und Sandbänke an. Bei Rhein-Niedrigwasser erhält die Ahr wieder Gefälle, und es kommt zu erneuten Abtragungen von angelandeten Materialien einschließlich der durch Seitenerosion hervorgerufenen Uferabbrüche. Mit einer Rechtsverordnung vom 15. März 1977 hat die damalige Bezirksregierung Koblenz deshalb das Mündungsgebiet der Ahr in den Rhein und die umliegenden Auenwiesen in einer Größe von zunächst 55 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Schutzzweck ist gemäß § 3 der aktuellen Verordnung vom 23. Juni 1981 „die Erhaltung des natürlichen Mündungsgebietes mit seinen Wasser-, Sand- und Schlammflächen sowie als Lebensraum seltener in ihrem Bestand bedrohter wildwachsender Pflanzen und seltener in ihrem Bestand bedrohter Tier-, insbesondere Vogelarten aus wissenschaftlichen Gründen.“

Mit der Unterschutzstellung sollte das Gebiet, dessen Erscheinungsbild sich durch natürliche Flussdynamik auch heute noch fortwährend wandelt, langfristig gesichert werden. Durch freies, vom Menschen unbeeinflusstes Mäandrieren, ständiges Auf-, Ab- und Umlagern von Schlick-, Sand-, Kies- und Schottermassen sollten die Voraussetzungen für das Überdauern flussauentypischer Pionierbiozönosen geschaffen werden.

„Zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlicher repräsentativer Bedeutung“ flossen zwischen 1979 und 1981 insgesamt 396.200 Mark Bundesmittel in dieses Naturschutzprojekt Dadurch konnte das auf Sinziger Gemarkung liegende und unmittelbar an Kripp grenzende Gebiet auf eine Gesamtfläche von 63 Hektar erweitert werden.

Während eines 2003 begonnenen und im Herbst 2004 beendeten Projekts wurden weitere 320.000 Euro investiert, im das Naturschutzgebiet zu renaturieren.

Mit einer intensiven Kampfmittelortung die den Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz auf 36 000 Quadratmetern Fläche begannen die Arbeiten. Anschließend wurden …

  • der erst wenige Jahre zuvor parallel zur Ahr gebaute Radweg zurückgebaut,
  • ein Sendemast des Südwestrundfunks gesprengt,
  • Regenwasserkanäle in offene Gräben umgewandelt,
  • Strömungslenker und Laufverschwenkungen angelegt,
  • künstlich Nebenarme angelegt, die es dem Fluss ermöglichen sollen, natürlich zu erodieren und Sedimente abzulagern und
  • die massiven alten Steinaufschüttungen zurückgebaut, mit denen das Ufer befestigt worden war.

All das führte dazu, dass die Ahr heute zwischen Mündung und dem Abwasserklärwerk “Untere Ahr” Sinzig wieder nahezu ungehindert und deshalb mäandrieren und sich dem ursprünglichen naturnahen Zustand annähern kann, den sie vor ihrem Einzwängen in eine Uferbefestigung im Jahr 1855 hatte. Damals war der Fluss auf einer Länge von 560 Metern begradigt worden. Dadurch stiegen die Strömungsgeschwindigkeit und der Druck auf den Damm wenig hundert Meter breiten Damm oberhalb der Mündung.

Weil die Ahr bei höheren Wasserständen eine enorme Fließenergie und eine hohe Schleppkraft entwickelt, ließen die Wasserschutzexperten einige hundert Meter oberhalb des Mündungsbereichs natürliche Notbremsen einbauen. Außerdem sank wegen der Begradigung vor mehr als 150 Jahren der Grundwasserspiegel, und Teile des Ahrufers versteppten oder trockneten ganz aus. Pirol, Eisvogel und andere Höhlenbrüter der steilen Uferböschungen wurden mit der Begradigung ihrer Nistplätze, ihrer Heimat beraubt. Und mit der Flussaue verschwanden zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten.

Würde der Damm heute bei einem Hochwasser brechen, dann wäre damit auch der starkfrequentierte Rhein-Radweg durchbrochen. Außerdem würden große Mengen an Geröll weit in den Rhein hinein gespült, die dort die Schifffahrt behindern.

Innerhalb des ersten Jahres nach der Renaturierung verlagerte sich das Flussbett bereits um eine volle Gewässerbreite. Mittlerweile hat sich ein typischer Mäander mit gegenläufiger Fließrichtung entwickelt. Derzeit gräbt sich die Ahr im südlichen Teil des Naturschutzgebiets ein und nicht, wie erwartet, in die nördlich gelegenen Ankaufflächen. Eine Vorhersage, wie die Entwicklung auf lange Sicht weitergehen könnte, ist nicht möglich. So kann etwa ein einziges Rheinhochwasser, das mit einem kräftigen Ahrhochwasser zusammentrifft, eine ganz neue, unerwartete Situation schaffen. Denkbar ist auch, dass sich der Mündungsbereich wieder zu einem echten Delta mit mehreren permanent durchströmten Flussarmen entwickelt, wie es vor 200 Jahren war.

Die Fachleute hoffen, dass sich aufgrund der Renaturierung ab 2003 wieder geschützte Vogelarten wie Flussregenpfeifer, Wasseralle, Beutelmeise und Wachtelkönig ansiedeln.

Mit der Renaturierung wurde auch die „Eingangstür“ für die Lachse gestaltet, die seit ein paar Jahren wieder Jahr für Jahr im Herbst in immer größerer Zahl aus der Nordsee den Rhein hinaufziehen, um in den kiesigen Gründen der sauerstoffreichen Oberahr und der in die Ahr mündenden Bäche ihren Laich abzulegen. Um die Ahr von der Mündung aus bis zur Quelle hinauf wieder durchgängig für Fische und andere Wassertiere zu machen, müssen allerdings im Laufe mehrerer Jahre mit Millionenaufwand insgesamt 30 Wehre zurück gebaut werden.

Zu den Profis, die heute über das Gedeihen des Naturschutzgebiets wachen – der Biotopwart und die Untere Wasserbehörde der Kreisverwaltung Ahrweiler sowie die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord als Nachfolgerin der ehemaligen Bezirksregierung – gehören heute die ehrenamtlichen Naturfreunde des Vereins “Ahr-Auen” und der Interessengemeinschaft “Schutz der Ahrauen im Raum Sinzig”.

Der im Jahr 2004 gegründete Verein “Ahr-Auen” - Vorsitzende ist die Bodendorferin Hannelore Umlauf-Groß - will sich für die Erhaltung der Auen von Ahr und deren Nebengewässern einsetzen sowie für die Artenvielfalt in den gleichermaßen ökologisch wie touristisch bedeutenden Fließgewässern. Man will den sanften Tourismus fördern und mit den Fachbehörden zusammenarbeiten.

Die im Januar 2000 von 19 Männern und Frauen im Bad Bodendorfer Winzerverein gegründete Interessengemeinschaft “Schutz der Ahrauen im Raum Sinzig” hat sich in ihrer Satzung dem Schutz und der Bewahrung der unteren Ahrauen im Bereich der Stadt Sinzig verschrieben. Zum Gründungsvorsitzenden wurde der zwischenzeitlich verstorbene Erich Fielitz gewählt. Unmittelbarer Anlass zur Gründung des Vereins, dessen Aktivitäten derzeit zu ruhen scheinen, war das Anliegen, in Bad Bodendorf im Ahrauenbereich zwischen Tennisplatz und Bogenschießplatz einen Wohnmobil-Stellplatz auszuweisen.

Siehe auch

Video

Mediografie

Weblinks