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Stadtsanierung Sinzig

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Die Innenstadtsanierung Sinzig wurde 1985 vom Stadtrat Sinzig unter Bürgermeister Norbert Hesch beschlossen. Eigentlich wäre die Förderung Ende 2012 ausgelaufen; aber die Stadt Sinzig erhielt eine Verlängerung bis Ende 2013. Vom Stadtratsbeschluss an dauerte die Stadtsanierung in Sinzig dann 28 Jahre. Das Sanierungskonzept umfasste ein Investitionsvolumen von 11,1 Millionen Euro förderfähiger Kosten und einen 14,6 Hektar großen Bereich der Innenstadt. Im Rahmen der Stadtsanierung wurden Straßen und Plätze ausgewiesen und gestaltet sowie das Parkdeck mit Auffahrt zum Rathaus an der Barbarossastraße gebaut. Außerdem ist eine Vielzahl von Gebäuden restauriert worden, die das Stadtbild prägen.


Der Kircheplatz - im Hintergrund das Ensemble aus katholischer Pfarrkirche "St. Peter" und Rathaus - diente früher als Parkplatz. Im Zug der Stadtsanierung wurde Auto von ihm komplett verbannt.
Mittelpunkt des Brunnenplatzes ist ein sanierter alter Brunnen, der die Sinziger mit Wasser versorgte, als es noch keine Zentralversorgung über Wasserleitungen gab.
Der Kaiserplatz erhielt sein heutiges Aussehen im wesentlichen im Rahmen der Stadtsanierung.

Ansprechpartner

Allgemeines

Den Abschluss des Projekts bilden der Bau des Verkehrskreisels am Harbachpark und die Sanierung der Stadtmauer an der Ausdorferstraße auf einer Länge von 80 Metern. Bürgermeister Wolfgang Kroeger sagte der Rhein-Zeitung im November 2012: „Es musste anfangs schon große Überzeugungsarbeit geleistet werden. Es gab einige Widersprüche und Klagen wegen der Grundstücksbewertung. Aber das ist normal.“ Ansonsten seien die Veränderungen sehr positiv aufgenommen worden: „Es hat bislang noch kein Bürger gesagt, dass es durch die Sanierung schlechter geworden ist.“

Am 21. November 1985 beschloss der Stadtrat Sinzig unter Bürgermeister Norbert Hesch den Stadtkern von Sinzig zum Sanierungsgebiet zu erklären. Die Verkehrsverhältnisse wurden als nicht mehr zufriedenstellend erachtet, es gebe viel zu wenig öffentliche Pkw-Stellplätze. Außerdem sollen Verkehrs- und Freiflächen sowie Plätze sollen neu gestaltet und Wohnen im Stadtkern soll wieder attraktiver werden. Etliche alte Gebäude im Stadtkern seien abbruchreif, dem heutigen Rathaus, das damals leer stand – drohte der Verfall. Viele Gebäudefassaden waren sanierungsbedürftig - ebenso wie fast alle Innenstadtstraßen. Straßen und Plätze wurden weitgehend ungeregelt zum Parken genutzt. Kirchplatz und Markt waren damals von einer einfachen Schwarzteerdecke überzogen und oft zugeparkt. Der Verkehr quälte sich über Mühlenbachstraße, Marktplatz und Bachovenstraße zum Kirchplatz. Fußgänger waren auf den schmalen Bürgersteigen kaum sicher. Es gab häufig Staus; Abgase und Lärm überschritten die Grenzen des Zumutbaren. Damals gab es kaum verkehrsberuhigte Straßen, ruhige Plätze und Orte zum Verweilen. Die Innenstadt wurde als wenig attraktiv und lebenswert erachtet.[1]

Eine Umfrage bei den Einwohnern von Sinzig bestätigt 1985 diese Eindrücke: Jeder zweite Haushalt beklagte sich damals über zu viel Verkehrslärm, zwei von drei Haushalten hielt es für angebracht, die Verkehrsführung zu ändern. 70 Prozent der Befragten erwarten zudem verkehrsberuhigende Maßnahmen. Die Befragung führte u.a. zu den folgenden Ergebnisse:

  • 70 Prozent der Sinziger halten das Stadtbild für stark verbesserungsbedürftig.
  • Jeder zweite Haushalt klagt über Verkehrslärm.
  • Zwei von drei Haushalten wünschen sich Änderungen in der Verkehrsführung.
  • 70 Prozent aller Befragten erwarten eine Verkehrsberuhigung ihrer Straßen.
  • Jedes dritte Gebäude ist renovierungsbedürftig.
  • Die Umsatzentwicklung ist mindestens bei jedem fünften Geschäftsinhaber rückläufig.
  • Nur noch die Hälfte der privaten Haus- und Grundstückseigentümer wohnt auf ihrem Grundstück.
  • Ein großer Teil der Eigentümer ist älter als 60 Jahre.
  • Jeder dritte Haushaltsvorstand ist Rentner oder Pensionär.
  • Im Stadtkern leben drei Mal so viel Ausländer wie im übrigen Sinzig.

Das 14,6 Hektar große Sanierungsgebiet wird im Jahr 1985 durch einen Satzungsbeschluss des Stadtrats räumlich festgelegt. Darin enthalten sind ein städtebaulicher Rahmenplan mit integriertem Verkehrskonzept. Am Anfang der Umsetzungsphase stand die Neuordnung des Verkehrs, der als größter Störfaktor in der Innenstadt angesehen wurde. Das neue Konzept sollte insbesondere eins verhindern: Die Durchfahrt durch den Stadtkern über die alte Bundesstraße 9. Die Stadt beauftragt die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft als Sanierungsträger und Treuhänder. Das Planungsbüro Bachtler, Böhme und Partner aus Kaiserslautern übernimmt die städtebauliche Planung und Bauleitung. 1986 wird das Sinziger Sanierungsvorhaben in das Städtebauförderungsprogramm von Rheinland-Pfalz aufgenommen. 6,7 der insgesamt 11,1 Millionen Euro investierte die Stadt in die Neugestaltung von öffentlicher Straßen, Wege und Plätze.

öffentliche Straßen

Frank Böhme und seine Kollegen aus der Verkehrsplanung schlugen 1985 vor, dass ein äußerer Ring von Straßen geschaffen wird, der den Hauptverkehr um die Innenstadt herum führt und von der Innenstadt fernhält. Im Stadtkern selbst soll ein innerer Ring aus Einbahnstraßen entstehen. Diese Vorschläge boten sich deshalb an, weil viele Autofahrer die Koblenzer Straße nur für die Durchfahrt nutzten. Vom äußeren Ring sollen Einbahnstraßen im Schlaufensystem durch die Innenstadt führen und Parkplätze angeschlossen werden. Die Vorschläge der Planer stießen jedoch längst nicht bei allen Sinzigern Gegenliebe. Insbesondere die Geschäftsleute wollten, dass ihre Kunden nach wie vor direkt vors Geschäft fahren und dort parken können. Sie befürchteten Umsatzverluste, wenn die Kunden auf dem Kaiserplatz parken und zum Geschäfts laufen müssen. Die Durchfahrt durch die Innenstadt über die Koblenzer Straße wurde durch Kappung oberhalb der Einmündung der Renngasse unterbunden. Die wichtigste Zufahrtsstraße zur Innenstadt ist seitdem die Mühlenbachstraße. Markt- und Kirchplatz, die von Einheimischen und Gästen zum Parken genutzt wurden, sollten autofrei werden. Dazu wird bis 1993 das Parkdeck mit 90 Pkw-Stellplätzen unterhalb des Rathauses gebaut. Auf diese Weise entstanden in der Innenstadt insgesamt 200 neue Parkplätze. Mühlenbachstraße, Bachovenstraße und Ausdorferstraße sowie Brunnenplatz und Marktplatz wurden verkehrsberuhigt ausgebaut. Mit dem 800.000 Euro teuren Ausbau der Zehnthofstraße begann am 11. Oktober 2010 das letzte Großprojekt im Rahmen der Stadtsanierung.[2]

öffentliche Plätze

Die Sanierung der öffentlichen Plätze in Sinzig gab 1986 den Startschuss für das Elf-Millionen-Euro Projekt Stadtsanierung. Mit der Sanierung der heruntergekommenen öffentlichen Plätze wollten die Stadtväter damals mit gutem Beispiel vorangehen. Vor ihrer Neugestaltung waren Kirch-, Markt- und Brunnenplatz wenig attraktiv. In erster Linie dienten diese asphaltierten Plätze dem Parken von Pkw.

Anliegen der Planer war es, die Plätze in multifunktionale Wohlfühlinseln und in Atragungsstätten für öffentlichen Veranstaltungen zu verwandeln. Darüber hinaus sollte die Gastronomie Möglichkeiten bekommen, unter freiem Himmel Tische und Stühle aufzustellen. Die wegfallenden Parkplätze am Kirchplatz wurden ins Parkhaus unterhalb des Rathauses an der Barbarossastraße verlagert. Mit einer asphaltierten Straße und einer Wendeltreppe wurde das Deck an das Rathaus, den Kirchplatz und die Innenstadt angebunden. Unmittelbar am Rathaus gibt etliche weitere Parkplätze. Der Platz vor den historisch prägenden Gebäuden Rathaus und Pfarrkirche "St. Peter" wurde – wie damals vom Landeskonservator gefordert – mit Natursteingranit gepflastert. Bei der Gestaltung des Brunnenplatzes entschieden sich die Planer für ein preisgünstigeres und fußgängerfreundlicheres Betonpflaster.

Die Gestaltung von Brunnen- und Marktplatz samt Ausstattung mit Möblierung, Geländer, Treppen, Sitzgelegenheiten und Laternen wurde lediglich mit mit 60 bis 66 Prozent bezuschusst. Für die Kunstwerke auf den Brunnen gab es überhaupt keine Zuschüsse; sie kosteten die Stadt 25.000 Euro. Der Kaiserplatz wurde erst ca. 2002 als Pkw-Parkplatz ausgebaut. Der Bauhof der Stadt Sinzig, der sich dort früher befand, war bereits Mitte der 1980er-Jahre abgerissen worden. Die Umwidmung zum zentralen Parkplatz dauerte deshalb so lange, weil es eine ganze Reihe alternativerr Pläne für die Zukunft dieses Geländes gab. Es gab Konzepte, dort Stadthäuser mit Geschäftsräumen zu bauen, eine Stadthalle, altersgerechtes Wohnen und ein Einkaufszentrum. Mit dem Durchstich zur Ausdorferstraße wurde der Kaiserplatz an den Verkehrsring um die Stadt angeschlossen. Etwa zur gleichen Zeit wurde der Brunnenplatz neu gestaltet. Dort entstand ein kleiner künstlicher Bachlauf mit einer Handpumpe. Das Plätzchen wird von der Gastronomie gerne für ihre Außenbestuhlung genutzt.

Die Gestaltung des Kirchplatzes kostete 520.000 Euro, der Kaiserplatz 640.000 Euro - samt Grunderwerb, Bauhof-Abriss und Durchstoß zur Ausdorferstraße. Die Gestaltung des Marktplatzes kostete etwa 200.000 Euro, die Gestaltung des Brunnenplatzes an die 60.000 Euro.[3]

Stadtbild prägende Privatgebäude

Für private Umbaumaßnahmen, die im Rahmen der Sinziger Stadtsanierung gefördert wurden, sind 36 Anfragen bewilligt und drei Millionen Euro von privater Seite investiert worden. Dabei wurden Zuschüsse und Darlehen in einer Höhe von insgesamt 700.000 Euro gewährt. Nach einer Einwohnerversammlung im Herbst 2012 gingen noch einmal ein paar Anträge für Privatsanierungen bei der Stadtverwaltung ein. In den ersten 15 Jahren der Sanierung war die Modernisierung der privaten Gebäude wenig attraktiv, weil sie nur als Darlehen mit geringem Zins möglich waren. Ab Ende 2003 aber ermöglichten neue Förderrichtlinien die Gewährung von Zuschüssen, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Die Obergrenze lag bei 25.000 Euro - bei besonders stadtbildprägenden Gebäuden konnte der Zuschuss sogar darüber liegen.

Zu den geförderten Maßnahmen zählen der Zehnthof, die Gebäude am Kirchplatz 1 und am Kirchplatz 7, Ausdorferstraße 9/10 sowie Torhausgasse und das Gebäude von Hörakustik Andres am Brunnenplatz. Gefördert wurden auch das Gebäude der Kreissparkasse in der Bachovenstraße und das Bistro Chris am Kirchplatz. Allein in der Mühlenbachstraße wurden neun Gebäude mit öffentlicher Förderung saniert. Der Sinziger Architekt Wilfried Eraßmy hat dort die meisten Projekte als Bauleiter betreut.

Als städtebaulich besonders bedeutsam gelten die Gebäude an der Mühlenbachstraße 1 und 3 als Eingang in den Stadtkern sowie das ehemalige Haus Hattingen am Kirchplatz (heute Buchhandlung Lesezeit). Das Haus an der Mühlenbachstraße 1 ist eines der ältesten Fachwerkhäuser der Stadt. Mit der Sanierung der Stadtbild prägenden Häuser an der Mühlenbachstraße 26 bis 28 wurde bis Dezember 2012 noch nicht begonnen.

Mit der Sanierung des Hauses Hattingen am Kirchplatz, die im Rahmen der Stadtsanierung Sinzig mit öffentlichen Geldern gefördert wurde, schuf Eigentümer Benno Schneider ein kleines Schmuckstück. Im Untergeschoss richtete er einen Buchladen mit integrierter Weinhandlung ein. Das geöffnete Treppenhaus führt in der mittleren Ebene, in die das Stadtarchiv Sinzig einzog und die eine kleine hübsche Wohnung umfasst. Im Dachgeschoss entstand nochmals eine moderne Wohnung in alten Mauern. Bis Ende 2013 soll die Fassade saniert werden. Am Marktplatz 1 ist Andreas Schwerter, Vorsitzender des Gewerbevereins, noch mit der Sanierung beschäftigt. Im Untergeschoss entsteht ein Ladenlokal, im oberen Gebäudeteil entstehen Mieteinheiten.[4]

Perspektiven

Im Laufe des Jahres 2013 soll die Sanierung im Bereich der Torhausgasse und an der Wegeverbindung Krupp-Gelände fertiggestellt werden. Darüber hinaus wird die Stadtmauer an der Ausdorfer Straße auf 80 Metern Länge saniert. Da noch Fördermittel für private Modernisierungsmaßnahmen innerhalb des Sanierungsgebiets vorhanden sind, verhandelt die Stadt Sinzig im Dezember 2012 mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier über ein Folgeprogramm ab 2014.[5]

Mediografie

Fußnoten

  1. Quellen: Rhein-Zeitung vom 23. und vom 28. November 2012
  2. Quelle: Sinzig: Großes Finale der Stadtkernsanierung, rhein-zeitung.de vom 1. Oktober 2010
  3. Quelle: Rhein-Zeitung vom 30. November 2012
  4. Quelle: Rhein-Zeitung vom 12. Dezember2012
  5. Quelle: Rhein-Zeitung vom 13. Dezember2012